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Veröffentlicht am 04.12.2024

Spannend, kreativ, unvorhersehbar

The Twenty
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Über 14 Tage verläuft die spannende, nicht vorhersehbare Aufklärung von angestrebten zwanzig Morden, so grausam und blutig. Mit gleich fünf Leichen auf einer Müllhalde werden die Hauptfiguren DCI Adam ...

Über 14 Tage verläuft die spannende, nicht vorhersehbare Aufklärung von angestrebten zwanzig Morden, so grausam und blutig. Mit gleich fünf Leichen auf einer Müllhalde werden die Hauptfiguren DCI Adam Bishop und sein Kollege und Freund Detective Sergeant Jamie Hoxton konfrontiert, nummeriert von 12 – 16, Todesursache – Verblutung. Während der intensiven Identitätsfindung der Opfer tauchen Obduktionsberichte aus 1995 mit der Verbindung zu dem inhaftierten Serienmörder Dr. Elijah Cole auf. Seine Tochter Dr. Romilly Cole, Bishops Ex-Frau, erinnert sich an damalige 4 Morde mit in Holzrahmen geritzten römischen Zahlen XX – XVIII. Welcher nachahmende Killer zählt hier von 20 herunter und warum überhaupt? In vielen rasanten Wendungen behaupten sich die drei Hauptfiguren: Adam mit dysfunktionaler Eltern-Kind-Beziehung und totaler Trypanophobie (Angst vor Spritzen) kein einfacher Charakter, Jamie dagegen mitfühlend, sortiert, sympathisch und Romilly mit ihrer traumatischen Vergangenheit immer noch im Zwiespalt. Während sich der Countdown des Täters auf Null zu bewegt, kommt er unter Zeitdruck selbst diesen Charakteren gefährlich nahe ohne Vorwarnung.
Ein Lesegenuss mit vielen kreativen Spannungsmomenten.

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Veröffentlicht am 03.12.2024

Eine wahre Geschichte verfremdet erzählt.

Unser Ole
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Die Autorin ist in Ost-Berlin geboren, kennt also selbstbewusste, unabhängige Frauen der DDR und ihre oft lieblos aufwachsenden Kinder. Die besonders herzlosen Beziehungen zwischen drei Frauen hier und ...

Die Autorin ist in Ost-Berlin geboren, kennt also selbstbewusste, unabhängige Frauen der DDR und ihre oft lieblos aufwachsenden Kinder. Die besonders herzlosen Beziehungen zwischen drei Frauen hier und einem geistig behinderten Sohn Ole sind geprägt durch die Angst vor Einsamkeit, Mitschuld, Machtlosigkeit, Verarmung und dem Mangel an Liebe und Vertrauen zwischen Mutter und Tochter. Wie diese doch sehr unterschiedlichen Frauen durch Lieblosigkeit im gesamten Leben beeinträchtigt wurden, wird gut beschrieben, wenn auch in manch verschachteltem Satzbau. Das Zusammenleben mit dem autistischen Ole wird realistisch vorstellbar in seiner ganzen Absonderlichkeit, bildet hier den roten Faden bis zu seinem ungeklärten Verschwinden als dramatischer Höhepunkt. Das dörfliche Ambiente des renovierungsbedürftigen Umsiedler- Hauses, Elviras Nikolaushaus, bildet den traurigen Mittelpunkt für tiefgehende emotional abweisende Verstrickungen untereinander und auch gegenüber Ole. Drei verschiedene Frauen-Biographien mit ihren seelischen Verletzungen sind gut karikiert mit passender Wortwahl.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Tiefe Freundschaft auf die Probe gestellt

Wo der Wald beginnt
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Die Idylle auf dem Land mit viel erwarteter Bewegungsfreiheit für die Kinder im Garten, auf angrenzender Wiese und nahem Wald stellt sich als bedrohliche Kulisse heraus, dramatisch und atmosphärisch gut ...

Die Idylle auf dem Land mit viel erwarteter Bewegungsfreiheit für die Kinder im Garten, auf angrenzender Wiese und nahem Wald stellt sich als bedrohliche Kulisse heraus, dramatisch und atmosphärisch gut schrittweise aufgebaut. Auch die knisternde zwischenmenschliche Spannung nicht nur zwischen den zwei Freundinnen Kim und Anne, sondern auch zwischen den Eheleuten wird in den Dialogen kitzelnd mit Bedacht überzeugend beschrieben. Das Fremdsein, die Feindseligkeit im Dorf wird ebenso scharf thematisiert wie ihre alte Freundschaft und Toleranzgrenzen, Gerüchte und große Vorurteile aller dörflichen Beteiligten gegenüber Zugereisten. Die Angst vor Veränderung, vor allem Neuem, Fremden wird durch die Aktivitäten von Ehemann Sebastian wirkungsvoll behoben. Der Versuch, im Dorf anzukommen, akzeptiert zu werden ist bildlich, inhaltlich und auch sprachlich gelungen wie Schnee und Eis sich im Schmelzprozess mit Wasser vermischen. Am Beispiel des verdreckten, verletzten Mannes im Wald wird dem Leser ein Spiegel unserer Toleranzfähigkeit und Mitmenschlichkeit vorgehalten. Ein Buch zum Nachdenken.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Eine unsortierte Familienchronik

