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Veröffentlicht am 10.10.2019

Darf's ein bisschen Spaß sein?

Darf`s ein bisschen Mord sein?
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Dies ist Lorettas 11. Fall: Loretta Luchs arbeitet in einem Callcenter für erotische Dienstleistungen als Telefonistin, aber das muss ja nicht jeder gleich wissen. Seit sie ihrem exzentrischen Chef Dennis ...

Dies ist Lorettas 11. Fall: Loretta Luchs arbeitet in einem Callcenter für erotische Dienstleistungen als Telefonistin, aber das muss ja nicht jeder gleich wissen. Seit sie ihrem exzentrischen Chef Dennis aber mal mit ihrem detektivischen Gespür den Allerwertesten gerettet hat, genießt sie beruflich so allerlei Freiheiten, die sehr hilfreich sind, wenn sie mal wieder über eine Leiche stolpert. Aber in ihrer neuen Wohung und in ihrem neuen Viertel sieht alles ganz friedlich aus. Selbst als Gitti, die Inhaberin des Tante-Emma-Ladens um die Ecke, nach einem Sturz einen Schlüsselbeinbruch hat, denkt sie sich nichts dabei. Spontan bietet sie ihr an, im Laden einzuspringen und nimmt sich hierzu frei. Schon als Kind hat sie es geliebt Einkaufsladen zu spielen und so hat sie tatsächlich großen Spaß an ihrer neuen Tätigkeit. Doch dann tauchen seltsame Gestalten im Laden auf und wollen Gitti zum Verkauf überreden. Das kommt Loretta ziemlich merkwürdig vor, aber als sie dann doch noch eine Leiche findet und sie für den tödlichen Sturz verantwortlich sein soll, muss sie natürlich wieder ermitteln. Die Polizei will ihre Version ja einfach nicht glauben. Natürlich wird sie in ihren Nachforschungen von ihren Freunden unterstützt.

Loretta Luchs, die Sexhotlinetelefonistin ermittelt wieder. Wer Loretta kennt weiß, daß hier das Vergnügen durch Ruhrpottoriginale und skurile Situationen im Vordergrund steht und weniger kniffelige Knobeleien oder nervenzerreißende Verfolgungsjagden. Wer aufmerksam mitliest kann die Fälle stets lösen, weil sich abzeichnet, wer hinter den Taten steckt. Der Spaß steckt auch immer in den Frotzeleien untereinander, den schillernden Persönlichkeiten und Lorettas verzweifelten Versuchen die Kommissarin zu Ermittlungen zu überreden. Doch Theorien interessieren Kommissarin Küpper nicht, sie braucht Fakten! Nun ist es aber so, daß Täter normalerweise nicht ihre Visitenkarte am Tatort zurücklassen. So reicht es nicht zu wissen, wer der Täter ist, man muss es auch beweisen! Hierfür ist Loretta fast jedes Mittel recht, solange ihren Freunden nichts geschieht und sie ist sich auch für nichts zu schade. Immerhin lernt sie ja auch bei ihren „undercover“-Einsätzen eine Menge dazu und bisweilen die Leser auch, z.B. warum man Fenster nie bei Sonnenschein putzen sollte.

Wie immer spielt Kommissar-Zufall Loretta in die Hände, aber wer als Leser schon etwas älter ist, der weiß ganz genau: im Leben gibt es bisweilen die merkwürdigsten Zufälle, unser Leben ist voll davon! Zum Glück für Loretta aber auch voll mit guten Freunden, die ihr gerne helfen, da sie nie zum Eigennutz oder zu ihrer eigenen Bereicherung handelt, sondern um ihren Spürsinn zu befriedigen. Humorig und mit leichter Feder schildert Lotte Minck diesen neuesten Fall von Hornbrillen-Girl und Minipli-Man, sowie Kater Baghira. Auch wenn die Charaktere doch sehr speziell sind, erkennt man immer wieder bekannte Charakterzüge und kann selbstironisch mit Loretta schmunzeln. Die kleinen feinen Beobachtungen von Lotte Minck, geäußert durch Loretta bleiben einfach haften, zu sehr treffen sie ins Schwarze - sei es die bisweilen exzentrisch-fragwürdige Schoßhundmode oder die Beobachtungsfähigkeit nicht voll ausgelasteter Nachbarn. Hinzu kommt eine Prise Arbeitersiedlung und die Versuchung durch menschliche Schwächen wie Gier, Lust und Neugierde. Jeder erkennt was wieder, ohne sich aber selbst angesprochen zu fühlen. So lässt es sich herzhaft lachen! Wer alle Bände der Reihe nach liest, genießt auch noch das Extravergnügen den stets wachsenden und sich verändernden Freundeskreis von Loretta mitzuverfolgen. Dennoch ist auch ein Einstieg im 11. Band noch möglich. Dieser macht auf die Vorgänger neugierig, ohne zu viel zu verraten.

