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Veröffentlicht am 09.04.2019

Jeder darf so sein wie er will

Lotti und Otto (Band 1)
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Lotti ist ein kleines Otter-Mädchen, das immer eine lustige rote Bommelmütze trägt und das Abenteuer sucht! Am liebsten in Form von Monstern, denen sie gerne Fallen stellt, um sie zu fangen. Bisher hatte ...

Lotti ist ein kleines Otter-Mädchen, das immer eine lustige rote Bommelmütze trägt und das Abenteuer sucht! Am liebsten in Form von Monstern, denen sie gerne Fallen stellt, um sie zu fangen. Bisher hatte sie da aber wenig Glück, anders als beim Angeln, wobei sie großes Geschick beweist. Otto ist ein kleiner Otterjunge mit blauer Bommelmütze, der gerne mit backt und aus alten Gardinen ein Zelt näht, da er ins Ferienlager soll, wo er doch ein wenig Schutz vor Monstern möchte, die er absolut fürchtet. Deswegen möchte er auch gar nicht dorthin! Aber er muss und trifft dort auf Lotti, die nicht nur genauso aussieht wie er, sondern auch all die Dinge liebt, die er fürchtet, dafür aber Backen und Nähen nichts abgewinnen darf. Leider werden die Tierkinder nach Geschlechtern getrennt in Gruppen eingeteilt und nicht nach Interessen. Wie soll Lotti nun um das Backen herumkommen, für das sie nun so gar kein Talent hat und sich Otto vor dem Angeln drücken?

Ein Bilderbuch über Geschlechterrollen, das fand ich cool, denn um die Gesellschaft zu ändern, muss man mit den Gedanken in den Köpfen beginnen. Also war ich sehr neugierig, fand allerdings die gewählten Beispiele jetzt nicht krass genug. Ich kenne genügend Jungs die Backen, im Nähkurs meiner Töchter war auch ein Junge, aber Jungs die Angeln kenne ich nicht so viele (das ist ja auch langweilig, mit dem vielen rumsitzen), dafür sind aber auch im Grundschulalter Teddybären noch eine Selbstverständlichkeit. In sämtlichen Ferienfreizeiten meiner Töchter waren die Gruppen durchmischt und es gab Angebote, die jeder wahrnehmen konnte, auch wenn einige Angebote mehr Jungs anlockten als Mädchen. So der ganz krasse Mädchenkitsch wie Barbies, Prinzessinnenkostüme, Glitzerkram und Schminke fehlten hier in der Tierwelt ebenso wie Roboter, Waffen, Mondraketen, Technik, Schnitzmesser..... Daher brauchte ich dringend eine Kindermeinung für dieses Buch mit der Altersempfehlung 4 – 6 Jahre.

Die fast 4 jährige Emilia fand offensichtlich den Textanteil zu hoch, nach 1,5 Seiten im öden Schwimmbadcafé schaltete sie ab. Der nächste Versuch scheiterte ebenso schnell. Nein, ich habe ein Kind aus einer lesebegeisterten Akademikerfamilie gewählt, daß durchaus eine positive Einstellung zu Büchern hat, aber auch die wirklich zauberhaften Illustrationen von Carola Sieverding konnten ihre Aufmerksamkeit nicht lange fesseln. Das Text-Bild-Verhältnis ist wohl für 4 Jährige noch zu textlastig, daher würde ich es für die Altersgruppe 5 – 7 Jahre empfehlen.

Da in der turbolenten Vorweihnachtszeit mir einfach kein Kinder der entsprechenden Altersgruppe mehr begegnete und meine Jüngste (9) immer wieder nach dem Buch schielte, wurde sie meine nächste Zuhörerin. Ihre Konzentrationsspanne war kein Problem. Ihr Urteil: nein, das darfst Du nicht verschenken, das will ich behalten! - Warum? - Weil es cool ist, es erklärt ganz klar, dass nicht alle gleich sind und jeder mögen darf was er will. Als ich sie fragte, ob das mit den typischen Rollenbildern in der Geschlechterverteilung gut rübergekommen wäre, schaute sie mich nur fragend an.