Nostalgia
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Dieser Roman handelt in den ersten drei Teilen von dem Aufwachsen eines Kindes André mit Migrationshintergrund in der DDR, beginnend ab 1981 mit harten Kindheitsproblemen rund um Schule, Freundschaft ...

Dieser Roman handelt in den ersten drei Teilen von dem Aufwachsen eines Kindes André mit Migrationshintergrund in der DDR, beginnend ab 1981 mit harten Kindheitsproblemen rund um Schule, Freundschaft und Erwachsen werden. Nicht nur ist sein jüngerer Bruder geistig behindert durch einen Unfall, auch der Gesundheitszustand seiner laotischen Mutter verschlechtert sich zunehmend bis zu deren Tod 1986. Im vierten Teil handelt es sich hingegen hauptsächlich um seine Mutter Teo, ab 1979 chronologisch in der Rückschau bis zu ihrer Kindheit in Laos. Der rote Faden ist verwirrend bei dieser zeitlichen Aufbereitung von detaillierten, interessanten Informationen zum Alltagsleben in der ehemaligen DDR. Der sensible, eher schweigsame Junge André, im Buch als “er“ bezeichnet, erträgt die schwere Bürde der großen Verantwortung für Bruder und kranker Mutter. Wie schwer diese familiäre Last ist, wird feinfühlig und atmosphärisch beschrieben, jedoch ohne Wut oder Vorwürfe gegenüber allen Familienmitgliedern. Der Vater spielt keine so wichtige Rolle hier, denn mit „Lappalien“ kann er nicht belastet werden neben dem Schreiben seiner Dissertation und starker akademischer Arbeitsbelastung mit Reisetätigkeit. Erzählerisch imponiert der Romanteil um André bis zu Teil 4, der eher die bisherige einheitliche Struktur zeitlich wirr verkompliziert.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Über die Kraft der Natur und den Zauber der Berge

Über allen Bergen
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Dem Cover liegt ein Gemälde einer verschneiten, bergigen Winterlandschaft zu Grunde mit einer braun gekleideten Person am unteren Bildrand – passend zum Szenarium des Romans in den französischen Alpen. ...

Dem Cover liegt ein Gemälde einer verschneiten, bergigen Winterlandschaft zu Grunde mit einer braun gekleideten Person am unteren Bildrand – passend zum Szenarium des Romans in den französischen Alpen. In drei Abschnitten je nach Jahreszeit strukturiert beginnt die Geschichte mit dem Jungen Vadim Pavlevitch, Jude, 12 Jahre alt, aus Paris. Ab dem Winter 1942 lebt er nun in Valloncine an den Aiguilles Rouges, einer Bergkette in den nördlichen französischen Alpen, unter falschem Namen - nämlich Vincent Dorselles – acht Monate lang in bäuerlicher Gemeinschaft bis zu erneutem Aufbruch im Herbst 1943. Nicht nur seine bisherige Asthma-Erkrankung heilt, auch seine anfängliche Schüchternheit, Blässe und Unterernährung scheinen während seines Reifeprozesses in idyllischer Landschaft und ursprünglicher Fauna und Flora zu schwinden. Während Vincent sich harmonisch einfügt bei der Mithilfe in tägliche bäuerliche Tätigkeiten, die sehr detailliert je nach Jahreszeit und Wetterlage beschrieben werden in authentischer, teils romantisierter Schreibweise, gewinnt er Freundschaft, erneute Familienwärme und fast eine neue Identität. Seine besondere Sensibilität für Farben erinnert nicht nur in seinen Zeichnungen an Kandinsky oder auch an Arthur Rimbaud mit seiner Sonett über Vokale, deren unterschiedlichen Charaktere er mit Farben verbindet. In die leise, atmosphärische Natur-Erzählung sind auch politische Fakten dieser Zeit eingeflochten wie die italienischen Alpini als Besatzer, Mussolinis Absetzung, die Ferienkindern aus Lyon etc. Anfang und Ende dieses Romans sind eingerahmt von den Gräueln des 2. Weltkriegs, doch im Kern bleibt in der dörflichen Abgeschiedenheit in den Bergen eine heile, behütende, mitmenschliche Welt bestehen. Der warmherzige, poetische Schreibstil gefällt.

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