Cover-Bild Die Stimmen der Nacht
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25,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Pfaueninsel
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 352
  • Ersterscheinung: 30.03.2026
  • ISBN: 9783691310092
Tochi Eze

Die Stimmen der Nacht

Für Leser von Chimamanda Ngozi Adichie und Chigozie Obiama
Agnes Krup (Übersetzer)

Lagos, 1960er Jahre: In einer Stadt voller Energie und Aufbruchsstimmung nach der Unabhängigkeit, lernt die selbstbewusste Margaret den in Großbritannien geborenen Benjamin kennen, der eine nigerianische Großmutter hatte und auf der Suche nach seinen Wurzeln ist. Sie verlieben sich und entdecken schon bald, dass sie mehr gemeinsam haben, als sie dachten. Aber dann wird Margaret psychisch immer labiler, und die Schatten jahrzehntealter Ereignisse in einem kleinen Dorf weit weg von Lagos bringen langsam aber unaufhaltsam den Bruch ... Ein mitreißender Roman über Schuld, Glaube und kulturelle Identität - und die Stärke der Frauen in einer patriarchalischen Welt.

»Ein vielschichtiges Debüt, in dessen verschlungener Chronologie sich die Wechselwirkungen zwischen Familien- und Zeitgeschichte spiegeln.« NEW YORKer

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.03.2026

Der Fluch der Ahnen

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Auf das Buch, das zum Teil in Lagos spielt, bin ich aufmerksam geworden, weil ich im Rahmen des Weltgebetstags Informationen zu Land und Leuten in Nigeria gesammelt habe. Darum ist mir der Einstieg in ...

Auf das Buch, das zum Teil in Lagos spielt, bin ich aufmerksam geworden, weil ich im Rahmen des Weltgebetstags Informationen zu Land und Leuten in Nigeria gesammelt habe. Darum ist mir der Einstieg in die Geschichte, die nicht ganz einfach geschrieben und auch nicht leicht zu verstehen ist, vielleicht nicht so schwergefallen wie Leser*innen, die das Land wenig oder gar nicht kennen.
„Die Stimmen der Nacht“ gehören zu Margaret, die Christin, aber gleichzeitig immer noch tief mit ihren kulturellen Wurzeln verbunden ist. Ihre Geschichte hat auf mich eine große Faszination ausgeübt. Auf der einen Seite ist Margaret eine intelligente Frau mit großem Selbstbewusstsein, auf der anderen Seite scheint sie ängstlich und hilflos.
Welche Verbindung gibt es zwischen Margarets Familie und Ben, der zwar in London aufgewachsen ist, aber eine nigerianische Großmutter hat? Was verbindet die beiden, nachdem sie sich 1960 kennenlernen, und was trennt sie?
Tochi Eze hat einen Debütroman geschrieben, der mich gefesselt und nicht losgelassen hat. Gekonnt schwenkt sie zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her und lässt keine Langeweile aufkommen. Einzig die Zuordnung der vielen Personen mit den ungewohnten Namen machen das Lesen vor allem am Anfang nicht einfach und fordern hohe Aufmerksamkeit. Da hätte ich mir ein Glossar gewünscht. Aber vielleicht hätte das etwas von der Spannung genommen.
Für mich ein Lesehighlight, das ich gerne allen empfehle, die etwas über Menschen aus einem anderen und vielleicht fremden Land erfahren möchten.

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Veröffentlicht am 21.03.2026

Zwischen Fluch und psychischer Erkrankung

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In ihrem Debütroman spannt die nigerianische Autorin Tochi Eze den Bogen über die Geschichte zweier Familien von 1905 bis 2005 und damit über ein ganzes Jahrhundert hinweg. Wir erleben den Wandel von einer ...

In ihrem Debütroman spannt die nigerianische Autorin Tochi Eze den Bogen über die Geschichte zweier Familien von 1905 bis 2005 und damit über ein ganzes Jahrhundert hinweg. Wir erleben den Wandel von einer noch von den weißen Kolonisatoren und Missionaren unberührte Zeit hin in die globalisierte Gegenwart mit all ihren Folgen. Dabei greift die Autorin sowohl ursprüngliche Glaubensvorstellungen als auch die Thematik von psychischer Störung auf und verwebt sie in eine unglückliche Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, deren Vorfahren zwar teilweise aus demselben Dorf stammen, die aber doch ganz unterschiedliche Wege gegangen sind, bis sie sich fanden und wieder verloren.

