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Veröffentlicht am 03.07.2021

Atemlose Spannung und so geheimnisvoll, wie das Meer tief ist

Dark Blue Rising (Bd. 1)
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Rätselhaft, mysteriös und mit einem unwiderstehlichen Sog, der mich Seite für Seite tiefer in die Geschichte hinabgezogen hat, bis in die Abgründe von Tabbys Herkunft und Vergangenheit! Den Leserinnen ...

Rätselhaft, mysteriös und mit einem unwiderstehlichen Sog, der mich Seite für Seite tiefer in die Geschichte hinabgezogen hat, bis in die Abgründe von Tabbys Herkunft und Vergangenheit! Den Leserinnen und Lesern stockt bei diesem rasanten Tauchgang der Atem, bleibt auch mal die Luft weg, denn diese Abgründe sind dunkel und schier endlos, scheint doch Tabbys gesamtes Leben auf einer Lüge zu basieren.
Wem kann Tabby Glauben schenken, wer ist Freund, wer Feind und was möglicherweise Teil eines großen Komplottes von ungeheuerlichem Ausmaße? Es ist ein Verwirrspiel, auf das Terry uns da mitnimmt, und von Seite zu Seite kommen neue Puzzlesteine hinzu, fügen sich ineinander, geben das gesamte Bild aber noch lange nicht frei. Tabby bei dieser Enthüllung des Unglaublichen und Unfassbaren zu folgen, mit ihr zu hoffen und zu bangen und gemeinsam mit ihr in der unterirdischen Höhle schließlich eine Entdeckung zu machen, die mir Gänsehaut auf den Rücken und ein verzücktes Grinsen ins Gesicht zaubert, macht einfach nur Spaß und ist ein wunderbares Leseerlebnis.
Dass Terry dabei die Grenzen des Realen verlässt und in die Bereiche des Fantastischen vordringt, gibt der Geschichte für mich einen zusätzlichen Reiz, denn nun scheint alles denkbar und möglich und ein Spielfeld der schier überbordenden Fantasie der Autorin. Und dass diese auch in den Folgebänden zahlreiche Überraschungen und Enthüllungen für uns bereithalten wird, ist für mich schon jetzt eine Tatsache – und so sicher, wie auf Ebbe die Flut folgt und Tabby Sehnsucht nach dem Meer letztendlich der Schlüssel ist, der das große Geheimnis zu lösen vermag.
Mit so viel Spannung und Neugierde und noch viel mehr Fragen im Kopf hat mich die Autorin nach dem ersten Band zurückgelassen, dass ich nun nur widerwillig aus der Geschichte auftauche und am liebsten gleich in ihrem Fluss bliebe. Doch bis das Warten ein Ende hat, genieße ich das freudige Kribbeln – auf Tabbys weitere Abenteuer und meinen Urlaub am Meer, das mir nun so geheimnisvoll und unergründlich erscheint.

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Veröffentlicht am 15.06.2021

In den Schuhen des Vaters: große Fragen, tiefe Konflikte im China der Gegenwart

Im Reich der Schuhe
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Erstaunlich ungewöhnlich! Spencer Wise vermag es, Erwartungshaltungen zu durchbrechen und die Leserinnen und Leser in vielerlei Hinsicht zu überraschen: ein Buch über einen Schuhfabrikanten im fernen China, ...

Erstaunlich ungewöhnlich! Spencer Wise vermag es, Erwartungshaltungen zu durchbrechen und die Leserinnen und Leser in vielerlei Hinsicht zu überraschen: ein Buch über einen Schuhfabrikanten im fernen China, das allein ist schon ein ungewöhnliches Setting! Doch wenn dieser dann noch Jude ist und in seiner religiösen Identität und der Shoah vermeint, Parallelen zur militärischen Diktatur und der Unterdrückung einer gesamten Nation zu erkennen, bin ich tatsächlich erst einmal verblüfft. Und ratlos. Und orientierungslos, da in meinen Denkmustern erschüttert.
Geht das? Darf der das? Ist es zulässig und hinnehmbar, die Ermordung von Millionen von Juden – der wohl tiefste Abgrund in der deutschen Geschichte – mit dem Schicksal des chinesischen Volkes in Bezug und Vergleich zu bringen? Ich weiß es nicht. Und sind Unterdrückung und Ermordung als definierende Merkmale hierfür hinreichend, und zwar ohne die Religion als Dach, Kern und vor allem Begründung für ein schier unfassbares Verbrechen an den Menschen und der Menschlichkeit? Wer vermag das schon zu beurteilen.
Doch vielleicht sind diese Fragen und Irritationen genau das, was Wise im Sinn hatte, als er mit Alex und Ivy ein gar ungewöhnliches Liebenspaar schuf – die beiden stellvertretend für das Leid und den Drang nach Freiheit und Selbstbestimmung eines gesamten Volkes.
Fedor dagegen scheint diese Bezüge im Gegensatz zu seinem Sohn nicht auszumachen, doch wird er auch dem Vergangenen zugeordnet, der durch sein Beharren auf überholte Denkmuster sich der Zukunft verschließt. Der Vater-Sohn-Konflikt wird damit zu einem Konflikt alt gegen jung, Vergangenheit gegen Zukunft, Eigennutz gegen Menschlichkeit. Und doch ist es auch hier die Liebe, welche die beiden miteinander verbindet – aller Unterschiede zum Trotz.
Wunderbar beschwingt und teil sogar amüsant zu lesen, hat die Geschichte doch so viele Gedanken, Tiefe und Konflikt. Diese vermeintlichen Gegensätze für mich jederzeit in Einklang zu bringen, fiel mir nicht immer leicht – war sogar das eine oder andere Mal eine Herausforderung, der ich mich jedoch gerne gestellt habe. Belohnt wurde ich mit einem ganz und gar ungewöhnlichen Buch und Fragen in meinem Kopf, die ich so zu stellen womöglich nie gewagt hätte.

