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Veröffentlicht am 19.12.2021

Dem Rätsel auf der Spur: Die hochspannende Jagd geht weiter!

Red Sky Burning (Bd. 2)
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„Dark Blue Rising“ gehörte schon zu einem meiner Highlights in diesem Jahr, und umso sehnsüchtiger und voller Vorfreude habe ich auf die Fortsetzung gewartet. Und siehe da: Ich wurde nicht enttäuscht – ...

„Dark Blue Rising“ gehörte schon zu einem meiner Highlights in diesem Jahr, und umso sehnsüchtiger und voller Vorfreude habe ich auf die Fortsetzung gewartet. Und siehe da: Ich wurde nicht enttäuscht – ganz im Gegenteil!
Auch „Red Sky Burning“ hat eine gewaltige Sogwirkung auf mich entfaltet, mit welcher mich die Geschichte sofort und immer tiefer in ihren Bann gezogen hat. Wie groß war da doch meine Überraschung, nicht wie erwartet Tabby sondern zuerst einmal Denzi wiederzutreffen. Die Autorin hat ihn als eine interessante, da vielschichtige Figur angelegt, und die neben einer eigenen spannenden Geschichte zugleich verdeutlicht, dass Tabby mit ihrem Schicksal und all dem Unerklärlichen in ihrem Leben nicht allein sondern Teil eines großen Ganzen ist.
Bei aller Sympathie und Faszination für Denzi und sein Bemühen, Puzzlestein für Puzzlestein ausfindig zu machen und aneinanderzusetzen, so habe ich mich aber doch gefreut, im weiteren Verlauf der Geschichte Tabby wiederzutreffen. Tabbys Flucht und ihr Schicksal haben mich schon die vergangenen Monate immer mal wieder gedanklich beschäftigt, und nun zu mitzuerleben, wie ihre weiteren Schritte sind und sie bei aller Gefahr und Risiken um Aufklärung des großen Rätsels ringt, war wieder eine äußerst spannende, da raffiniert konstruierte Schnitzeljagd.
Je mehr ich als Leserin dabei über Tabbys und Denzis eigene Geschichte und damit über den geheimnisvollen Kreis und seine Mitglieder erfahren habe, umso mehr tappe ich bezüglich dessen Ursprungs, Vorgehens und seiner Motive im Dunkeln. Oder anders ausgedrückt: Es bleibt hochspannend!
Und so wie ich auch schon den ersten Band nur widerstrebend nach der letzten Seite aus der Hand gelegt habe, so fiebere ich auch jetzt schon dem großen Finale dieser sehr gelungenen Trilogie entgegen. Meine Vermutung: Wie bei einem Tauchgang in unbekannte Tiefen werden das Rätselhafte und dessen Enthüllung und Aufklärung uns Leser*innen den Atem rauben.

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Veröffentlicht am 06.12.2021

Wie Feuer und Wasser, Erde und Luft – Fantasy, Frauen und Emanzipation

Die Schwestern Grimm
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Wie durch ein schmiedeeisernes Tor im Mondlicht hat auch der Roman mich mit in eine andere Welt genommen – eine Welt mit ihren ganz eigenen Gesetzen, Regeln und vor allem Figuren, welche diese bewohnen.
Und ...

Wie durch ein schmiedeeisernes Tor im Mondlicht hat auch der Roman mich mit in eine andere Welt genommen – eine Welt mit ihren ganz eigenen Gesetzen, Regeln und vor allem Figuren, welche diese bewohnen.
Und so, wie auch die Grimmschwestern von ihrer Herkunft, ihren Fähigkeiten und ihrer Gabe, zwischen Everwhere und dem Hier zu wechseln, etwas Besonderes sind, so ist dies die vorliegende Geschichte auch.
Goldie, Liyana, Scarlet und Bea sind starke Frauen, die sich ihre Stellung in ihrem Leben gegen viele und verschiedene Widerstände hart erkämpfen mussten und dabei vor allem auf sich selbst, ihre Instinkte und die Kraft, die aus der Liebe zu ihren Angehörigen erwächst, gestellt sind. Alleine der Welt und ihren vor allem männlichen Vertretern teils schutzlos ausgesetzt, ist das Band, das sie einst zu einer unbesiegbaren Einheit machte, durch einen Zauber in Vergessenheit geraten. Erinnerungen blitzen lediglich in Form von Bildern, Emotionen und Träumen als kurze Schlaglichter auf – und dies immer häufiger und in ihrer Intensität zunehmend. Denn nicht mehr lang, und an ihrem achtzehnten Geburtstag ist der Bann gebrochen, und in Everwhere erwartet die Schwestern ein Kampf auf Leben und Tod, für das Gute oder das Böse in ihnen und vor allem gegen ihren Vater, den mächtigen Dämon.
Menna van Praag hat einen spannenden, mitreißenden Roman voll Fantasie und fantastischen Elementen geschrieben, der zugleich eine Geschichte des weiblichen Kampfs in einer männlich dominierten Welt, von dem Weg aus der Unterdrückung in die Selbstbestimmung und dem Erlangen von Überlegenheit durch Gemeinschaft ist.
Wie sich die unterschiedlichen, teils gegensätzlichen Fähigkeiten der vier Schwestern zu einem starken Ganzen vereinen, wie Feuer und Wasser, Erde und Luft zusammen unbezwingbar werden, so zieht auch dieser Roman seine Stärke aus seinen verschiedenen Elementen, Intentionen und Betrachtungsweisen – die ihn zusammen ebenfalls stark und zu einem einzigartigen Leseerlebnis machen.

