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Veröffentlicht am 26.08.2025

Interessanter Grundedanke, sehr anstrengender Schreibstil

Der letzte weiße Mann
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"Der letzte weiße Mann " von Mohsin Hamid hat mich vom Grundgedanken her neugierig gemacht.
Dieser erinnert stark an Kafkas "Die Verwandlung" und ist doch besonders:
Hier wacht eines Morgens der junge ...

"Der letzte weiße Mann " von Mohsin Hamid hat mich vom Grundgedanken her neugierig gemacht.
Dieser erinnert stark an Kafkas "Die Verwandlung" und ist doch besonders:
Hier wacht eines Morgens der junge Mann namens Anders auf und stellt mit Entsetzen fest, dass er sich in einen dunkelhäutigen Mann verwandelt hat. Er reagiert fast panisch, verlässt seine Wohnung nicht, meldet sich krank. Nur seiner alten Schulfreundin/Geliebten Oona erzählt er davon.
Doch irgendwann muss Anders das Haus doch wieder verlassen, er muss Geld verdienen. Sein Chef sagt im direkt ins Gesicht: "Wenn mir das passiert wäre, ich hätte mich umgebracht."
Auch seine Umgebung scheint ihn mit der veränderten Hautfarbe anders wahrzunehmen:
"Er wusste nicht, was die Leute dachten, ob sie überhaupt irgendetwas dachten, und wahrscheinlich bildete er sich die Feindseligkeit und Ablehnung in ihren Blicken nur ein."

Nach und nach häufen sich die Berichte über ähnliche Verwandlungen, mit der Zeit verwandelt sich die weiße Mehrheit im Land und scheint zu einer Minderheit zu werden . In der namenlosen Stadt herrschen bald bürgerkriegsähnliche Zustände.
Anders Vater stirbt schließlich schwerkrank als "der letzte weiße Mann". Die Unruhen klingen ab, doch wie geht das Leben weiter?

Ich bin bei diesem Buch etwas zwiegespalten. Den Grundgedanken fand ich sehr interessant. Bei einigen Sätzen gibt es viel Stoff zum Nachdenken:

"... und suchte in seinem Blick nach etwas Weißem, irgendwo musste es doch sein, vielleicht in seinem Gesichtsausdruck, aber da war nichts, und je länger er hinsah, desto weniger weiß kam er sich vor, als wäre das Suchen danach das genaue Gegenteil von Weißsein, als rückte es dadurch nur noch weiter weg, es ließ ihn verzweifelt wirken, unsicher, so als gehörte er nicht hierher, wo er doch hier geboren war ...."

"... sagte Anders, er sei nicht sicher, ob er noch derselbe Mensch sei, anfangs hatte er das Gefühl gehabt, unter der Oberfläche immer noch er selbst zu sein, wer auch sonst, aber so einfach war das nicht, wie die Menschen um einen herum sich verhielten, beeinflusste ja auch, wie man war, wer man war ..."

Leider blieben für meinen Geschmack die Charaktere zu oberflächlich, die Protagonistin*innen blieben mir seltsam fern.
Auch der Plot ist an sich grundsätzlich gut. Der Roman zeigt zwar auf, wie unlogisch es ist, den Wert und die Identität eines Menschen allein anhand seiner Hautfarbe festzulegen – aber für mein Empfinden fehlt es hier noch an Tiefe in der Ausarbeitung; man hätte aus diesem Thema noch mehr herausholen können.

Mein zweiter Kritikpunkt betrifft den Schreibstil des Autors. Die sehr in die Länge gezogenen Sätze, nur mit Kommata getrennt, fand ich sehr anstrengend zu lesen.

Final vergebe ich 3⭐️

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.08.2025

Der Körper als Projekt: Satirische Gesellschaftskritik

Gym
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Verena Keßlers bisherigen Romane "Eva" und "Die Gespenster von Demmin" hatten mir beide sehr gut gefallen, weshalb ich mich riesig auf "Gym" gefreut hatte.
Schon der Klappentext versprach, dass dieses ...

