Eine literarische und emotionale Naturgewalt
Unter WasserDiese Geschichte hat mir emotional echt den Boden unter den Füßen weggerissen. Ein so tolles Werk, das auf wenigen Seiten derart sprachgewaltig über Freundinnenschaft, Trauer und Katastrophen schreibt, ...
Diese Geschichte hat mir emotional echt den Boden unter den Füßen weggerissen. Ein so tolles Werk, das auf wenigen Seiten derart sprachgewaltig über Freundinnenschaft, Trauer und Katastrophen schreibt, habe ich selten in den Händen gehalten.
Tara Menon erzählt auf zwei Zeitebenen und verbindet dabei auch, aber nicht nur, zwei Naturkatastrophen miteinander. Das ist von Anfang an klar, aber die Autorin schafft es dennoch, die Geschichte spannend zu verfassen. Der Reiz der Erzählung liegt hierbei weniger in Ereignissen als in der authentischen und einfühlsamen Beschreibung der Emotionen sowie Erinnerungen von Marissa. Diese erlebt als Jugendliche nicht nur den verheerenden Tsunami 2004 in Thailand, sondern acht Jahre später dann auch Hurrikan Sandy in New York.
Besonders faszinierend war für mich, wie Menon nicht nur eindringliche Worte für die Beschreibung der Katastrophen findet, sondern auch einen so naturverbundenen Ansatz wählen konnte. Besonders in den Erinnerungen zurück wird klar, wie wertschätzend Marissa und ihre beste Freundin Arielle mit der Natur um sie herum umgehen. Entsprechend reizvoll und erschütternd ist schließlich auch ihr Umgang mit deren zerstörerischsten Seiten.
Wasser prägt nicht nur das außergewöhnlich schöne Cover, sondern ist das inhaltliche wie sprachliche Hauptmotiv der Geschichte. Menon verwendet eine irgendwie poetische Sprache, die aber dennoch total gut fließt und sich deshalb selbst für Poesie-Skeptiker*innen wie mich hervorragend lesen lässt. Die Lesenden werden von Erzählweise und Atmosphäre regelrecht unter Wasser gezogen, so bedrückend und echt habe ich den Text empfunden.
Ich fand es außerdem positiv, dass indigenes Wissen Raum bekommt und diese ganz besondere Freundinnenschaft zwischen den beiden Mädchen in einem schmerzlichen Fokus steht. Ich fand ihre Verbindung wundervoll beschrieben und war umso erschütterter über das sich von Anfang an abzeichnende Ende. Trotzdem kann ich gar nicht genug loben, dass eine solche Beziehung einen derart tollen Platz bekommen hat.
Eine kraftvolle, extrem atmosphärische und pointiert erzählte emotionale Erzählung, die ich nur allen ans Herz legen kann. Sie geht unter die Haut und ist dadurch sicherlich keine leichte Kost, aber literarisch wunderbar erzählt und für mich in ihrer Intensität etwas wirklich Besonderes.