Vergnügliche Krimiunterhaltung zum Miträtseln, hier steht der Spaß vor der Spannung. Das Leben ist zu kurz, um nicht darüber zu lachen.

Veröffentlicht am 08.10.2019

Einfach cool und magisch!

Green Witch
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Elisabeth Aurora Vermeer genannt Lizzy ist Enkelin einer Kräuterhexe und Tochter einer Lichthexe und eines Gymnasiallehrers. Eigentlich dürfen „normale“ Menschen nichts von der Existenz von Hexen wissen, ...

Elisabeth Aurora Vermeer genannt Lizzy ist Enkelin einer Kräuterhexe und Tochter einer Lichthexe und eines Gymnasiallehrers. Eigentlich dürfen „normale“ Menschen nichts von der Existenz von Hexen wissen, aber in der Familie lässt es sich nicht verbergen. Dennoch steht Lizzys Vater dem ganzen skeptisch gegenüber, aber Männer können ja auch keine Hexen sein, allenfalls Gestaltwandler. An ihrem 12. Geburtstag versammeln sich 13 Hexen in Lizzys Elternhaus, um zu entscheiden, zu welcher erfahrenen Hexe sie in den Herbstferien in die Ausbildung gehen soll. Alle scheinen sich einig zu sein, daß ihrer Großtante Camilla, einer Kräuterhexe, diese Aufgabe zu teil werden soll, als plötzlich eine 14. Hexe vor der Tür steht: Ava, erst Anfang 20, sehr cool und hübsch und außerdem eine Wasserhexe! Das passt doch so viel besser! Lizzy liebt das Wasser und kann mit Pflanzen nichts anfangen! Ava behauptet, daß auf Seiten ihres Vaters in Lizzys Adern Wasserhexenblut fließt und Lizzy schöpft Hoffnung. Auch das magische Buch scheint unentschlossen zu sein, aber dass eine Hexe zwei Ausbildungen macht, gab es noch nie! Dennoch schafft Camilla es irgendwie, daß Lizzy zur ihr in die Ausbildung kommt und sogar ihre beste Freundin Stina mitbringen darf. Die beäugt Lizzys Hexengeschenk die rothaarige Vogelspinne Rasty, sehr skeptisch, doch irgendwie ist sie auch ganz süß. Damit haben die Merkwürdigkeiten jedoch noch kein Ende gefunden. Eine turbolente Ausbildungszeit kündigt sich an!

