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Veröffentlicht am 29.05.2025

Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte mit viel innerer Einkehr

Unsere Suche nach Zärtlichkeit
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In fünf Teile untergliedert spielt die Szenerie in Brüssel, Antibes und Umgebung. Die Hauptfigur Dumont, fast 50, Uhrmacher mit abgebrochenem Jura-Studium, ehrenamtlicher Telefonseelsorger, geschieden ...

In fünf Teile untergliedert spielt die Szenerie in Brüssel, Antibes und Umgebung. Die Hauptfigur Dumont, fast 50, Uhrmacher mit abgebrochenem Jura-Studium, ehrenamtlicher Telefonseelsorger, geschieden und einsam, macht sich aufgrund des nächtlichen Anrufs einer schluchzenden Frau auf deren Suche anhand weniger Angaben. Selbst für seinen Freund, den griechischen Hausarzt Zambarloukos, ergibt das keinen realistischen Sinn. Neben Einzelheiten zu seinem bisherigen glücklosen Leben konzentriert sich der Roman auf die Beschreibung allmählicher Annäherung von zwei sympathischen Figuren, Dumont und Florence, in Antibes mit bildhaften Landschaftsbeschreibungen von Südfrankreich und gefühlvollen zwischenmenschlichen Gefühlen. Neben der Suche nach echter Zärtlichkeit und Menschlichkeit, neben Vertrauen, Ehrlichkeit, Moral und Ethik in einer Beziehung geht es auch um die Situation von pflegenden Angehörigen und der damit einhergehenden körperlichen wie seelischen Belastung, um deren langsame, soziale Vereinsamung. Inhaltlich irritiert Dumont’s langer Aufenthalt in Antibes über fünf Wochen, wo ihm doch seit der Scheidung das Geld fehlt, um in den Erhalt der geerbten Uhrmacherwerkstatt zu investieren. Und das schlecht laufende Geschäft kann man über einen so langen Zeitraum schließen? Das Ende lässt wohl bewusst wichtige Beziehungsfragen offen. Die liebevolle Charakterzeichnung beider Figuren gefällt durch den einfühlsamen Schreibstil.

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Veröffentlicht am 28.05.2025

Ein Roman mit Nachwirkung!

Der Honigmann
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Das Cover mit einer Wespe unter einem übergestülpten Weinglas ist schwer zu entschlüsseln.
Die Szenerie spielt in einem idyllischen Vorstadtort mit einem Freundschaftskreis von drei Familien mit Kindern. ...

Das Cover mit einer Wespe unter einem übergestülpten Weinglas ist schwer zu entschlüsseln.
Die Szenerie spielt in einem idyllischen Vorstadtort mit einem Freundschaftskreis von drei Familien mit Kindern. In Gärten ist Platz zum Grillen, Kinder spielen am bzw. im Bach und naher Forst vermittelt Ruhe, gesunde Natur und Sicherheit. Während das Hauptaugenmerk auf der langsamen, sich verselbständigenden Entwicklung von Fine und ihren nachbarlichen Freunden liegt, kommt die Perspektive des Honigmanns nur an Anfang und Ende des Romans zum Tragen. Anfangs durch das Auftauchen eines Briefes mit einem Geheimnis hinsichtlich Pädophilie aus der Vergangenheit des Honigmanns gerät eine WhatsApp-Gruppe außer Kontrolle. Familien und Freundschaften werden zerstört durch Mistrauen, Neid und kriminelle Handlungen. Involviert sind auch Lehrkörper, Polizei und ein Gastronom, deren koordiniertes Agieren reflektiert wird. Was ein Gerücht mit schnellen Vorverurteilungen auf sozialen Medien anrichten kann, steht hier zur tiefer gehenden Diskussion.
Brisante, aktuelle Themen: Aufdeckung von Pädophilie und unreflektierte Gerüchtepolitik über Medien.

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Veröffentlicht am 27.05.2025

Beklemmende, trostlose, deprimierende Atmosphäre im ehemaligen Osten Deutschlands

Verlassene Nester
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Das Cover zeigt einen Ausschnitt von sechs Balkonen eines trostlosen Plattenbaus im DDR-Stil, passend zu diesem Roman in 1992, drei Jahre nach der Wiedervereinigung. Der mehrdeutige Buchtitel um verlassene ...

Das Cover zeigt einen Ausschnitt von sechs Balkonen eines trostlosen Plattenbaus im DDR-Stil, passend zu diesem Roman in 1992, drei Jahre nach der Wiedervereinigung. Der mehrdeutige Buchtitel um verlassene Nester, ob nun durch Menschen oder auch durch Vögel, ist ebenso einstimmend gewählt. In drei Teilen geht es um die kindliche Perspektive der 13 – jährigen Pilly, die ihre Schulsommerferien in dem fiktiven, überschaubaren Ort an der Elbe mit stillgelegtem Betonwerk, alten Gleisen, einer Brücke, einer Kleingartensiedlung, Kasernen etc. verbringt. Ihre Situation in einer zerrissenen Familie mit betrunkenem Vater und verschwundener Mutter wird durch problematische Freundschaften nicht glücklicher. Die um sie agierenden Charaktere wie Frau Klinge, ihr Vater Martin, die zwei Tanten oder die zwei älteren Freundinnen vermitteln kranke Auswirkungen durch die Wende, ob nun Arbeitslosigkeit, Rassismus gegenüber den verbliebenen Vertragsarbeitern aus Vietnam oder Erinnerungen an die Stasi-Vergangenheit. Fluchthilfe. Leider helfen auch die Rückbesinnungen nicht, das Verschwinden und das plötzliche Auftauchen von Pilly’s Mutter besser zu verstehen. Einige DDR-typische Begriffe wie z. B. Trapo oder Sero-Annahmestelle mögen Erklärungsbedarf wecken. Das Klima der Ernüchterung nach der anfänglichen Hoffnung auf ein besseres Leben und die Abwehr von Veränderungen ist gut eingefangen. Leider sind zu viele Fragen rund um Pilly’s Mutter offen geblieben.

