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Veröffentlicht am 15.03.2026

Solange ich es nicht erzähle, ist es nicht da

Mit beiden Händen den Himmel stützen
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Berlin in den 80er Jahren. Die Mutter von Lale ist drogensüchtig, sitzt immer wieder im Gefängnis. Also wächst das Mädchen in einer Männer-WG auf. In der Kommune gibt es Partys und Drogen, Regeln und Erziehung ...

Berlin in den 80er Jahren. Die Mutter von Lale ist drogensüchtig, sitzt immer wieder im Gefängnis. Also wächst das Mädchen in einer Männer-WG auf. In der Kommune gibt es Partys und Drogen, Regeln und Erziehung dagegen nicht. Trotz allen Freiheiten sehnt sich Lale nach Verlässlichkeit und Geborgenheit, stattdessen ist ihr Alltag geprägt von Vernachlässigung und s•xuellem Missbrauch.

Selten verbringt Lale mal Zeit mit ihrer Mutter, doch deren Leben ist geprägt von der Drogensucht:
„Ich glaube, mein Vater gibt ihr das Geld für den Eintritt, aber ich fühle mich geliebt, weil sie es nicht für etwas anderes ausgibt.
Wenn ich meinen Vater frage, wie es war, als er mit meiner Mutter zusammen war, antwortet er: ‚Anne war ja viel älter als ich, sie war mutig und schön.‘ Beim Abspann betrachte ich sie von der Seite und suche nach Anzeichen von Schönheit oder Mut unter ihrer fahlen Haut. Alles in ihrem Leben dreht sich um Geld, das nicht da ist, und für den nächsten Druck benötigt wird.“

Eigentlich war Lale immer eine gute Schülerin, doch dann probiert auch sie Drogen und Alkohol aus, verbringt mehr Zeit mit Party machen als mit Lernen. „Ich werde Orte suchen, an denen das Grundrauschen lauter ist als mein innerer Tumult.“

Lale wird erwachsen, scheitern jedoch immer wieder am Trauma ihrer Kindheit.
„Ich hatte versucht, es auszuhungern, es mit Essen ruhigzustellen oder mit Sex. Ich hatte versucht, es zu erbrechen, und ich machte Yoga.“, doch die Erlebnisse lassen sie nicht los.
„Erregung wird verwirrend sein. Die Feststellung, damals auf Ansgars Schoß neben dem Ekel auch erregt gewesen zu sein, wird grausam sein.“

Erst durch das Schreiben kann Lale dem Ausnahmezustand ihrer Kindheit entkommen.

„Immerfort lieh ich mir Eigenschaften, erbeutete und kategorisierte ich Fragmente aus Musik, Filmen und Romanen, weil es überall besser sein musste als in meinem Körper, überall leichter als auf besetztem Land.
[...]
Die Versatzstücke fremder Leben türmen sich vor mir auf wie ein Wäscheberg, und ich bin bloß noch ein Echo, es bleiben nur Worte.

Das Schreiben wird ein Zuhause sein. Es ist nicht, als ob ich schreibe, sondern ich schreibe.

Ich stütze den Himmel mit beiden Händen.“

Anfangs habe ich etwas gebraucht, um in die Geschichte hineinzufinden, der Schreibstil kam mir zu Beginn etwas emotionslos vor. Doch dann hatte es mich gepackt, immer stärker zog es mich in Lales Leben und Fühlen hinein. Die Story ist wirklich heftig und intensiv. Gerade im zweiten Teil wird Lales innere Zerrissenheit gut spürbar.

