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Veröffentlicht am 23.11.2020

Vielfältig, gesund und lecker!

Gefüllte Kartoffeln - neue Lieblingsgerichte: einfach, überraschend, köstlich. Pimp your potato - so wird die Sättigungsbeilage zum Hauptgericht
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Klappentext: Feines aus dem Ofen. Köstliche Gerichte, einfach zu machen und perfekt für Gäste. Ein Familiengerechtes Rezeptbuch für neue Kartoffelideen. Sie legen sich nur die schönsten Kartoffeln und ...

Klappentext: Feines aus dem Ofen. Köstliche Gerichte, einfach zu machen und perfekt für Gäste. Ein Familiengerechtes Rezeptbuch für neue Kartoffelideen. Sie legen sich nur die schönsten Kartoffeln und Süßkartoffeln zurecht, schneiden sie auf und füllen sie mit herrlichen Zutaten: Käse, Speck, Fleisch, Fisch, Gemüse, Gewürzte, Kräuter, ein bisschen Öl. Dann wird überbacken und dabei entstehen die wunderbarsten Aromen. Ein Genuss für große und kleine Feinschmecker.

Also, Kartoffeln sind toll. Sie sind nahrhaft, glutenfrei, sowohl Getreide als auch Gemüse, sie sind nachhaltig und regional, man kann sie selbst zu Hause anbauen..... Es gibt viele tolle Gründe für Kartoffeln auf dem heimischen Tisch, und dennoch habe ich meistens ein Kind, das meckert und zwar das, mit der Freundin, die glutenfrei essen muss. Salzkartoffeln will sie nicht, Reibekuchen auch nicht mehr, Bratkartoffeln brauchen bisweilen zu lange und immer nur Püree will sie auch nicht und ich nicht nur Pommes oder Kartoffelscheiben aus dem Ofen! Was nun? Da lachte mich dieser Titel an. Baked Potatoes liebe ich als Pub Food, aber ich weiß ja nicht so genau, wie lange sie in den Ofen sollen und überhaupt, mag dann wieder ein Kind keine Baked Beans.... Also, hier findet man alles Mögliche was man prima zu Ofenkartoffeln kombinieren kann. Man kann auch die Mengen reduzieren und einfach Kartoffeln mit verschiedenen Füllungen machen, dann kommt jeder auf seinen Geschmack und es ist auch super Party Food, da variabel und auch vegan und vegetarisch möglich... Allerdings mache ich es mit verschiedenen Toppings. Der Gedanke, dass ich die Hälfte der Kartoffel aushöhle und die Autorin mir dann nicht verrät, was ich mit dem Inneren der Kartoffel anfange, hat mir nicht so behagt. Also habe ich mir das Aushöhlen gespart und einfach die Füllung als Topping auf die aufgeschnittenen Kartoffeln geklatscht. Geht ziemlich schnell und lässt sich super vorbereiten, man muss nur die lange Garzeit im Backofen mit einrechnen, aber diese ist deutlich im Rezept angezeigt.

Leider verrät die Autorin nicht, wie groß die Kartoffeln in etwa sein sollen. Ich habe das einfach so nach Gefühl gemacht und entsprechend viele Kartoffeln genommen. Der französische Originaltitel verrät allerdings, dass es sich um große Kartoffeln handeln muss, entsprechend der englichen Baked Potatoes. Es werden Kartoffelsorten genannt, aber leider nicht, ob es sich um mehligkochende, vorwiegend festkochende oder festkochende Sorten handelt. Hier müsste man wohl im Internet recherchieren. Je nach Kartoffelgröße eignen sie sich prima auch als leckere Beilage. Auch etwas schade finde ich, dass die Rezepte nicht als vegan oder vegetarisch gekennzeichnet sind, sofern sie es sind. Manche Kochbücher versehen hierzu das Rezeptregister mit kleinen Symbolen. Dafür gibt es aber noch vor dem Rezeptverzeichnis am Ende, das in Kartoffeln und Süßkartoffelrezepte unterteilt ist, noch eine nach Rezepten aufgegliederte Einkaufsliste. Öl, Salz und Pfeffer werden als vorhanden vorausgesetzt. Die Mengenangaben beziehen sich auf die geputzten Zutaten. Die Rezepte sind jeweils für 4 Personen ausgelegt und sowohl die Vorbereitungszeit, als auch die Garzeit sind zutreffend angegeben.

