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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.07.2025

Eine Botschaft ohne erhobenen Zeigefinger

Der Steinacker
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Die Hauptfigur Jonas ist ein schwieriger Mitmensch, der nun als pensionierter Journalist zwar immer noch auf der Suche nach den passenden Worten ist, aber sie wohl nicht mehr findet. Über der Auftragsarbeit ...

Die Hauptfigur Jonas ist ein schwieriger Mitmensch, der nun als pensionierter Journalist zwar immer noch auf der Suche nach den passenden Worten ist, aber sie wohl nicht mehr findet. Über der Auftragsarbeit einer Biographie über einen von ihm gehassten Zeitungsmagnaten brütend, erkennt er schließlich gegen Ende der Sommerfrische in den Schären seine Verfehlungen gegenüber seinen erwachsenen Töchtern. Sein Umgang mit verletzenden Worten gegenüber seiner Familie brandmarkt ihn wenig schmeichelhaft als Tyrannen. So nutzlos der benachbarte Steinacker ist, ebenso nutzlos sind seine Artikel, sein berufliches Lebenswerk, das er nun mit diesen Steinen bewirft. Sein Scheitern in seiner Familie als Ehemann und Vater kristallisiert sich klar heraus.
Wie wichtig der reflektierte Umgang mit Worten ist, zeichnet sich auf den vielen Plattformen im Internet ab, wo es sehr an gepflegter, sprachlicher Etikette mangelt.

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Veröffentlicht am 02.07.2025

Reichlich Stoff zum Nachdenken

Täuschend echt
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Auf dem ersten Erzählstrang geht es um das private und berufliche Scheitern des namenlosen Ich-Erzählers und seinen Rachegefühlen gegenüber seiner skrupellosen, gerissenen Ex-Freundin. Der anfänglich unsichere, ...

Auf dem ersten Erzählstrang geht es um das private und berufliche Scheitern des namenlosen Ich-Erzählers und seinen Rachegefühlen gegenüber seiner skrupellosen, gerissenen Ex-Freundin. Der anfänglich unsichere, konservative, arbeitslose Werbetexter entwickelt sich auf dem zweiten Erzählstrang zu einem selbstbewussten Schriftsteller, der mittels KI und ChatGPT eine erfundene Lügengeschichte über eine afghanische Frau erfolgreich als Buch herausbringt. Kreativ verstrickt treffen beide Stränge mit beiden Frauen zusammen, wobei das Potential von KI, genannt Kirsten, bei weiteren Problemlösungen für den Ghostwriter ausgeschöpft scheint, quasi nur noch Klischees anbietet. Während sich nicht nur die Einstellung zu Medien-Apps und zu der ihn unterstützenden KI ändert, schwindet mit wachsendem Selbstbewusstsein auch sein schlechtes Gewissen, er wird sogar kriminell. Als kritische Äußerung des Autors könnte die wichtige Schwachstelle von KI beim Verfassen von Text zu verstehen sein: Der Ich-Erzähler hier drückt solchen KI-Texten seinen eigenen Stempel auf, damit die KI-Generierung durch ein anderes KI-System nicht entpuppt wird. Die Seitenhiebe auf den allgemeinen Literaturbetrieb, angefangen von Lesungen bis zu TV-Autoren-Interviews, regen ebenso zum Nachdenken an wie die Verschiebung von Moral, Ethik und Wahrheit bei der Verquickung von Realität und Virtualität.
Die von der KI kursiv geschriebenen Absätze mit zu vielen belanglosen Informationen sind teilweise zu lang und zu häufig im zweiten Teil eingefügt. Oder sollte diese öde Anhäufung im Roman Teil der Gesellschaftskritik des Autors sein? Als Warnung! So könnten zukünftig durchschnittliche Romane voller Banalitäten und Klischees mit Hilfe von KI gefertigt sein?
Insgesamt ein unterhaltsamer Roman.

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Veröffentlicht am 01.07.2025

Ein nicht nur schmeichelhaftes Porträt des geliebten Vaters

Spargel in Afrika
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In drei Abschnitte unterteilt eröffnet der Sohn als Ich-Erzähler innere Monologe, teils gedankliche Dialoge, mit seinem Vater im Pflegeheim bzw. im Krankenhaus. Bei bisherigen Besuchen ging es betont um ...