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Veröffentlicht am 25.05.2025

Doch ein Arztroman!

Staying Alive
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Das Cover kommt altbacken daher, wie Pop-Art der 1950er Jahre mit klar dargestelltem Motiv der jungen Ärztin mit aufgezogener Spritze. Der Buchinhalt spielt aber in unserem gegenwärtigen, für alle Beteiligten ...

Das Cover kommt altbacken daher, wie Pop-Art der 1950er Jahre mit klar dargestelltem Motiv der jungen Ärztin mit aufgezogener Spritze. Der Buchinhalt spielt aber in unserem gegenwärtigen, für alle Beteiligten stressigen Krankenhaussystem, nämlich in der Notaufnahme eines großen Berliner Krankenhauses mit Nicki, 34, frisch gebackene Assistenzärztin der Inneren Medizin als Erzählerin. Der Buchtitel Stayin’ Alive von den Bee Gees dient hier auch in der Reanimationsfortbildung als Rhythmus-Geber beim Reanimierungsszenarium – übrigens eine von mehreren spritzigen, originellen Episoden des dortigen Arbeitsalltags. Es geht aber auch bei Stayin’ Alive ums Überleben der medizinischen Mitarbeiter mit katastrophaler Arbeitsüberlastung durch mehrere Nachdienste am Stück, Überstunden, chaotischen Arbeitsbedingungen, zu wenig Schlaf, kaum Energie übrig für Freizeit. Realistische Alltagsgeschichten, mit medizinischen Termini und Praktiken als Fußnoten erklärt, erzählen von Mitmenschlichkeit, Unappetitlichem bis zu Humorvollem, nicht romantisierend. Leider verliert sich die Erzählerin in manchem Rückblick z.B. in dem Kapitel um ihren Bruder und den Bitterling. Mit ihren Gedanken zu sozialer Vereinsamung im Schichtdienst oder auch zu persönlichen Kompromissen im Bereich medizinische Karriere und Kinder erhält der Roman eine ernsthafte Tiefe. Der meist freundschaftliche Umgang im Kollegenkreis gefällt, während Nicki’s Verliebtheit in den Oberarzt Micha zu konstruiert wirkt.
Insgesamt lehrreich und unterhaltsam durch den ehrlichen, witzigen Schreibstil.

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Veröffentlicht am 24.05.2025

Zwei Frauen gegen den Rest von Amerika

Killer Potential
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Ein ungewohnt farbenfrohes, ansprechendes Cover für einen Thriller! Die Szenerie spielt zunächst in L.A. mit Evie Gordon, 29, SAT-Tutorin, als Erzählerin. Im ersten von drei Teilen findet sich die Hauptfigur ...

Ein ungewohnt farbenfrohes, ansprechendes Cover für einen Thriller! Die Szenerie spielt zunächst in L.A. mit Evie Gordon, 29, SAT-Tutorin, als Erzählerin. Im ersten von drei Teilen findet sich die Hauptfigur im Haus ihrer Schülerin in eine Mordsituation verwickelt, mit einer scheinbar traumatisierten, gefesselten Frau als noch lebendes Opfer. Auf ihrer Flucht vor der Polizei, als ineffektiv dargestellt, treffen sie auf diverse Typen beim Tanken, Einchecken oder Einkaufen bzw. Stehlen. Klischees werden hier bedient. Die Medien entzünden eine übertriebene, landesweite Hexenjagd ohne jedwede Beweislage, was insgesamt nicht realistisch erscheint. Mehr polizeiliche Erkenntnisse, DNA-Spuren oder nachbarliche bzw. verwandtschaftliche Befragungen etc. würde man in einem Thriller mit mehreren Morden, bei den Victors und Carlisles, erwarten. Unwirklich wirkt auch die amouröse, sich allmählich entspannende Beziehung der zwei Frauen, leiden sie aber doch eigentlich eher unter ständigen Fluchtszenarien und unter existentieller Bedrohung aufzufliegen. Durch Evies Gedanken z.B. zum möglichen Mordhergang und mehrmalige Rückblicke auf den bisherigen Lebensverlauf beider Frauen werden diese Hauptfiguren zwar menschlicher, aber die Handlung selbst verliert dadurch an Spannung. Die Aufklärung rund um Peter Victor’s Sexworkerinnen wirkt surreal. Durch das endgültige Erwachen von Serena aus dem Koma und ihrer klaren Aussage am Ende von Teil 2 folgen im dritten Teil Evie‘s leidige Erfahrungen, wenig zu Jae Park und leider keine polizeiliche Aufklärung.
Angenehmer Schreibstil, aber kein Thriller!

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