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Veröffentlicht am 02.11.2021

Spannend, fesselnd, geheimnisvoll – und eine Liebeserklärung an die Wissenschaft

Shelter
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Bücher von Ursula Poznanski sind jedes Mal ein Wunderwerk: reich an Spannung, reich an Fantasie und voller unvorhersehbarer Entwicklungen, Wendungen und einem Twist, der mich immer wieder zu überraschen ...

Bücher von Ursula Poznanski sind jedes Mal ein Wunderwerk: reich an Spannung, reich an Fantasie und voller unvorhersehbarer Entwicklungen, Wendungen und einem Twist, der mich immer wieder zu überraschen mag.
Das sind hohe Erwartungen, die an „Shelter“ gestellt werden, allzu gut waren seine Vorgänger. Doch muss Poznanskis neuer Jugendroman diesen Vergleich nicht scheuen, ganz im Gegenteil: Für mich spielt er ganz oben mit in der Liga, gehört zu ihren besten Büchern.
Wo „Cryptos“ mit überbordender Fantasie und einem schier unerschöpflichen Schatz von geradezu unglaublichen und vor allem unglaublich guten Einfällen punkten kann, überzeugt „Shelter“ ganz besonders durch eines: Spannung, Spannung, Spannung. Und zwar gelingt der Autorin das Kunststück, den Spannungsbogen über die gesamte Erzählung hindurch überaus hochzuhalten. Nie wird es langweilig, nie musste ich mich zu dem nächsten Kapitel motivieren. Ganz im Gegenteil: Das Buch ist ein wahrer Pageturner, und tatsächlich hat es meine Nacht wieder mal zum Tag gemacht und meine Augen am nächsten Morgen sehr klein – meine Begeisterung dafür umso größer.
Die Geschichte an sich passt in unsere Zeit, enthält sie für mich doch allerlei Anspielungen auf die sogenannte „Querdenker“-Bewegung. Die Verschwörungstheorie, die „Shelter“ zugrunde liegt, könnte nichts abstruser sein: Nein, kein Chip wird in die Körper impfwilliger Menschen gepflanzt, Außerirdische haben sich Zugang zu eben diesen verschafft – und gleichzeitig auch noch die Erde erwärmt, um es schön gemütlich und kuschelig zu haben. Hört sich weit hergeholt und so unglaublich an: Die Anhängerinnen und Anhänger, die sich bald um den selbsternannten Anführer scharen, werden von Tag zu Tag zahlreicher, und die Idee, ursprünglich aus einer Partylaune heraus entstanden, entwickelt sich zu einer ernsten Gefahr für den Einzelnen und die Gesellschaft als Ganzes.
Doch wie sagte schon der alte Goethe so wunderbar: „Die ich rief, die Geister werd ich nun nicht los.“ Und so geht es auch unserer Freundesclique. Die Verschwörungstheorie hat ein Eigenleben entwickelt, und ganz eigene Ziele scheint auch deren Anführer zu verfolgen.
Was folgt sind Rätselraten, falsche Fährten und eine Verfolgungsjagd, die es in sich hat. Jede Seite, jedes Kapitel bietet dabei neue Überraschungen und Wendungen.
„Shelter“ ist vor allem eines: ein gut konstruierter, intelligent gemachter Lesespaß – der scheinbar so ganz nebenbei die Bedeutung von Wissenschaft und vernunftgeleitetem Denken und Handeln in den Mittelpunkt stellt. Möglicherweise ist dies heute wichtiger denn je.

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Veröffentlicht am 25.10.2021

Aufstieg, Fall und Untergang: Denn nobel geht die Welt zugrunde

Das Glashotel
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Emily St. John Mandel erzählt in „Das Licht der letzten Tage“ eine Geschichte des Weltuntergangs, und auch in „Das Glashotel“ bricht eine Welt zusammen – wenn auch ganz anders.
Vincent und Paul haben denkbar ...

