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Veröffentlicht am 03.11.2024

Gold Digger Wallis Simpson

Wallis Simpson
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In dem Sachbuch “Wallis Simpson“ erzählt die Historikerin Michaela Lindinger die gut recherchierte Geschichte der Amerikanerin Wallis Simpson und des englischen Königs Edward VIII., der abdanken musste, ...

In dem Sachbuch “Wallis Simpson“ erzählt die Historikerin Michaela Lindinger die gut recherchierte Geschichte der Amerikanerin Wallis Simpson und des englischen Königs Edward VIII., der abdanken musste, weil die Royals seine Heirat mit der zweimal geschiedenen Frau mit dem skandalösen Lebenswandel nicht akzeptierten. Edward wollte ohnehin nie König sein, der Liebe seines Lebens aber ihren größten Wunsch erfüllen: Königliche Hoheit und auch so behandelt zu werden. Die Autorin erzählt von Wallis Simpsons Herkunft aus ärmlichen Verhältnissen, ihrer Schulzeit, ihren Ehen und ihrem unbedingten Wunsch, sozial aufzusteigen, reich zu werden und im Rampenlicht zu stehen. Beide Figuren sind weder der Autorin noch dem Leser sympathisch. Edward wird als unterdurchschnittlich intelligent, kindisch, ungebildet und nicht gerade durchsetzungsfähig beschrieben. Wallis ist egoistisch und sehr dominant, behandelt ihren Ehemann schlecht und verfolgt nur ihre eigenen Interessen. Wenn einem Menschen nichts wichtiger im Leben ist, als so dünn und so reich wie möglich zu sein, sagt das eine Menge über diese Person aus.
Ich habe das Buch mit großem Interesse gelesen, zumal ich zuvor nicht viel über Wallis und Edward wusste. Wichtig sind hier neben dem Text auch die vielen Fotos, die uns in eine andere Zeit versetzen und die geschilderten Ereignisse besser nachvollziehbar machen. Historisch interessierten Lesern sei dieses Sachbuch empfohlen.

Veröffentlicht am 03.11.2024

Der Stock steht über allem

Die Honeys (Erstauflage mit gestaltetem Farbschnitt): Ein queerer Mystery-Thriller für Fans von Pretty Little Liars
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Die Zwillinge Mars und Caroline waren einander als Kinder sehr nahe. Die Sommer verbrachten sie zusammen in der Sommer-Akademie in Aspen, wo die Reichen ihre Kinder hinschicken, damit sie ein abwechslungsreiches ...

Die Zwillinge Mars und Caroline waren einander als Kinder sehr nahe. Die Sommer verbrachten sie zusammen in der Sommer-Akademie in Aspen, wo die Reichen ihre Kinder hinschicken, damit sie ein abwechslungsreiches Leben in der Gemeinschaft kennenlernen und Aspens Werte – Tradition, Charakter, Geist - verinnerlichen. Der genderfluide Mars wird jedoch schikaniert und nach einem nicht einmal von ihm verschuldeten Vorfall nach Hause geschickt. Die Geschwister haben seitdem keinen engen Kontakt mehr. Jahre später kommt Caroline überraschend und völlig verändert nach Hause und stirbt unter tragischen Umständen. Mars empfindet große Trauer und besteht darauf, ihren Platz im Camp einzunehmen, um herauszufinden, was dort passiert ist. Bei der Trauerfeier hat er ihre Freundinnen, die wunderschönen Honeys kennengelernt. Von ihnen erhofft er sich die Antworten auf all seine Fragen. Der Leser begleitet Mars bei seinen Versuchen, ein Teil der Gemeinschaft zu werden und sich trotzdem als der zu behaupten, der er ist. Er freundet sich mit den Honeys an, die sich weit von allen anderen entfernt am anderen Ufer des Sees um die Bienenzucht und Honiggewinnung kümmern. Die meisten jugendlichen Teilnehmer des Camps begegnen ihm jedoch feindselig. Mars entdeckt Geheimnisse, die von der Leitung des Camps geleugnet und vertuscht werden.
In der zweiten Hälfte des Romans nehmen Fantasy- und Horrorelemente zu, und nicht nur der Protagonist weiß nicht, ob das, was er zu sehen meint, real ist. Er hat Alpträume und bewegt sich in die Vergangenheit und Zukunft. Mehrmals gerät er selbst in große Gefahr. Am Schluss steht die Erkenntnis, dass es den Mächtigen und Reichen, die die Akademie betreiben, um die Erhaltung ihres Rufs und um den größtmöglichen Profit beim Verkauf des legendären Schattenhonigs geht.
Ryan La Salas Roman ist dem Genre Young Adult Horror zuzuordnen. Obwohl das Buch eine Vielzahl von Themen in guter sprachlicher Qualität behandelt, wie zum Beispiel Genderfluidität, Selbstfindung, Trauer und Verlust, bin ich nicht begeistert, weil mir dieses Genre nicht gefällt.