Die Sprache ist gut verständlich, wenn auch die Sätze für 4 Jährige noch zu lang und der Textanteil zu hoch. Die Begriffe sind bekannt, die Gedanken für die meisten Kinder aber so nicht relevant, weil in der Praxis die Gesellschaft doch sehr viel offener ist, als man es meinen mag. Die Akzeptanz von Querdenkern fand meine Tochter aber sehr deutlich und hilfreich.

Collien Ulmen-Fernandes ist Mutter einer kleinen Tochter (jetzt 5) und gibt Erziehungsratschläge gemeinsam mit Jesper Jul und Kirsten Fuchs im Familientrio der Süddeutschen Zeitung. Meistens tendiere ich zu den Ansichten von Kirsten Fuchs und am Wenigsten zu Jesper Jul, die mir zu realitätsfern sind. Daher war ich auf diese Bilderbuchumsetzung sehr gespannt. Man muss natürlich überlegen, daß die Umsetzung durch die Wahl der Tiere als Erklärmedium beschränkt ist. Backende oder angelnde Otter kann man sich wohl besser vorstellen als Barbie spielende und PC-zockende Otter.

Optisch hat Carola Sieverding die Geschichte wunderbar umgesetzt, mit herrlich leuchtenden und fröhlichen Farben. Mit ganz vielen liebevollen Details gibt es jede Menge zu entdecken und so werden Kinder das Buch auch immer wieder gerne zur Hand nehmen, es durchblättern und die Geschichte durch den Kopf gehen lassen. Die Gestaltung finde ich ausgesprochen gelungen.

Veröffentlicht am 09.04.2019

Sie lehrt Sherlock das Staunen

Der Fall des verschwundenen Lords
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Vor 10 Jahren verstarb der Vater des berühmten Privatdetektivs Sherlock Holmes und seines bürokratischen Bruders Mycroft. So lange schon waren die zwei nicht mehr auf dem Familiensitz Ferndall Hall. ...


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Vor 10 Jahren verstarb der Vater des berühmten Privatdetektivs Sherlock Holmes und seines bürokratischen Bruders Mycroft. So lange schon waren die zwei nicht mehr auf dem Familiensitz Ferndall Hall. Ihre Vierzehnjährige Schwester Enola ist fest davon überzeugt, daß es daran liegt, dass sie sich für sie schämen, die Schande, die ihre Eltern so spät bekamen, immerhin war ihre Mutter damals schon 50! Doch als an ihrem Geburtstag ihre Mutter, eine freigeistige Künstlerin und Frauenrechtlerin, spurlos verschwindet, ohne ihre Tochter mitzunehmen oder ihr einen Brief zu hinterlassen, ruft sie ihre Brüder herbei. Nicht nur Enola staunt, als ihre Brüder ihr offenbaren, warum sie sich solange nicht haben blicken lassen, auch ihre Brüder staunen, über den Zustand des Gutes, des Herrenhauses, sowie des ungebändigten Zustands der Schwester. Ganz eindeutig muß Enola in ein Internat, doch dass sieht diese anders, sie muß ihre Mutter finden. Während Mycroft ihre Internatsgarderobe schneidern lässt, plant sie ihre Flucht und findet dabei immer wieder versteckte Hinweise ihrer Mutter, geheime Botschaften und Codes, speziell an sie gerichtet. Um ihre Spuren vor ihren logisch rationalen Brüdern zu verschleiern, geht sie bewußt planlos vor und stolpert so, in den Fall eines spurlos verschwunden Zwölfjährigen Lords, der die Presse in Atem hält. Da kann sie ihre Familienspürnase leider nicht bremsen und geht der Sache nach.

