Empathie gilt als höchste Kunst des Miteinanders. Trotzdem scheint sie der gegenwärtigen Debattenkultur abhanden gekommen zu sein. Im digitalen
survival of the fittest
beschäftigen sich alle mit allem, vorrangig jedoch mit sich selbst. Meinungen werden absolut, Zwischentöne unmöglich.
Warum wir wieder lernen müssen, empathisch zu sein - oder zumindest mehr empathische Egoisten brauchen -, erzählt Yasmine M’Barek in
I FEEL YOU
. Von
relatable content
auf Instagram über den Zusammenhang von Empathie und Kapitalismus bis zum Tod der Kritik: Mit Schärfe, Humor und analytischer Klarheit plädiert Yasmine M’Barek für ein gesellschaftliches Wiederentdecken der Empathie - politisch, privat und popkulturell.
Grundsätzlich behandelt das Buch ein wichtiges und aktuelles Thema. Einige Gedanken fand ich durchaus interessant, vor allem dort, wo mir die Autorin eine neue Perspektive auf Empathie eröffnet hat. An ...
Grundsätzlich behandelt das Buch ein wichtiges und aktuelles Thema. Einige Gedanken fand ich durchaus interessant, vor allem dort, wo mir die Autorin eine neue Perspektive auf Empathie eröffnet hat. An manchen Stellen konnte ich mich selbst wiedererkennen, insbesondere bei den Beschreibungen der Blicke und Bewertungen, die man im Alltag von anderen Menschen wahrnimmt.
Trotzdem hat mich das Buch insgesamt nur bedingt überzeugt. Nicht alle Gedankengänge der Autorin waren für mich gut nachvollziehbar.
Ein Buch über Empathie zu lesen in den aktuellen Zeiten, die mich oft zum Verzweifeln bringen, schien mir eine gute Idee zu sein. Und so manchen Aspekt mochte ich auch wirklich an Yasmine M’Bareks Buch. ...
Ein Buch über Empathie zu lesen in den aktuellen Zeiten, die mich oft zum Verzweifeln bringen, schien mir eine gute Idee zu sein. Und so manchen Aspekt mochte ich auch wirklich an Yasmine M’Bareks Buch. Nach der Lektüre fühle ich mich aber ein wenig in der Luft hängen gelassen, was bei Essays natürlich immer eine Gefahr ist, anderen aber auch schon besser gelungen ist.
Zu Beginn fand ich das Buch nicht gerade niedrigschwellig, die zweite Hälfte hat mir dahingehend deutlich besser gefallen. Bis dahin empfand ich den Text oft gleichzeitig relativ detailliert und zu allgemein gehalten, zudem gespickt mit recht vielen Referenzen bzw. theoretischen Erklärungen. Grundsätzlich finde ich das nicht schlimm, hatte im Verhältnis zur Kürze des Buchs aber trotzdem damit zu kämpfen.
In der zweiten Hälfte kamen mir Text und Autorin deutlich zugänglicher vor. Sicherlich liegt das auch an den persönlichen Meinungsäußerungen M’Bareks, die für mich eher positiv zu bewerten sind. Anhand ihrer eigenen Einstellungen macht die Autorin so deutlich, wie kritisches Denken und Ambiguitätstoleranz aktiv gelebt werden können. Das war auch der größte positive Punkt beim Lesen für mich, denn an der Stelle habe ich mich bei all meinem Weltschmerz abgeholt gefühlt. Schwarz-Weiß-Denken und Frontenbildung tun mir aktuell nämlich ganz schön weh, besonders innerhalb linker Strömungen.
Und obwohl mir das ebenso wie die leicht selbstironische Erzählweise der Autorin gut gefallen hat, bleibt nach der Lektüre zu wenig bei mir hängen, als dass es für mich jetzt ein total einprägsames Werk gewesen wäre. Einige Ideen sind gut und haben mir phasenweise Hoffnung gegeben, aber ich fand es jetzt auch nicht total weltbewegend. Am Ende war es für meinen Geschmack dann auch etwas abrupt vorbei, das fühlte sich nicht ganz stimmig an. Vielleicht ist es eher ein Werk für Menschen, die ein dünnes Buch mit inhaltlichem Anspruch sowie leicht hoffnungsvoller Färbung suchen.