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Veröffentlicht am 02.11.2020

Es bleibt geheimnisvoll und spannend!

Das Rätsel des Pferdeamuletts – Godivas Geschenk
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Band 1 beginnt mit Godjes 14. Geburtstag, dem Tag an dem bestimmungsgemäß ihre Gabe von Pferdegöttin Godiva erwacht: Pferde fühlen sich zu ihr hingezogen und wollen sie beschützen, so wie es Godjes Aufgabe ...

Band 1 beginnt mit Godjes 14. Geburtstag, dem Tag an dem bestimmungsgemäß ihre Gabe von Pferdegöttin Godiva erwacht: Pferde fühlen sich zu ihr hingezogen und wollen sie beschützen, so wie es Godjes Aufgabe ist, sie zu schützen. Als Godje herausfindet, dass Anyta ihr Seelenpferd Arion an einen abstoßenden Typen verkaufen will, flieht sie auf Arions Rücken zu einem Hof, auf dessen Flyer sie jemanden erkannt hat, der nur mit ihr verwandt sein kann. So lernt Godje, die an ihrem vierten Geburtstag zur Wollwaise wurde, ihre 13 Jahre ältere Schwester Cora und deren Mann Aides kennen. Die beiden haben sich vor einer dunklen Prophezeiung zu ihrem Schutz auf einen Einsiedlerhof zurückgezogen. Auch Cora besitzt die Gabe die Schmerzen und Erlebnisse der Pferde bei Berührung fühlen und sehen zu können. Godje ist von dieser Entdeckung völlig außer sich, sie versteht ihre Gabe nicht, nicht woher sie kommt, wieso sie Cora nicht kannte und wovor sie Schutz benötigen. Während ihr Cora und Aides in diesem Naturparadies jenseits eines zuverlässigen Handynetzes die Bürde und den Segen der Frauen ihrer Familie erklären, bahnt sich mächtiges Unheil an.

Godje scheint im Pferdehimmel gelandet zu sein, doch sie vermisst Fynn, ihre Nana und Oleg. Anyta gegenüber ist sie noch viel zu sauer, um etwas anderes als Wut auf sie zu empfinden. Sie möchte so gerne begreifen, was mit ihr los ist und warum sie nicht wusste, dass sie eine Schwester hat. Was hat es mit diesen Amuletten auf sich, von denen auch Cora eines immer um den Hals trägt. Doch nicht nur dies verwirrt sie, auch ihre Gefühle für Fynn sind ihr unbegreiflich. Sie sehnt sich nach ihm, aber eigentlich, sind sie doch nur Freunde, trotz ihres Kusses, oder?

Sehr geheimnisvoll und mystisch. Ich bin mir nicht ganz so sicher, ob ich immer alle Zusammenhänge, Rückblicke und Visionen begriffen habe, beim Vorlesen entgehen mir bisweilen Details, die meine Zuhörerin genaustens abspeichert. Godjes Familiengeheimnis ist sehr dunkel und gefährlich, dabei überkommt einem mittendrin eine vage Vorahnung, die sich zum Ende dieses Bandes zur Gewissheit verfestigt. Doch ist dies nur einer der Knaller mit denen der zweite Band sich auf das große Finale vorbereitet.

Neben diesem geheimnisvollen Familienmythos gibt es natürlich auch wieder Pferde satt. Durch die Gabe der Kureten-Frauen spürt man, wie viel Leid die Tiere bisher zum Teil ertragen mussten, dass auch diese völlig traumatisiert sein können. Dabei kommt Autorin Karin Müller ihre jahrelange Erfahrung als Pferdetherapeutin zu gute. Keine Sorge, sie war auch viele Jahre als Redakteurin tätig und hat das Schreiben von Grund auf gelernt. Sie weiß nicht nur worüber sie schreibt, sie kann es auch.