Übrigens: alle Familienmitglieder lieben die Backofenkartoffeln, leider nicht unbedingt mit dem gleichen Topping, aber die sind nur wirklich nicht kompliziert und es gibt reichlich unterschiedliche Rezepte, da findet jeder was, was ihn glücklich macht. Durch die vielen verschiedenen Kombinationen ist das Risiko auch nicht so groß, dass die Familie dieses Essen schnell schon wieder leid ist. Dabei sind einige Rezepte durchaus auch raffiniert und aufwendig, andere allerdings absolut alltagstauglich. Sehr gut geeignet für Menschen im Homeoffice, die das Essen morgens vorbereiten können, oder in einer Arbeitspause und dann etwas über eine Stunde in den Backofen stellen können. Es geht aber auch mit Timer.

Autorin Séverine Augé und Fotografin Delphine Amar-Constantini dürften Landsleute des großen französischen Starkochs Alain Ducasse sein, der Kartoffeln prinzipiell nur im Backofen zubereitet, damit die guten Inhaltsstoffe nicht im Kochwasser verloren gehen. Anders als dessen Rezepte, kann man diese hier aber auch gut ohne ein Heer von fleißigen Küchenhelfern selbst umsetzen und sie gelingen und schmecken! Was will man mehr? Ach ja, schöne Fotos die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen und eine gut verständliche Anleitung. Alles gegeben. Ein prima Kochbuch für die ganze Familie und auch für Partys. Stressfrei, lecker, nahrhaft, fettarm, glutenfrei, wirklich zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 22.11.2020

Genial gelesen!

Ich seh den Baum noch fallen. Renate Bergmanns Weihnachtsabenteuer
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Wenn ich mich nicht verzählt habe, ist dies nach „Über Topflappen freut sich doch jeder!“ und „Wir brauchen viel mehr Schafe“ das dritte Weihnachtsabenteuer von Online-Omi Renate Bergmann.

Gestatten, ...

Wenn ich mich nicht verzählt habe, ist dies nach „Über Topflappen freut sich doch jeder!“ und „Wir brauchen viel mehr Schafe“ das dritte Weihnachtsabenteuer von Online-Omi Renate Bergmann.

Gestatten, Renate Bergmann, 82 Jahre, vierfach verwitwete Eisenbahnerrentnerin und mit einem Tomaten-Handy immer auf dem Laufenden. Da weiß man immer gleich Bescheid, auch wenn man in der Bräuteschule eigentlich schon alles gelernt hat, was eine gute Hausfrau so wissen muss. Aber man muss ja immer am Ball bleiben!

Eigentlich hören wir Renate Bergmanns Abenteuer immer auf Urlaubsreisen, aber in diesem Corona-Winter fallen diese aus. Auch der Plan, die CD beim gemeinsamen Backen, wie bei ordentlichen Hausfrauen mit den Kindern zu hören, scheiterte am Platz in der Küche, weil 1 Kind in Quarantäne ist. Aber das hat uns natürlich ebenso wenig von gemeinsamen kulinarischen Aktivitäten abgehalten, wie dies bei einer Renate Bergmann der Fall hätte sein können! Da unser größter Online-Omi-Fan in Quarantäne ist, müssen wir auch nach negativer Testung Abstand halten und zum Glück ist unser Tisch groß und so haben wir mit Abstand Kartoffeln und Äpfel geschält und dabei den Tücken der Weihnachtsvorbereitungen in Berlin Spandau und Silvester auf Seniorenreise in den Harz gelauscht. Dabei hatten wir so viel Spaß, dass sich auch die jüngere Tochter (11) zu uns an den Tisch setzte und mitschälte, weil es gemütlich und lustig war. Oder, wie meine Große (13) sagen würde: ein paar Erlebnisse und Tipps von Renate Bergmann gehen immer!

Dabei erzählt Carmen-Maja Antoni mit gewohnt herzlichem Biss und dem Schalk im Nacken, von den Höhen und Tiefen des Rentner-Daseins in Berlin Spandau, in einem Mehrfamilienhaus, mit bisweilen liederlichen Nachbarinnen, dem beklagenswerten Supermarkt-Sortiment und den Geheimnissen eines perfekten Butterstollens. Natürlich hat sie wie üblich Probleme mit einigen Fremdwörtern, aber schon meine Oma meinte „bei Fremdwörtern soll man lachen“ und warum verwenden die Ärzte auch immer so komplizierte Wörter, mit der ihre Klientel so einen Ärger hat!?