Emily St. John Mandel erzählt in „Das Licht der letzten Tage“ eine Geschichte des Weltuntergangs, und auch in „Das Glashotel“ bricht eine Welt zusammen – wenn auch ganz anders.
Vincent und Paul haben denkbar schlechte Startbedingungen in das Erwachsenenwerden: das Verschwinden der Mutter, das zu einer Entwurzelung von der Familie führt, Drogensucht, Tristesse, finanzielle Nöte. Den Wendepunkt bringt für Vincent die Arbeit in dem „Glashotel“ in ihrem Heimatort Caiette, welches zum Ausgangspunkt ihres rasanten sozialen Aufstiegs an der Seite von Jonathan Alkaitis wird.
Das, was dann folgt, könnte der Traum von Cinderella sein, das Leben in der Märchenwelt. Doch Geld täuscht nicht über fehlende Gefühle, die verlorene Freiheit eines Verharrens im goldenen Käfig hinweg. Und, wann war das Sprichwort jemals treffender: „Es ist nicht alles Gold, was glänzt“ – hier im wahrsten Wortsinne.
Bis zu diesem Zeitpunkt könnte der Leserin und dem Leser die Geschichte nur allzu bekannt vorkommen, doch wartet Emily St. John Mandel mit einem Bruch auf, der sich auch in der Erzählung durch einen Sprung in Figurenperspektive und Zeitebene widerspiegelt. Denn hier kommt er nun: der besagte Weltuntergang, eine Katastrophe apokalyptischen Ausmaßes, die zahlreiche Existenzen vernichtet und auch Vincent aus dem „Königreich des Geldes“ vertreibt.
Doch damit nicht genug, die wohl größte Überraschung erwartet uns im letzten Drittel der Erzählung: Eine metaphysische Ebene erhält Einzug in das Geschehen. Was für ein Kunstgriff, ich bin begeistert! Der Roman sperrt sich so gegen die Einordnung in gängige Kategorien und eröffnet zugleich eine Bedeutungsebene und eine verborgene „Gegenwelt“, die weit über das Offensichtliche und Sichtbare hinausgeht – und mich als Leserin sehr berührt hat.
Damit ist „Das Glashotel“ für mich vor allem eines und zugleich so viel: ungewöhnlich in Aufbau und Inhalt, vielschichtig in Bedeutung und Aussage – und ein Leseerlebnis so kostbar, wertvoll und unerwartet wie ein Luxushotel in den Einsamkeiten der kanadischen Westküste.

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Veröffentlicht am 10.10.2021

Nett unterhalten aber doch recht enttäuscht

Brüder
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Zwiegespalten wie das Buch bin auch ich nach der Lektüre.

Einerseits fühlte ich mich über weite Strecken gut und angenehm unterhalten, Mick und Gabriel – gemeinsam mit Fleur und Albert als seine Kernfamilie ...

Zwiegespalten wie das Buch bin auch ich nach der Lektüre.

Einerseits fühlte ich mich über weite Strecken gut und angenehm unterhalten, Mick und Gabriel – gemeinsam mit Fleur und Albert als seine Kernfamilie – über Jahre und teils Jahrzehnte zu begleiten. Ihre Leben so wie die Figuren selbst sind sehr unterschiedlich, und ein drogenkonsumierender Clubbesitzer und ein verschrobener „Stararchitekt“ – warum auch mit weniger zufriedengeben – bieten ausreichend Erzählstoff, gewürzt mit schrägen Begegnungen, nicht immer vorhersehbaren Wendungen und auch der einen oder anderen Szene mit einem gewissen Ekelfaktor zur Unterhaltung.

Doch andererseits gleicht das, was die Leserin und der Leser bekommen, einem großen Potpourri – von allem und für jede und jeden ist etwas dabei – ein wahrer Gemischtwarenladen der in der deutschen Literatur der Nachwendezeit großen Themen: Ost und West, arm und reich, Patchwork- und klassische Familienverhältnisse und natürlich und vor allem schwarz und weiß, oder: People of Color und indigene Europäerinnen und Europäer.

Tiefgang kann so nicht aufkommen, die Themen werden an der Oberfläche angerissen, teilweise alle auf einmal. Und worauf die Geschichte hinauslaufen soll, ist für mich leider bis zum Schluss auch nicht erkennbar. Das Plotten erscheint mir gewollt, am Ende ist mir zu viel zu gut – ein Aufgehen im Wohlgefallen muss schon zur Geschichte passen und nicht nur die Leserin und den Leser zufriedenstellen wollen.

Zufriedenheit war dann auch nicht das, womit ich das Buch nach langen über 500 Seiten letztendlich aus der Hand gelegt habe – eher eine gewisse Enttäuschung und die Überzeugung, dass die Autorin hier wohl zu viel gewollt und zu wenig umgesetzt hat.

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