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Veröffentlicht am 24.07.2025

Die Gedanken sind frei.... Frauen sollten es auch sein!

Im Herzen der Katze
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Als die junge kurdische Iranierin Jina Mahsa Amini von der iranitschen Sittenpolizei ermordet wird, weil sie ihr Kopftuch zu lässig trug durchfährt es die iranisch-stämmige Autorin, wie ein körperlicher ...

Als die junge kurdische Iranierin Jina Mahsa Amini von der iranitschen Sittenpolizei ermordet wird, weil sie ihr Kopftuch zu lässig trug durchfährt es die iranisch-stämmige Autorin, wie ein körperlicher Schmerz. Sie dachte immer, ihre Mutter habe sich ihren Vornamen ausgedacht und außer ihr hieße niemand so. In Deutschland geboren und aufgewachsen, lebt und schreibt sie inzwischen in Südfrankreich. Auf Drängen ihrer Mutter kontaktiert sie sofort ihre 14 Jahre ältere Schwester Roya und ihre studierende Nichte Nika im Iran. Nika will ihre Tante unmittelbar an dieser ersten von Frauen geführten Revolution teilhaben lassen. Sie schickt ihr alle ihre Aufnahmen, von dem was auf den Straßen des Landes passiert auf ihr Handy und bittet sie es zu veröffentlichen, damit sie das Material zu ihrer eigenen Sicherheit von ihrem Handy wieder löschen kann. Derartige Aufnahmen bedeuten unter dem Mullahregime den sicheren Tod. Jina erinnert sich an ihren ersten Besuch bei ihrer großen Schwester, 2009 kurz nach der Geburt ihrer Nichte. Wie sie die Gerüche, Farben und Emotionen damals überwältigt haben, ebenso wie eine Liebe, die nicht sein durfte. Schon damals durchwehte das Land die Hoffnung auf Freiheit von der despotischen Unterdrückung der selbsternannten theologischen und militärischen Führer.

Die Autorin wuchs in Deutschland auf, da ihr Vater in den 60er Jahren nach Deutschland zum Studium kam. Sie selbst spricht Farsi, kann es aber nicht lesen und schreiben. Sie erzählt die Geschichte in drei Ebenen. Ihr hier und jetzt, als sie in ihrer Heimat von der Ermordung ihrer Namensschwester erfährt, von der aktuellen Revolution der Frauen im Iran und von 2009, ihrem erstem Besuch im Land ihrer Eltern. Der Wechsel dieser Ebenen ist mir beim Hören echt nicht leicht gefallen und ich habe es stets an Nikas Alter und der An- oder Abewesenheit von Reiseführerin Iman festgemacht. Zu Beginn der Reise 2009 waren aber beide nicht da, was mich etwas verwirrte.... Dennoch fand die Begegnung mit den zahlreichen Schwestern ihres Vaters, von denen sie z.T. Noch nie gehört hatte, die sie aber mit überschwänglicher Herzlichkeit und offenen Armen aufnahmen, sehr berührend. Da die Sprecherin und Schauspielerin Pegah Ferydoni selbst in Teheran geboren wurde, ehe sie im Alter von 2 Jahren nach Deutschland kam, spricht sie Farsi. Der Klang dieser sehr blumigen und poetischen Sprache vermittelt einem einen fühlbaren Eindruck der hochentwickelten iranischen Kultur, die vom Regime brutal unterdrückt wird. Denn nicht nur Frauen und ihre Körper und Gedanken sind den Mullahs ein Dorn im Auge, sondern auch Tanz und Musik und Dichtung und Literatur mit ihrem freien Gedankengut. Ihre Stimme macht die Lesung sehr persönlich und intensiv.

Die Autorin selbst steht für alles, was die Mullahs unterdrücken wollen, nicht nur ihr Beruf und ihre Gedanken, sondern auch ihre Liebe zu Frauen. Bei ihrem Besuch 2009 im Iran fleht Roya sie immer wieder an, nicht alles auszuprobieren, wonach ihr gerade der Sinn steht und sensibilisiert sie für die bisweilen aberwitzigen Gefahren, die dieses Regime für seine Bürgerinnen mit sich bringt. Selbstverständlichkeiten für uns, bedeuten für die Frauen dort den sicheren Tod. Sie spürt in sich eine unbändige, ungeahnte Liebe zu diesem ihr bis dato unbekannten Land, seiner Bewohner, ihrer Familie, seiner Sprache und seiner Kultur und gleichzeitig wächst in ihr das Verlangen, die Frauen dort zu befreien. Doch um welchen Preis?