Zentrale Figuren sind Margaret und Benjamin, die sich in den 1960ern in Lagos kennen und lieben lernen. Allerdings wird hier keine stringente Liebesgeschichte erzählt. Immer wieder springen wir zwischen den Jahren 1905, den 1960/70ern und 2005 hin und her. So bekommen wir einen breiten Überblick über die Vorfahren von Margaret, welche schon immer „verflucht“ zu sein scheinen, und von Benjamin, der hellhäutig ist, da sein Großvater ein weißer Missionar gewesen ist. Durch die zeitlichen und örtlichen Sprünge wird der Roman zu einem Flechtwerk von Lebensrealitäten, die den Wandel der Zeit aufzeigen und auch den Wandel von Definitionen und Zuschreibungen. Was früher allgemein akzeptiert wurde als ein Fluch, der auf einer Ahnenreihe liegt, wird heutzutage als Schizophrenie benannt. Mir gefällt sehr, dass Tochi Eze hier keine klare Antwort liefert, sondern es offen lässt, was dies nun ist, was diese Familie befallen hat, und dem wir in unterschiedlichen Generationen unterschiedliche Namen geben. Diese thematische Fokussierung war für mich überraschend und gleichzeitig dadurch die größte Stärke des Romans.

Auch wenn der sprunghafte Erzählstil, der allerdings immer zu Beginn eines neuen Kapitels durch Zeit- und Ortsangaben angekündigt wird und damit nicht überraschend kommt, es manchmal schwer macht, auf Anhieb noch genau zu wissen, wer jetzt von wem gleich der Vorfahr oder Nachfahr war, hat mich der Roman nie verloren. Ich fand den Erzählstil und vor allem den Fokus der Geschichte sehr erfrischend. Zwar bilden Margaret und Benjamin die Bindeglieder zwischen den Familien und Zeiten, trotzdem sind sie auch nie nur die einzigen Hauptfiguren.

Ein insgesamt gelungener, inhaltlich überraschender Debütroman, dessen Autorin man weiterhin im Blick behalten sollte.

4,5/5 Sterne

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Dämonen aus der Vergangenheit

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In ihrem Romandebüt ‘Die Stimmen der Nacht‘ erzählt Tochi Eze die Geschichte von Margaret, die in dem kleinen, nigerianischen Dorf Umumilo aufwächst. Sie besitzt einerseits eine enge Verbundenheit zu den ...

In ihrem Romandebüt ‘Die Stimmen der Nacht‘ erzählt Tochi Eze die Geschichte von Margaret, die in dem kleinen, nigerianischen Dorf Umumilo aufwächst. Sie besitzt einerseits eine enge Verbundenheit zu den Riten und zur dörflichen Gemeinschaft, lebt in Respekt und Ehrfurcht mit ihnen, zeigt sich jedoch andererseits offen für die Lebensweise der englischen Besatzer. Das allein schon birgt genügend Konfliktpotenzial für eine junge Frau, die sich den herausfordernden Traditionen ihrer Kultur verpflichtet fühlt und den westlichen Lebensstil, der ihr neue weltoffene Perspektiven eröffnet, interessiert begegnet.
Erst langsam entwickelt sich eine komplexe Geschichte, die in den Zeiten und Örtlichkeiten zwischen Logos und London springt, Einsichten in die Gedanken und Gefühle der Protagonisten preisgibt. Verworrene Lebensumstände, die sich aus Zugehörigkeit oder Ausschluss aus einer tiefverwurzelten Kultur menschlicher Abhängigkeiten und Fürsorge füreinander entwickelt hat, geben Hinweise auf die Entstehung einer überforderten Psyche. Die in sich verstrickten familiären Verhältnisse wiederum möchten in ihrer Struktur erkannt und verarbeitet werden. Bei aller Dramatik bleibt es dem Leser überlassen, sich mit rätselhaft anmutenden Vorgängen kontrovers auseinanderzusetzen. Zwischen den Zeilen zu lesen, könnte hilfreich dabei sein.