„Mein Herz wird ein Mausoleum sein. Alle, die ich nicht geworden bin, fristen dort ihr Wegsein. An schlechten Tagen ist es eine Leichengrube, und ich werde aus allen Poren nach Verwesung stinken. Ich werde sie mit mir herumtragen, ihr Scheitern, ihre Scham und ihr Wollen. An miesen Tagen werden sie zu Untoten und bejammern ihre verwirkten Chancen. Während ich die Wäsche mache, Spielzeug aufhebe, das Essen auf den Tisch stelle, werden sie mir auf der Brust und in den Ohren liegen. Wir sind Anfänge, die ins Leere laufen, werden sie rufen und gegen meinen Brustkorb trommeln.“

Lediglich mit dem Ende bin ich nicht ganz zufrieden, das ist mir ein wenig zu schwammig gewesen.
Ansonsten bekommt dieser Debütroman jedoch eine eindeutige Leseempfehlung mit 4⭐️ von mir und die Hoffnung, von Lilli Tolkien bald noch mehr lesen zu dürfen!

Vielen Dank an den Aufbau Verlag und an NetGalley für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Der Fluch der Vergangenheit

Die Stimmen der Nacht
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„Die Stimmen der Nacht“ ist der Debütroman der nigerianischen Autorin und Juristin Tochi Eze.

In den 1960er Jahren lernen sich in Lagos die selbstbewusste Margaret und der in Großbritannien geborene Benjamin ...

„Die Stimmen der Nacht“ ist der Debütroman der nigerianischen Autorin und Juristin Tochi Eze.

In den 1960er Jahren lernen sich in Lagos die selbstbewusste Margaret und der in Großbritannien geborene Benjamin kennen. Benjamin ist auf der Suche nach seinen Wurzeln: Er hatte eine nigerianische Großmutter und weiß nur wenig über die Vergangenheit. Die beiden verlieben sich. Schon bald stellen sie fest, dass sie mehr verbindet als sie dachten.
Gegen den Willen von Margarets Familie heiraten die beiden, Margaret wird schwanger. Doch als Margarets psychischer Zustand immer schlechter wird, führen die Nachwirkungen jahrzehntealter Geschehnisse schließlich zum Bruch zwischen den beiden.

„Sie sah auf Matthias und dann auf die beiden anderen Männer aus der Sippe, und ihr wurde klar, welches die große Ungerechtigkeit im Leben war. Es war nicht Tod oder Armut oder die Unfähigkeit selbstverliebter Politiker. Es war die Familie. In ein Zuhause hineingeboren werden, das man sich nicht ausgesucht hatte, zu einem Volk zu gehören, dessen Schicksal so unauflöslich mit dem eigenen verschlungen war.“

Tochi Ezes Schreibstil gefällt mir sehr gut. Am stärksten empfand ich die Kapitel mit der Überschrift „Die Ahnen“, die in den Jahren 1905/1906 in Umumilo spielen.

Durch die Zeitsprünge zwischen der Vergangenheit, den 1960er Jahren und dem Jahr 2005 fügt sich die komplette Geschichte erst nach und nach zusammen.

„‘Ich glaube nicht an Flüche, Maggie. Das weißt Du‘, sagte er.
Sie wandte sich ab.
‚Ich glaube, dass Menschen manchmal für Dinge bestraft werden, die sie nicht verstehen.‘ Er beugte sich vor und nahm ihre Hand. ‚Es gab damals Dinge, die ich nicht verstanden habe, und ich habe dich dafür bestraft. Dich und unsere Tochter."‘

Herausfordernd fand ich dabei vor allem zu Beginn die vielen Namen und Personen. Hier wäre ein Familienstammbaum sicherlich hilfreich gewesen; andererseits hätte das vorweg vielleicht zu viel verraten.
Um die Geschichte auch für weniger versierte Leser zugänglich zu machen, wäre auf jeden Fall ein kurzes Glossar mit den wichtigsten Begriffen der nigerianischen Kultur und Geschichte empfehlenswert gewesen.

Ansonsten ist „Die Stimmen der Nacht“ ein bewegender Roman über kulturelle und familiäre Identität, Glauben und Schuld, den ich gerne weiterempfehle.

Vielen Dank an den Pfaueninsel Verlag und an Lovelybooks.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 12.03.2026

Die falsche Tochter ... Können Kindheitswunden heilen? 4,5⭐️

Unterwasserblau
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Jessica und Ingwer sind schon seit 20 Jahren ein Paar; seine Familie ist auch Jessicas Familie geworden, denn zu ihrer hat sie kein gutes Verhältnis.
Jessica verbringt den Hochzeitstag mit ihrem Mann ...

