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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.07.2025

Ein interessanter sizilianischer Familienroman

Wütendes Mädchen auf einer Steinbank
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Auf zwei Erzählebenen erzählt die Ich-Erzählerin mehr über das Leben der Familie Salvatore. Mehr Vergangenes über das Aufwachsen der Eltern ist eingebunden in die Gegenwart der vier Schwestern dieser hart ...

Auf zwei Erzählebenen erzählt die Ich-Erzählerin mehr über das Leben der Familie Salvatore. Mehr Vergangenes über das Aufwachsen der Eltern ist eingebunden in die Gegenwart der vier Schwestern dieser hart getroffenen Familie auf Iazza, einer Sizilien vorgelagerten Insel. Bis es zur Aufklärung des Verschwindens von Mimi, der jüngsten der vier Mädchen, kommt, erhält man Einblicke in innerfamiliäre Beziehungen, das allgemeine Leben auf dieser eher dörflichen Insel mit Karneval und anderen Traditionen. Die im Buchtitel erwähnte Wut einer Tochter, als Sündenbock traumatisiert, wird analytisch, psychologisch klar vorgestellt. Auch die Nebenfiguren wie Leonardo, Pippo, die Gandolfi oder die alte Mutter werden in ihrer Umgebung menschlich realistisch charakterisiert in angenehmem Schreibstil.
Spannende Unterhaltung!

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Veröffentlicht am 13.07.2025

Ein sommerlicher Road-Trip bis nach Sizilien

Tage wie Salzwasser
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Das sommerliche Cover lädt ein zu einer besonderen Reise für zwei junge, sehr gegensätzliche Frauen. Atlanta, Versicherungsmathematikerin, von Malte ungewollt schwanger, und Enzo, Betreiberin einer Fahrrad-Reparatur-Werkstatt, ...

Das sommerliche Cover lädt ein zu einer besonderen Reise für zwei junge, sehr gegensätzliche Frauen. Atlanta, Versicherungsmathematikerin, von Malte ungewollt schwanger, und Enzo, Betreiberin einer Fahrrad-Reparatur-Werkstatt, stoßen unglücklich aufeinander, jedoch treibt es beide aus unterschiedlichen Gründen nach Noto an der sizilianischen Ostküste. Entlang von vier Adressen aus Maltes Notizbuch gleitet der rote Faden mit einigen abwechslungsreichen Abenteuern über Freiburg, Marseille, Barcelona schließlich nach Noto auf Sizilien. Trauerbewältigung, Rückbesinnungen und die Festigung dieser Freundschaft beider Frauen werden einfühlsam beschrieben. Das ein oder andere Abenteuer mag vielleicht etwas überzogen bis unrealistisch erscheinen, hat aber dennoch Unterhaltungswert. Die Erzählstränge konzentrieren sich unregelmäßig abwechselnd auf jeweils eine der Hauptfiguren, jedoch der Epilog aus der Sicht des noch Ungeborenen bringt schließlich die kurzgefasste Auflösung rund um Maltes plötzlichen Tod.

Ein Sommerroman mit Dynamik und Unterhaltungswert.

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Veröffentlicht am 11.07.2025

Das harsche Leben als Fernfahrer in der weiten russischen Steppe

Die Steppe
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In diesem Teil der Trilogie über ihre Familie stehen die Erinnerungen an den vor sieben Jahren an Aids verstorbenen Vater im Mittelpunkt. Die raue Schönheit Sibiriens, den zahlreichen Flusslandschaften ...

In diesem Teil der Trilogie über ihre Familie stehen die Erinnerungen an den vor sieben Jahren an Aids verstorbenen Vater im Mittelpunkt. Die raue Schönheit Sibiriens, den zahlreichen Flusslandschaften und die Weite der Steppe bilden den Rahmen für das Porträt eines russischen Mannes, geprägt durch Armut, Alkohol, Kriminalität und Gewalt. Nicht chronologisch strukturiert tauchen auch angsterfüllte Rückbesinnungen an diesen Vater auf, der ihr fremd bleibt. Er war in der Armee, im Gefängnis und einsamer Fernfahrer ohne Heim und Familie, schätzte die Freiheit. Die Autorin sucht mit der Du-Anrede die Nähe zum Leser. Sieben politische und kulturelle Erläuterungen bringen das russische Ambiente näher. Ebenso werden die griechische Mythologie und philosophische Schriften der Frühantike aus ihrem Literaturstudium eingeflochten neben ihrer homosexuellen Neigung.