Vorsicht, der Klappentext des Buches enthält einen Spoiler! Zu Beginn lernt man erstmal Lizzy und ihre beste Freundin Stina kennen, die auch nach Jahren noch keine Ahnung von Lizzys Naturell hat. Das Hexentreffen zu ihrem 12. Geburtstag erinnert irgendwie an Dornröschen, nur cooler. Die versammelten Hexen haben wirklich interessante Fähigkeiten und Gaben, da wüssten wir auch nicht auf Anhieb, was wir denn selbst gerne wären. Auf jeden Fall ist ihre Mutter eine Lichthexe und sieht somit alles von der positiven Seite und versprüht good vibrations. Wer hätte nicht auch gerne so eine Mutter! Was sie von ihrer Großtante Camilla halten soll, ist ihr aber nicht so klar. Vogelspinne Rasty ist ja sehr abgefahren, das würde man so einer alten Tante ja eigentlich gar nicht zu trauen, oder ist das einfach nur eine berechnende Intrige? Dadurch, daß Lizzy ja eigentlich unbedingt zu Ava in die Lehre will, aber ihr Hexengeschenk Rasty dennoch nicht abgeben will, ist nicht nur sie, sondern auch die Leserin hin- und hergerissen. Ist Camilla wirklich so nett wie es scheint? Warum wollen alle Hexen, daß sie zu ihr in die Lehre geht? Stimmt mit Ava etwas nicht? Auch das Thema, daß eine Hexe zuviel bei der Feier ist, erinnert an Dornröschen, so daß man eine böse Vorahnung bekommen kann. Eine Hexe ist zu viel und muss gehen, bringt das für Lizzy etwa Nachteile? Ist es ein böses Omen? Die Geschichte ist sehr fluffig und kurzweilig geschrieben. Immer wieder spürt man die Nähe zwischen Lizzy und ihrer Freundin Stina und den Wunsch sich auch von den Eltern, die sie durchaus liebt, abzugrenzen. Das ist sehr passend für das Lesealter ab 10 Jahren. Denn die Bedeutung der Freunde wird immer größer, aber an den Eltern hängt man auch noch sehr. So ähnlich ist es ja auch mit Jungs, irgendwie sind sie peinlich, aber auch interessant... so kommt es dann auch, daß sie nicht die einzigen Gäste auf Camillas abgefahrenen Anwesen sind, denn ihr wurde auch noch Tim anvertraut. Der ist etwas älter als die Mädchen und hat bis vor kurzem in London gelebt, braucht nun aber Hilfe. Auch bei ihm weiß Lizzy nicht so recht, was sie von ihm halten soll, während Stina ganz verzückt ist. Aber keine Sorge, dies ist keine Liebesgeschichte, sondern ein magisches Abenteuer, denn ehe die Ausbildung zur Kräuterhexe losgehen kann, müssen die 3 Youngster erst noch eine ausgesprochen kniffelige Aufgabe lösen, bei der für Camilla alles auf dem Spiel steht. Schon bevor Camilla in Not gerät, fanden wir die Geschichte aufregend. Es gibt so viel Neues zu entdecken und der Hauch des Geheimnisvollen liegt über dem Ganzen. Dabei sind Lizzy und Stina gemeinsam mit Vogelspinne Rasty echt lässig und zugleich auch sehr sympathisch. Man kann sich sehr gut mit diesen zwei Mädchen und ihren Sorgen und Nöten identifizieren und mit ihnen staunen, noch ehe es richtig spannend wird.

Die Aufmachung ist sehr ansprechend, nicht nur wegen des Metallicdrucks auf dem Cover, sondern auch wegen der schönen Rankenvignetten. Das Druckbild ist übrigens ausgesprochen augenfreundlich, mit deutlichem Zeilenabstand und angenehm großer Schrift für das Lesealter ab 10 Jahren, das lieben wir!

Meine zwei Junghexen sind sich absolut einig, daß Green Witch sehr cool ist und unbedingt fortgesetzt werden sollte, sie wollen unbedingt mehr über Lizzy/Sabeths Ausbildung wissen! Ein absoluter Lesetipp, nicht nur zu Halloween!

Veröffentlicht am 07.10.2019

Tierfantasy über Fehden und Versöhnung

Beast Changers. Im Bann der Eiswölfe
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In Vallen wachsen die zwölfjährigen Zwillinge Anders und Rayna als Straßenkinder auf, nachdem ihre Eltern im Kampf der Eiswölfe gegen die Feuerdrachen gestorben sind. In aller Heimlichkeit besorgen sie ...