Veröffentlicht am 29.09.2024

Familie ist kompliziert

Intermezzo
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In Sally Rooneys neuem Roman “Intermezzo“ geht es um die Brüder Peter und Yvan, deren Vater kurz zuvor an Krebs gestorben ist. Sie trauern, aber auf sehr unterschiedliche Weise. Zu Beginn der Geschichte ...

In Sally Rooneys neuem Roman “Intermezzo“ geht es um die Brüder Peter und Yvan, deren Vater kurz zuvor an Krebs gestorben ist. Sie trauern, aber auf sehr unterschiedliche Weise. Zu Beginn der Geschichte ist Peter Anfang 30, Yvan knapp 23. Als Yvan ein Junge war, hatten sie ein sehr gutes Verhältnis. Inzwischen haben sie sich auseinandergelebt. Der Jüngere hasst den Älteren, denn dieser spielt mit großer Arroganz seine Überlegenheit aus. Er ist Menschenrechtsanwalt, während Ivan seinen Lebensunterhalt mit Gelegenheitsjobs wie Datenanalyse verdient. Schon als Junge war er ein sehr guter Schachspieler, aber in den letzten beiden Jahren ist sein Ranking immer schlechter geworden. Peter wirkt nur nach außen sehr erfolgreich, befindet sich aber tatsächlich in einer tiefen Krise, die er nur mit Medikamenten, sehr viel Alkohol und Drogen übersteht. Er sieht keinen Sinn mehr in seinem Leben, denkt immer häufiger an Selbstmord. Vor Jahren hat sich Sylvia, die Liebe seines Lebens von ihm getrennt, als sie durch einen Unfall schwer verletzt wurde und seitdem unter unerträglichen Schmerzen leidet. Sie wollte nicht bemitleidet werden und Peter eine normale Beziehung mit einer neuen Partnerin ermöglichen. Peter hat sich in die 23jährige Studentin Naomi verliebt, kann aber Sylvia nicht aufgeben. Er will mit beiden in enger Verbindung bleiben. Bei einem Simultanschachturnier lernt Ivan Margaret, die Leiterin des Kulturamts kennen. Die beiden beginnen eine Beziehung mit einander, die sie nur kurze Zeit geheim halten können. Margaret hat sich kürzlich von ihrem Mann getrennt und ist mit 36 deutlich älter als ihr Partner. Sie fürchtet, nun Zielscheibe von Klatsch und Verachtung zu werden.
Rooney erzählt die Geschichte aus Peters, Ivans und Margarets Perspektive. Es geht um Liebe und Trennung, Verlust und Trauer und vor allem um die Komplexität von familiären Beziehungen. Da ist nicht nur die Entfremdung zwischen den Brüdern, alle haben auch ein sehr schwieriges Verhältnis zu ihren Müttern. Neben dem Thema Familie geht es auch um andere Dinge z.B., dass die Beziehung eines Mannes zu einer deutlich jüngeren Frau problemlos akzeptiert wird, während im umgekehrten Fall der Ruf der Frau ruiniert ist. Der umfangreiche Roman liest sich nicht leicht, vor allem wegen des besonderen Stils der Autorin. Sie kennzeichnet nicht nur wörtliche Rede nicht durch die Interpunktion, sondern reiht auch seitenlang ohne Absätze Gedanken und Empfindungen in einer Art Bewusstseinsstrom aneinander, was manchmal künstlich und überstrapaziert wirkt. Das betrifft vor allem die Kapitel, in denen es um Peter geht. Wenn man sich daran gewöhnt hat, ist der Roman trotzdem lesenswert.

Veröffentlicht am 20.09.2024

Der Wunsch nach ewiger Jugend

Bis in alle Endlichkeit
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Privatdetektiv Lee Crowe entdeckt eines Tages auf dem Dach eines Rolls Royce die Leiche einer attraktiven jungen Frau. Sie muss aus großer Höhe gestürzt sein, um das Auto dermaßen zu beschädigen. Der Gerichtsmediziner ...