Jessica und Ingwer sind schon seit 20 Jahren ein Paar; seine Familie ist auch Jessicas Familie geworden, denn zu ihrer hat sie kein gutes Verhältnis.
Jessica verbringt den Hochzeitstag mit ihrem Mann Ingwer und dessen Familie im Urlaub, als sie einen Anruf ihrer Halbschwester Sandra bekommt: Jessicas Vater ist gestorben. Auf der Beerdigung reißen alte Wunden aus der Kindheit wieder auf.
„Diese Wohnung aus dem Körper zu bekommen, die Kindheit, das war mir noch nicht gelungen, so wenig hatte sich verändert.“

Die Mutter zeigt nach wie vor offen ihre Verachtung Jessica gegenüber. Jessica fühlt sich wieder so hilflos dem Schweigen und den Verletzugen ausgesetzt wie damals schon:
„Hilflos sah ich Ingwer an. Ich hatte immer Angst, dass ich die fehlende Logik und die Lieblosigkeit meiner Familie übertrieb, und auch wenn es mir peinlich war, dass er hier sitzen musste, war ich froh, ihn als Zeugen zu haben. Sobald ich nicht mehr mit Mutter oder Sandra in einem Raum war, konnte ich sie mit leichter Verachtung aus meinen Gedanken streichen, aber in ihrer Nähe fühlte ich mich hilflos. Warum waren sie so, warum fühlte ich mich immer noch so klein wie damals, warum gehörte ich angeblich zu ihnen, wenn mich doch nie jemand gewollt hatte?“

Und Jessica muss plötzlich immer öfter an ihre Zwillingsschwester Annika denken, die starb, als sie eineinhalb Jahre alt waren. Sie kann sich nicht wirklich an sie erinnern, vermisst sie aber dennoch

„Warum war Mutter so? Warum interessierte mich das noch? Warum war ausgerechnet Vater tot, der mir von allen noch am nächsten gestanden hatte? Warum vermisste ich auf einmal schmerzhaft meine Zwillingsschwester, die ich doch gar nicht richtig gekannt hatte?“

Während Jessicas Ehe plötzlich zu zerbrechen droht, muss sie lernen, ihren Alltag zu meistern und die Wunden der Vergangenheit heilen zu lassen.

„Nichts und niemand konnte ever einen Zwilling ersetzen und auch nichts und niemand einen Vater. Jessica bringt den Tod. Die Beerdigung hätte ein Abschied sein sollen, aber die Worte der Lebenden waren zu laut gewesen, um ihm auf Wiedersehen zu sagen. Jessica bringt den Tod. Falls mir der Satz noch länger im Kopf herumschwirrte, würde ich ihn irgendwann selbst glauben.“

Ich möchte nicht spoilern, daher sage ich zum Inhalt nichts mehr; nur so viel: Mir hat die Entwicklung der Protagonistin richtig gut gefallen, ebenso wie der Schreibstil von Petra Hucke. Ein wirklich emotionaler Roman über Familie und alte Wunden, der mir sehr gut gefallen hat.

Vielen Dank an den Eisele Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Spannende Fortsetzung der Polarkreis-Reihe: 4,5⭐️

Das kalte Moor
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„Das kalte Moor“ von Liza Marklund ist der zweite Teil der „Polarkreis“-Triologie.
Schon der erste Teil hatte mir sehr gut gefallen und auch hier hatte mich die spannende Geschichte gleich gefesselt:

Das ...