Verena Keßlers bisherigen Romane "Eva" und "Die Gespenster von Demmin" hatten mir beide sehr gut gefallen, weshalb ich mich riesig auf "Gym" gefreut hatte.
Schon der Klappentext versprach, dass dieses Buch ganz anders sein würde als die beiden Vorgänger:

Die Protagonistin, deren Körper nicht gerade in Top-Form ist, als sie sich im MEGA GYM bewirbt, bekommt den Job, als sie behauptet, sie habe gerade entbunden. Ihr neuer Chef ist selbsternannter Feminist, die Arbeit entspannt. Erst als alle unbedingt Babyfotos sehen wollen, zieht die unbedacht ausgesprochene Notlüge unangenehme Konsequenzen nach sich.
Während sie einerseits weiterhin ihr Leben als alleinerziehende Mutter glaubhaft vortäuschen muss, fängt die Protagonistin auch an, an ihrem Körper zu arbeiten. Erst auf Rat ihres Chefs hin, dann findet sie aus eigenem Antrieb Gefallen daran:

"Ich hatte alles unter Kontrolle. Mein Körper war zu meinem Projekt geworden, und das Projekt lief hervorragend. "

Als die Bodybuilderin Vick auftaucht, entwickelt sich der Selbstoptimierungszwang jedoch zu einem regelrechten Wahn.

"Auf einmal war es mir vollkommen klar. Was Vick da machte, war, sich selbst zu erschaffen. Ein Selbst, das sich so sehr abhob, so sehr für sich stand, so unumstößlich da war in der Welt, dass jede Meinung dazu, jede Wertung, jedes Begehren einfach daran abprallen musste."

Auch die Schatten ihrer Vergangenheit wirken noch in der Ich-Erzählerin nach. Häppchenweise erfährt man hier mehr davon.
Auf zwei Zeitebenen spitzt sich die Lage zu ....

Verena Keßler schreibt gewohnt gut, es entwickelt sich schnell eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann.
Ihr Blick hinter die Kulissen der schönen Oberflächen ist messerscharf und klug. Es bleibt einem das Lachen oft im Hals stecken.
Auf überzogene Art und Weise wird aufgezeigt, wohin übertriebene Selbstoptimierung, Leistungsdruck und Egoismus führen können.

Ein absurd grotesker, gesellschaftskritische Roman. Doch obwohl ich mich von dem Buch gut unterhalten fühlte, war es dennoch leider nicht ganz das erwartete Highlight.
Vor allem das offene Ende hat mich nicht recht begeistern können. Mir hat hier irgendwie noch etwas gefehlt.

Ich vergebe 4⭐️.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.08.2025

Der Körper als Projekt: Satirische Gesellschaftskritik

Gym
0

Verena Keßlers bisherigen Romane "Eva" und "Die Gespenster von Demmin" hatten mir beide sehr gut gefallen, weshalb ich mich riesig auf "Gym" gefreut hatte.
Schon der Klappentext versprach, dass dieses ...

Verena Keßlers bisherigen Romane "Eva" und "Die Gespenster von Demmin" hatten mir beide sehr gut gefallen, weshalb ich mich riesig auf "Gym" gefreut hatte.
Schon der Klappentext versprach, dass dieses Buch ganz anders sein würde als die beiden Vorgänger:

Die Protagonistin, deren Körper nicht gerade in Top-Form ist, als sie sich im MEGA GYM bewirbt, bekommt den Job, als sie behauptet, sie habe gerade entbunden. Ihr neuer Chef ist selbsternannter Feminist, die Arbeit entspannt. Erst als alle unbedingt Babyfotos sehen wollen, zieht die unbedacht ausgesprochene Notlüge unangenehme Konsequenzen nach sich.
Während sie einerseits weiterhin ihr Leben als alleinerziehende Mutter glaubhaft vortäuschen muss, fängt die Protagonistin auch an, an ihrem Körper zu arbeiten. Erst auf Rat ihres Chefs hin, dann findet sie aus eigenem Antrieb Gefallen daran:

"Ich hatte alles unter Kontrolle. Mein Körper war zu meinem Projekt geworden, und das Projekt lief hervorragend. "

Als die Bodybuilderin Vick auftaucht, entwickelt sich der Selbstoptimierungszwang jedoch zu einem regelrechten Wahn.