Immer wieder gibt es Visionen, Blicke in eine längst zurückliegende Vergangenheit und eine Welt hinter den Nebenschwaden. Verdeutlicht wird dies durch unterschiedliche Schrifttypen, um die Leserinnen nicht zu verwirren. Dabei fragt man sich, ob sich die Geschichte der Urahnin zu wiederholen scheint. Ob sie nach der Bedrohung durch ihren Onkel auch noch Glück erfuhr? Kann es wirklich Gydes Onkel sein, der der „Dunkle“ aus Olegs und Coras Erzählungen ist? Was ist mit Oleg, kann sie ihm wirklich trauen? Meine Tochter (11) liebt diese Kombination aus Pferden, Geheimnissen und unerklärlicher Mystik und findet die junge Heldin in ihren Sorgen und Nöten sehr sympathisch. Da verzeiht sie auch gerne, dass sie sich auch hin und wieder küssen. Sie liebt die Cover immer so sehr, dass ich ihr die Nordlicht-Reihe vorlesen muss, seit sie 9 Jahre alt ist, also eigentlich viel zu jung. Auch dieses Cover kommt bei Mädels sehr gut an. Als diese Tochter in einer Buchvorstellung Nordlicht 1 präsentierte, verliebte sich ihre Freundin Emily sofort in dieses Cover hier und folgt Godje nun auch.

Ach ja, richtig gut finden wir auch das Glossar am Ende des Buches, dass einige der unbekannten Worte und der Gestalten aus der Mythologie noch erklärt und die Klappbroschur!
Spannend und geheimnisvoll, mit einem tosendem Sturm der Gefühle, der nicht nur Pferdeliebhaberinnen ab 12 Jahren begeistern wird.

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Veröffentlicht am 02.11.2020

Rasante Fortsetzung, exzellent besetzt

Sherlock & Watson – Neues aus der Baker Street: Die Crumply-Morde oder Das Zeichen der Vier (Fall 6)
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Nach 5 Jahren wird das Sherlock & Watson Hörkino, frei nach Motiven des großen Arthur Conan Doyle, endlich mit neuen Fällen fortgesetzt. Wer die alten noch nicht kennt, der hat inzwischen die Möglichkeit, ...

Nach 5 Jahren wird das Sherlock & Watson Hörkino, frei nach Motiven des großen Arthur Conan Doyle, endlich mit neuen Fällen fortgesetzt. Wer die alten noch nicht kennt, der hat inzwischen die Möglichkeit, Staffel 1 in einer Box zu erhalten. Diese Produktionsreihe entstaubt den Klassiker, aber völlig anders als die legendäre BBC Serie mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman. Hier schreibt Dr. James Watson, dargestellt von der Stimme von Florian Lukas, einen Blog, um seine Erlebnisse mit dem Meisterdetektiv zu dokumentieren und die Wahrheit ans Licht zu bringen. Aber auf seine Blogeinträge kommen immer wieder unmittelbare Reaktionen, da nicht alle, seine Berichte unkommentiert lassen können, allen voran seine Frau Mary als @marylovesjames oder Mrs Hudson @bakerstreethome, seine Schwester Harry @therealwatson oder eben auch Mycroft Holmes als @Ispy, der auch jetzt noch seine Finger überall drin haben muss. Diese Szenen sind wirklich schnell und rasant geschnitten, entsprechend der Mittel der modernen Kommunikation, die Watson wirklich fordern. Daher hätte ich es mir gewünscht, wenn die Sprecherliste in der Hülle auch die Nicknames angegeben hätte, damit man sicherer durchblickt. Mycroft Holmes erkennt man allerdings sofort an seiner stiff upper class voice, Kai Magnus Sting gelingt dieser unnachahmliche Tonfall, als wäre er in einem Gentleman's Club geboren... Absolut zeitgemäß gibt es natürlich auch @sherlockisfakenews und @therealwatson. Denn das ist ja das fundamentale Problem Watsons, die angeblichen „Enthüllungen“ über den Meisterdetektiv und seine abfällige Bezeichnung als #fakenews. Doch Dank seiner Deduktionskünste gelingt es Holmes natürlich nachzuweisen, dass das schier Unmögliche doch nur des Rätsels letzter Schluss sein kann und die Verbrecher werden überführt. Auch wenn die neuen Fälle in modernen Zeiten spielen, sind sie durchweht von wahrem Sherlock-Spirit. Aber nicht nur das, Watson gelingt es, ein Indiz zur Wiederherstellung des mehr als nur ramponierten Rufs seines Freundes zu entdecken, was ihm neue Lebensgeister schenkt. Klar, andernfalls gäbe es ja keine weiteren Fälle mehr!

