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Veröffentlicht am 25.08.2020

Die Bühne steht ihr besser!

Omama
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Omama ein Roman von Lisa Eckhart (Paul Zsolnay Verlag)

Die Dorfmatratze war verschwunden. ...Sie will einen Prinzen, der selbst auf zwanzig Dorfmatratzen noch immer nicht gut schlafen kann, weil ihn die ...

Omama ein Roman von Lisa Eckhart (Paul Zsolnay Verlag)

Die Dorfmatratze war verschwunden. ...Sie will einen Prinzen, der selbst auf zwanzig Dorfmatratzen noch immer nicht gut schlafen kann, weil ihn die Erbsenhirne drücken. "Da ist diese Frauenbewegung. Die ganzen Schlampen fahren heute nach Graz rein."... Irgendwann wollten sie nicht mehr zurück. Nicht mehr zurück zum Viegestank und zum grauslichen Veltliner. Sie wollten süßen Kaiserspritzer und einen Lotter, der gut riecht. S.113/114

Lisa Eckhard, eine österreichische Kabarettistin, provokant und extravagant, glänzt durch ihren Wortreichtum und ihre Sprachfertigkeit, gern im getreuen Dialekt. Kann ich ihren Bühnenshows, der Mimik, Gestik und einer gewissen Sprachmelodie folgen, so ergießt sich ihr aktueller Roman in einer endlosen Schwafelei in verquickenden Satzstrukturen, wie ein dahergeredetes Knäuel. Leider konnte ich mit diesem geschriebenen Werk so gar nichts anfangen. Vielleicht fehlt mir die visuelle Präsenz der Künstlerin und Autorin. Schade, denn ich hatte mich sehr auf ihre Erzählungen gefreut. Setzt diese Art von Humor einen gewissen Fundus an Intelligenz voraus, in denen sie auf der Bühne glänzt, so scheint das geschriebene Wort eher verstörend und verwirrend.

Fazit: Ich sehe keine Charakter-und Figurendarstellung. Weder konnte das Geschriebene Bilder in meinem Kopf hervorrufen noch irgendwelche Emotionen bedienen. Vielleicht wäre das hier Niedergeschriebene in einer Bühnenshow besser aufgehoben!? Einen Punkt für die Aufmachung und das Rezept zum Kitz Gottes.

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Veröffentlicht am 25.08.2020

Verfolgt von der Vergangenheit

Die Sündenbraut
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Die Sündenbraut
Manuela Schörghofer
HarperCollins Verlag

Sachsen 1234:
"Durch Euren plötzlichen Tod konntet Ihr keinen Priester Eure Sünden beichten, keine letzte Ölung empfangen. Ich bin hier, um Euch ...

Die Sündenbraut
Manuela Schörghofer
HarperCollins Verlag

Sachsen 1234:
"Durch Euren plötzlichen Tod konntet Ihr keinen Priester Eure Sünden beichten, keine letzte Ölung empfangen. Ich bin hier, um Euch zu helfen. Übergebt mir Eure Sünden, damit sie zu den meinen werden und Eure Seele befreit in den Himmel aufsteigen kann." S.14

Fenja hat das verbotene, heidnische Ritual des Sündenessens von ihrer Ziehmutter Runhild gelehrt bekommen. Die beiden Frauen ziehen mit ihrem Handkarren durch das Land und bieten ihre Dienste dort an, wo sie benötigt werden. Zu ihrem treuen Begleiter wird der rothaariger Rufus, zu der Zeit, ein kranker Hund, den Fenja und Ruhnhild für ihre zwielichtigen Dienste erhalten haben. Als Runhild hinterhältig ermordet wird, macht sich Fenja auf die Suche nach ihrer Vergangenheit. Aus dieser lauert eine Gefahr, von der sie nichts ahnt. Auf ihrer Reise trifft sie den Handwerker Gerald, der nicht der ist, der er vorgibt zu sein. Durch Fenjas kluge Schlussfolgerungen kommt sie auch seinem Geheimnis immer näher, je länger sie auf dem gemeinsamen Weg über Werd und Wimpfen bis nach Syberg reisen. ...

Die Protagonisten, die Sündenbraut ist eine mutige, willensstarke und intelligente junge Frau. Die Autorin schenkt ihr einen wachen Geist. Dies mag ich besonders an den Romanen der Autorin. Der Schlagabtausch und die Erlebnisse mit ihrem Reisebegleiter Gerald lesen sich frisch, spannungsreich und glaubwürdig.
Die spannende Handlung vor einer historischen Kulisse verbindet Abenteuer, Gefühl, das Wissen um Heilkunde und Tradition. Eingebettet in anschauliche Beschreibungen von Stadt und Land begleitet der Leser fiktive und historische Persönlichkeiten zu Zeiten der Ritter, Lehnsleute und Klöster. Das Ende gestaltet sich vielleicht einen Ticken zu glatt. Gern hätte ich noch ein paar weitere Zeilen nachwirken lassen. Doch der Epilog bietet die Möglichkeit zu einer Fortsetzung rund um das Tun Kaiser Friedrichs II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Wer weiß, mich würde es freuen, weitere historische Schmöker von Manuela Schörghofer lesen zu dürfen. Begeistern konnte mich die liebevolle Aufmachung des Romans mit einer Karte Anno 1238 mit dem eingezeichneten Fußweg Fenjas, das Verzeichnis der im Buch vorkommenden Personen sowie ein Glossar. Interessant fand ich die Orts-und Flussbezeichnungen von damals und heute. Ich mag den Schreibstil der Autorin und die leichte Art der Unterhaltung an deren Ende man immer etwas dazugelernt hat. Vier hervorragende Sterne für die Sündenbraut!

