Vielversprechender Auftakt mit Luft nach oben
Cruel is the Light – Ihre Liebe ist groß, ihre Macht unendlich (Cruel is the Light 1)~Cruel is the Light – Ihre Liebe ist groß, ihre Macht unendlich von Sophie Clark~
Meine Meinung:
Ich habe mich sehr auf „Cruel is the Light“ gefreut! Der Klappentext klang nach epischer Romantasy, nach ...
~Cruel is the Light – Ihre Liebe ist groß, ihre Macht unendlich von Sophie Clark~
Meine Meinung:
Ich habe mich sehr auf „Cruel is the Light“ gefreut! Der Klappentext klang nach epischer Romantasy, nach moralischen Grauzonen, verbotener Anziehung und einem erbarmungslosen Kampf zwischen Himmel und Hölle. Ein Buch das ich einfach nur lieben könnte.
Und ich wünschte sehr, ich hätte es mehr geliebt.
Die Grundidee ist nämlich unglaublich stark und auch allein das Setting hat so viel Potenzial. Das vom Krieg erschütterte Europa, Rom als Zentrum religiöser Macht, geheime Hierarchien, alte Glaubenssysteme und eine neue, eigens erschaffene Religion rund um den „Unsterblichen Gott“, alles wirklich spannend gedacht.
Leider war genau hier auch mein größtes Problem: das Worldbuilding.
Obwohl es zu Beginn ein Glossar gibt, das Begriffe und Hierarchien erklärt, hatte ich während des Lesens oft das Gefühl, nicht richtig greifen zu können, wie diese Welt eigentlich funktioniert. Viele Begriffe werden verwendet, ohne dass sie im Text selbst erklärt werden. Das Magiesystem rund um Exorzismus, dämonische Kräfte und religiöse Rituale klang faszinierend, blieb für mich aber zu oberflächlich und teilweise unklar.
Dabei mochte ich das vatikanische Setting wirklich sehr. Diese Mischung aus alter europäischer Geschichte, Religöser Überzeugung und dämonischer Bedrohung hatte so viel Potenzial. Ich hätte mir nur gewünscht, dass diese Welt noch greifbarer, noch tiefer ausgearbeitet worden wäre. Gerade weil das Konzept so besonders ist, hätte es mehr Raum und Klarheit verdient.
Auch der Schreibstil hat es mir nicht ganz leicht gemacht. Die Geschichte wird in der dritten Person mit wechselnden Perspektiven erzählt, was ich grundsätzlich sehr mag. Hier war jedoch nicht immer eindeutig gekennzeichnet, wessen Sicht wir gerade folgen, was vor allem in Dialogen für Verwirrung gesorgt hat. Manche Gespräche wirkten dadurch etwas holprig, und ich musste häufiger zurückblättern, um nachzuvollziehen, wer gerade spricht.
Die Geschwindigkeit in der die Geschichte erzählt wurde, war ebenfalls durchwachsen. Es gibt Szenen, besonders in der zweiten Hälfte, die wirklich Spannung aufgebaut haben und in denen man gemerkt hat, welches Potenzial in der Geschichte steckt. Doch gerade zu Beginn zieht sich vieles sehr. Es werden viele Figuren eingeführt, Handlungsstränge angerissen und Gespräche geführt, die den Lesefluss etwas ausbremsen. Für ein Buch, das inmitten eines Krieges spielt, hätte ich mir an manchen Stellen mehr Dringlichkeit gewünscht.
Was das Buch für mich letztendlich retten konnte, waren tatsächlich die Protagonisten:
Selene ist eine starke, kompromisslose Protagonistin. Sie ist ehrgeizig, diszipliniert und bereit, schwierige Entscheidungen zu treffen. Auch wenn ihr Ruf als „Schlächterin von Rom“ etwas krasser klang als in der tatsächlichen Darstellung, mochte ich ihre Entschlossenheit sehr.
Jules hingegen bringt eine ganz andere Energie mit. Er ist vom Krieg gezeichnet, trägt Schuld und Zweifel in sich und stellt Selenes schwarz-weiße Sichtweise immer wieder infrage. Ihre Dynamik - anfängliches Misstrauen, das eher in Richtung widerwillige Verbündete als echte Feinde geht – hat mir gut gefallen.
Allerdings würde ich das Ganze nicht wirklich als klassisches „Enemies to Lovers“ bezeichnen. Es ist mehr ein vorsichtiges Annähern zwischen zwei Menschen, die sich eigentlich nicht trauen, anderen Menschen zu vertrauen. Ich mochte einige ihrer gemeinsamen Szenen sehr, besonders die ruhigeren, intimen Momente, in denen man gemerkt hat, dass sie sich gegenseitig sehen und verstehen. Dennoch hätte ich mir mehr emotionale Spannung und ein stärkeres Knistern gewünscht. Die Chemie war da, aber sie hätte intensiver ausgearbeitet werden können.
Positiv hervorheben möchte ich noch die Plottwists. Einige Wendungen haben mich wirklich überrascht und haben gezeigt, dass Sophie Clark spannende Ideen hat. Insgesamt steckt in dieser Geschichte unglaublich viel Potenzial. Man merkt, dass hier eine komplexe Welt und große Themen wie Glaube, Trauma, Moral, verarbeitet werden sollten. Für ein Debüt fand ich das sehr beeindruckend.
Trotzdem blieb bei mir am Ende dieses Gefühl zurück, dass es noch nicht ganz rund ist. Mit einem klareren Worldbuilding, einer emotional näheren Erzählweise und einem strafferen Pacing hätte „Cruel is the Light“ für mich ein echtes Highlight werden können.
Fazit:
„Cruel is the Light – Ihre Liebe ist groß, ihre Macht unendlich“ bekommt von mir 3 von 5 Sternen und hat mir nur so halb gefallen.
Es ist ein Buch mit großartiger Grundidee, spannender Atmosphäre und zwei Hauptfiguren, die definitiv Potenzial haben. Gleichzeitig leidet die Geschichte unter unausgereiftem Worldbuilding, stellenweise holprigem Schreibstil und einer Romance, die mehr Intensität hätte vertragen können.
Ich bin zwiegespalten und glaube das sich jeder selbst ein Bild von diesem Buch machen sollte!