In Vallen wachsen die zwölfjährigen Zwillinge Anders und Rayna als Straßenkinder auf, nachdem ihre Eltern im Kampf der Eiswölfe gegen die Feuerdrachen gestorben sind. In aller Heimlichkeit besorgen sie und die anderen Straßenkinder sich, was sie zum Überleben brauchen. Sie sind eine Gemeinschaft, die im Notfall für einander einsteht, mit einem ungeschriebenen Codex. Als Rayna beim Stehlen erwischt wird, versucht sie ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen, indem sie behauptet, daß sie und Anders gerade zum Text der Eiswölfe angereist seien. Auf der Bühne für jedermann sichtbar ergreift sie den magischen Stab und verwandlet sich in einen Feuerdrachen. Die Menge ist entsetzt und verängstigt und Rayna muss fliehen. Dann geschieht das Undenkbare und Anders wird zum Eiswolf, den erklärten Feinden der Feuerdrachen. Bislang galt es als unmöglich, daß aus einer Familie sowohl Eiswolf, als auch Feuerdrachen-Gestaltwandler stammen. Zu krass sind die Gegensätze der Feinde, bei denen die Einen die Hitze und das Feuer lieben und die Anderen Frost und Eis. Um seine Schwester vor den Feuerdrachen zu retten, beschließt Anders doch in die Ulfar-Akademie für junge Eiswölfe einzutreten, um seine neuen Fähigkeiten kontrollieren zu lernen.

Auch wenn Vallen ein fremdes Reich ist und man ohne große Einführung mitten in Anders und Raynas Leben platzt, fühlt man sich gleich mittendrin. Der Auftaktband legt den Schwerpunkt auf die Eiswölfe. So begleitet man erst beide Geschwister und die Hörer, die wohl kaum auf der Straße aufgewachsen sein dürften, bekommen Einblick in eine völlig fremde Welt mit unbekannten Gefahren und Gefühlen. Welches Kind kennt bei uns heute noch das Gefühl von Hunger und die Not das Überlebensnotwendige stehlen zu müssen. Aber das ist nur der Backround, darauf liegt nicht der Schwerpunkt der Geschichte. Diese zeigt vor allem, daß Anders, getrennt von seiner Zwillingsschwester sich erst mal völlig neu organisieren muss. Um sie zu retten, tritt er in die Ulfar-Akademie ein, ein bislang unvorstellbares Unterfangen. Dort muss er sich in völlig unbekannte Strukturen einleben, die ihm fremd sind, in die er sich aber erstaunlich schnell einpasst. Es gibt Zusammenhalt, Regeln und Freundschaft, auch wenn er dieser zunächst skeptisch gegenübersteht. Anders muss lernen seine Kräfte zu Bündeln, seine Stärken zu beherrschen und herausfinden, warum er offensichtlich anders ist als die anderen, wobei er sein Geheimnis wahren will. Spannend und geheimnisvoll. Man fühlt sich gefangen, hin- und hergerissen zwischen Bewunderung für die Einrichtung und Skepsis, denn immerhin hatte Rayna ihr gegenüber erhebliche Vorbehalte. Es werden die Sehnsüchte vieler Kinder und Jugendlicher nach Gemeinschaft, die wohl der Vorliebe für all die Internatsgeschichten zugrunde liegt, gebündelt und mit Fantasy und Abenteuer vereint. Mir gefiel gut, daß hier die Geschichte stringent in der fiktiven Welt von Vallen und dem Reich der Feuerdrachen spielt. Tierwandlerfantasy, ohne fremde Genre-Cross-over, was mich in der letzten Zeit öfter mal mehr oder weniger irritiert hat. Man spürt Anders wachsendes Vertrauen in die Akademie, aber wie auch bei ihm, bleiben beim Hörer Skepsis und Zweifel. Denn wie kann es sein, dass Rayna und Anders so sehr vom hier vermittelten Schwarz-Weiss-Konzept abweichen, wenn alles stimmt was gesagt wird? Hoffentlich regt dies einige Zuhörer auch für die reale Welt zum Hinterfragen des scheinbar Gegebenen an. Die Geschichte ist rasant, aber ohne die Zuhörer zu überrollen. Der Entwicklung der Charaktere kann man gut folgen, ihre Motivation ist klar. Die Geschichte ist in diesem Band vorerst abgeschlossen, aber es ist klar, daß der Schein trügt.

Die Meinung meiner Töchter: Der Großen gelang der Einstieg in die Geschichte nicht auf Anhieb, dann aber hörte sie ganz gerne mit und fand die Geschichte in Ordnung. Die Kleine (10) fand dieses Abenteuer deutlich spannender und mochte auch den Sprecher sehr gerne, weil er eine sehr angenehme Stimmlage hat, der ihr die Spannung „erträglicher“ macht. So hat sie das Gefühl, das schon alles gut wird. Ihr hat die Geschichte von Rayna und Anders auf Anhieb richtig gut gefallen. Beide wollen wissen, wie es weitergeht und die Große spekuliert darauf, im zweiten Band mehr über Raynas Leben unter den Feuerdrachen zu erfahren. Meine Töchter haben meinen Eindruck bestätigt, daß es doch eher ein Hörbuch für ältere Kinder als für Jugendliche ist, auch wenn es in der Jugendbuchreihe des Verlags erschienen ist.

