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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.01.2026

religiöse Zwangsgemeinschaften

Die gehorsame Tochter
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Der Thriller beginnt verhältnismäßig ruhig und erzählend für das Genre, berichtet über die junge Abigail, dien in den USA in einer streng religiösen Glaubensgemeinschaft aufwächst. Ihr Charakter ist schwer ...

Der Thriller beginnt verhältnismäßig ruhig und erzählend für das Genre, berichtet über die junge Abigail, dien in den USA in einer streng religiösen Glaubensgemeinschaft aufwächst. Ihr Charakter ist schwer greifbar, sie wirkt für mich distanziert und ich kann mich nicht gut in sie hineinversetzen. Nach einem Brand bleibt Abigail als einzige Überlebende zurück, da stellt sich die Frage: Hatte sie einfach nur Glück? Oder steckt doch mehr dahinter? Auch wer der Mann war, der kurz zuvor noch gesehen wurde, steht im Zentrum des Interesses. Das Thema Religion und religiöse Sekten nimmt einen großen und bedeutenden Raum ein, darauf muss man sich als Leser*in einstellen. Es wird nicht neutral betrachtet, sondern es kommen auch alle gängigen Klischees und Vorurteile vor. Man spürt auch Abigails strenge Erziehung, ihre Isolation und ihre eingeschränkte Sichtweise auf die Welt. Mit der Zeit bemerkt man bei ihr aber die ersten Veränderungen, die sich positiv auf ihren Charakter auswirken. Indem sie von den vorgegebenen Zwängen befreit wurde, kann sie nun selbst kritisch hinterfragen beginnen. Der Erzählstil ist teilweise ausufernd, weicht vom Wesentlichen ab und wechselt in den Zeitebenen vor dem Brand und danach hin und her. Die Geschichte regt auch im Nachhinein noch zum weiteren Nachdenken über strenge Religionsgemeinschaften und Sekten und deren Mitglieder an.

Veröffentlicht am 15.01.2026

Eine zu viel

Spielverderberin
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Was macht Freundschaft aus und wie verändert sich die Dynamik im Laufe der Zeit und bei Veränderungen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Roman, in dem Sophie, Lotte und Romy eine Dreierfreundschaft ...

Was macht Freundschaft aus und wie verändert sich die Dynamik im Laufe der Zeit und bei Veränderungen? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der Roman, in dem Sophie, Lotte und Romy eine Dreierfreundschaft während der Schulzeit haben, die sich aber nicht darüber hinaus weiterentwickeln kann. Die Grundstimmung ist durchwegs melancholisch und düster, sodass man das Gefühl hat, die Jugendlichen haben nur Stress, Probleme und Unsicherheit in ihren Leben, keine Freude oder positive Energien, dies empfinde ich beim Lesen bedrückend. Die Erzählung erfolgt hauptsächlich aus der Perspektive von Sophie als Ich-Erzählerin, somit bekommen wir als Leserinnen ihre Sichtweise zu sehen. Mich hätte auch noch interessiert, ob Romy und Lotte ähnlich empfinden, ob sie die Freundschaft vermissen oder ob sie sie vorher nicht als so prägend und wichtig empfunden haben – das kommt leider nicht so deutlich zum Vorschein. Manche Freundschaften überstehen schwierige Phasen im Leben, auch örtliche Distanzen, andere wiederum nicht. An Freundschaften muss man auch arbeiten, wenn sie einem wichtig sind. Erschwerend kommt hier hinzu, der Stadt- Land – Konflikt, der auch zwischen Milan und Sophie zu größeren Diskussionen führt. Vor allem aber ein dramatisches Ereignis hat eine Kettenreaktion ausgelöst, die niemals aufgearbeitet wurde und immer zwischen den ehemaligen Freundinnen steht. Bei Sophie kommen auch noch viele weitere Unsicherheiten und innere Konflikte hinzu. Sie befindet sich in einer Phase ihres Lebens, wo sie erstmal für sich selbst herausfinden muss, was sie möchte. An diesem Punkt endet auch der Roman und er verleitet dazu, dass man sich als Leser*in über diese Fragen weiterhin Gedanken macht.

Veröffentlicht am 13.01.2026

Charakterstudie

Minnesota
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Der Kriminalroman punktet bei mir zuallererst aufgrund des optisch sehr ansprechenden Designs und des kurzen, einprägsamen Titels, aber auch inhaltlich bin ich positiv überrascht. Es ist viel mehr als ...

Der Kriminalroman punktet bei mir zuallererst aufgrund des optisch sehr ansprechenden Designs und des kurzen, einprägsamen Titels, aber auch inhaltlich bin ich positiv überrascht. Es ist viel mehr als nur ein Kriminalfall, der aufgeklärt wird. Als Hauptcharakter steht Bob Oz im Mittelpunkt, für den man zu Beginn nicht viel Sympathie aufbringen kann, aber mit der Zeit lässt er hinter seine harte Schale blicken und man erkennt die tiefgreifenden Verletzungen, die Trauer und auch den Scharfsinn bei den Ermittlungen. Diese innere Zerrissenheit und die Dunkelheit, die ihn umgibt, fördern psychologische Tiefe. Vor allem der Tierpräparator hat sich als guter Zuhörer herausgestellt, ich finde ihn vielschichtig und interessant dargestellt, nicht nur in Bezug auf seinen Beruf. Der Schreibstil ist weniger actiongeladen oder bildhaft beschreibend in Form von Gewaltdaten, sondern häufig werden Andeutungen gemacht, dennoch ist die Atmosphäre frostig kalt und geprägt von Einsamkeit und latenter Gewalt. Die amerikanische Waffenlobby mit ihren Befürwortern und Gegnern findet ebenfalls einen bedeutenden Platz und wird mit persönlichen Erfahrungsgeschichten untermauert. Der Autor hat sich auf das Wesentliche reduziert und bietet so, dass sich die Charaktere entwickeln können und eine tiefere Bindung zu ihnen entstehen kann, wenn auch manchmal mit ambivalenten Gefühlen. Spürbar ist teilweise auch die Ausweglosigkeit einzelner Charaktere, deren Enttäuschungen, die Frage nach der Schuld und Vergebung und fehlende Alternativen aus der eingefahrenen Situation. Wer düster Kriminalromane mit psychologischen Elementen mag und auch die drückende, düstere, teilweise pessimistische Atmosphäre aushalten kann, wird mit einer intelligenten Hintergrundgeschichte und interessanten Gesprächen belohnt.