„Das kalte Moor“ von Liza Marklund ist der zweite Teil der „Polarkreis“-Triologie.
Schon der erste Teil hatte mir sehr gut gefallen und auch hier hatte mich die spannende Geschichte gleich gefesselt:

Das schwedische Örtchen Stenträsk, unweit des nördlichen Polarkreises. Hier wird im Sommer 1990 mitten im Moor ein Säugling gefunden, dehydriert, stark unterkühlt und in einem kritischen Zustand. Von der Mutter Helena Stormberg fehlte jede Spur. Ihre Leiche wurde nie gefunden. Ihr Ehemann Wiking Stromberg, der örtliche Polizeichef, hat dennoch auch 30 Jahre später den Verlust von seiner Frau nicht überwunden. Dann passieren im August 2020 gleich zwei Dinge auf einmal: Wiking erfährt, dass er Krebs hat, und sein Sohn Markus bekommt einen anonymen Brief mit den Worten „Du darfst das Angebot als Projektleiter für das QATS-System nicht annehmen. Es ist mit großer Gefahr verbunden. Du MUSST ablehnen. Erfinde eine Ausrede.“
Der Brief ist unterzeichnet mit einem von Hand gemalten, unregelmäßigen fünfzackigen Stern, den Wiking sofort wiedererkennt: Damit hatte Helena damals immer ihre Briefe unterschrieben ...
Könnte die Nachricht wirklich von Helena sein?

In Zeitsprüngen zwischen damals und heute geht die Story voran. Besonders in der zweiten Hälfte überrascht der Plot mit einigen völlig unerwarteten Wendungen. Die Wurzeln der Geschichte führen zurück in den Kalten Krieg und dessen bis heute spürbare Auswirkungen. Das wird nicht nur bei Markus’ geheimen Aufgaben auf dem Raketenstützpunkt deutlich, sondern vor allem bei Helenas Vergangenheit – doch dazu werde ich nichts sagen, um nicht zu spoilern.

Nur soviel noch: Das Ende des Buches ist ein perfekter Cliffhanger, der die Wartezeit von einem Jahr bis zum finalen Band der „Polarkreis“-Reihe zu einer echten Geduldsprobe macht!
Ich möchte den letzten Band dann auf jeden Fall auch noch lesen!

Vielen Dank an den Atrium Verlag & Lovelybooks.de für dieses Rezensionsexemplar! 📚💚

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Veröffentlicht am 09.03.2026

Spannendes Pflanzen-Wissen, wunderschön illustriert

Der Stoff, aus dem die Dinge sind
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„Der Stoff, aus dem die Dinge sind: Was wir aus Pflanzen machen“ von Jonathan Drori ist ein wirklich außergewöhnliches Sachbuch. Allein schon das Cover ist nicht nur optisch, sondern auch haptisch etwas ...

„Der Stoff, aus dem die Dinge sind: Was wir aus Pflanzen machen“ von Jonathan Drori ist ein wirklich außergewöhnliches Sachbuch. Allein schon das Cover ist nicht nur optisch, sondern auch haptisch etwas ganz Besonderes!

Der britische Autor, Filmemacher und Naturschützer vermittelt in diesem sorgfältig recherchierten und wunderschön aufgebauten Sachbuch wertvolles Wissen über Pflanzen. Das Buch ist für die ganze Familie geeignet, Kinder und Erwachsene können hier noch viel lernen.

Wir wissen zwar alle, dass wir Pflanzen zum Leben brauchen, aber uns ist nicht klar, wobei sie überall eine entscheidende Rolle spielen und worin sie überall stecken.

Der Autor hat für dieses Buch 30 relativ bekannte Pflanzen ausgewählt, für jede gibt es eine Doppelseite im Buch. Dort finden sich viele Informationen zur jeweiligen Pflanze selbst, ihrer Verwendung in unterschiedlichsten Bereichen (Lebensmittel, Pflegeprodukte, Technologie, Kleidung/Mode, etc.)

Die wirklich wunderschönen, farbenprächtigen Illustrationen von Raxenne Maniquiz und Jiatong Liu sind ein weiteres, unbedingt erwähnenswertes Highlight dieses tollen Buches!

Unserer ganzen Familie gefällt das Buch ausgesprochen gut, wir werden darin sicher noch öfter stöbern & können es daher unbedingt weiterempfehlen!

Vielen Dank an den Midas Kinderbuch Verlag & Lovelybooks.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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