Natürlich hat eine Renate Bergmann auch eine Fotokiste und jedes Jahr lässt sie sich ihre Fotohighlights von ihrem „Neffen“ Stefan auf einen USB-Stick ziehen und bringt sie zum „Entwickeln“. Da bekommen die Erinnerungen doch gleich eine andere Qualität, wie die an den Besuch von William und Kate, den Renate und Ilse natürlich von der ersten Reihe aus verfolgten, während sich Kurt im ordnungswidrig geparkten Koyota taub stellte und auf die Damen wartete.... Wie sie das angestellt haben, dass ihnen nichts entging? Das muss man sich schon selbst anhören, mit den Worten der Online-Omi und der herrlich schnoddrigen Berliner Schnauze von Carmen-Maja Antoni bekommt es gleich eine ganz andere Würze. So ein Weihnachtsabenteuer lässt auch gerne das Jahr Revue passieren und natürlich schweift die gute Renate mal wieder ständig bei ihren Erzählungen ab. Da kann man also ganz sicher sein, dass an allen passenden und unpassenden Stellen, auch die übrigen Akteure des Bergmannschen Universums auftauchen. Wer sie schon kennt fühlt sich gleich wie zu Hause! Wer sie noch nicht kennt, kann sie hier gleich mal kennen und lieben lernen!

Auch wenn Renate immer mal wieder einen Korn hebt, natürlich nur zu medizinischen Zwecken, finden die Kinder die Geschichten immer sehr lustig, auch Renates Scham, ihren Ex-Kurschatten Erwin, mit dem die vierfach verwitwete Eisenbahnerrentnerin nunmal nicht verheiratet ist, auf den Mund zu küssen und andere Anstandsregeln dieser Generation, die dennoch bisweilen erstaunlich freizügig und luzide ist.

Einmal Renate Bergmann, immer Renate Bergmann, auf einige Dinge im Leben ist halt Verlass, Prost, darauf erst einmal einen Korn!

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Veröffentlicht am 21.11.2020

Herrlich!

Das Weihnachtsmannprojekt
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An einem sehr heißen Augusttag ist es wieder so weit: Oma ruft an, um Weihnachten zu planen! Da platzt Mama der Kragen und beschließt, dass sie dieses Jahr mal in Ruhe alleine zu Hause feiern. Oma ist ...

An einem sehr heißen Augusttag ist es wieder so weit: Oma ruft an, um Weihnachten zu planen! Da platzt Mama der Kragen und beschließt, dass sie dieses Jahr mal in Ruhe alleine zu Hause feiern. Oma ist pikiert, Papa, Paul (12) und Frida (7) haben ihre Zweifel. Dann behauptet auch noch Fridas Klassenlehrerin, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gäbe. Frida ist am Boden zerstört und Paul ist nicht bereit, das hinzunehmen. Er beschließt, dass es für Frida ein glückliches Weihnachten werden soll und setzt alles daran ihr zu beweisen, dass ihre Lehrerin unrecht hat. Dabei nimmt er sogar in Kauf von seinen eigenen Klassenkameraden ausgelacht und verspottet zu werden. Zum Glück nicht von allen, denn Nele, die Paul sogar sehr nett findet, scheint das nicht groß zu stören. Doch wie soll er es anstellen, seiner Schwester den einmal verlorenen Glauben wieder zu bringen, es lässt sich ja nicht beweisen...

Diese Weihnachtsgeschichte hat uns wahnsinnig gut gefallen, denn es kommen unglaublich vertraute Elemente darin vor, die sowohl lustig, nachdenklich als auch liebenswert miteinander kombiniert werden und endet sehr hoffnungsfroh. Das Ende des Glaubens an den Osterhasen/Weihnachtsmann/Christkind markiert einen Meilenstein in der kindlichen Entwicklung. Wenn Kinder aus diesem Glauben herauswachsen, ist es für diese meistens in Ordnung, nicht jedoch wenn Ihnen andere vermeintlich aufgeklärte Menschen die „Wahrheit“ aufdrängen. Was ist in Glaubensdingen schon die Wahrheit? Man weiß es ja nicht, aber vielleicht fühlt man es ja sogar?

Auch wenn das Thema „Weihnachtsmann“ scheinbar kindisch ist, ist es dieses Buch nicht, sondern einfach wunderschön. Die Familie ist charmant chaotisch. Der Rest von Mamas Sippe wohnt relativ in der Nähe, weshalb es zu Weihnachten immer ein Clantreffen bei Oma und Opa gibt, das akribisch geplant werden muss. Wahrscheinlich kommt das vielen bekannt vor.

