Cover-Bild Die Stimmen der Nacht
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25,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Pfaueninsel
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 352
  • Ersterscheinung: 30.03.2026
  • ISBN: 9783691310092
Tochi Eze

Die Stimmen der Nacht

Für Leser von Chimamanda Ngozi Adichie und Chigozie Obiama
Agnes Krup (Übersetzer)

Lagos, 1960er Jahre: In einer Stadt voller Energie und Aufbruchsstimmung nach der Unabhängigkeit, lernt die selbstbewusste Margaret den in Großbritannien geborenen Benjamin kennen, der eine nigerianische Großmutter hatte und auf der Suche nach seinen Wurzeln ist. Sie verlieben sich und entdecken schon bald, dass sie mehr gemeinsam haben, als sie dachten. Aber dann wird Margaret psychisch immer labiler, und die Schatten jahrzehntealter Ereignisse in einem kleinen Dorf weit weg von Lagos bringen langsam aber unaufhaltsam den Bruch ... Ein mitreißender Roman über Schuld, Glaube und kulturelle Identität - und die Stärke der Frauen in einer patriarchalischen Welt.

»Ein vielschichtiges Debüt, in dessen verschlungener Chronologie sich die Wechselwirkungen zwischen Familien- und Zeitgeschichte spiegeln.« NEW YORKer

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.03.2026

Zwischen Fluch und psychischer Erkrankung

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In ihrem Debütroman spannt die nigerianische Autorin Tochi Eze den Bogen über die Geschichte zweier Familien von 1905 bis 2005 und damit über ein ganzes Jahrhundert hinweg. Wir erleben den Wandel von einer ...

In ihrem Debütroman spannt die nigerianische Autorin Tochi Eze den Bogen über die Geschichte zweier Familien von 1905 bis 2005 und damit über ein ganzes Jahrhundert hinweg. Wir erleben den Wandel von einer noch von den weißen Kolonisatoren und Missionaren unberührte Zeit hin in die globalisierte Gegenwart mit all ihren Folgen. Dabei greift die Autorin sowohl ursprüngliche Glaubensvorstellungen als auch die Thematik von psychischer Störung auf und verwebt sie in eine unglückliche Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, deren Vorfahren zwar teilweise aus demselben Dorf stammen, die aber doch ganz unterschiedliche Wege gegangen sind, bis sie sich fanden und wieder verloren.

Zentrale Figuren sind Margaret und Benjamin, die sich in den 1960ern in Lagos kennen und lieben lernen. Allerdings wird hier keine stringente Liebesgeschichte erzählt. Immer wieder springen wir zwischen den Jahren 1905, den 1960/70ern und 2005 hin und her. So bekommen wir einen breiten Überblick über die Vorfahren von Margaret, welche schon immer „verflucht“ zu sein scheinen, und von Benjamin, der hellhäutig ist, da sein Großvater ein weißer Missionar gewesen ist. Durch die zeitlichen und örtlichen Sprünge wird der Roman zu einem Flechtwerk von Lebensrealitäten, die den Wandel der Zeit aufzeigen und auch den Wandel von Definitionen und Zuschreibungen. Was früher allgemein akzeptiert wurde als ein Fluch, der auf einer Ahnenreihe liegt, wird heutzutage als Schizophrenie benannt. Mir gefällt sehr, dass Tochi Eze hier keine klare Antwort liefert, sondern es offen lässt, was dies nun ist, was diese Familie befallen hat, und dem wir in unterschiedlichen Generationen unterschiedliche Namen geben. Diese thematische Fokussierung war für mich überraschend und gleichzeitig dadurch die größte Stärke des Romans.

Auch wenn der sprunghafte Erzählstil, der allerdings immer zu Beginn eines neuen Kapitels durch Zeit- und Ortsangaben angekündigt wird und damit nicht überraschend kommt, es manchmal schwer macht, auf Anhieb noch genau zu wissen, wer jetzt von wem gleich der Vorfahr oder Nachfahr war, hat mich der Roman nie verloren. Ich fand den Erzählstil und vor allem den Fokus der Geschichte sehr erfrischend. Zwar bilden Margaret und Benjamin die Bindeglieder zwischen den Familien und Zeiten, trotzdem sind sie auch nie nur die einzigen Hauptfiguren.

Ein insgesamt gelungener, inhaltlich überraschender Debütroman, dessen Autorin man weiterhin im Blick behalten sollte.

4,5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Vielschichtig - komplex - eindrucksvoll

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„Die Stimmen der Nacht“ ist das eindrucksvolle Debüt der nigerianischen Autorin und Juristin Tochi Eze.

In den 1960er Jahren lernt die Nigerianerin Margaret Okolo den in Großbritannien geborenen Benjamin ...

„Die Stimmen der Nacht“ ist das eindrucksvolle Debüt der nigerianischen Autorin und Juristin Tochi Eze.