Die Katze? Ach ja, im Iran empfindet man die Konturen ihres Heimatlandes, als den Umriss einer Katze, weshalb der Iran liebevoll als Katze betrachtet wird.

Nachdem die Hoffnungen 2009 nicht erfüllt wurden, sind sich Roya und Nika einig, dass dieses Land Freiheit braucht, denn ohne Freiheit können und wollen die Frauen in ihrem geliebten Land nicht mehr leben und sie sind bereit, dafür alles zu riskieren. Wie weit sind wir bereit für unsere Überzeugungen zu gehen?

Ein sehr bildhaftes und intensives Porträts des Lebens, der Gefahren und der Leidenschaft der Frauen im Iran. Möge die Freiheit sie erreichen, möglichst bald.

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Veröffentlicht am 18.07.2025

Magisch, spannend und achtsam

Die Insel der magischen Wächter – Der große Test
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Nach dem frühen Tod ihrer Eltern wächst Berry bei ihren Großeltern Oli und Oda auf einer einsamen Insel auf. Sie liebt es sich dort um die Pflanzen und Tiere zu kümmern und singt für sie und singt mit ...

Nach dem frühen Tod ihrer Eltern wächst Berry bei ihren Großeltern Oli und Oda auf einer einsamen Insel auf. Sie liebt es sich dort um die Pflanzen und Tiere zu kümmern und singt für sie und singt mit ihnen. Als unerwartet die Einladung zur Aufnahmeprüfung für die Wächter-Akademie auf der Lotusinsel, ist sie sich unsicher, doch ihre Großeltern machen ihr Mut. Mit Erschrecken stellt sie fest, dass sie aus den einfachsten Verhältnissen von allen Anwärtern für die Aufnahmeprüfung ist. Ob sie dort jemals Freunde finden wird? Die quirlige Cherry scheint da völlig offen zu sein, ganz anders als die hochnäsige Rella, die sich offen über sie lustig macht, oder der Einzelgänger Sam, der aus der reichsten und einflussreichsten Familie von Narkonn stammt. Von den Meisterinnen und Meistern sollen sie die Kunst der Heilung, der Verteidigung und Tier- und Pflanzenpflege lernen. Bis zur Prüfung sollen sie so weit sein, sich in ihre Wächtergestalt zu verwandeln. Auch wenn sie sich mit der Zeit gut einlebt und ihr die Aufgaben Spaß machen, scheint es ihr unmöglich, ihre Gestalt zu wandeln. Sie verkrampft immer mehr, aus Angst die Insel und ihre neuen Freunde verlassen und ihre Großeltern enttäuschen zu müssen.

Jodie Ahlborn zeigt mal wieder viel Gespür für die Magie der Geschichte. Mit Herz, Seele und Magie erzählt sie Berrys Geschichte und lässt uns an ihren Nöten teilhaben. Kurzweilig und voller Elan nimmt sie uns mit ihrer wandelbaren Stimme mit auf die Insel der Wächter, zu Aufgaben die von uns Menschen längst vergessen wurden. Dabei schafft sie es spielerisch Spannung aufzubauen, in dem sie uns Berrys Verzweiflung hören lässt oder eben auch ihre Fassungslosigkeit über die schier unendlichen Atemübungen... Das ist schon irgendwie witzig und Christina Soontornvat wird mit diesem liebevollen Detail die Herzen der Zuhörenden treffen. Wie es nunmal im Leben so ist, kommt natürlich alles ganz anders als gedacht oder befürchtet und den Stein, der Berry vom Herzen fällt, den hören wir (fast) auch. Da vergeht die Zeit des Zuhörens, wie im Flug!