Auch wenn es hier um Weihnachten geht, finde ich die Geschichte auch für den Schulunterricht in der Adventszeit geeignet, weil kein Glaube angegriffen oder erhöht wird. Dafür können sich aber vielleicht einige Kinder besser vorstellen, wie es bei ihren Klassenkameraden zu diesem Fest zugeht. Außerdem finden wir, dass Paul sich wirklich vorbildlich verhält, obwohl es ihm sicherlich nicht immer leicht fällt, wenn die anderen über ihn lachen, nur weil er das Weltbild seiner kleinen Schwester und deren Träume und Hoffnungen retten will. Dabei finden wir besonders witzig, dass dann ausgerechnet die Kleinste der Familie für alle anfängt aufzuräumen und zu putzen, damit der Weihnachtsmann nur ja nicht abgeschreckt wird. Paul wird aber nicht nur mit Fridas glücklich zurückgewonnener Weihnachtsgewissheit belohnt, sondern auch mit dem besseren Kennenlernen seiner netten Klassenkameradin Nele, der durchaus auffällt, wie sehr er sich für seine kleine Schwester einsetzt, dass er über sich selbst lachen kann und anders als die vermeintlich coolen Jungs kein Angeber ist. Ach ja, und dann ist da ja noch das Weihnachtsfest, das so ganz anders ist, als all die Jahre zuvor!

Die zarten Bande zwischen Paul und Nele sprechen vor allem ältere Kinder an, mind. ab 9 Jahren. Die Kapitel sind nicht immer gleich lang, was zwar etwas unpraktisch für ein Adventskalenderbuch sein mag, der Verdichtung der Geschichte aber deutlich zu Gute kommt. Hier wird nicht einfach passend gemacht, was nicht passt, sondern der Handlung und Entwicklung wird der Raum gelassen, die sie benötigt. Dazu gibt es noch zahlreiche lustige und ausdrucksstarke Illustrationen von Barbara Jung.

Dieses Buch hat uns nicht nur vorzeitig in Weihnachtsstimmung gebracht, sondern richtig begeistert. Es als Adventskalender zu lesen hätten wir wohl nicht ausgehalten, weil wir unbedingt wissen wollten, wie es weitergeht! Ab 9 Jahren locker bis 12 Jahren.

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Veröffentlicht am 19.11.2020

Superheldenwitzig!

Wie man 13 wird und zum Superhelden mutiert (Wie man 13 wird 4)
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Huch, was ist passiert?! Dieser Band beginnt ganz anders, nicht als Vlog aus Markus Sicht, sondern als Schilderung aus Sicht von Tallulah! Markus war einige Monate in Paris, um dort seine besonderen Fähigkeiten, ...

Huch, was ist passiert?! Dieser Band beginnt ganz anders, nicht als Vlog aus Markus Sicht, sondern als Schilderung aus Sicht von Tallulah! Markus war einige Monate in Paris, um dort seine besonderen Fähigkeiten, über die nur ganz wenige Halbvampire verfügen, zu trainieren. Endlich scheint er sein Schicksal ein Halbvampir zu sein akzeptiert zu haben. Tallulah war zwischenzeitlich in einem Sanatorium, um zu Kräften zu kommen, dass sie aber 3 Tage früher verlässt, um pünktlich zu Markus Heimkehr dort zu sein. Doch was ist das? Dass seine Eltern nicht sehr erfreut sind, sie zu sehen, ist sie ja gewöhnt, aber Markus hat sein Gedächtnis verloren. Er erinnert sich an nichts mehr, was seit seinem 13. Geburtstag geschehen ist und somit weiß er natürlich auch nichts von seinen besonderen Fähigkeiten und dass er kein normaler Mensch ist. Doch die Ärzte haben gesagt, dass man ihn nicht überfordern darf, er muss ganz langsam und behutsam seine Erinnerungen zurück erlangen und nichts überstürzen. Das Problem ist nur, dass eine neue Bedrohung sich zusammenbraut und sich nun die Ereignisse überstürzen, somit ist es dringend erforderlich, dass Markus sich erinnert!