Diese Hörspielreihe ist erstklassig besetzt, bis in die Nebenrollen mit bekannten Schauspielern, deren Namen einem vielleicht nicht auf Anhieb ein Gesicht vor Augen erscheinen lassen, sondern eher so ein Erinnerungssummen auslösen, bei denen man aber die Stimme kennt und wenn man sie googelt denkt man gleich: „Ach der! Ach die!“. So ging es mir zumindest bei Peter Jordan der Stimme von Inspector Lestrade, der schon in zahlreichen Tatorten, TV- und Kinofilmen mitspielte, aber in seinem Aussehen ebenso wandelbar ist, wie in seiner Stimme. Moriartys Stimme Stefan Kaminski ist eine Hörbuchlegende, Britta Steffenhagen als Mary Watson und Fritzi Haberland als Sherlocks Vermieterin Mrs Hudson sind ebenso begehrt, als Stimmen, wie auch als Darstellerinnen. Doch auch in den noch kleineren Rollen der Poppy habe ich mit Frauke Poolmann und Udo Schenk (Kevin Bacon, Ralph Fiennes, Gary Oldman, Dr. Kaminsky aus „In aller Freundschaft“ etc.) als Renato Pinelli richtig bekannte und begnadete Stimmen entdeckt. Das hat mich besonders gefreut, da es gerade für Schauspieler in der Coronakrise bisweilen sehr schwer ist, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, Hörspiel- und Hörbuchproduktionen sind für das würdevolle Überleben vieler Kulturschaffender ein reiner Glücksfall! Für mich persönlich war das Hören ein Glücksfall, weil es eine fesselnde Ablenkung von den aktuell brennenden und drückenden Problemen ist.

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Veröffentlicht am 02.11.2020

Rasant und mit hintergründigem Humor

Sherlock & Watson – Neues aus der Baker Street: Skandal im Bohemia (Fall 7)
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Nachdem ihm ein Indiz für Sherlocks Unschuld und Genialität in die Hände gefallen ist, denkt er nicht mehr daran aus dem Leben zu scheiden, sondern konzentriert sich alleine auf die Wiederherstellung des ...

Nachdem ihm ein Indiz für Sherlocks Unschuld und Genialität in die Hände gefallen ist, denkt er nicht mehr daran aus dem Leben zu scheiden, sondern konzentriert sich alleine auf die Wiederherstellung des guten Rufes seines Freundes. Während er auf seinem Blog für alle sichtbar überlegt, welchen noch unbekannten Fall er nun vorstellen möchte, schlägt ihm ein Kommentator vor, sich doch des Skandals im Bohemia anzunehmen, des einzigen ungelösten Falls, der Holmes bis zu seinem Tod nicht mehr losließ. Sich wundernd, woher dem Unbekannten dieser delikate Fall bekannt ist, der bislang mit äußerster Diskretion behandelt wurde, erinnert er sich. Eines Abends stand ein Mann vor der Tür der Baker Street: Godfroy Norton, das Idol seiner Kindheit, der im Kinderfernsehen Geschichten erzählte, spielerisch das Rechnen und das Alphabet erklärte. Wegen seiner ausgefallenen sexuellen Präferenzen ist der Märchenonkel der Nation Mitglied in drei Privatclubs, die auf seine Interessen spezialisiert sind. Da sie sehr exklusiv sind und die Prominenz sich dort die Klinke in die Hand gibt, vertraute er auf deren Diskretion, denn die Enthüllung dieser Vorlieben, würde seinen Ruf als Märchenonkel der Nation für immer zerstören. Doch nun wird er erpresst, mit Aufnahmen aus einem dieser Clubs und Holmes soll die Veröffentlichung der Bilder auf jeden Fall verhindern!