Wer aufgrund des Covers vielleicht fürchtet, dass die Geschichte kitschig werden könnte, den mag ich zu beruhigen. Es geht um Freundschaft, Magie, Umweltschutz und Achtsamkeit. Die Kinder lernen auf der Lotusinsel Verantwortung für ihre Umwelt und Mitwesen zu übernehmen, keine lustigen Tänze oder romantische Lieder beim Blumenkranz binden. Dabei geht es aber auch um gesellschaftliche Unterschiede, oder vielleicht, dass wir vor der Natur alle gleich sind und es auch so bleiben sollte.

Im Auftaktband lernen wir erstmal Berry und ihre Heimat, aber auch ihre zukünftige Heimat auf der Lotusinsel und deren Bewohner und Besonderheiten kennen. Der Start ist daher noch etwas ruhiger, um Berry und ihre Freunde die Würmer besser kennen zu lernen. Ich würde übrigens auch gerne die Würmer in meinem Garten um Rat fragen, ob sie mir bitte den besten Ort für eine Pflanze zeigen könnten. Dass Berry dies ganz selbstverständlich kann und tut, ist sogar auf der Insel der Wächter einzigartig.

Berry ist sehr sensible und etwas unsicher, aber sehr freundlich. Dabei ist sie sehr sympathisch und so hat es mich sehr gefreut, dass sie zumindest in Cherry auf Anhieb eine gute Freundin gefunden hat. Das lässt sie Rellas Boshaftigkeiten besser verkraften. Es zeichnen sich allerdings auch schon die ersten „Wolken“ am Horizont der Lotusinsel ab, so dass wir sicher seien können, dass in den nächsten Bänden noch so einige Herausforderungen auf Berry und die übrigen Novizen der Wächter-Akademie zukommen werden.

Ich bin auf jeden Fall gespannt und werden am Wurm, äh Ball bleiben! Magisch, achtsam und aufregend ab 8 Jahren.

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Veröffentlicht am 18.07.2025

Ein absolutes Hörhighlight!

Mein größter Wunsch
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Charlie (11) bewundert ihre große Schwester Jacky, die bald die High School abschließen wird, die immer super aussieht, in der Schule keinen Ärger hat und die alle lieben! Ganz anders als sie mit ihrem ...

Charlie (11) bewundert ihre große Schwester Jacky, die bald die High School abschließen wird, die immer super aussieht, in der Schule keinen Ärger hat und die alle lieben! Ganz anders als sie mit ihrem aufbrausendem Temperament, dass sie sicherlich von ihrem Vater „Klopper“ hat. Als dieser mal wieder wegen einer Schlägerei ins Gefängnis muss, wird sie vom Jugendamt aus der Familie genommen und zur Schwester ihrer Mutter und deren Mann nach Colby aufs Land in North Carolina geschickt. Ihre Tante Bertha ist so anders, als ihre Mutter, die wegen Depressionen, das Bett kaum noch verlässt. Auch Onkel Gus scheint sich richtig zu freuen, dass Charlie bei ihnen ist. Sehr liebevoll nehmen sie das zornige Mädchen bei sich in ihren bescheidenen Verhältnissen auf und versuchen mit Geduld und Liebe ihre Wut auf die Welt zu mindern. Charlie ist fest entschlossen, alles bei diesen Hinterwäldlern zu hassen! Jeden Tag wünscht sie sich mindestens 1 mal eine normale, richtige Familie! Doch dann erlauben ihr und Gus, einen streunenden Hund, den sie Wish nennt, aufzunehmen, was ihre Mutter nie erlaubt hätte. Wish ist anfangs ebenso abweisend wie Charlie gegenüber dem hinkenden, rothaarigen Nachbarsjungen Howard, der mit seiner geduldigen, freundlichen Art, sich als der beste Freund erweist, den man sich nur wünschen kann.

Mich hat die Geduld und die Liebe sowohl von Tante Bertha und Onkel Gus, als auch der Nachbarsfamilie wirklich berührt. Sie haben nicht viel, teilen es aber ganz selbstverständlich und nehmen einander so wie sie sind, voller Liebe und Zuneigung. Erstaunt hört Charlie immer wieder, wie die Erwachsenen ihr vorschwärmen, wie toll der jeweils andere ist und weshalb sie sich ineinander verliebt haben, statt einander anzubrüllen und zu beschimpfen. Es ist so viel ruhiger als bei ihren Eltern! Absolut in der Pampa und die Häuser sind alles andere als eine Pracht, aber sie strahlen Geborgenheit aus jeder windschiefen Ritze aus. Charlie wünscht sich so sehr, dass ihre Mutter endlich wieder mehr Bodenhaftung bekommt und sie zurück zu Jacky in die Stadt darf.