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Veröffentlicht am 08.08.2020

Franken-Charme und Friedhofs-Idyll

Totengräbertal: Mischwald
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Totengräbertal: Mischwald Eddi & Mesut ermitteln, ein Mainfranken-Krimi von Marcus Emmes

Für den eher menschenscheuen Eddi jedenfalls war diese Freundschaft etwas Besonderes. Auf Mesut konnte man sich ...

Totengräbertal: Mischwald Eddi & Mesut ermitteln, ein Mainfranken-Krimi von Marcus Emmes

Für den eher menschenscheuen Eddi jedenfalls war diese Freundschaft etwas Besonderes. Auf Mesut konnte man sich verlassen. Und Verlässlichkeit war ein doch eher seltenes Gut in dieser Welt, wie Eddi befand, dem auch deswegen die Menschen an sich tendenziell ein Gräuel waren. Eddi bevorzugte die Einsamkeit. Er schätzte die Gesellschaft der stummen Geschichten und Gräber um sich herum...(S.8)

Eddi ist ein sympathischer und bodenständiger Charakter, der das Herzen am rechten Fleck hat. Bei seiner Arbeit als Totengräber auf em Ochsenfurter Friedhof macht Eddi eine Entdeckung, die den stillen Ort der Ruhe für kurze Zeit in ein betriebsames Fleckchen Erde verwandelt. Eddis Neugierde und so manche schicksalhafte Begegnung verschafft ihm den Antrieb in der Vergangenheit des mainfränkischen Idylls zu graben. Mit Mesuts Unterstützung, Pfarrer Seligs weisen Worten und Giselas liebevollen Rückhalt gelingt ein dramatischer Coup, der mit jedem weiteren Puzzleteil ein düsteres Gesamtbild offenbart.
Marcus Emmes schreibt einen Regionalkrimi in einer sympathischen und heimatverbundenen Art. Liebevoll, naturnah erzählt er von der Region rund um Ochsenfurt und Frickenhausen. Genauso angenehm lesen sich seine Figuren, nahbar, warmherzig, interessant und mit einer Prise Humor.
Der spannungsaufbauende Effekt der verschiedenen Zeitebenen lässt nach und nach die Grenzen zwischen Vergangenheit und Gegenwart verschwimmen. So hält man einen soliden, behaglichen und schlüssigen Krimi in den Händen, der sich mit seiner speziellen Art schnell weglesen lässt. Eine intelligent konstruierte Geschichte mit Charme und Tiefgang.

Fazit: Ich habe die ersten erfolgreichen Ermittlungsversuche des Ochsenfurter Duos sehr gern gelesen. Die Kombination von Geheimnissen aus Gegenwart und Vergangenheit ergeben immer wieder einen packenden Plot und konnten mich hier begeistern. Totengräbertal: Englischer Tanz, der zweite Teil des Autors wartet schon aufs Weiterlesen. Bestes Schmöker-Futter für Krimi-Fans!

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Veröffentlicht am 01.08.2020

Magisch verpackte Emotionen und Klänge sichtbar machen

Der Händler der Töne
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Der Händler der Töne ein fantasievoller Kinder- und Jugendroman von Verena Petrasch (Beltz & Gelberg)

... Noes Hände schwitzten vor Aufregung, als er die Tongabel in seinem Klangkompass steckte und auf ...

Der Händler der Töne ein fantasievoller Kinder- und Jugendroman von Verena Petrasch (Beltz & Gelberg)

... Noes Hände schwitzten vor Aufregung, als er die Tongabel in seinem Klangkompass steckte und auf dem schwarzen Bildschirm bunte Farbfelder im schnellen Wechsel zu flackern begannen. Nun war es also soweit: Zum ersten Mal verwendete Noe den Klangkompass! Wie gespannt starrte er auf den Bildschirm und wartete. ...(S.129)

Als der Händler der Töne Noe mit auf die Reise nimmt, verändert sich sein Leben schlagartig. Noe ist grundsympathisch, neugierig und einem Rätsel auf der Spur. Für den Jungen, den das Leben bisher nicht verwöhnt hat, ist dies eine einmalige Chance. Einzig Freundin Minu mit der er sich durch die Töne und Klänge verbunden fühlt, vermisst Noah als Lehrling in der Fremde sehr.