In drei Abschnitte unterteilt eröffnet der Sohn als Ich-Erzähler innere Monologe, teils gedankliche Dialoge, mit seinem Vater im Pflegeheim bzw. im Krankenhaus. Bei bisherigen Besuchen ging es betont um das gemeinsame Essen, teils um Lieblingsgerichte des Vaters, der als Diplomat weltweit kulinarische Spezialitäten zu genießen wusste. Gerichte wie Spargel, Weihnachtsessen, Pfifferlinge oder Desserts bilden den Leitfaden im Buch, an dem eher schmerzliche Erinnerungen des Sohnes gekoppelt sind, die sein Verhältnis zum Vater belasten, z.B. bei Rückbesinnung ans Internat, ans Kloster, abgeschoben ohne gefühlte Zuwendung der Eltern. Der Sohn versucht in Zukunft seine Vaterrolle gegenüber seinen Kindern bewusster wahr zu nehmen. Während des geruhsamen Sterbeprozesses des Seniors im Krankenhauszimmer treten weitere Gedanken zum Generationswechsel, zum Genährt-Werden als möglicher Liebesersatz bzw. als Erziehungsfaktor auf. Seine Rolle als Kind erlischt, jedoch die als ältestes Familienoberhaupt beginnt. Der feinfühlige Schreibstil regt zum Nachdenken an.

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Wirft das Exil einen aus der Bahn?

Eine feine Linie
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Das öde, langweilige Leben der Hauptfigur Maryam wird in dem Pariser Vorort Drancy beschrieben. Mit ihren 13 Jahren kämpft sie stellvertretend für viele Teenager zunächst wütend gegen ihren eigenen Körper ...

Das öde, langweilige Leben der Hauptfigur Maryam wird in dem Pariser Vorort Drancy beschrieben. Mit ihren 13 Jahren kämpft sie stellvertretend für viele Teenager zunächst wütend gegen ihren eigenen Körper mit starker Behaarung und ersten sexuellen Erfahrungen, aber auch gegen ihre familiäre Armut ohne Sommerurlaube und Designer-Outfits und die Eintönigkeit der Schule. Obwohl gleichzeitig Französin und Iranerin findet sie nicht die feine, verbindende Linie ihrer Identität. Die Kritik an dem Lehrpersonal des Lycée Eugène-Delacroix ist hart. Mit dem Wechsel in die HK3 am Lycée Fénelon nach ihrem überzeugenden Abitur hofft sie auf die erträumte Möglichkeit, aus diesem benachteiligten Vorort mit sozialen Problemen und Spannungen endlich ausbrechen zu können. Schmerzlich deprimiert gibt sie wegen Überforderung und zu großer Wissenslücken schon nach drei Wochen auf. Mit diesem kläglichen Scheitern muss sich ihr Königsweg, dieser alten Wohnsiedlung der Cité de la Muette zu entkommen, ändern. Deren trostloses Ambiente wird noch verstärkt durch die Erwähnung des unfertigen Geheimgangs auf der Plakette, die im Innenhof auf das jüdische Sammellager während der 2. Weltkrieges verweist.
Eine harte, sozialkritische Abrechnung mit dem eigenen Leben, der französischen Bildungspolitik, der 2-Klassen-Gesellschaft und seiner geschichtsträchtigen Umgebung.

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Ein lesenswertes Buch zum Nachdenken und Genießen!

Umlaufbahnen
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Mit Blick auf unsere Erde, auf die sie umgebende Sternenwelt, auf die 16 Auf- und Untergänge der Sonne in 24 Stunden in Abwechslung mit dem Mond, auf all das wird in schwärmerischem Schreibstil eingegangen ...

Mit Blick auf unsere Erde, auf die sie umgebende Sternenwelt, auf die 16 Auf- und Untergänge der Sonne in 24 Stunden in Abwechslung mit dem Mond, auf all das wird in schwärmerischem Schreibstil eingegangen neben den täglichen, streng einzuhaltenden Verrichtungen von 6 Astronauten während ihrer 6-monatigen Reise durchs All. Nicht nur die Raumfahrtgeschichte und die jeweiligen Experimente der Wissenschaftler sind aufbereitet, auch deren private Gedanken- und Traumwelt findet Erwähnung. Wichtige, teils philosophische Überlegungen zum Menschsein schwirren zwischen Mutter Erde und Vater Weltall dahin in sprachlich erlesener Pracht. Auf die Verletzlichkeit der Erde wird hingewiesen, ob nun hervorgerufen durch kriegerisch motivierte Politik der Erdbevölkerung oder durch eventuelle Veränderungen im Planetensystem.
Sehr poetisch beschriebenes Agieren und Reflektieren in einer Raumstation im Weltraum.

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