Wie im ländlichen Amerika üblich geht Charlie nun auch in die Kirche, in die Sonntagsschule und in die kirchliche Ferienfreizeit. Über diese Selbstverständlichkeit kann Charlie sich nur wundern. Sie scheint wirklich auf einem anderen Planeten gelandet zu sein! Barbara O'Connor beschreibt Charlies ständiges Staunen und Entsetzen mit viel Sensibilität und feinem Humor. Ich musste wirklich grinsen, dass Charlie, die keinerlei Ehrgeiz in der Schule entwickelt, jedoch akribische Listen des Aberglaubens führt, bei welchen Gelegenheiten man sich etwas wünschen darf. Nur, dass ihr größter Wunsch bislang nie wahr wurde.... Doch manche Wünsche werden ganz sanft und leise wahr, ohne einen großen Knall, dafür umso schöner und nachhaltiger. Ganz fein zeichnet sie diese besonderen Charaktere, die hier aufeinander treffen und einander nachhaltig verändern.

Diese Geschichte ist wunderschön und geht ans Herz. Sie beschönigt weder Charlies Herkunft, noch die einfachen Verhältnisse ihrer Tante und ihres Onkels, aber sie lässt die Kraft der Herzenswärme von Gus und Howard spüren. Auch wenn sie etwas traurig ist, da Charlie leider einige sehr unschöne Wahrheiten über ihre Mutter lernen muss, ist es die Herzenswärme und Geduld, die diese Geschichte prägen. Monika Oschek als Charlie ist einfach umwerfend. Obwohl ich sie bereits mehrfach als Schauspielerin gesehen habe, ist es beim Hören absolut unvorstellbar, dass hier keine 11 jährige ihre Geschichte erzählt. Sie klingt so jung, so verletzlich und so absolut zornig auf die Ungerechtigkeit der Welt! Es ist eine natürliche, stimmliche Frische, die überhaupt nicht nach einer verstellten Erwachsenen klingt.

Einfach wunderschön, ab 9 Jahren. Ich bin ganz verliebt in diese sensible und doch kurzweilige Geschichte!

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Veröffentlicht am 04.07.2025

Eine Geschichte für die Ewigkeit - so schön!

MANHWA – Klassiker für Kids – Anne auf Green Gables
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Die Geschwister Marilla und Matthew Cuthbert leben auf einer idyllischen Farm auf Prince Edward Island im Süden von Kanada, Anfang des 20. Jahrhunderts. Da Matthew langsam Probleme mit dem Herz bekommt ...

Die Geschwister Marilla und Matthew Cuthbert leben auf einer idyllischen Farm auf Prince Edward Island im Süden von Kanada, Anfang des 20. Jahrhunderts. Da Matthew langsam Probleme mit dem Herz bekommt und die harte Farmarbeit für ihn zu viel wird. Bitten sie eine Bekannte, die sich aus dem Waisenhaus ein Kind zur Hilfe im Haushalt aussuchen will, ihnen einen kräftigen Jungen mitzubringen. Als der schüchterne Matthew am Bahnhof ankommt, um den Burschen abzuholen, sitzt dort ein aufgeregtes, rothaariges Mädchen (12) mit ganz vielen Sommersprossen und schäbiger Habe und strahlt ihn an, als wäre er die Erfüllung all ihrer Wünsche. Völlig überrumpelt mit er sie mit nach Avonlea und staunt, wieviel so ein Mädchen erzählen kann und was sie um sich herum alles begeistern kann So hat er seine Heimat ja noch nie gesehen! Marilla ist entsetzt und festentschlossen, Anne „umzutauschen“. Als sie jedoch mitbekommt, in welch grässlichen Haushalt Anne dann kommen würde, bringt sie es nicht über sich, sondern behält sie. Bedingung ist, dass sie die Verantwortung für die Erziehung des Kindes alleine übernimmt und nicht ihr gutmütiger, sanfter Bruder. Dies ist die Geschichte des legendären Rotschopfes, mit der schönen Nase, dem großen Herzen und einem Kopf voller Ideen und Träume.