Julian Greis Jahrgang 1983 ist seit 2009 festes Mitglied des renommierten Thalia Theaters in Hamburg, spielt außerdem in Film und Fernsehen mit und wird als Hörbuchsprecher immer beliebter. 2012, 2015 und 2017 wurde er für seine Arbeit als Hörbuchsprecher mit namenhaften Preisen geehrt. Seine Stimme ist angenehm und jung. Auch wenn er die 12 deutlich überschritten hat, klingt er absolut pausibel, wenn er Anders und Raynas Schicksal lebendig, und gleichzeitig zurückhaltend interpretiert. Seine Stimme klingt einfach selbstverständlich, sie drängt sich nicht auf, trägt jedoch die Geschichte, ohne den Fehler zu begehen, die Lebendigkeit in Überdramatik abgleiten zu lassen. So sind auch die dramatischten Stellen spannend und nehmen den Hörer gefangen, ohne dass einem bewusst wird, daß es doch nur eine Geschichte ist, der man lauscht. Er spricht klar und deutlich, ohne nennenswerte Lautstärkeschwankungen – gut ausbalanciert. Das ist gerade bei Autofahrten und beim Einschlafen wichtig.

Amie Kaufman wuchs in Australien und Irland auf, studierte in Geschichte, Literatur und Recht. Sie ist inzwischen New-York-Times Bestsellerautorin und schreibt Science-Fiction, und Fantasyromane für Jugendliche. Ihr „Illuminae“ war für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2018 nomminiert.

Ab 9/10 Jahren für Jungen und Mädchen, ein spannender Reihenauftakt.

Veröffentlicht am 01.10.2019

Eine total verhexte Freundschaft

Paul und die Klettenhexe
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Paul ist ein Spitzenschüler und hat 3 Jahre in Folge den Titel „vernünftigster Schüler der Schule“ gewonnen, worauf er sehr stolz ist. Leider hat er keine Freunde, aber nun ein Stipendium für die Maria-Maria-Makelos-Schule ...