Dadurch dass dieser Band schon anders anfängt als die vorherigen, ist es von Anfang an spannend. Was ist bloß passiert und wo steckt Markus? Tatsächlich ist es nebulös, vor allem weil auch Tallulah noch nicht wieder ganz die Alte ist. Dafür lernt man dieses Mal aber auch ihre Geschwister kennen und da konnte ich sie direkt gleich besser leiden. Oh Mann, sie hat es auch nicht leicht. Doch wie war es eigentlich in Paris, wo Markus seine besonderen Fähigkeiten trainieren sollte? Davon erfährt man natürlich erst einmal nichts, da dieser ja sein Gedächtnis verloren hat und Talluah von diesen ja nichts wissen darf. Seit Markus nicht mehr weiß, zu wem er in den letzten 6 Monaten geworden ist, reagiert er auch ganz anders und das bringt Sand ins Getriebe zwischen Markus und Tallulah. Dafür steckt dieser nun ständig mit Gracie zusammen und zwischen den beiden scheint es bestens zu laufen. Aus Frust beschließt sie, sich der drohenden Gefahr, die sie wahrnimmt, alleine anzunehmen.

Ja, der Band beginnt anders, aber keine Sorge, es ist dennoch der vierte Band der Reihe, der übrigens später auch an seiner üblichen Art ansetzt. Dennoch gefällt mir der Perspektivwechsel sehr gut. Man lernt Markus aus einem völlig anderen Blickwinkel kennen, wodurch man merkt, dass die jüngere Schwester Glynis ihn geradezu verehrt. Viel spannender ist aber eigentlich zu bemerken, wie sehr unsere Erinnerungen uns prägen und wie sehr sie ein Teil unserer eigenen Persönlichkeit sind, einfach unverzichtbar. Keine Sorge, dieser Band ist nicht philosophisch, sondern durchaus wieder bewährter Spaß, mit altbekannten Figuren und am Ende richtig viel gruseliger Superhelden-Action. Dabei lernen Markus und wir nicht nur etwas über die Funktionsweise seiner besonderen Fähigkeiten, sondern auch, dass man nicht zwangsläufig ein Halbvampir sein muss, um etwas Besonderes zu sein. Superhelden können auch in ganz normalen Menschen schlummern, in solchen, in denen man es nicht erwartet. Wichtig ist es, sich selbst zu akzeptieren und nicht unbedingt den angesagtesten Trends hinterher zulaufen. Für die Zielgruppe des Buches eine ganz wichtige Botschaft. Sehr witzig fand ich, dass meine Jüngste meinte, warum in Bücher immer über die Außenseiter geschrieben wird, ob es denn keine Bücher über die angesagten Kids gäbe? Tja, wenn man den Äußerungen von Tallualahs perfekter kleiner Schwester Glauben schenken mag, ist Markus eigentlich genau das und noch ein bisschen mehr! Der Stil ist locker flockig und fast so gechillt, wie Markus Eltern immer vorgeben zu sein! Natürlich wieder ein running gag, diese ganz entspannten, verständnisvollen Eltern, die nur das Beste für ihr Kind wollen und überall nachlesen und Experten zu Rate ziehen...

Kommentar von Emily (10): total witzig und spannend wieder, ich hoffe es geht weiter. Super, dass Tallulah auch mal mehr von sich zeigt.

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Veröffentlicht am 18.11.2020

Nun ist auch meine Tochter Anne-Fan!

Anne auf Green Gables
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Dieser Klassiker ist über 100 Jahre alt und dennoch ein absoluter Publikumsliebling!

Das ältere, kinderlose Geschwisterpaar Marilla und Matthew Cuthbert bittet über Bekannte, eine andere Bekannte, ihnen ...

Dieser Klassiker ist über 100 Jahre alt und dennoch ein absoluter Publikumsliebling!

Das ältere, kinderlose Geschwisterpaar Marilla und Matthew Cuthbert bittet über Bekannte, eine andere Bekannte, ihnen für die Farmarbeit einen ca. 12 jährigen Jungen aus dem Waisenhaus mitzubringen. Durch ein Missverständnis erwartet den schüchternen, stillen Matthew die rothaarige, lebhafte Anne mit überbordender Fantasie, deren Mund nicht still zu stehen scheint... Anne ist so begeistert, von der Schönheit der Landschaft von Prinz Edward Island und dem unsagbaren Glück, dass jemand tatsächlich sie haben will, trotz ihrer roten Haare, dass Matthew es nicht übers Herz bringt, ihr den Fehler zu gestehen. Seine Schwester ist da deutlich direkter und möchte das Kind gleich umtauschen, doch als sie sieht, welches Schicksal dem Kind andernfalls blüht, bringt sie es doch nicht übers Herz Anne in eine so lieblose Familie zu geben. Anne ist clever, etwas lebensfremd, aber mit einem Herzen das so nach Liebe hungert und bereit ist Liebe zu schenken, dass selbst Marilla verblüfft ist, was dies in ihr auslöst. Dabei hat Anne nie eine gute Erziehung genossen und macht auf Anhieb eine Menge falsch. Doch wie sie betont, macht sie jeden Fehler nur einmal und dank ihrer Fantasie wird es mit ihr nie langweilig!