Ich bin ja ein ganz großer Fan dieses Klassikers und musste daher natürlich auch die Manhwa Version lesen, auch wenn mir klar war, dass neben den Manhwa Illustrationen kein Raum für sämtliche von Anne so heiß geliebten „großen“ Worte sein würde. Denn das kleine Waisenkind Anne, Tochter von 2 viel zu früh verstorbenen Lehrern, liebt Poesie und die Schönheit von Sprache, neben der der Natur, der Fantasie und der Freundschaft. Man muss sie einfach lieben, auch wenn sie vor lauter Träumereien schon mal den Alltag vergisst oder statt Zucker Salz zum Backen verwendet. Aber Anne ist stets liebenswert, nie boshaft oder neidisch und einfach unheimlich glücklich, dass ihr die unverheirateten Cuthbert Geschwister ein so schönes Zuhause bieten, auch wenn Marilla manchmal etwas streng und sehr bodenständig ist. Ihr stiller Bruder Matthew versteht Annes Träumereien deutlich besser. Letztendlich hat sie es ja auch ihm zu verdanken, dass sie bleiben darf, weil er dieses begeisterungsfähige, dauerplappernde kleine Mädchen in sein Herz geschlossen hat.

Statt großer Worte finden sich hier deutlich mehr farbenfrohe und bisweilen sehr blumige und romantische Illustrationen. Das passt sehr gut, zu Annes Liebe zur Natur und ihren vielen Ideen und Träumen. Dadurch ist es mit ihr nie langweilig und schon bald findet sie nicht nur in Diana von der Nachbarfarm eine treue Freundin fürs Leben, sondern fügt sich gut ins Leben von Avonlea ein. Wäre da nur nicht ihr Sturkopf, der ihr im Weg steht, ihr Hang zu Fettnäpfen und Katastrophen und ihre ewige Fehde mit Mädchenschwarm Gilbert, der es sich auf Anhieb mit ihr verscherzt hat.

Da sich der Manhwa an junge Leserinnen von 8 Jahren richtet, endet dieser Band, wenn die Romanvorlage zu romantisch wird. Denn auch wenn Anne sehr unter ihren roten Haaren und Sommersprossen leidet und keine klassische Schönheit ist, findet sie durch ihren Charme, ihre Begeisterungsfähigkeit, ihren wachen Verstand und ihr großes Herz immer wieder auch Verehrer.

Dieser Band ist gekürzt und einige von Annes besten Pannen mussten leider unberücksichtigt bleiben. Aber die enthaltenen machen neugierig auf mehr und da dieser Klassiker so unendlich zeitlos ist, werden neue Fans, die nun ihr Herz für Anne entdeckt haben, noch viele Versionen zum Stillen ihrer Sehnsucht finden. Denn wer kann sich schon dem Charme von Anne Shirley entziehen?

Ach übrigens, Manhwas liest man wie Comics von Vorne nach Hinten, anders als Mangas, die rückwärts gelesen werden...

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Veröffentlicht am 29.06.2025

Absolut bewegend und stimmlich sensibel

Geheimname Eisvogel
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Europa 1942: Die Schwestern Mila (12) und Hannie (15) wachsen mit ihren Eltern auf. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft, darf ihr Vater seinen Beruf nicht mehr ausüben und als auch noch die Mutter deswegen ...

Europa 1942: Die Schwestern Mila (12) und Hannie (15) wachsen mit ihren Eltern auf. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft, darf ihr Vater seinen Beruf nicht mehr ausüben und als auch noch die Mutter deswegen ihre Arbeit verliert, ist klar, dass es nun auch in den Niederlanden zu gefährlich für sie ist. Daher werden die Schwestern mit neuen Pässen ausgestattet zu Sympathisanten nach Amsterdam geschickt, wo sie als Nichten der Familien, in Verleugnung ihrer Herkunft in Sicherheit sein sollen. Doch Hannie erträgt diese Ungerechtigkeit nicht und schließt sich dem Widerstand an. Unter dem Codenamen Eisvogel hilft sie jüngere Kinder in Sicherheit zu bringen. Mila fügt sich ein und fühlt sich von Hannie immer stärker ausgeschlossen. Zum Glück hat sie nicht nur neue Freundinnen gefunden, sondern auch den ebenso zurückhaltenden Willem und seinen Hund Bo von schräg gegenüber kennen gelernt. Sie ahnt nicht, dass Hannie immer größere Risiken eingeht.