Enola ist ein interessanter Charakter, ebenso wie ihre freigeistige Mutter, die sie so ganz anders erzogen hat, als es für Töchter der besseren Gesellschaft damals üblich war. Während dies reflektiert wird, ebenso wie die Eigenheiten und Schrullen von Lady Eudoria Holmes, wird einem doch deutlich wie weit die Frauenrechte inzwischen gediehen sind. Vieles was für uns heute selbstverständlich ist, war 1888 völlig undenkbar. Da es ein Jugendbuch ist, ist es auch unglaublich wichtig, dies den jungen Leserinnen vor Augen zu führen. Frauen wie Eudoria Holmes haben dafür gekämpft und einiges an Kritik und gesellschaftlicher Ächtung hingenommen, damit wir heute die Wahl haben zu sein wer wir sind und zu werden, wer wir wollen und nicht zwangsläufig Ehefrau und Mutter oder eben nicht nur. Das ist zwar wichtig und interessant, nimmt aber auch viel Raum in dem Roman ein, ebenso wie die Schilderung der Personen und Gegebenheiten, so daß erst auf S. 100 der titelgebende Fall beginnt. Das empfinde ich als ein typisches Problem von Reihenauftaktbänden, daß eben sehr viel Zeit und Seiten auf die Einführung in diese neue fremde Welt investiert wird. Das ist zwar für die folgenden Bände notwendig, sollen die Charaktere nicht wie bloße Abziehbilder wirken, aber für einen Krimi lässt der Fall schon sehr lange auf sich warten.
Als der Kriminalfall des verschwundenen Lords dann endlich begann, war ich etwas enttäuscht, daß er so schnell auch schon wieder vorbei war, aber das war ein Trugschluss. Denn das Blatt wendete sich erneut.Was später kam war wirklich unglaublich spannend, auch wenn es nicht so schwer zu erraten war, wer denn dahinter steckte. Das fand ich etwas schade. Sehr spannend fand ich aber immer wieder die Codes, die Lady Holmes für Enola hinterließ (so kann man ihren Vornamen auch rückwärts erlesen und erhält dann? Jawoll, ein Gefühl, daß sie oft überkommt). Wie die Codes funktionieren, wird ausführlich erklärt. Auch die Frage, ob Enola letztendlich von ihren Brüdern erwischt wird und im Internat landet, ist immer und allgegenwärtig.

Nancy Springer schreibt flüssig und sehr anschaulich z.B. über die Qualen die die damalige Damenmode nicht nur durch ihre sperrigen Korsetts verursachte. Auch die gesellschaftlichen Probleme, die Dickens in seinen Gesellschaftsromanen anprangert, wie die Armut und Verelendung ganzer Stadtviertel, werden einen durch Enola und ihren kleinen Lord sehr plastisch vor Augen geführt. Vom Ausdruck und dem Erfahrungshorizont her, kann Nancy Springer sich hervorragend auf ihr junges Publikumab 12 Jahren einstellen. So bereichern sie ihren Horizont, mit einem nach Anlaufschwierigkeiten sehr spannenden Kriminalfall. Die Reihe ist in der amerikanischen Heimat der Autorin so erfolgreich, daß sie mit Millie Bobby Brown („Stranger Things“) in der Rolle der jungen Detektivin verfilmt wird. Nächstes Jahr soll der Film dann in die Kinos kommen.

Auf den zweiten Band, der direkter zur Sache kommen dürfte, bin ich schon jetzt gespannt und werde die Reihe sicherlich weiterverfolgen.

Veröffentlicht am 08.04.2019

Düsterer, spannender Zyklusabschluss

Wildhexe - Chimäras Rache
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Der zweite Band endete mit einem dramatischen Kampf zwischen der jungen (12), ungeschulten Wildhexe Clara und der verstoßenen mächtigen Chimära. Als sie unterliegt, stößt Chimära nicht nur Verwünschungen ...