"Auf einmal war es mir vollkommen klar. Was Vick da machte, war, sich selbst zu erschaffen. Ein Selbst, das sich so sehr abhob, so sehr für sich stand, so unumstößlich da war in der Welt, dass jede Meinung dazu, jede Wertung, jedes Begehren einfach daran abprallen musste."

Auch die Schatten ihrer Vergangenheit wirken noch in der Ich-Erzählerin nach. Häppchenweise erfährt man hier mehr davon.
Auf zwei Zeitebenen spitzt sich die Lage zu ....

Verena Keßler schreibt gewohnt gut, es entwickelt sich schnell eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann.
Ihr Blick hinter die Kulissen der schönen Oberflächen ist messerscharf und klug. Es bleibt einem das Lachen oft im Hals stecken.
Auf überzogene Art und Weise wird aufgezeigt, wohin übertriebene Selbstoptimierung, Leistungsdruck und Egoismus führen können.

Ein absurd grotesker, gesellschaftskritische Roman. Doch obwohl ich mich von dem Buch gut unterhalten fühlte, war es dennoch leider nicht ganz das erwartete Highlight.
Vor allem das offene Ende hat mich nicht recht begeistern können. Mir hat hier irgendwie noch etwas gefehlt.

Ich vergebe 4⭐️.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.08.2025

Der schöne Schein: Über Selbstinszenierung und Anerkennung - 3⭐️

Bestie
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In Joana Junes Debutroman „Bestie“ sucht die Influencerin Anouk eine neue Mitbewohnerin. Hier sieht die eher unscheinbare Delia ihre Chance für einen Neubeginn. Sie erfindet sich neu als Lilly und wird ...

In Joana Junes Debutroman „Bestie“ sucht die Influencerin Anouk eine neue Mitbewohnerin. Hier sieht die eher unscheinbare Delia ihre Chance für einen Neubeginn. Sie erfindet sich neu als Lilly und wird mit dem neuen Namen tatsächlich die Mitbewonerin der Person, die sie schon länger auf Instagram bewundert. Kann auch Lilly damit selbstbewusster werden und ihren Traum erfüllen, Bühnenautorin zu werden?
Anouk wiederum glaubt, Lilly habe einen berühmten Vater (ein Missverständnis, welches Lilly nicht aufklärte) und sie könne ihr nützlich sein. Anouk lässt Lilly also immer mehr an ihrem Leben teilhaben, geht mit ihr Party machen, stellt ihr ihre Freundinnen vor - was in Lilly die Hoffnung auf eine enge Freundschaft mit Anouk verstärkt.

Ich muss sagen, dass ich an diesen Roman vielleicht die falschen Erwartunge hatte. Ich dachte, der Schwerpunkt läge mehr auf der Beziehung zwischen den beiden Frauen - dies hatte mir zumindest der Klappentext so suggeriert.

Ich kann jedoch keine wirklich enge Verbindung zwischen den beiden feststellen.
Lilly ist eine sehr unsichere Person, die verzweifelt nach Bestätigung und Liebe sucht. Anouk sucht nach Anerkennung und Erfolg - es scheint eine Zeitlang, als könnten sich die beiden etwas geben, aber eigentlich zeigt keine von ihnen, was sie wirklich denkt oder fühlt. So ist keine Verbindung möglich.

Das wiederum ist recht gut dargestellt von der Autorin: Die Oberflächlichkeit von Social Media, der „schöne Schein“, nichts ist echt, alles nur Fake - es ist eigentlich nur traurig und bedauernswert!

"Jetzt hängen alle an meinen Lippen, ausnahmslos, ganz unabhängig von Geschlecht, sozialer Stellung und Beziehungsstatus, wenn ich erwähne, mit wem ich meine Freizeit verbringe. Sobald der Name eines bekannten Musikers oder eine gehypten Influencerin fällt, ist das Interesse da. Und bleibt, bis abgetastet wurde, was ich meinem Gegenüber bieten kann. Es ist ein unausgesprochener Handel, bei dem es nie um meine Persönlichkeit geht. Nur um meine Funktion als Tür. Zu anderen Menschen, Reichweite, Sex und letzten Endes immer Geld. Ich hasse das, aber ich kann nichts daran ändern."