In den 1960er Jahren lernt die Nigerianerin Margaret Okolo den in Großbritannien geborenen Benjamin Fletcher kennen. Benjamin hat sich nach Lagos begeben, da er eine nigerianische Großmutter hatte und auf der Suche nach seinen Wurzeln ist. Die beiden verlieben sich ineinander, heiraten und bekommen ein Kind, obwohl ihre Beziehung von der Gesellschaft abgelehnt wird. Durch Ereignisse der Vergangenheit verschlechtert sich Margarets psychische Gesundheit und die beiden entfremden sich. Nach mehr als 40 Jahren Funkstille kreuzen sich die Wege von Margaret und Benjamin im Jahr 2005 erneut.

Die Ereignisse werden im Wechsel in der Vergangenheit im Jahr 1905 und der Gegenwart im Jahr 2005 geschildert. Zu den Zeitwechseln kommen Ortswechsel und es tauchen viele verschiedene Charaktere auf. Das und die vielen afrikanischen Begriffe machen das Lesen nicht leicht. Dennoch lohnt es sich sehr, da Tochi Eze anhand von Margaret und Benjamin ein bewegendes Gesellschaftsportrait geschrieben hat und zeigt, welchen Einfluss die Vergangenheit auf die Gegenwart hat. Zwei Menschen leiden unter der Last der Familiengeheimnisse, die seit Generationen weitergegeben wurden.

Die Autorin hat hier ein Stück Zeitgeschichte und deren historische Hintergründe gekonnt mit der Familiengeschichte der Protagonisten verwoben und lebendig werden lassen. Der Roman ist fesselnd und sehr intensiv.

Die Zeitsprünge, die hohe Anzahl der Charaktere und die zahlreichen afrikanischen Begriffe machen das Lesen nicht leicht und es ist einiges an Konzentration erforderlich. Ein Personenverzeichnis sowie ein Glossar wären hier für mich sehr hilfreich gewesen. Dennoch ist es eine fesselnde Geschichte über Familiengeheimnisse, Entwurzelung und den Einfluss vergangener Generationen auf die Gegenwart, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird und mir Nigeria ein wenig näher gebracht hat.

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Veröffentlicht am 13.03.2026

Der Fluch der Vergangenheit

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„Die Stimmen der Nacht“ ist der Debütroman der nigerianischen Autorin und Juristin Tochi Eze.

In den 1960er Jahren lernen sich in Lagos die selbstbewusste Margaret und der in Großbritannien geborene Benjamin ...

„Die Stimmen der Nacht“ ist der Debütroman der nigerianischen Autorin und Juristin Tochi Eze.

In den 1960er Jahren lernen sich in Lagos die selbstbewusste Margaret und der in Großbritannien geborene Benjamin kennen. Benjamin ist auf der Suche nach seinen Wurzeln: Er hatte eine nigerianische Großmutter und weiß nur wenig über die Vergangenheit. Die beiden verlieben sich. Schon bald stellen sie fest, dass sie mehr verbindet als sie dachten.
Gegen den Willen von Margarets Familie heiraten die beiden, Margaret wird schwanger. Doch als Margarets psychischer Zustand immer schlechter wird, führen die Nachwirkungen jahrzehntealter Geschehnisse schließlich zum Bruch zwischen den beiden.

„Sie sah auf Matthias und dann auf die beiden anderen Männer aus der Sippe, und ihr wurde klar, welches die große Ungerechtigkeit im Leben war. Es war nicht Tod oder Armut oder die Unfähigkeit selbstverliebter Politiker. Es war die Familie. In ein Zuhause hineingeboren werden, das man sich nicht ausgesucht hatte, zu einem Volk zu gehören, dessen Schicksal so unauflöslich mit dem eigenen verschlungen war.“

Tochi Ezes Schreibstil gefällt mir sehr gut. Am stärksten empfand ich die Kapitel mit der Überschrift „Die Ahnen“, die in den Jahren 1905/1906 in Umumilo spielen.

Durch die Zeitsprünge zwischen der Vergangenheit, den 1960er Jahren und dem Jahr 2005 fügt sich die komplette Geschichte erst nach und nach zusammen.

„‘Ich glaube nicht an Flüche, Maggie. Das weißt Du‘, sagte er.
Sie wandte sich ab.
‚Ich glaube, dass Menschen manchmal für Dinge bestraft werden, die sie nicht verstehen.‘ Er beugte sich vor und nahm ihre Hand. ‚Es gab damals Dinge, die ich nicht verstanden habe, und ich habe dich dafür bestraft. Dich und unsere Tochter."‘

Herausfordernd fand ich dabei vor allem zu Beginn die vielen Namen und Personen. Hier wäre ein Familienstammbaum sicherlich hilfreich gewesen; andererseits hätte das vorweg vielleicht zu viel verraten.
Um die Geschichte auch für weniger versierte Leser zugänglich zu machen, wäre auf jeden Fall ein kurzes Glossar mit den wichtigsten Begriffen der nigerianischen Kultur und Geschichte empfehlenswert gewesen.

Ansonsten ist „Die Stimmen der Nacht“ ein bewegender Roman über kulturelle und familiäre Identität, Glauben und Schuld, den ich gerne weiterempfehle.

Vielen Dank an den Pfaueninsel Verlag und an Lovelybooks.de für das Rezensionsexemplar! 📚💚

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