Nach 5 Jahren wird das Sherlock & Watson Hörkino, frei nach Motiven des großen Arthur Conan Doyle, endlich mit neuen Fällen fortgesetzt. Wer die alten noch nicht kennt, der hat inzwischen die Möglichkeit, Staffel 1 in einer Box zu erhalten. Diese Produktionsreihe entstaubt den Klassiker, aber völlig anders als die legendäre BBC Serie mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman. Hier schreibt Dr. James Watson, dargestellt von der Stimme von Florian Lukas, einen Blog, um seine Erlebnisse mit dem Meisterdetektiv zu dokumentieren und die Wahrheit ans Licht zu bringen. Aber auf seine Blogeinträge kommen immer wieder unmittelbare Reaktionen, da nicht alle, seine Berichte unkommentiert lassen können, allen voran seine Frau Mary als @marylovesjames oder Mrs Hudson @bakerstreethome, seine Schwester Harry @therealwatson oder eben auch Mycroft Holmes als @Ispy, der auch jetzt noch seine Finger überall drin haben muss. Diese Szenen sind wirklich schnell und rasant geschnitten, entsprechend der Mittel der modernen Kommunikation, die Watson wirklich fordern. Daher hätte ich es mir gewünscht, wenn die Sprecherliste in der Hülle auch die Nicknames angegeben hätte, damit man sicherer durchblickt, da einige Personen aber tatsächlich geheim bleiben sollen, aus gutem Grund, ist das nicht erfolgt. Ich darf aber so viel verraten, dass einige der Kommentatoren fiktive Kollegen sind, die nicht im Jahre 2004 ermitteln, und auch die führenden Köpfe der Tories äußern sich zu Watsons Einträgen. Viel Spaß beim Rätseln! Bisweilen ist es witzig, bisweilen schräg, jede Entdeckung ein Spaß. Mycroft Holmes erkennt man allerdings sofort an seiner stiff upper class voice, Kai Magnus Sting gelingt dieser unnachahmliche Tonfall, als wäre er in einem Gentleman's Club geboren... Gerade für diesen Fall, der in diesem Milieu spielt, absolut perfekt! Ganz zeitgemäß gibt es natürlich auch @sherlockisfakenews und @therealwatson. Denn das ist ja das fundamentale Problem Watsons, die angeblichen „Enthüllungen“ über den Meisterdetektiv und seine abfällige Bezeichnung als #fakenews. Doch sind es nicht Holmes Deduktionskünste durch die es gelingt nachzuweisen, dass das schier Unmögliche doch nur des Rätsels letzter Schluss sein kann und den Verbrecher überführen. Es ist Watson, der hinter das Geheimnis kommt, was ihm neue Energie gibt, um weiter nach dem ultimativen Unschuldsbeweis für seinen alten Freund zu suchen. Auch wenn die neuen Fälle in modernen Zeiten spielen, sind sie durchweht von wahrem Sherlock-Spirit. Die blitzschnellen Überlegungen des Meisters werden als ebenso rasante Geistesblitze durch schnelle, teils etwas überlappende Sätze bzw. Satzfetzen dargestellt, wie ein unmittelbarer Blick in sein Hirn. Dieser Fall endet mit einem echten Knaller! Es folgt die Vorstellung der Sprecher und dann sollte man unbedingt noch weiterhören, denn nach dem üblichen Abspann, gibt es den Ausblick auf das was in Folge 8 passieren wird... Ich hoffe ja sehr, dass die Reihe fortgesetzt wird, ich will ja auch u.a. wissen, ob James Mary jemals ihren Seitensprung wird verzeihen können...