Verena Petrsch erschafft ein Feuerwerk der Fantasie, einen Orkan an magischen Wesen und zauberhaften Worte auf hohem Niveau. Gar nicht alltägliche Abenteuer reihen sich zwischen den teils emotionalen und tiefgründigen Text. Die Zeilen sind farbenfroh und wahrlich klangvoll, nachdenklich und erfrischend skurril. Die Autorin gibt ihren Charakteren gefühlsmäßig einiges mit auf den Weg. Die speziellen Dinge und Kleinigkeiten machen sie aus und dadurch für den Leser so interessant. Die einzelnen Szenen, Landschaften und magischen Welten erwachen in bildhafter Sprache vor den Augen der jungen Leser. Diese unbändige Fantasie macht das zweite Buch von Verena Petrasch zu einem aufregenden Leseerlebnis.

Fazit: Worte, Floskeln und Überschriften wie Sabellapalpata-Flügelschlag, Die Wüste der Tausend Gesichter oder Elnurbajram zeigen den unglaublichen Einfallsreichtum der Autorin. Mystisch und ohne Langeweile liest sich das Buch flott weg. Eine Klangmelodie, die spannend und düster fesselnd erzählt, worauf es im Leben ankommt. Bemerkenswert und erfrischend anders vermag diese Lektüre junge Leser in ihren Bann zu ziehen. Nachdem mich das Debüt der Autorin "Sophie im Narrenreich" mehr als überzeugen konnte, ist ihr mit "Der Händler der Töne" wieder ein magisches und lesenswertes Werk gelungen!

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Veröffentlicht am 16.07.2020

Schrei nach Frieden und Freiheit

Eine Liebe zwischen den Fronten
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Eine Liebe zwischen den Fronten ein historischer Roman von Maria W. Peter (Lübbe Verlag)

"...Welch grausame Ironie des Schicksals!... So nah bei Madeleine und zugleich unendlich weit von ihr entfernt. ...

Eine Liebe zwischen den Fronten ein historischer Roman von Maria W. Peter (Lübbe Verlag)

"...Welch grausame Ironie des Schicksals!... So nah bei Madeleine und zugleich unendlich weit von ihr entfernt. Getrennt von einem über Jahrzehnte angestauten Hass zwischen ihren Ländern, der sich jetzt in aller nur erdenkbaren Grausamkeit entlud." Paul S.151

Juli 1870:
Eine ungünstige Zeit haben sich Paul, ein preußischer Arzt und die Französin Madeleine für ihre Verlobungsfeierlichkeiten ausgesucht. Napoleon III hat Preußen den Krieg erklärt. Bismarck hat es erwirkt und Paul wird als Stabsarzt des preußischen Heeres im Kampf gegen Frankreich einberufen. Die Wege der Liebenden trennen sich und Madeleine kehrt zurück in ihre Heimat, Metz. ...

Vor diesem Hintergrund zeichnet die Autorin ein Abbild des Deutsch-Französischen Krieges. Anhand von Einzelschicksalen und detaillierten Einblicken in die zeitgemäßen Geschehnisse von 1870 bis 1872 bekommt diese Geschichte eine wahrhaftige Tiefe mit äußerst aufwühlenden Passagen. Das ein oder andere Mal stimmen die Geschehnisse traurig. Doch dank des einfühlsamen Schreibstils der Autorin fügen sich warme Momente, ermutigende Begegnungen, hoffnungsvolle und lehrreiche Erkenntnissen in die komplexe Handlung ein. Der Drang nach Freiheit, der Wille zu Überleben und die Macht der Liebe sind in diesem atmosphärisch dichten Roman zu spüren. Neben historischen Persönlichkeiten agieren ganz unterschiedliche, fiktive, charakterstarke Figuren. Gerade Paul hat mich mit seiner besonnen Art begeistern können. Und auch Clement, Madeleines Bruder, eine ganz toll geschriebene Figur im Buch! Die unterschiedlichen Handlungsorte wie Coblenz, Saarbrücken, Metz oder Paris bestechen durch authentische Beschreibungen und lebhafte Bilder. Die Lokalitäten, Hintergründe und historischen Details sind sehr gut herausgearbeitet und bieten neben dem uneingeschränkten Lesegenuss einen großen Informationsgewinn.
Dank der den Kapiteln vorangestellten Orts-und Zeitangaben findet man sich sehr gut in der Geschichte zurecht. Im Nachwort beleuchtet der Autorin historische und persönliche Hintergründe. Eine Karte von 1870, ein Glossar, französische Übersetzungen und ein Personenverzeichnis runden den Roman ab.

Fazit: Die Autorin verpackt die Geschichte zweier Nationen in einen bewegendes Historiendrama. Dieser ergreifende Roman ist ein Zeitabriss deutsch-französischer Rivalitäten, eine Liebesgeschichte und zugleich ein Lehrbuch der Geschichte unter dem wachsamen Blick der eigenen Familiengeschichte der Autorin Maria W. Peters. Die umkämpfte Grenzregion Elsass und Lothringens wurden im Laufe der Zeit immer wieder zwischen den Mächten hin-und hergerissen. Die Verpackung für diese Auseinandersetzungen, Spannungen und zukünftige Hoffnungen ist der Autorin richtig gut gelungen. Hochinteressant und unterhaltsam auf hohem schriftstellerischen Niveau konnte sie mich wieder einmal restlos begeistern!

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