Privatdetektiv Lee Crowe entdeckt eines Tages auf dem Dach eines Rolls Royce die Leiche einer attraktiven jungen Frau. Sie muss aus großer Höhe gestürzt sein, um das Auto dermaßen zu beschädigen. Der Gerichtsmediziner und die Polizei glauben an einen Suizid und ermitteln nicht ernsthaft. Ihre Mutter, die einflussreiche und sehr wohlhabende Olivia Gravesend glaubt nicht daran und engagiert Crowe, um den Tod ihrer Tochter aufzuklären. Für den Detektiv wird es schnell gefährlich. Als er Claires Wohnung in Boston untersuchen will, versucht ein Unbekannter ihn zu ermorden. In einer weiteren Unterkunft von Claire trifft er auf eine junge Frau, die der Toten zum Verwechseln ähnlich sieht. Auch sie hat die seltsamen kreisrunden Narben entlang der Wirbelsäule. Crowe stößt auf eine geheime Gruppe, die sich über Möglichkeiten, für viel Geld ewige Jugend zu erlangen informiert. Wie das geschehen soll, wird im Laufe der Geschichte beschrieben. Lee Crowe entdeckt bei seinen Ermittlungen, dass der Anwalt Jim Gardner, der ihm nach seinem tätlichen Angriff auf den Partner seiner Ex-Frau, einen Richter am kalifornischen Supreme Court, der das Ende seiner eigenen Karriere als Anwalt bedeutete, Aufträge verschafft, selbst in sehr zweifelhafte Machenschaften verwickelt ist.
Ich hatte nach der Lektüre des Romans “Fünf Winter“ von James Kestrel sehr hohe Erwartungen an dieses Buch und bin etwas enttäuscht. Es liest sich nicht schlecht, aber es enthält zu viele unrealistische Elemente, und mir fehlt der historische Kontext, der “Fünf Winter“ diese überragende Qualität verleiht. Tatsächlich handelt es sich hier ja auch nicht um den Nachfolger des vielfach ausgezeichneten Romans, sondern um ein Buch, das vorher nicht unter dem Pseudonym James Kestrel, sondern unter dem Namen des Autors Jonathan Moore erschienen ist. Am Ende des vorliegenden Titels wird Crowe von einer Figur des Romans ein neuer Fall angeboten, so dass mit einer Fortsetzung zu rechnen ist.

Veröffentlicht am 20.09.2024

Die Vergangenheit holt Annika ein

Tage mit Milena
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Die Mitfünfzigerin Annika Oelkers lebt mit ihrem Mann Hendrik in Lübeck. Dort führt sie den Papierwarenladen ihres Schwiegervaters und verkauft edle Papiersorten und Grußkarten, die sie zum Teil selbst ...


Die Mitfünfzigerin Annika Oelkers lebt mit ihrem Mann Hendrik in Lübeck. Dort führt sie den Papierwarenladen ihres Schwiegervaters und verkauft edle Papiersorten und Grußkarten, die sie zum Teil selbst entwirft, während ihr Mann auf einem Feld pestizidfreie Blumen zieht und die Sträuße dann auf dem Markt verkauft. Eines Tages kauft die 17jährige Klimaaktivistin Luzie bei Annika Sekundenkleber und klebt sich wenig später bei einer Demo der Klimaaktivisten auf der Straße fest. Sofort denkt Annika an über 30 Jahre zurückliegende Ereignisse, als sie mit ihrer besten Freundin Milena und dem gemeinsamen Freund Matti in der Hamburger Hausbesetzerszene aktiv war. Damals starb Milena, und Annika hat sich immer mitschuldig an ihrem Tod gefühlt. Seitdem hat sie diese traumatische Erfahrung und andere Ereignisse verdrängt und nicht einmal ihrem Mann alles erzählt. Sie will nun Luzie retten und von der Teilnahme an gefährlichen Aktionen abhalten, doch Luzie beharrt zunächst auf ihrem Engagement. Bei den aktuellen Demos trifft Annika den alten Bekannten Guido wieder, der einiges völlig anders darstellt, als Annika es in Erinnerung hat. Unter anderem erfährt sie, dass die Gruppe damals den Kontakt zu ihr abgebrochen hat, weil man sie für einen Polizeispitzel hielt. Zusammen mit Luzie macht sie sich auf den Weg nach Italien, um Matti zu finden und endlich die Wahrheit über die damaligen Ereignisse zu erfahren und mit der Vergangenheit abzuschließen.
Burseg erzählt eine gut recherchierte Geschichte auf zwei Zeitebenen, die die damaligen Vorgänge in Hamburg mit den aktuellen Themen rund um den Klimawandel verbindet. Dadurch erfährt der Leser im Detail, was in den 80er Jahren in Hamburg geschah, als die alten Häuser in der Hafenstraße zugunsten von hässlichen modernen Bauten abgerissen werden sollten und die Hundertschaften der Polizei mit illegalen, unfassbar brutalen Maßnahmen gegen die Hausbesetzer vorgingen, so dass sich schließlich auch Menschen aus gutbürgerlichen Verhältnissen mit den Aktivisten solidarisierten. Das ist interessant und informativ, aber nicht durchweg spannend. Erst am Ende wird es zunehmend spannender, als Annika endlich auch ihren Mann über ihre Vergangenheit informiert und Hendrik dabei manches erfährt, was ihn auch selbst betrifft. Ich hatte keine Schwierigkeiten, den beiden Erzählsträngen auf den ständig wechselnden Zeitebenen zu folgen und fand den Roman auch sprachlich überzeugend.