Diese Hörspielreihe ist erstklassig besetzt, bis in die Nebenrollen mit bekannten Schauspielern, deren Namen einem vielleicht nicht auf Anhieb ein Gesicht vor Augen erscheinen lassen, sondern eher so ein Erinnerungssummen auslösen, bei denen man aber die Stimme kennt und wenn man sie googelt, denkt man gleich: „Ach der! Ach die!“. So ging es mir zumindest bei Peter Jordan der Stimme von Inspector Lestrade, der schon in zahlreichen Tatorten, TV- und Kinofilmen mitspielte, aber in seinem Aussehen ebenso wandelbar ist, wie in seiner Stimme. Moriartys Stimme Stefan Kaminski ist eine Hörbuchlegende, Britta Steffenhagen als Mary Watson und Fritzi Haberland als Sherlocks Vermieterin Mrs Hudson sind ebenso begehrt, als Stimmen, wie auch als Darstellerinnen. Doch auch in den noch kleineren Rollen habe ich mit Frauke Poolmann und Udo Schenk echte Hochkaräter entdeckt! Neu im Cast ist Felix von Manteuffel, der die Rolle des Märchenonkels absolut überzeugend einnimmt, dem ich solche Neigungen aber auch niemals zugetraut hätte, klingt er doch so kultiviert, eben wie der geborene Erzähler!

Ein ebenso atemberaubendes wie witzig-vertracktes Hörerlebnis. Temporeiches Hörkino pur, ein echtes Geschenk in Zeiten der Schließung von allem was Spaß macht. Na ja, lesen und hören zu Hause bleiben erlaubt!

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Veröffentlicht am 26.10.2020

Kunst bestimmt den Zeitgeist

Eine Reise durch die Kunst
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Ein Buch, das durch die Kunst und die Geschichte reist, an 30 verschiedene Orte von der Steinzeit bis zum heutigen Tag, Aaron Rosen, 144 Seiten, Midas Verlag

Wie jede gute Reise, sollte man auch diese ...

Ein Buch, das durch die Kunst und die Geschichte reist, an 30 verschiedene Orte von der Steinzeit bis zum heutigen Tag, Aaron Rosen, 144 Seiten, Midas Verlag

Wie jede gute Reise, sollte man auch diese nicht unvorbereitet beginnen, weshalb es natürlich eine Einladung mit Vorwort gibt: „Komm mit auf die Reise“ diese führt über prähistorische & antike Kunst zur mittelalterlichen und der frühen Moderne und endet in der modernen und zeitgenössischen Kunst ab 1800. Für Kinder ist dies allerdings alles andere als modern oder zeitgenössisch, aber bei einer Zeitspanne von rund 3000 Jahren relativiert sich die Zeit. Dabei finde ich die einleitend einladenden Wort sehr schön und respektvoll den Kulturen und Ländern gegenüber, die hier mit ihrer Kunst beispielhaft ausgewählt wurden, um zu zeigen, dass Kunst mehr sein kann, als nur zu gefallen und schön zu sein, sondern tatsächlich Geschichten erzählt, Zeichen setzt oder die Welt verändern kann. Hierfür soll mit Beispielen rund um den Globus Verständnis geschaffen werden.

Um ein Verständnis deutlicher zu schaffen, beginnt jeder neue Reiseabschnitt mit einer Karte, die so auch verdeutlicht, wo überall rund um den Globus so in frühen Zeiten Kulturen Kunst erschaffen haben, die noch neue staunen lassen. Diese Karten bieten einen eindrucksvollen Überblick und sind daher nicht vollständig, um den Blick nicht vom Wesentlichen abzulenken.

Es wird schön dargestellt, wie gesellschaftliche Strömungen und Ansichten das Leben und die Kunst und vis versa prägen. Sehr interessant fand ich z.B. Amsterdam 1650, dessen Glaubensfreiheit und deren Bedeutung mir gar nicht bewusst war, schon gar nicht, dass diese sensationelle Freiheit zum goldenen Zeitalter dieses doch recht kleinen Landes führte, dem es auch noch heute seine Bedeutung verdankt. Da viele Niederländer zum Protestantismus übertraten, wollten sie ihren Glauben frei praktizieren können und wehrten sich gegen die Unterdrückung durch die katholische Kirche. Diese Freiheit wurde aber auch von Juden genutzt, die nach Amsterdam strömten und dort die damals weltweit größte Synagoge bauten. Auch der Handel profitierte von dieser Entwicklung. Ob diese Zusammenhänge, so interessant sie sind, für Kinder ab 8 Jahren bereits schon begreiflich sind, wage ich zu bezweifeln. Meine Kinder sind von 11 Jahren aufwärts und verstehen es, im Grundschulalter wäre dies aber wohl noch zu komplex gewesen. Es ist ein kurzer, knackiger Aufriss, der auf Highlights begrenzt ist, aber sich nicht alleine auf einen Erdteil beschränkt, was ich sehr wertschätzend finde. Die Texte finde ich interessant und informativ, wobei ich mir schon etwas mehr Ausführlichkeit gewünscht hätte, weil ja gerade bei Kindern zumeist kein Hintergrundwissen vorliegt, auf welches zurückgegriffen werden kann. 144 Seiten sind für ein solches Projekt vielleicht doch etwas sportlich.