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Veröffentlicht am 31.05.2021

Flammen der Verzweiflung, Wut und des Hasses

Drei Kameradinnen
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Emotional anstrengend, fordernd und eine große Bereicherung – die „Drei Kameradinnen“ haben mir viel abverlangt aber auch viel gegeben.
Mit Saya, Kasih und Hani lernen wir nicht nur drei junge Frauen und ...

Emotional anstrengend, fordernd und eine große Bereicherung – die „Drei Kameradinnen“ haben mir viel abverlangt aber auch viel gegeben.
Mit Saya, Kasih und Hani lernen wir nicht nur drei junge Frauen und Freundinnen sondern auch drei Stimmen, drei Leben und unzählige Erfahrungen in einer Gesellschaft kennen, in welcher Herkunft und das vermeintlich Fremde und Andere immer noch nicht Norm sondern Anlass für Ablehnung, Ausgrenzung und Diskriminierung sind. Doch so sehr sich ihre Leben, ihre Startbedingungen, ihre Erlebnisse mit der „Mehrheitsgesellschaft“ in vielem gleichen, so unterschiedlich ist auch ihr Umgang mit diesen. Während Saya die Kämpferische ist, diejenige, die Benachteiligung nicht länger wortlos hinnehmen möchte, laut und offensiv gegen diese vorgeht, ist Hani für mich ihr Gegenpol, in gewisser Weise ähnlich extrem in ihren Einstellungen wie Saya: Probleme, die Hani nicht wahrnimmt, existieren für sie nicht, ihre Augen sind fest verschlossen. Kasih, die Ich-Erzählerin, nimmt dagegen eine Position zwischen den beiden ein. Sie erscheint mir in ihren Ansichten deutlich reflektierter, in ihren Themen und ihrem Blickwinkel deutlich weiter als Saya.
Gerade diese „Dreiteilung“ ist es, die den Roman für mich so spannend, ihn zu Zündstoff werden lässt. Denn die Autorin umgeht so eine Festlegung in Position, Meinung, Wertung und regt zum Nachdenken, zu einer Positionierung des Lesers oder der Leserin und vor allem zum Diskutieren an – nicht zuletzt auch durch die provokative Ansprache durch die Ich-Erzählerin, die emotionale Reaktionen einfordert.
Eben diese habe ich auch bei mir wahrgenommen, während ich mich rückwärtig durch die Geschichte zu deren Anfang, Anlass, der Aufdeckung des Verwirrspiels bewegt habe. Wenig habe ich dabei ausgelassen: von Wut, Ablehnung bis Empörung war wohl alles dabei – aber wer wird auch schon gerne mit seinen eigenen Vorurteilen, den Klischees und Bildern in seinem Kopf konfrontiert?! Das kann schmerzhaft sein, und auch von Scham kann ich mich nicht freisprechen, wenn das, was in die Ebene der Bewusstwerdung häufig nicht vordringt, plötzlich ins Tageslicht gezerrt wird – und dort grelle, heiße Flammen schlägt.
Und diese Flammen brennen weiter – noch lange nachdem der letzte Satz verklungen ist. Sie werden die Diskussionen erhitzen, Meinungen befeuern, und vielleicht, vielleicht werden sie ja auch Klischees und gängige Vorurteile zum Einsturz bringen.

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Veröffentlicht am 13.05.2021

Ganz schön unheimlich, unheimlich gut – wenn Lynch Australier wäre

Der Junge, der das Universum verschlang
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Was für eine wunderbare Überraschung! Genau das ist dieses Buch für mich – und zwar in vielerlei Hinsicht.
Denn viel zu selten lese ich Literatur (ja, dieser Roman ist Literatur!) australischer Autorinnen ...