Trotz ihres Alters hat diese Geschichte nichts von ihrem Zauber und ihrer Schönheit eingebüßt. Anne ist ebenso zauberhaft, chaotisch und hinreißend wie eh und je. Diese ersten vier Jahre seit sie das Waisenhaus verließ und bei Marilla und Matthew endlich ein Heim fand, sind ebenso romantisch, wie witzig und auch traurig. Anne ist für mich immer ein Taschentuchgarant so bewegend und mitreißend finde ich ihre Erlebnisse, obwohl, oder gerade weil sie in einer Zeit ohne Handys, schnelle Autos und technische Geschwindigkeit lebt. Die Gefühle bekommen Zeit und Raum, um sich zu entfalten und dies lebt sie offen aus. Dabei liegt ihr Herz auf der Zunge, eine sehr ungewöhnliche Eigenschaft für das damalige Kanada. Doch ist es wohl ihr freundliches, offenes und überschäumendes Temperament, das die Menschen in ihrer Umgebung ebenso verzaubert, wie die Hörer. Ihre ständigen Pleiten, Pech und Pannen sind einfach unwiderstehlich, auch nach über 100 Jahren noch. Diese bleiben Anne auch noch treu, als sie älter wird, doch wie sie sagt, begeht sie jeden Fehler nur einmal. Darauf kann man sich verlassen! Anne ist eitel und leidet sehr unter ihrer Haarfarbe, ein Phänomen das auch heute noch auf viele Rothaarige zutrifft. Doch hat nicht jeder eine vermeintliche „Schwachstelle“ auf die er seine Eitelkeit fokussiert und mit der zu leben man einfach lernen muss? Auch wenn Anne ihre roten Haare auch später noch ein Dorn im Auge sind, lernt sie es sich auf ihre Stärken zu besinnen. Dabei ist es auch sicherlich hilfreich, dass Gilbert Blythe, der bestaussehende und klügste Junge der Schule, offensichtlich mit ihr befreundet sein möchte, denn er findet schlaue Mädchen interessanter, als hübsche. Dabei ist Anne tatsächlich auch hübsch, nur vielleicht nicht auf die klassische Weise, wie ihre beste Freundin Diana, um deren dunkle Lockenpracht sie sie beneidet. Allerdings ist Anne eine sehr gute Freundin und eine „Busenfreundin“ zu finden, was in Annes Jahren in Pflegefamilien und im Heim stets ihr größter Wunsch war, neben einer anderen Haarfarbe! Dank ihrer Fantasie hat sie sich ihr fröhliches und begeisterungsfähiges Wesen bewahrt. Übrigens ist Anne nicht nur mein Liebling, sondern auch der meiner jüngsten Tochter (11). Was hat sie mit Anne gelitten und gelacht!

Jessica Schwarz liest diese Liebeserklärung an die Fantasie, die Wissbegierde, Loyalität und Romantik mit der passenden Mischung aus Gefühlen. Sie klingt zwar nicht so jung wie Anne und nicht so tolpatschig, aber ebenso charmant und unwiderstehlich. Es macht ihr einfach Spaß zuzuhören und sich von ihr auf die ferne Prince Edward Island, mehr als 100 Jahre zuvor entführen zu lassen.

Trotz 6 h 45 min. Laufzeit sind Annes Erlebnisse leicht gekürzt, aber dennoch sehr nah am Originaltext, wodurch der Zauber erhalten bleibt. Dieser Band ist übrigens Teil der Reihe „Nostalgie für Kinder“ in der auch „Der Trotzkopf“, „Nesthäkchen und ihre Puppen“ und „Heidi“ veröffentlicht wurden, die Heldinnen unserer Kindheit und frühen Jugend. Sehr zu empfehlen um in Erinnerungen zu schwelgen oder wunderschöne Erinnerungen an die eigenen Kinder weiterzugeben.

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