Schade finde ich, dass der Anteil an Bildern von Originalkunstwerken gerade aus der jüngeren Zeit so gering ist. Diese Fotografien sind recht kleinformatig. Hier wird vor allem auf großflächige Illustrationen zurückgegriffen, die aber einfach nicht so stark die Gefühle und Eindrücke wieder geben können, die das Original im Betrachter hervorruft. Da dies gerade bei den frühen Kunstwerken nicht der Fall ist, keimte in mir der Eindruck, dass es hier um die teuren Bildrechte geht. Welcher Steinzeitmensch oder dessen Erbe klagt heute noch seine Urheberrechte ein? Bei moderner oder zeitgenössischer Kunst kann dies in der Tat erhebliche Kosten verursachen, weshalb Kunstbände auch so teuer sind.

Architektonische Kunst ist hier aber schon im Bild zu betrachten, was gerade für deutsche Kinder interessant ist, da hier als Beispiel Berlin 1990 gewählt, also die kreative Kraft durch den Mauerfall dargestellt. Ein schöner Anlass um mit den Eltern mal über diese enorme Energie und diesen Ruck zu sprechen, der durch das Land ging, damals, als die Grenzen geöffnet wurden und jahrzehntelang unterdrückte Begegnungen möglich wurden.

In die Zukunft weisen soll Rio de Janeiro 2020 mit einem richtungsweisenden Kunstmuseum, doch mit der Pandemie, die Brasilien besonders stark trifft, wird gerade die Kunst zurückgedrängt, da das Überleben zählt und Kunst dann eher im Kleinen gedeiht.

Sehr motivierend empfinde ich den Schluss! Denn der Leser wird aufgerufen, sich nun selbst auf die Reise zu begeben und Kunst in Zeit und Raum zu suchen. Eine wirklich positive Anregung, nur aktuell in der Pandemie nicht ganz so leicht umsetzbar.

Sehr gut gefällt mir das Glossar zum Ende des Buches, in welchem Fachbegriffe kurz und knapp erklärt werden. Es folgen Bildverzeichnis und eine Danksagung des Autors.

Ein interessanter Einblick, der für meinen Geschmack aber leider etwas zu kurz und punktuell ist, aber wunderbar Zusammenhänge darstellt.

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Veröffentlicht am 26.10.2020

Spannende geschichtliche Zusammenhänge

Eine kurze Weltgeschichte für junge Leser
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Nachdem meine Große den ersten Teil so toll fand, lag sie mir immer wieder in den Ohren, nun auch bis in die Gegenwart vorzudringen!

Es beginnt mit der Renaissance und auch hier werden wieder wertvolle ...

Nachdem meine Große den ersten Teil so toll fand, lag sie mir immer wieder in den Ohren, nun auch bis in die Gegenwart vorzudringen!