Der zweite Band endete mit einem dramatischen Kampf zwischen der jungen (12), ungeschulten Wildhexe Clara und der verstoßenen mächtigen Chimära. Als sie unterliegt, stößt Chimära nicht nur Verwünschungen aus, sondern schwört Rache. Kaum danach gehen unerklärliche und beängstigende Dinge mit Clara von sich. Nachts hat sie einen fürchterlichen Albtraum und sie wird am helllichten Tag aus dem Hier und Jetzt in die wilde Welt gerissen, während ihr Körper wie parallelisiert in ihrem Alltag zurück bleibt. Sie hat Visionen von einem toten Fleck Erde, das begierig alles Leben in sich aufsaugt, und alle Tiere um diesen Fleck herum sind in Gefahr. Von dieser Stelle geht ein wahnsinniger Hunger aus und Clara schlüpft sowohl in den Geist der Gejagten, als auch des hungrigen Jägers. Diese „Wildreisen“ kann sie nicht kontrollieren und als es ihr unvermittelt in der Schule passiert ist dies nur weiterer Anlaß für Spott und Hohn. Doch dann eskaliert die Situation, und ihr gemeinster Mitschüler kommt durch eine dieser Wildreisen zu ernstem Schaden. Clara beschließt, daß sie sich der Situation stellen muss, und sucht Hilfe und Erklärungen bei ihrer Wildhexentante Isa. Sie muss herausfinden, welche Kräfte von ihr Besitz nehmen möchten, wer dahinter steckt. Doch Kater kann ihr diesmal nicht helfen, also begleitet sie die Wildhexenschülerin Kahla, auf diese gefährliche Mission.

Schon gleich zu Beginn wird klar, dieser Band wird düsterer als die Bände zuvor und auch noch spannender. Denn die unerklärlichen Kräfte ziehen an Clara und drohen sie innerlich zu zerfressen, wenn sie nicht herausfinden, wer so gierig von ihr Besitz ergreifen will und warum. Clara traut sich selbst nicht mehr und bekommt vor sich selbst und ihrer innerlichen Gier echte Angst. Das ist schon düster und gruselig, doch wer Harry Potter verkraftet, kommt mit dieser sehr ähnlichen Düsternis gut klar.

Die Gefahren kommen näher und auch in ihre behagliche Welt zu Hause. Nicht nur das Oskar wieder mal sehen muß, was er mit seiner Prahlerei über Claras Künste angerichtet hat, und sich das Mobbing verstärkt, es kommt zu echten Handgreiflichkeiten, die allerdings nicht für Clara mit Lebensgefahr enden, sondern für den Angreifer. Das ist sehr bedrohlich, aber sehr schön für Kinder, daß sich Clara dennoch um ihren Peiniger sorgt und sich verantwortlich fühlt. Während sie versucht etwas über seinen Zustand herauszufinden versucht, erfährt sie viel mehr über seine Lebensumstände, als wohl irgendein anderes Kind aus der Schule über ihn weiß. Dadurch wird er für sie menschlicher und realer und sie hat mehr Verständnis. Ein Thema, daß zwar nicht neu ist, aber einfach nicht oft genug erwähnt werden kann. Oft hilft es einfach mehr über sein Gegenüber zu wissen, um es zu verstehen und um Spannungen abzubauen. So greifen die normale Welt und die wilde Welt ineinander. Auch dort geht es darum, daß Clara mehr über die Hintergründe ihres Angreifers, dieser unheimlichen unsichtbaren Macht erfährt, um sie zu verstehen und sich gegen diese zu wehren und womöglich Erlösung zu finden. Denn anders als Chimära ist Clara nicht von Hass oder Rachegefühlen geprägt, selbst ihren Feinden bringt sie noch Verständnis entgegen und es hilft. Sehr tröstliche Gedanken, in einer sehr spannenden und geheimnisvollen Geschichte, in welcher man immer tiefer in die Zusammenhänge der wilden Welt eindringt. Hierdurch wird der Düsternis die Spitze genommen, da das Vertrauen darin immer stärker wächst, daß Clara schon das richtige tun wird, das Gute.