Paul ist ein Spitzenschüler und hat 3 Jahre in Folge den Titel „vernünftigster Schüler der Schule“ gewonnen, worauf er sehr stolz ist. Leider hat er keine Freunde, aber nun ein Stipendium für die Maria-Maria-Makelos-Schule für Hochbegabte gewonnen. Dort wird er unter seinesgleichen sicherlich endlich den ersehnten Anschluss finden! Da seine Eltern Haus „Krähenhorst“ in der Nähe der Schule geerbt haben, zieht die Familie auch gleich dorthin um. Das Haus ist ganz schön alt und hat einen riesigen verwilderten Garten. Dort wohnt Klarinde die Klettenhexe, die sofort beschlossen hat, dass Paul künftig ihr neuer Freund sein wird und erschreckt ihn mit einem Blick durchs Fenster in der ersten Nacht ganz fürchterlich. Auf dem Weg in die Schule stiehlt sie ihm dann auch noch alle Muffins, die seine Mutter ihm für den Einstand mitgegeben hat und bringt ihn auch ansonsten ganz schön in Schwierigkeiten. Denn Klarinde ist sicherlich nicht die vernünftigste und ordentlichste Schülerin der Maria-Makelos-Schule, wegen ihrer ausgefallenen Ideen und magischen Effekte bei den Mitschülern aber sofort beliebt. Mit ihr wird es niemals langweilig. Doch Paul findet Langeweile nun gar nicht mehr so schlimm und eine solche Freundin nicht so erstrebenswert.
Während Paul wirklich unglaublich brav, strebsam und langweilig ist, ist Klarinde das totale Gegenteil. Sie passen wirklich nicht zusammen! Doch wenn Klarinde sich etwas in den Kopf gesetzt hat, so soll es so auch gesehen. Für sie läuft es ja auch prima und sie hat jede Menge Spaß – Paul aber weniger, er stolpert von einer Katastrophe in die nächste und tat mir dabei furchtbar leid, weil er den Ärger, den er bekam überhaupt nicht verdient hat. Das fand meine Tochter (10) sehr ungerecht. Ich konnte Paul verstehen, auf so eine Freundin hätte ich auch verzichtet, aber Paul auch nicht gewollt. Für mich ist das nicht wirklich Freundschaft, was die zwei aus- und vorleben. Eigentlich macht Klarinde nur was sie will und Paul hat offensichtlich kein Mitspracherecht. Doch auch wenn wir die Geschichte bisweilen als ungerecht empfinden, so ist sie doch nicht langweilig. Mit Klarinde ist immer was los. Rechtschreibung ist nicht ihre Stärke, aber sie kennt jede Menge Witze und Hexensprüche. Diese sind fröhlich gereimt und im Anhang sind diese ebenso veröffentlicht, wie ihre Lieblingswitze. Das fand meine Tochter super und hat mit großer Begeisterung die Witze und Scherzfragen studiert. Sie fand die Geschichte auch unterhaltsam, aber über die teilweise himmelschreienden Ungerechtigkeiten regte sie sich schon richtig auf. Das Ende der Geschichte ist dann auch ziemlich überraschend und ein echter Klarinde-Knaller, mit dem man so dann wirklich nicht mehr gerechnet hat. Die Geschichte ist witzig und gut verständlich geschrieben, auch wenn Klarinde gerne mit Sprache spielt und sich neue Wörter ausdenkt. Dabei ist die Schrift angenehm groß mit ebenso angenehmem Zeilenabstand.
Was ist nicht ganz so toll fand, ist dass sie in Klarindes Schrift mit ihren Fehlern abgedruckt sind. Für rechtsschreibstarke Kinder ist es ein großer Spaß und eine tolle Bestätigung ihrer Fähigkeiten, wenn sie die Fehler entdecken und darüber lachen können. Aber ich finde es zum einen nicht so toll über die Schwächen von Mitschülern zu lachen und bei Kindern mit visuellem Gedächtnis können sich falsche Schreibweisen einprägen.
Die Aufmachung mit den vielen Illustrationen ist sehr liebevoll gemacht, ebenso das „Wörderbuch“ im Glossar, dass für Kinder Klarindes bisweilen bizarre Ausdrucksweisen in übliche Ausdrücke übersetzt, die Hexensprüche und ihre Lieblingswitze.
Meiner Tochter hat es gut gefallen, ich fand es weder schlecht, noch richtig gut, sondern pädagogisch fragwürdig, aber unterhaltsam und sehr ansprechend aufgemacht.

Veröffentlicht am 30.09.2019

Sehr spannender, magischer Reihenauftakt

Cassandra Carpers fabelhaftes Café
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Die 11-jährige, etwas pummelige Emma ist gerade erst mit ihren Eltern nach London gezogen. Ihre Eltern sind beide Schauspieler und ziehen daher ständig um. Freunde hatte Emma deshalb noch nie und auch ...

Die 11-jährige, etwas pummelige Emma ist gerade erst mit ihren Eltern nach London gezogen. Ihre Eltern sind beide Schauspieler und ziehen daher ständig um. Freunde hatte Emma deshalb noch nie und auch ihre Eltern habe keine Zeit für sie. So ist sie ziemlich einsam und liest viel. Das lenkt von ihren Sorgen und Problemen ab, wie den Clark Brüdern, die sie in der Schule und dem Schulweg ärgern und ihr auflauern. An einem windigen Herbsttag flüchtet Emma vor ihnen in eine kleine Bäckerei, die auf dem Weg liegt. Die Inhaberin ist sehr freundlich und bietet ihr einen Cupcake an, der ihr Leben verändern soll. Dass dies ein magischer Cupcake ist und Cassandra Carper eine Hexe, die sich auf die Kunst des Backens magischer Cupcakes versteht, ahnt sie nicht. Noch viel weniger, daß Cassandra nach diesem Treffen verschwindet und nun das mächtigste Hexenbuch überhaupt, in Emmas Tasche steckt. Es ist mit einem Folgezauber belegt, der es Emma unmöglich macht, es loszuwerden. Denn sie ist seine neue Hüterin und muss es mit zwei Vertrauten vor den immer mächtigeren Schergen der Mume beschützen. Besonders kniffelig, wenn man noch nie Freunde hatte.