Leider führt der Schreibstil voller Reflektionen nicht zu einem überzeugenden, geordneten Ganzen.

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Veröffentlicht am 10.07.2025

Im Mittelpunkt steht eine seltene Krankheit …… und noch mehr.

Mandel
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In vier Teilen geht es um zwei jugendliche, sehr verschiedene Außenseiter. Seon Yunjae, der an der seltenen Krankheit Alexithymie leidet. Von Geburt an ist es ihm unmöglich, positive wie negative Gefühle ...

In vier Teilen geht es um zwei jugendliche, sehr verschiedene Außenseiter. Seon Yunjae, der an der seltenen Krankheit Alexithymie leidet. Von Geburt an ist es ihm unmöglich, positive wie negative Gefühle selbst zu empfinden und auszudrücken, sowie bei Mitmenschen zu erkennen. Während er bis zu seinem 16. Geburtstag durch weibliche Familienmitglieder sehr beschützt aufwächst, gilt Gon bis zu diesem Alter als vermisst. Mit drei Jahren entführt durchläuft er eine kriminelle Jugend ohne Zuwendung, Vertrauen und Schutz. Thematisiert werden diese spezielle Behinderung, die gesellschaftlichen Probleme mit kriminellen Außenseitern und ihre Inklusion in Südkorea. Dass Freundschaft, Vertrauen und Liebe als therapeutische Maßnahmen hilfreich sein können, wird herausgestellt. Hinterfragt wird auch, was Normalität ist, wie man Vorurteile entmachtet. Der Buchtitel MANDEL spielt an auf die Form der Amygdala, auch bekannt als Mandelkern in einer Region im Gehirn, zuständig für die Verarbeitung von Emotionen.
Insgesamt ein herzerwärmender Roman.

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Veröffentlicht am 09.07.2025

Die Kraft, Schönheit und Intensität von Sprache

Griechischstunden
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Diese (Liebes-)Geschichte, die auch eine Liebeserklärung an Sprache an sich ist, handelt von zwei Menschen, Außenseitern, die sich in einem Moment privater Angst begegnen und sehr nahe kommen.
Er, ein ...

Diese (Liebes-)Geschichte, die auch eine Liebeserklärung an Sprache an sich ist, handelt von zwei Menschen, Außenseitern, die sich in einem Moment privater Angst begegnen und sehr nahe kommen.
Er, ein erblindender Mann, der Altgriechisch unterrichtet, der mit 15 Jahren in Deutschland gelebt hat, mit 31 nach Seoul zurückkehrt und eine angstvolle Entfremdung durch fortschreitende Erblindung erfährt, die natürlich seine Gedanken und Gefühle im Alltag beeinflusst.
Sie, Lyrikerin, leidet an vorübergehendem Mutismus, wirkt wie ein stummer Gegenstand, der Schlimmes mitgemacht hat, der ramponiert ist. In ihrem furchteinflößendes Schweigen vertieft sie sich in diese tote Sprache mit ihrem komplexen grammatikalischen System als seine Schülerin, findet endlich aus ihrer sprachlichen Verkrustung heraus..
So gipfelt diese Geschichte in einer zaghaften Annäherung zweier Menschen, die eine stumm, der andere fast blind, verbunden durch einen tiefen Schmerz, der ihnen beiden in atmosphärischer Stille ein Gefühl der Einheit gibt.
In sprachlicher Intensität wechselt der Text zwischen erster und dritter Person, zwischen Traum, Erinnerung und leisen Dialogen, die heilende Kraft von Worten betonend. Das Bild von Sonnenflecken, die beim zarten, vorsichtigen Kuss in weiter Ferne explodieren, ohne ein Geräusch zu machen, gefällt.
Ein zartes Buch in sensibler und empfindsamer Sprache.

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