Sehr packend und mitreißend erzählt, haben wir gerne mit Clara um Kater gebangt und sind ihr auf dem Suche nach den Hintergründen gefolgt. Dabei sind die Beschreibungen wunderbar plastisch, so daß wir uns auch die Fantasy-Elemente, die uns noch nicht aus anderen Geschichten bekannt sind, sehr gut vorstellen können. Zudem hat das Buch eine angenehme Länge mit knapp 200 Seiten, ist das Taschenbuch leicht genug für jeden Rucksack und entmutigt auch nicht Kinder die sich mit dem Lesen nicht so leicht tun. Dabei hilft auch die angenehme Schriftgröße und der größere Zeilenabstand, die auch Kindern ab 10 das Lesen erleichtert. Eine Reihe, bei der man unbedingt dran bleiben will, um zu erfahren, welche Aufgabe Clara denn nun als nächstes zu bewältigen hat und wie sie sich weiter entwickelt. Wir können auch diesen Band bedingungslos empfehlen, weisen jedoch daraufhin, daß wie bei Harry Potter jeder Band düsterer und unheimlicher wird. Für besonders sensible Kinder ist es wohl besser, mit ihren Eltern zu lesen und die Altersempfehlung zu beachten.

Veröffentlicht am 04.04.2019

Monstermäßig starke Themen

Fjelle und Emil - Monstermäßig beste Freunde
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Der 10 jährige Emil ist ein glückliches Kind. Er lebt im beschaulichen Flusenbek, wo seine Eltern eine Bäckerei haben und trifft jeden Morgen auf dem Weg zur Schule seinen moosgrünen Freund Fjelle. Doch ...

Der 10 jährige Emil ist ein glückliches Kind. Er lebt im beschaulichen Flusenbek, wo seine Eltern eine Bäckerei haben und trifft jeden Morgen auf dem Weg zur Schule seinen moosgrünen Freund Fjelle. Doch der ist kein gewöhnlicher Freund, nein Fjelle ist ein freundliches, hilfsbereites Monster. Es hilft den Kindern die Schulranzen zu tragen, lässt sie an seinen Armen schaukeln, spielt mit ihnen Verstecken, hat eine wunderschöne Schrift und kann prima Rechnen. Wenn Fjelle sich freut, ist er SUPERfroh, wenn er sich ärgert, wird er SUPERwütend. Alles ist bei im etwas größer und stärker, aber so ist er halt und so kennen ihn alle. Gar kein Problem denken sie, bis ein neuer Direktor an die Grundschule kommt und der scheint Monster zu hassen, ganz ohne ersichtlichen Grund. Direktor Unterberg schikaniert Fjelle und setzt alles daran, die Bevölkerung des Ortes gegen ihn aufzubringen, um Monster in dem kleinen Örtchen zu verbieten.

Schon das Cover sieht freundlich und fröhlich aus, mit bunten Farben und lachenden Gesichtern. So beginnt die Geschichte ja auch, denn Emil und seine Klassenkameraden haben eine wunderbare Kindheit. Fjelle ist zwar etwas anders, da bei ihm die Gefühle immer stärker sind, aber was solls, so ist er halt. Bis der Direktor kommt und auf die Andersartigkeit aufmerksam macht. Wunderbar wird Kindern am Beispiel von Fjelle klar gemacht, wie schnell jemand, völlig zu Unrecht ins Abseits gedrängt wird. Dafür bedarf es gar nicht viel, es muß nur einer stark genug polarisieren. Für den Betreffenden ist das ganz furchtbar, er leidet sehr unter dieser Ungerechtigkeit. Meine Tochter war so empört, daß sie sich immer wieder Tränen wegwischen musste, weil sie es so gemein und ungerecht fand, was Fjelle und Emil dort wiederfahren ist. Egal was Fjelle und seine Freunde sagten oder taten, der Direktor wischte es als nebensächlich beiseite oder schnitt ihnen das Wort ab… So funktioniert Mobbing und soziale Ächtung – früher und heute, solange bis keiner mehr mitmacht. Doch solche Strömungen sind ganz schön verführerisch, bis einer sich gegen den Strom stellt und diesen umlenkt. Dafür muss man ganz schön mutig sein, aber es gibt Dinge für die es sich zu kämpfen lohnt. So kommt es, dass diese Freundschaftsgeschichte sehr SUPERemotional ist. Anfangs sehr lustig, dann sehr traurig und am Ende richtig spannend.