Dies ist ein magisches Fantasyabenteuer für junge Leser ab 10 Jahren, die abenteuerliche, unheimliche Geschichten voller Freundschaft und Zusammenhalt lieben!
Denn der magische Cupcake verändert in der Tat Emmas Leben, er verhilft ihr zu den Fähigkeiten, die sie benötigt, um die entführte Cassandra wiederzufinden und das ihr anvertraute Buch zu beschützen. Natürlich kann sie das nicht alleine und so findet sie erstmalig in ihrem Leben eine Freundin in der exzentrischen Paula aus dem Dachgeschoss. Soooo eine Freundin wollte sie eigentlich gar nicht haben, denn Paula ist echt schräg, aber nicht so leicht abzuschütteln und noch dazu ziemlich unerschrocken. Uns hat Paula im Sturm erobert! Bei ihrem großen coolen Bruder hat es etwas länger gedauert. Außerdem begegnen Emma und Paula auch noch einigen merkwürdigen Gestalten, bei denen sie nicht immer auf Anhieb wissen, was sie von ihnen halten sollen. Sie geraten in einen Strudel aus Ereignissen und stehen ständig vor der Frage: Wer ist Freund, wer ist Feind, wem kann ich trauen? Hier lernt man wirklich interessante Typen und noch abgefahrenere magische Wesen kennen, denen man nicht unbedingt im wahren Leben begegnen möchte.



Die Ausgangssituation ist etwas traurig, denn Emmas Eltern nehmen sie gar nicht richtig wahr und empfinden sie eher als lästiges Anhängsel. Ganz anders bei der etwas merkwürdigen Paula, deren Eltern völlig normal, besorgt und liebevoll sind und dennoch eine nicht durchschnittliche Tochter großziehen. Die Gleichgültigkeit Emmas Eltern, die im krassen Kontrast zur Fürsorge von Paulas Mutter steht, haben meine Töchter dann doch etwas nachdenklich gemacht, so sollen für sie Eltern auf keinen Fall sein, dann doch lieber etwas übervorsorglich ;) Da lachte natürlich mein Mutterherz! Auch hat das Buch ein Eigenleben, das Emma so gar nicht in den Kram passt, dennoch macht es Emma ganz schnell klar: daß sie Bücher anständig und sorgsam behandeln soll! Paula liest auch total gerne, ist aber auch ein großer Fan des Internets und es ist erstaunlich, was sie dort alles für Infos aus längst vergangenen Zeiten findet. Während sie staunt, ist Emma eher skeptisch, das kann doch gar nicht sein, nur weil es im Internet steht, muss es doch nicht stimmen, oder? Ein wunderbares Für- und Wider für die Internetnutzung mit verblüffenden Ausgang für Emma und liebe Eltern: das Internet schadet Euren Kindern nicht zwangsläufig! Eine wunderbare Mischung aus Fantasy und Abenteuer, daß klassische und moderne Elemente mischt. Mal witzig, mal einfach nur spannend und auch bisweilen unheimlich! Die Geschichte ist in sich abgeschlossen, bietet aber Raum für eine Fortsetzung, über die wir uns sehr freuen würden!

Meine Töchter 12 und 10 Jahre, fanden beide das Buch unheimlich cool und spannend und empfehlen es unbedingt weiter. Mir hat es übrigens auch Spaß gemacht, es lässt sich unglaublich gut vorlesen, was nicht nur an dem unheimlich augenfreundlichen Druckbild mit relativ großer Schrift für das Alter und deutlichem Zeilenabstand liegt. Die Sprache ist einfach gefällig, da stolpert nichts, da klemmt nichts. Gerade beim lauten Vorlesen bemerkt man da oft große Unterschiede, die einem sonst nicht auffallen würden.

Mehr für Mädchen, als für Jungs, aber nicht zwingend, ab 10 Jahren.