In der Rahmenhandlung wird die 12 jährige Liv von ihrer besten Freundin seit Kindertagen, gegen eine neue coole Clique getauscht und fortan gemobbt. Ihre Mutter ist meistens unterwegs und ihr Vater mit der beginnenden Demenz seiner betagten Mutter beschäftigt. Ihren Opa hatte Liv immer geliebt, aber die Oma war immer kühl und distanziert. Doch dann muss Liv für den Geschichtsunterricht einen Familienstammbaum zeichnen und mit ihrem Vater das Haus seiner Eltern ausräumen. Beim Ausräumen des Speichers stoßen Liv und ihre neue Freundin, die schüchterne Gaby auf eine verborgene Schatulle ihrer Oma, in der sie längst verdrängte Kindheitsgeheimnisse aufhob.... Wer war diese kühl-distanzierte Frau wirklich und warum hatte sise sie Hannie genannt?

Bestsellerautorin Liz Kessler lässt Liv und Gaby tief in die geheime, verborgene Geschichte ihrer jüdischen Großmutter graben. Seit Kindertagen hat Großmutter Bobbe nicht mehr über ihre Herkunft und Familie gesprochen. Erst war es zu gefährlich, dann zu schmerzhaft. Doch die Freundinnen geben nicht auf und sind entschlossen, mehr über Livs Wurzeln herauszufinden, besonders, nachdem der Name Hannie fiel.... Dabei erlebt die schüchterne Liv in der Schule fieseste Ausgrenzung von ihrer ehemals besten Freundin aus Kindertagen. Eigentlich bringt das ihre Welt ins Wanken, aber zum Glück hat sie Gaby gefunden, die sie nicht nur nicht auslacht, sondern sie versteht. Langsam beginnen sie auch Oma Bobbe zu verstehen, die Ausgrenzung auf eine viel existentiellere Art erlebte als Kind.

Hannie und Mila scheinen zwei völlig gegensätzliche Schwestern. Hannie mutig und rebellisch und Mila ruhig und angepasst. Während Mila sich einfügt, will Hannie die Welt verändern, das schreiende Unrecht mildern. Doch das ist verboten und lebensgefährlich... Anhand ihrer Geschichte macht Liz Kessler emotional verständlich, wie gefährlich es in den besetzten Gebieten war, ein Kind jüdischer Herkunft zu sein. Sie erzählt ebenso spannend, wie packend und auch beunruhigend, das Schicksal der Schwestern, die um zu überleben von ihren Eltern getrennt wurden, ohne je zu erfahren, was aus ihnen wurde. Sie macht begreifbar, was der Schmerz bedeutet, wenn man im Ungewissen über das Schicksal seiner Liebsten bleibt. Geschichte, die sich eigentlich nie wiederholen dürfte, die für viele Flüchtlinge in den Klassen der Zuhörenden aber wohl bittere Realität sein dürfte. Diese Geschichte schafft hoffentlich Verständnis für deren Schicksal und Interesse sich mal seiner eigenen Familiengeschichte anzunehmen. Ob in der eigenen Familie auch so viel tot geschwiegen wird?

Diese Geschichte über ein lebenslanges Schuldgefühl seit Kindertagen hat mich wirklich tief bewegt. Es hat mich deutlich mehr berührt als der preisgekrönte Vorgänger „Als die Welt uns gehörte“, was wohl auch an den sehr einfühlsamen Sprecherinnen Inka Löwendorf, Natalia Belitski und Simona Pahl liegen dürfte. Sie lassen diese Geschichte gemeinsam mit Benito Bause so persönlich klingen, dass sie ans Herz geht.
Nach dem versöhnlichen Epilog gibt es noch als Nachtrag einen kurzen historischen Überblick zu der Situation von Juden in den Niederlanden nach zwischen 1940 und 1945. Kurz, knackig und dennoch nachdenklich stimmend, gerade hinsichtlich unserer historischen Verantwortung. .

Absolut zu empfehlen ab 11 Jahren.

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