Unterstrichen wird es von den freundlich fröhlichen Bildern der beliebten Illustratorin Nina Dulleck. Diese vermitteln leicht den Eindruck, daß es sich um eine Geschichte für jüngere Kinder handelt, aber dafür ist die Thematik zu ernst und zu komplex. Die liebevollen Bilder lassen die Leser aber ahnen, daß es ja als freundliches Buch, am Ende doch noch gut ausgehen wird und mildern so etwas die Traurigkeit ab.
Da Anne Scheller das Thema aber sehr kindgerecht entwickelt kann man es durchaus auch schon ab der Vorschule vorlesen. Sprachlich ist es zum Vorlesen auch wirklich gut geeignet, allerdings sind die Illustrationen in schwarz-weiß und nicht auf jeder Seite. Daran erkennt man dann doch, daß es Buch für Kinder ab 8 Jahren, also für junge Leser ist. Die Kapitel habe eine überschaubare Länge, die durch die Illustrationen aufgelockert wird. Die Schrift ist schon nicht mehr in Fibelschrift, aber noch relativ groß und mit lockerem Zeilenabstand, so daß man im Lesefluss nicht so leicht in der Zeile verrutscht.

Ein Kinderbuch, daß uns mit seinem Tiefgang positiv überrascht hat. Wir haben eine „einfache“ fröhliche Freundschaftsgeschichte erwartet, aber es steckte deutlich mehr dahinter. Es ist ein Weckruf: „Steht auf, wenn ihr Freunde seid und steht für einander ein!“. Wunderbar, solche monsterstarken Vorbilder kann man in der heutigen Zeit sehr gut gebrauchen!

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Veröffentlicht am 03.04.2019

Das Hörhighlight meiner Tochter (11)

Prinzessin undercover – Enthüllungen
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Rezension von Johanna (11): Das neue Schuljahr in Rosewood Hall beginnt bald, aber vorher muss Lottie eine Geburtstagsfeier für Ellie überstehen. Nach diesem Fest entdecken sie schreckliche Nachrichten. ...