Es beginnt mit der Renaissance und auch hier werden wieder wertvolle Zusammenhänge geknüpft, die der Autor über seine Recherchen herausarbeitet. Natürlich werden hier auch die Blüte der Kunst und Leonardo Da Vinci nicht vergessen. Es folgt der Aufstieg Spaniens mit der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus, dem in seinem Land, die gebotene Anerkennung nicht zuteil wurde, weshalb er von Portugal nach Spanien ging. Da Fortschritt sich nicht aufhalten lässt, betrifft er auch den Glauben mit der Reformation, so dass ein Überblick über die Reformatoren Luther, Zwingli, Calvin und Heinrich VII gegeben wird. Natürlich kann das nicht friedlich verlaufen, weshalb die Glaubenskriege folgen. Trotz dieser Reformation sind die Menschen abergläubischer als je zu vor, was sich an den Hexenprozessen und dem Prozess des Galileo Galilei gezeigt wird. So folgen der Absolutismus Ludwig des 14. in all seiner Herrlichkeit, für mich auch unter einem sehr interessanten Gesichtspunkt. Bonny Prince Charly, der wegen seiner Verstöße gegen die Magna Carta und seine Prunksucht von Oliver Cromwell zum Tode verurteilt wird. Wobei mir die Parallele der Prunksucht Charles I mit Louis XIV sehr gut gefällt, auch mit ihrer unterschiedlichen Wertung und dem starken Kontrast zu Cromwell. Allerdings stellt der Autor den Puritaner Cromwell für meinen Geschmack viel zu gut dar, denn sein Erbe ist es, das die Brexit-Verhandlungen noch heute so schwierig macht. Dass er versuchte die Identität der Schotten, Waliser und Iren auszulöschen, wird leider nicht erwähnt. Plötzlich stehen die Türken vor Wien und Peter der Große gründet St. Petersburg. Auch Katharina die Große, Louis XV, Louis XVI, Maria Theresia, ihre Tochter Marie Antoinette und die Französische Revolution werden ebenso wenig vergessen Danton, Robespierre und die Schreckensherrschaft. Der Aufstieg des armen korsischen Advokatensohnes Napoleon zum Kaiser von Frankreich mit all seinen Kriegszügen durch Europa und darüber hinaus.
Anschließend treten die großen Veränderungen durch die Erfindung der Dampfmaschine ein, die die Gesellschaft in kurzer Zeit auf den Kopf stellt und zu Marx und dem Traum vom Klassenkampf führt. Doch auch China und der Opiumkrieg werden nicht vergessen, ebenso wie der Aufstieg des kleinen, disziplinierten Inselstaates Japan. Gerade diese Aspekte fand ich sehr interessant, da wir uns im Unterricht immer viel zu viel auf Europa konzentriert haben. Es folgt die Zeit, an die der Autor sich durch die Erzählungen seiner Großeltern und eigenes Erlebtes zu erinnern glaubt. Da der Autor etwas jünger war als mein Opa musste ich dabei schmunzeln. Er erzählt über die Ungerechtigkeit der Versailler Verträge und der gebrochenen Versprechen des amerikanischen Präsidenten, die in den Köpfen der Deutschen für Verbitterung und Empörung sorgen und so einen fruchtbaren Boden für den Diktator Hitler boten. So ähnlich schilderte es auch mein Opa, doch als der Autor eigene Nachforschungen anstellte, musste er feststellen, dass dies doch gar nicht so war, sondern viel mehr ein Volksglaube, der sich beharrlich in den Köpfen festgesetzt hat. Sehr sympathisch finde ich, dass er sich mit seinen bis dato unerschütterlichen Ansichten auseinander setzt und diese bereitwillig revidiert. Er muss auch einräumen, dass selbst die Zeiten, an die man sich zu erinnern glaubt, bisweilen in der historischen Betrachtung dann doch anders waren. Geschichte regt zum Nachdenken an und schafft den Grundstein für verantwortungsvolles politisches Handeln. Ansichten, Meinungen und Denkströmungen können sich ändern, das entbindet niemanden von der Pflicht des eigenen Denkens.

Ernst H. Gombrich wurde 1909 in Wien geboren. Er promovierte 1933 in Kunstgeschichte und emigrierte 1936 nach London und arbeitete während des Krieges für die BBC. Er war Direktor des Warburg Institut und Professor für Kunstgeschichte an der University of London bis zu seiner Emeritierung 1976. Er starb 2001 in London.