Auch dass sich alles nur ums Aussehen, den perfekten Look, den perfekten Körper dreht - ja, so mag es in gewissen (vielen?) Kreisen heutzutage sein, aber mir tun sie alle nur leid:

"Er sagt: 'Ich muss es dir einfach sage: Ich ich habe noch nie eine so natürlich schöne Frau wie dich gesehen.'
Ich muss mich anstrengen, weder zu lachen noch ihn von seiner bedauernswerten Illusion zu befreien: Wie kannst du das ernsthaft glauben? Mein Gesicht kostet mehrere tausend Euro, die ich mir über Jahre hinweg zusammengespart habe. Die Nase: 6500 Euro. Babybotox: 1350 Euro pro Jahr, Lipfiller: 1200 Euro pro Jahr. Meine Haare, meine Haut, meine Wimpern, meine Augenbrauen, meine Nägel: 550 Euro, jeden Monat. Und wenn ich an all die Schichten Make-up denke, die ihn von dem trennen, was von meiner natürlichen Schönheit übrig ist, muss ich die Rechnung aufgeben."

"Ich zahle den monatlichen Beitrag für die Dating-App für Kontakte [...]
Die App spiegelt nur die gesellschaftlichen Muster der realen Welt: Pretty Privilege und ein aufpolierter sozialer Lebenslauf sind entscheidend für meinen Erfolg, mein Aussehen und meine Kontakte wichtiger als alles, was ich geleistet habe."

Die Charaktere waren meiner Meinung nach recht authentisch dargestellt, aber es fehlte ihnen etwas an Tiefe. Lilly war für mich schwer zu fassen als Charakter, was vielleicht auch daran lag, dass sie ja eigentlich Delia ist; ihr wahres Wesen ist nicht richtig greifbar. Hier wäre es gut gewesen, etwas mehr über ihre Vergangenheit zu erfahren.

"Ich weiß schon jetzt nicht mehr, was ich ohne Social Media wäre. Jedenfalls wäre ich niemand, dem ich ein Like geben würde. Ich wäre nicht Lilly."

Der Schreibstil von Joana June ist sehr flüssig und gut lesbar. Dem Buch an sich fehlte für mich aber etwas an Tiefe. Es werden viele Themen aufgegriffen, vieles blieb mir aber zu oberflächlich.

Mein Fazit: Ein Debütroman, dessen Schreibstil ich weitgehend sehr gut fand, der mich inhaltlich aber nicht ganz abholen konnte.

  • Einzelne Kategorien
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.08.2025

Der schöne Schein: Über Selbstinszenierung und Anerkennung - 3⭐️

Bestie
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In Joana Junes Debutroman „Bestie“ sucht die Influencerin Anouk eine neue Mitbewohnerin. Hier sieht die eher unscheinbare Delia ihre Chance für einen Neubeginn. Sie erfindet sich neu als Lilly und wird ...

In Joana Junes Debutroman „Bestie“ sucht die Influencerin Anouk eine neue Mitbewohnerin. Hier sieht die eher unscheinbare Delia ihre Chance für einen Neubeginn. Sie erfindet sich neu als Lilly und wird mit dem neuen Namen tatsächlich die Mitbewonerin der Person, die sie schon länger auf Instagram bewundert. Kann auch Lilly damit selbstbewusster werden und ihren Traum erfüllen, Bühnenautorin zu werden?
Anouk wiederum glaubt, Lilly habe einen berühmten Vater (ein Missverständnis, welches Lilly nicht aufklärte) und sie könne ihr nützlich sein. Anouk lässt Lilly also immer mehr an ihrem Leben teilhaben, geht mit ihr Party machen, stellt ihr ihre Freundinnen vor - was in Lilly die Hoffnung auf eine enge Freundschaft mit Anouk verstärkt.