Rezension von Johanna (11): Das neue Schuljahr in Rosewood Hall beginnt bald, aber vorher muss Lottie eine Geburtstagsfeier für Ellie überstehen. Nach diesem Fest entdecken sie schreckliche Nachrichten. Der Vater von Mickey und Lola ist so schwer erkrankt, dass sie zum Schuljahresbeginn nicht kommen werden und Percy Butter, ein Freund von ihnen, wurde entführt. Wer steckt da wohl hinter? War es vielleicht Leviathan, die Organisation für die auch Saskia arbeitete? Doch die seltsamen Geschehnisse an der Schule reißen nicht ab. Schüler flippen grundlos aus. Sie drehen durch und beleidigen sogar Lehrer und sorgen für Chaos. Jetzt hat Jamie auch noch einen Zimmergenossen. Nämlich Percy Butter, dessen Entführung gerade erst durch die Nachrichten ging! Obendrein ist er gehörlos und spricht mit den Händen. Vielleicht hat man Percy deshalb in Jamies Zimmer zugeteilt, da Jamie Gebärdensprache spricht? Eigentlich sollte Jamie ja keinen Zimmergenossen bekommen, um besser im Geheimen agieren zu können. Obendrein hat ihnen ihre Freundin Biena im letzten Schuljahr ein Rätsel gegeben das sie immer noch nicht gelöst haben. Darüber hinaus ist sie sehr neugierig und taucht überall unbemerkt auf. Kennt sie möglicherweise ihr Geheimnis? So viele offene Fragen. Da weiß man gar nicht wo man beginnen soll. Werden sie er schaffen Leviatan aufzuhalten? Was weiß Biena?... Prinzessin undercover ist eine märchenhafte Geschichte zweier Mädchen die unterschiedlicher nicht sein könnten. Eine Geschichte voller Liebe, Geheimnisse und unerwarteten Enthüllungen. Am besten gefällt mir Lottie. Sie macht sich über alles sorgen und ist sehr ehrgeizig, entschlossen und Prinzessinnen besessen. Aber auch die anderen Figuren sind toll. Sehr schön finde ich noch die Beschreibungen von den Menschen, sowie von der Umgebung.
Connie Glynn ist besser bekannt als Noodlerella und mit fast 1.000.000 Followern eine der erfolgreichsten Prinzessinnen auf YouTube. Mit ihren Rosewood-Chroniken schreibt sie sich direkt ins Herz der Prinzessin, die in jeder von uns wohnt.

Monika Oschek liest vielfältig und bunt. Sie verleiht dem Hörspiel den letzten Schliff, indem sie mit viel Gefühl und viel Spaß liest. Sie fesselt den Zuhörer und lässt ihn eintreten in die Welt von Rosewood-Hall, eine Welt voller Intrigen und Geheimnisse, aber auch voller Gefühl. Diese bringt sie genauso gut zur Geltung, wie die unglaubliche Spannung, die sich in diesem Band auch nach dem großen Showdown am Ende des letzten Bandes weiterhin hält und nicht abreißt.
Meinung der Mutter: Meine Tochter liebt dieses Hörbuch. Neben dem Prinzessinnen-Glamour verbindet es den actiongeladenen Agententhriller mit einer Selbstfindungsgeschichte. Denn alle Beteiligten sind noch sehr jung und noch auf der Suche nach sich selbst. Neben der Identität einiger unerwarteter Bösewichter, werden hier aber auch Gefühle enthüllt. Diese zuzulassen oder nicht, und was diese in der konkreten Gefahrenlage bedeutet, lässt Lottie und Ellie mehr über sich selbst zu erfahren, auf der Suche nach der eigenen Identität, während Jamie sich an seinen Auftrag klammert und seine Herkunft negiert. Während Lottie und Ellie in den Erkenntnissen über sich eine neue innere Stärke aufbauen können, blockiert Jamie sich selbst und tritt auf der Stelle. Im Gespräch mit meiner Tochter habe ich festgestellt, daß sie durchaus über die angesprochenen Themen wie Freundschaft und Familie, Herkunft und Wurzeln reflektiert hat. Themen, die gerade die Zielgruppe ab 11 Jahren sehr beschäftigt. Lottie und Ellie verlassen dabei durchaus mal die üblichen Wege und ermutigen damit auch die Zuhörerinnen mal etwas zu wagen, zu probieren und nichts auszuschließen, einfach offen zu sein, für alles, was in einem schlummern könnte. Was sonst noch alles in Lottie, Ellie und Biena steckt, werden wir erst in Band 3 in ein paar Monaten erfahren und wir hoffen sehr, daß Jamie auch bereit ist, mehr in sich hineinzuhorchen. Hoffentlich auch wieder mit Monika Oschek, deren warme junge Stimme, sowohl die Verwirrung der Gefühle, als auch die Entschlossenheit im Kampf mit dem Geheimbund Leviathan durchklingen lässt.

Das absolute Lieblingshörbuch von Johanna!