Was für eine wunderbare Überraschung! Genau das ist dieses Buch für mich – und zwar in vielerlei Hinsicht.
Denn viel zu selten lese ich Literatur (ja, dieser Roman ist Literatur!) australischer Autorinnen und Autoren, um einen Einblick in einen mir fremden Kulturkreis, Lebensart und eine Erzählweise zu erhalten, die – schon aufgrund des journalistischen Hintergrunds Daltons – von den Lesegewohnheiten des fernen Kontingents geprägt sein dürfte, so dass mir dieses Buch ein Tor in eine neue Welt geöffnet hat.
Und dann erst diese große, Jahre und – vielleicht nicht nur gefühlt – viele verschiedene Leben umfassende Geschichte der beiden Brüder August und Eli, die ebenso besonders ist wie es die beiden Jungs selbst sind. In prekären Verhältnissen geboren und aufgewachsen, sind die beiden für einander der größte Halt, und ihr gemeinsamer Umgang mit den erlittenen Benachteiligungen, Verletzungen und Traumata erlaubt es ihnen, eben nicht an diesen zu zerbrechen sondern einen positiv gerichteten Weg in und durch das Leben zu finden.
Doch das, was dieses Buch für mich zu einem ganz einzigartigen Fundstück macht, ist die zweite Ebene, die geradezu „klammheimlich“ über die Realität und das Faktische gelegt wird. Als hätte David Lynch – der Meister des Verstörenden, der Vieldeutigkeit und einer Gänsehaut, die nach und nach vom gesamten Körper Besitz ergreift – die Feder geführt, klingelt auf unerklärliche Weise ein mysteriöses rotes Telefon, stirbt und lebt ein blauer Zaunkönig, und plötzlich ergibt alles einen Sinn, greifen sämtliche Zahnräder ineinander, erklärt sich alles, wirklich alles – oder eben gerade auch nicht.
Insbesondere die letzten 100 Seiten waren ein so intensives, überwältigendes Leseerlebnis für mich, dass ich erst sprach- und fassungslos ob der Fügungen und Wendungen war und nun so begeistert, beglückt und erstaunt bin über dieses großartige, für mich einzigartige Werk.
„Dein Ende ist ein toter blauer Zaunkönig“ – für mich ist es der Anfang von etwas ganz Großem und eines begnadeten Schriftstellers.

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Veröffentlicht am 04.05.2021

Fesselnd, packend, außergewöhnlich – Climate Fiction zwischen Deutschland und Indien

Exit this City
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Klimawandel, Killerbienen und eine Geschichte voll Spannung und Fantasie, welche die Kilometer zwischen Indien und Deutschland klein werden lässt – und uns zugleich die Auswirkungen der Globalisierung ...

Klimawandel, Killerbienen und eine Geschichte voll Spannung und Fantasie, welche die Kilometer zwischen Indien und Deutschland klein werden lässt – und uns zugleich die Auswirkungen der Globalisierung groß und bildgewaltig vor Augen führt.
Deutschland versinkt im Schlamm und hat seine Vormachtstellung in der Welt schon lange verloren. Die Menschen werden als Lehnarbeiter auf den Feldern ausgebeutet, sind verarmt, haben ihre Kultur und Traditionen abgelegt. Der Kampf ums tägliche Leben und Überleben überlagert alles. Und dann Indien: hochtechnologisiert, gereift von den Früchten und Erträgen Deutschlands und mit Delhi als urbanem Zentrum und Pulsgeber des internationalen Warenstroms. Vieles hat sich im Vergleich zu heute verändert, wirkt wie auf den Kopf gestellt und zeigt uns doch zugleich, die menschlichen Nöte und Bedürfnisse sind die gleichen geblieben – nur die Verteilung von Macht und Einfluss ist veränderbar.
Mit Veeru hat die Not und Verzweiflung in Deutschland ein Gesicht erhalten – und zwar das Gesicht einer indischen Göttin, asketisch, aschfahl, unnahbar. Ihrer Mission, die Menschen aus der Ausbeutung und Unterdrückung zu führen, hat sie alles untergeordnet, auch ihr eigenes Leben, ein mögliches Glück. Marti, auf der anderen Seite der Welt, in Indien, versucht derweil seinen eigenen Weg zu finden, zurück zu seinem fernen Planeten oder doch erstmal in sein Gedächtnis, seine Erinnerungen, die ihm verschlossen bleiben. Ein sprechender Hund ist ihm dabei Gefährte, Wegbegleiter und auch Lotse durch den gigantischen Großstadtdschungel.
Dieses Setting ist so wunderbar abgedreht, rasant, so reich an Ideen, Einfallstum und mit einer Energie, welche die Leserin und den Leser tief in die Geschichte hineinzieht – und mit der Geschwindigkeit eines Autocopters über die Seite fliegen lässt. Das macht großen Spaß und für mich persönlich auch schon mal die Nacht zum Tag. Und nicht nur das: Es macht mich auch neugierig auf Indien, seine Geschichte, Kultur, seine Menschen. Und vor allem macht es mich neugierig auf alles, was die Autorin sicherlich auch zukünftig für uns bereithalten wird – in Indien, Deutschland oder einer Welt voll Fantasie und Abenteuer.

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