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Veröffentlicht am 07.04.2026

Anspruchsvolle Familiengeschichte und eine spannende literarische Stimme

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„Die Stimmen der Nacht“ ist ein literarisch anspruchsvolles Debüt mit einer wichtigen Perspektive. Ich habe echt eine Weile gebraucht, um in die Figurenwelt einzufinden - ein selbst gezeichneter Stammbaum ...

„Die Stimmen der Nacht“ ist ein literarisch anspruchsvolles Debüt mit einer wichtigen Perspektive. Ich habe echt eine Weile gebraucht, um in die Figurenwelt einzufinden - ein selbst gezeichneter Stammbaum hat mir im Laufe der Handlung dann sehr geholfen. Es bietet sich eindeutig an, den Roman so gut es geht am Stück zu lesen, weil er einfach sehr dicht ist.

Meine persönliche Herausforderung war Margaret als eine Person mit Schizophrenie. Einerseits finde ich die Darstellung der Figur sehr sensibel und ich ziehe meinen Hut vor dem Talent Tochi Ezes, hier nicht in Klischees abzudriften und dann auch noch die Balance zu wahren zwischen moderner Psychiatrie und kulturell-religiösem Umgang. Andererseits wird Margaret damit auch zu einer für mich unberechenbaren sowie leicht unzuverlässigen Figur und mit solchen habe ich immer meine Schwierigkeiten. Das ist aber einfach eine persönliche Präferenz.

Der Roman ermöglicht den Leser:innen spannende Einblicke in eine Kultur, die literarisch bislang wenig Aufmerksamkeit erhält. Ich fand es sehr geschickt, wie die Autorin koloniale Taten und das damit einhergehende Erbe sowie konkrete Identitätsfragen in die Geschichte einwebt - wobei sie hier auch gern noch deutlicher hätte werden können. Stark war auf jeden Fall die Herausstellung patriarchalen Anspruchsdenkens über die Zeit und Ländergrenzen hinaus.

Ein ambivalenter Punkt ist die Dichte der Erzählung, die zwar wirklich bemerkenswert ist, allerdings auch dazu führt, dass mir die Figuren weitläufig eher distanziert blieben. Die Handlung wird trotz aller Komplexität jedoch sehr atmosphärisch und authentisch beschrieben, lokale Sprache klug eingesetzt und für Nicht-Sprachkundige elegant im Erzählfluss übersetzt.

Ein Werk, das definitiv mit hohem literarischen Anspruch daherkommt und eine vielschichtige Familiengeschichte geschickt ineinanderspinnt. Durch die vielen Nebenerzählungen, komplexen Figurenverflechtung und verschiedenen Zeitebenen hat mir das Buch einiges abverlangt und dadurch auch die Emotionalität ein wenig in den Hintergrund verschoben, obwohl mich die Geschichte gerade in der zweiten Hälfte sehr fesseln konnte. Eze hat hier wirklich einen sehr würdigen Debütroman geschrieben, der viele Leser:innen verdient hat.

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Veröffentlicht am 03.04.2026

Tradition und Moderne gekonnt miteinander verflochten

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Die Familien- und Lebensgeschichten von Margaret und Benjamin werden in drei großen Erzählzeiten und aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Obwohl die Zeitwechsel auch unangekündigt kommen, habe ich den ...

Die Familien- und Lebensgeschichten von Margaret und Benjamin werden in drei großen Erzählzeiten und aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Obwohl die Zeitwechsel auch unangekündigt kommen, habe ich den Überblick meistens behalten und fand die verschiedenen Sichtweisen gut gemacht und sehr interessant. Der Schreibstil hat mir gut gefallen, ich habe schnell ins Buch und in das für mich ungewohnte Setting in Nigeria reingefunden. Gerade die frühe Erzählperspektive der Ahnen hat mir besonders gut gefallen, man bekommt einen besonderen Eindruck und Blick auf die Kolonialisierung Nigerias und die Auswirkungen auf die alten Familien- und Dorfstrukturen. Die Mischung aus Tradition und Moderne im Buch fand ich sehr reizvoll, auch die langfristigen Auswirkungen auf die Betroffenen über Generationen hinweg. Nach der Hälfte war die Handlung einen Tick langatmig, ansonsten wirklich ansprechend. Ergänzend hätte ich mir noch ein Personenregister, ein Glossar und eine Landkarte gewünscht, um Verständnis und Überblick zu vereinfachen.

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