Veröffentlicht am 10.01.2026

Remake

Verbrenn das Negativ
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Das Cover finde ich wenig ansprechend, sowohl die optische Gestaltung als auch die Farbe sind Fehlgriffe, das Buch hätte ich so nie gekauft. Inhaltlich ist der Thriller eine Mischung aus Hommage an den ...

Das Cover finde ich wenig ansprechend, sowohl die optische Gestaltung als auch die Farbe sind Fehlgriffe, das Buch hätte ich so nie gekauft. Inhaltlich ist der Thriller eine Mischung aus Hommage an den Horrorfilm Klassikern aus den 70er bis 90er Jahren und aktuell ein mystischer Horror-Grusel-Thriller mit Fantasy-Effekten. Die Grundstimmung ist durchwegs gruselig, mysteriös und man wartet als Leser*in schon auf die nächste Tragödie. Das gesamte Setting erinnert an eine Atmosphäre, die man in Horrorfilmen häufig findet, abgelegene Gruselhäuser, Filmkulissen und viele unglückliche Todesfälle. Laura selbst konnte mich nicht so richtig fesseln als erwachsener Charakter. Ich kann nachvollziehen, dass ihre Kindheit schwierig war und dadurch, dass sie von ihrer Mutter in die Filmschiene gedrängt wurde, obwohl sie nicht wollte, hatte sie keine schöne Kindheit. Außerdem macht es auch etwas mit einem Kind, wenn es in einem Horrorfilm mitspielen muss. Die Auswirkungen auf Amys Leben kann ich auch sehr gut nachvollziehen, aber für die erwachsenen Charakteren kann ich nicht so viel Verständnis aufbringen. Laura bleibt distanziert, auch in ihren Beziehungen und in ihrem gesamten Verhalten und sie strahlt etwas Düsteres aus, das ist auch dem Medium sofort aufgefallen. Generell erfährt man wenig aus dem Privatleben der Charaktere, über ihre Gedanken, was in den Jahren dazwischen passiert ist, sie bleiben oberflächlich und unnahbar. Hier hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, gerade, wenn es um die Aufarbeitung eines psychologischen Kindheitstraumas geht. Beim Remake von The Guesthouse passieren wieder ein tödlicher Unfall nach dem nächsten, wie auch schon bei der Originalversion. Konnte hier niemand schon früher Zusammenhänge feststellen? Die Zeitungsausschnitte und Textpassagen aus dem Skript am Ende jedes Kapitels finde ich interessant, sie stellen einen authentischen Bezug her. Die gesamte Inszenierung wirkt auf mich etwas nostalgisch und hat einen Vibe der 70er/80er Jahre, nicht so modern, wie man es für die Gegenwart erwarten würde und auch die Wendungen und die Auflösung bieten kaum Überraschungseffekte, sondern sind recht vorhersehbar.

Veröffentlicht am 08.01.2026

the Frame

Der Blutmacher
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„Der Blutmacher“ ist der dritte Band einer Trilogie rund um das Dezernat 47 unter Leitung von Tara Kronberg. Ich empfehle, die vorigen Teile zuerst zu lesen, da man nur so die Zusammenhänge, vor allem ...

„Der Blutmacher“ ist der dritte Band einer Trilogie rund um das Dezernat 47 unter Leitung von Tara Kronberg. Ich empfehle, die vorigen Teile zuerst zu lesen, da man nur so die Zusammenhänge, vor allem die Konstellation der Personen zueinander und ihre Vorgeschichten, gut nachvollziehen kann und somit mehr Lesespaß und Verständnis haben wird. Der Fall ist diesmal äußerst brutal und die Szenen werden auch bildhaft und detailliert beschrieben, als Warnung für Leserinnen, die dies nicht so gerne mögen. Es werden Tötungen im Livestream mitverfolgt und geschildert und aus dem Blut der Opfer erstellt der Täter seine Kunstwerke und verkauft diese gewinnbringend. Die Geschichte wird schnell eingeleitet, sodass die Spannung hoch ist, danach erfolgt die Aufklärung des Falles gründlich und systematisch. Man bekommt als Leserin häppchenweise Informationen und kann sich schon zusammenreimen, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird. Spannend finde ich die Tagebucheinträge, die einen interessanten zusätzlichen Blickwinkel aus Tätersicht bieten. Tara tut mir in diesem Fall sehr leid, sie muss einen persönlichen Schicksalsschlag verkraften, wird überhaupt nicht geschont. Mir gefällt es, wie Gabriel sich vor sie stellt und sie schützt, die Arbeitsbeziehung zwischen ihnen hat sich sehr zum Positiven entwickelt. Ich hoffe, dass Tara sich durch diesen Fall nicht von ihrem beruflichen Weg abbringen lässt und nach einer verdienten Auszeit wieder durchstartet.