Ich muss sagen, dass ich an diesen Roman vielleicht die falschen Erwartunge hatte. Ich dachte, der Schwerpunkt läge mehr auf der Beziehung zwischen den beiden Frauen - dies hatte mir zumindest der Klappentext so suggeriert.

Ich kann jedoch keine wirklich enge Verbindung zwischen den beiden feststellen.
Lilly ist eine sehr unsichere Person, die verzweifelt nach Bestätigung und Liebe sucht. Anouk sucht nach Anerkennung und Erfolg - es scheint eine Zeitlang, als könnten sich die beiden etwas geben, aber eigentlich zeigt keine von ihnen, was sie wirklich denkt oder fühlt. So ist keine Verbindung möglich.

Das wiederum ist recht gut dargestellt von der Autorin: Die Oberflächlichkeit von Social Media, der „schöne Schein“, nichts ist echt, alles nur Fake - es ist eigentlich nur traurig und bedauernswert!

"Jetzt hängen alle an meinen Lippen, ausnahmslos, ganz unabhängig von Geschlecht, sozialer Stellung und Beziehungsstatus, wenn ich erwähne, mit wem ich meine Freizeit verbringe. Sobald der Name eines bekannten Musikers oder eine gehypten Influencerin fällt, ist das Interesse da. Und bleibt, bis abgetastet wurde, was ich meinem Gegenüber bieten kann. Es ist ein unausgesprochener Handel, bei dem es nie um meine Persönlichkeit geht. Nur um meine Funktion als Tür. Zu anderen Menschen, Reichweite, Sex und letzten Endes immer Geld. Ich hasse das, aber ich kann nichts daran ändern."

Auch dass sich alles nur ums Aussehen, den perfekten Look, den perfekten Körper dreht - ja, so mag es in gewissen (vielen?) Kreisen heutzutage sein, aber mir tun sie alle nur leid:

"Er sagt: 'Ich muss es dir einfach sage: Ich ich habe noch nie eine so natürlich schöne Frau wie dich gesehen.'
Ich muss mich anstrengen, weder zu lachen noch ihn von seiner bedauernswerten Illusion zu befreien: Wie kannst du das ernsthaft glauben? Mein Gesicht kostet mehrere tausend Euro, die ich mir über Jahre hinweg zusammengespart habe. Die Nase: 6500 Euro. Babybotox: 1350 Euro pro Jahr, Lipfiller: 1200 Euro pro Jahr. Meine Haare, meine Haut, meine Wimpern, meine Augenbrauen, meine Nägel: 550 Euro, jeden Monat. Und wenn ich an all die Schichten Make-up denke, die ihn von dem trennen, was von meiner natürlichen Schönheit übrig ist, muss ich die Rechnung aufgeben."

"Ich zahle den monatlichen Beitrag für die Dating-App für Kontakte [...]
Die App spiegelt nur die gesellschaftlichen Muster der realen Welt: Pretty Privilege und ein aufpolierter sozialer Lebenslauf sind entscheidend für meinen Erfolg, mein Aussehen und meine Kontakte wichtiger als alles, was ich geleistet habe."

Die Charaktere waren meiner Meinung nach recht authentisch dargestellt, aber es fehlte ihnen etwas an Tiefe. Lilly war für mich schwer zu fassen als Charakter, was vielleicht auch daran lag, dass sie ja eigentlich Delia ist; ihr wahres Wesen ist nicht richtig greifbar. Hier wäre es gut gewesen, etwas mehr über ihre Vergangenheit zu erfahren.

"Ich weiß schon jetzt nicht mehr, was ich ohne Social Media wäre. Jedenfalls wäre ich niemand, dem ich ein Like geben würde. Ich wäre nicht Lilly."

Der Schreibstil von Joana June ist sehr flüssig und gut lesbar. Dem Buch an sich fehlte für mich aber etwas an Tiefe. Es werden viele Themen aufgegriffen, vieles blieb mir aber zu oberflächlich.

Mein Fazit: Ein Debütroman, dessen Schreibstil ich weitgehend sehr gut fand, der mich inhaltlich aber nicht ganz abholen konnte.

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