Christoph Waltz ist nicht nur zweifacher Oscar-Preisträger, sondern wie der Autor selbst in Wien geboren. Da er aber auch vor seinen Hollywood Erfolgen auch in deutschsprachigen Filmen sehr erfolgreich war, ist seine Stimme, mit dem leichten Wiener Einschlag sehr vertraut. Gerade seine unüberhörbare Herkunft empfinde ich als Pluspunkt, da man gerade bei diesem Teil, in dem den Österreichern und Preußen deutlich mehr Gewicht zukommt, den Blick des Österreichers auf die Geschichte merkt. Das finde ich gut, denn als ich als Kind auf die Karte schaute und sah wie klein Österreich ist, wunderte ich mich schon über die historische Bedeutung dieses Landes, mit seinen recht wenigen Einwohnern. Dies wurde mir hier viel deutlicher, als es mir die Schule je vermitteln konnte. Dabei ist seine Stimme angenehm warm und weich, so dass bei all den kriegerischen Konflikten, die geschildert werden, sie nicht so bedrohlich wirken. Durch seine deutliche gut modulierte Aussprache wird es nie langweilig ihm zuzuhören.

Sehr erstaunlich finde ich, dass dieses Hörbuch, obwohl seine Vorlage bereits so alt ist (1935) noch immer von Kindern gut verstanden wird, auch wenn der Wortschatz stetig im Wandel begriffen ist. Da die Buchvorlage aus dem Jahre 1935 stammt, ist sie nicht mehr immer unbedingt politisch korrekt, für heutige Verhältnisse. Erstaunlicherweise, hat meinen Mann das überhaupt nicht gestört. Wer aber vermeiden möchte, dass die Kinder Begriffe wie „Neger“ hören, der sollte hier nicht zugreifen. Es ist ein historisches Dokument und in diesem Band dreht sich viel um die europäischen Kolonialmächte und ihre Vormachtstellung, aber vor allem auch um den amerikanischen Bürgerkrieg und die Sklaverei. Für diese Themen wird der Begriff relativ sparsam verwendet und vor allem um zu verdeutlichen, dass die Südstaatler der Meinung waren, dass sie in dem Klima unmöglich arbeiten könnten und daher zum Erhalt ihres Wohlstandes auf „Neger“sklaven angewiesen seien. Ich finde das der Begriff sehr gut auch die Missachtung der Menschenrechte der Betroffenen verdeutlicht, sowie ihre Machtlosigkeit, die sie der Willkür ihrer Besitzer auslieferte. Ich empfand hier den Einsatz des Begriffes durchaus als klare Missbilligung der Zustände und Ansichten, die tief in den Köpfen eingebrannt waren. Wie im Booklet angemerkt wird, stammt das Buch von 1935, erst in den 60er Jahren in den USA und in den 70er Jahren in Deutschland, wurde dieses Wort als diskriminierend anerkannt. Der Autor hat es aber auch in der Überarbeitung stehen gelassen. Menschen als „Sklaven“ zu halten ist Diskriminierung pur, ebenso wie ihre Bezeichnung.

Das Original wurde 1935 geschrieben, also vor dem 2. Weltkrieg und so hat der Autor sein Werk noch vor seinem Tod um ein paar weitere Kapitel bis zur Gründung der Europäischen Union ergänzt. Es geht also nicht wirklich bis zur heutigen Gegenwart. Aber an viele der fehlenden Jahre sollten sich ja auch Eltern und Großeltern erinnern können, so wie es dem Autor auch ging und der dann einräumen musste, dass die Erinnerung ganz schön täuschen kann!

Es ersetzt kein Geschichtsbuch und kein Lernen für die Schule. Aber dieses Hörbuch kann etwas ganz Wichtiges: Kindern Geschichte als ganzheitliches Subjekt nahe zu bringen, zu verdeutlichen, dass es mehr um Zusammenhänge und das große Ganze, als um einzelne Jahreszahlen geht. Klar, es werden auch Jahreszahlen genannt, aber vom einmaligen Hören, prägt man es sich ja nicht ein. Daher werden oft auch zeitliche Parallelen und andere zeitliche Zuordnungen geschaffen. Es weckt vor allem Interesse und das finde ich wertvoll. Das in der haptisch angenehmen Pappbox beiliegende Booklet hilft einen das Gehörte besser zu merken, da man auch einiges noch nachlesen kann. Das finde ich sehr hilfreich. Ab 10 Jahren wirklich zu empfehlen.
Richtig toll auch für lange Autofahrten mit der Familie

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