Die Erinnerung an eine Frau, die ich einmal war
HalbwachZoe ist erfolgreiche Autorin von Liebesromanen, doch in ihrem Privatleben erträgt sie keine Nähe, hält sich an One Night Stands und unverbindliche Affären. Feste Bindungen verursachen Beklemmungen und ...
Zoe ist erfolgreiche Autorin von Liebesromanen, doch in ihrem Privatleben erträgt sie keine Nähe, hält sich an One Night Stands und unverbindliche Affären. Feste Bindungen verursachen Beklemmungen und Stress in ihr, daher hat sie schon viele Herzen gebrochen: „Heute werde ich es beenden. Ich kann das alles nicht mehr.
Weil ich es nie kann. Weil ich es noch nie konnte. Und es auch nie können werde. Ich beende Beziehungen ohne Grund, weil ich der Grund bin. Weil Nähe mir zu nah ist. Weil Liebe mir einfach zu viel ist – egal, wie oft ich mich ihr stelle.“
Zoe ist überzeugt, dass sie keine feste Beziehung braucht, ihre vierköpfige Clique ist ihr genug.
Als sie den sympathischen und attraktiven Mael trifft, scheint alles perfekt für Zoe zu sein, denn auch er möchte unter keinen Umständen eine feste Beziehung.
Doch wieso fühlt es sich irgendwann nicht mehr gut an für Zoe?
„‘Danke. Ich find’s gut, dass das so unkompliziert zwischen uns ist.‘ – ‚Klar‘, gebe ich von mir und ziehe mich wieder an. Ich lächle, während es in mir sticht. Dann werfe ich mich in die Nacht, als wäre es ein Wettlauf gegen meine eigenen Gedanken.“
„Und während die Stadt mich verschluckt, frage ich mich, seit wann es so wehtut, egal sein zu wollen.“
Und warum ist sie wirklich seit Ewigkeiten Single?
„Zwischen Altstadt und Merianplatz wird mir klar, dass ich nicht mehr weiß, wonach ich suche. Vor Mael wollte ich Freiheit, Unabhängigkeit, keine Erwartungen und keine Liebe. Doch zwischen seinem Blick und meinem eigenen auf mich ist etwas verrutscht, was ich nicht genau benennen kann. Etwas, das mir die Frage stellt, wann ich angefangen habe, nicht mehr zu wissen, was echt ist. Vermutlich ist das das Gefährlichste daran, eine Rolle zu spielen: Ab einem bestimmten Punkt ist dir nicht mehr klar, ob du sie spielst, weil du es willst, oder weil du glaubst, dass die Welt genau diese Version von dir erwartet, und du dich dabei nur selbst hintergehst.“
Sie muss sich ihren Bindungsängsten, ihren verborgenen Gefühlen und auch den Ursachen, die in ihrer Kindheit und ihrer schwierigen Beziehung zu ihrem Vater wurzeln, endlich stellen, um zu sich selbst zu finden.
„Das hier ist meine Geschichte. Und so ungern ich es auch zugebe, ein Teil davon ist, dass auch ich eines Tages auf der anderen Seite stand. Auf der Seite, die vergebens darauf wartete, dass sich das Blatt wendete. Auf der Seite, die die Zeichen sah, aber trotzdem zu viel in ein Nichts hineininterpretierte.
Der Plottwist kam nicht. Dafür etwas anderes. Die Erkenntnis, dass nicht jeder, der Herzen bricht, automatisch ein Herzensbrecher ist. Ziemlich oft brechen wir es uns nämlich selbst, indem wir es Menschen geben, die nie darum gebeten haben.“
Ich freue mich, dass Sophia Como den Wechsel in ein neues Genre gewagt hat, mit ihrem alten hätte ich definitiv nicht zu ihrer Zielgruppe gehört – „Halbwach“ dagegenhat mir (überraschend) gut gefallen. Sowohl der frische, humorvolle, aber dennoch tiefgründige Schreibstil als auch die authentischen Charaktere (vor alle Zoe, aber auch Nebenfiguren wie Stina) haben mir sehr gut gefallen.
Zoes Aufarbeitung der Vergangenheit und ihr Weg zu sich selbst sind in einen unterhaltsamen, modernen Roman verwoben, für den 4,5 von 5 Sternen vergebe.
Vielen Dank an den HarperCollins Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