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Veröffentlicht am 10.04.2025

Eine Dystopie im Schwebezustand – sehr surreal

Schweben
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Das Leben von Nadja, der Hauptperson und Ich-Erzählerin, findet in einer isolierten, stark reglementierten Siedlung ohne scheinbare Gewalt statt. Das Klima nach der großen Hitze wechselt zu Kälte und großen ...

Das Leben von Nadja, der Hauptperson und Ich-Erzählerin, findet in einer isolierten, stark reglementierten Siedlung ohne scheinbare Gewalt statt. Das Klima nach der großen Hitze wechselt zu Kälte und großen Hagelkörnern, vernichtet nicht nur Ernten, sondern destabilisiert schließlich das Gesellschaftssystem. Phänomene wie das Schweben von Personen oder das Zusammenwirken mit weiteren Siedlungen bleiben unklar. In dieser befremdlicher werdenden Atmosphäre entwickelt sich die Protagonistin des Buches beruflich zu fremden Personen und verkörpert hauptsächlich Emma, die ihren problematischen, gewaltbereiten Ehemann Gil verlassen hat. Mit diesem Identitätswandel verliert sie sich schließlich selbst und flieht schwebend über die Siedlungsgrenzen. Dieses Bild vom Schweben wiederholt sich vorab bei vielen Siedlungsbewohnern, die für Ablenkung in der Bevölkerung sorgen und dann tödlich abstürzen – viel Freiraum für Interpretation. Diese bildliche Metapher könnte zu totalitären Regierungssystemen wie die ehemalige DDR passen, die mit ihren tödlichen Grenzvorrichtungen den Schritt in die Freiheit unterbanden. Dazu passt auch der endgültige wirtschaftliche Zusammenbruch dieser bisher Holz exportierenden Siedlung im Roman. Etwas verwirrend wirken die Träume der Protagonistin, ihr Einschlafen im Schwimmbad, ihre ausfallenden Zähne, das Verschwinden einer klimatisch unpassenden Baumspezies.
Die surreale Idee des Schwebens in Verbindung mit zunehmendem Identitätsverlust macht nachdenklich.

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Veröffentlicht am 09.04.2025

Zwischen Traum und Wirklichkeit – surreale Welt

Nachtlügen
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Zwischen Traum und Wirklichkeit wandelt die Hauptfigur Isra als Nachtalb oder Nachtmahr nicht in der Fantasie-Gestalt wie in den Gemälden von Johann Heinrich Füssli (Fuseli) durch Träume ihrer Mitmenschen, ...

Zwischen Traum und Wirklichkeit wandelt die Hauptfigur Isra als Nachtalb oder Nachtmahr nicht in der Fantasie-Gestalt wie in den Gemälden von Johann Heinrich Füssli (Fuseli) durch Träume ihrer Mitmenschen, sondern wie ein Mensch zumindest äußerlich. Dieses eigentliche Fantasie- und Sagenwesen stiehlt Menschen ihre Träume zur eigenen Energieaufladung und flößt ihnen dafür Albträume ein. Im interessanten Ambiente eines Varietés arbeitet sie als Kellnerin, während sie sich früher in der Traumforschung zusammen mit ihrer erfolgreichen, prominenten Großmutter Orchea engagiert hat. Parallel zu dieser Erzählebene erfährt der Leser im INTERMEZZO einiges über REM, dem Amt für reversible energieausgleichende Maßnahmen, ihr Regelwerk und Newsletter-Auszüge. Dieses surreale Nachtgespenst Isra, sonderbar, geplagt von Halluzinationen,
mehr und mehr bedroht durch ihr unkontrollierbares Monster, wirkt zwar menschlich, verantwortungsbewusst und in spannende, kreative Szenen verstrickt, bleibt aber ein kaum fassbares Wesen. Thematisiert werden verschiedene Traumarten mit Angstzuständen, teils z.B. zur Verarbeitung von Schuld. Die Idee um Nachtalbe in dieser Geschichte ist originell, auch die Informationen zur Schlaf- und Traumforschung sind interessant.

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Veröffentlicht am 06.04.2025

Das Porträt einer damaligen Vorzeige-Frau - Magda Goebbels

Reichskanzlerplatz
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Über einen Zeitraum von 20 Jahren wird das Leben der zwei Hauptfiguren begleitet, die während des „Dritten Reichs“ neben der Industriellenfamilie Quandt und dem NS-Propagandaminister Joseph Goebbels in ...

Über einen Zeitraum von 20 Jahren wird das Leben der zwei Hauptfiguren begleitet, die während des „Dritten Reichs“ neben der Industriellenfamilie Quandt und dem NS-Propagandaminister Joseph Goebbels in diesem Buch eine teils fiktive Rolle spielen: Magda Goebbels und ihr junger, schwuler Liebhaber Hans Kesselbach. Während sie im ersten Teil als frustrierte, einsame Unternehmensgattin beschrieben wird, findet sie schließlich ihre sinngebende Rolle an der Seite nahe bei Hitler in Wochenschauen mit ihren sechs Kindern. Ihr junger Liebhaber beginnt seine Rolle zunächst als Schüler im Teenageralter, heimlich verliebt in seinen Schulfreund Helmut Quandt. Der Ich-Erzähler, später Student der Rechtswissenschaften inmitten seiner Affäre, wird zum Auslöser von Magdas Scheidung und arbeitet schließlich als Diplomat in Italien, seine Homosexualität stets verbergend. Die politischen und menschlichen Nöte dieser Zeit, auch hinsichtlich Paragraph 175 StGB, werden im zweiten Teil einfühlsam beschrieben. Viele Gedanken der stillen Mittäterschaft gegen Juden, Kommunisten, Schwule, Andersdenkende werden eingeflochten, wenn auch in ihrem Weg verschieden überzeugt, unterschiedlich in dem NS-System eingebunden. Während Hans versucht, in Italien und in der Schweiz als homosexuelle Randfigur auf entspanntere Zeiten zu hoffen, beendet die immer noch fanatische Magda hier fiktiv ihr Leben im Krankenhaus mit Medikamenten und Cognac.
Interessante historische Fakten in fiktivem Mantel.

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Veröffentlicht am 04.04.2025

Die Zeiten unterwürfiger Frauen sind hier vorbei.

Blutsschwestern
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Das Cover mit der Mordwaffe zentral über die ganze Länge mittig postiert kündigt blutige Missstände an. Der Buchtitel „Blutsschwestern“ zielt auf die familiären Blutsbande hin, aber auch auf ihre gemeinsamen ...

Das Cover mit der Mordwaffe zentral über die ganze Länge mittig postiert kündigt blutige Missstände an. Der Buchtitel „Blutsschwestern“ zielt auf die familiären Blutsbande hin, aber auch auf ihre gemeinsamen blutigen Verteidigungsstrategien. Die Szenarien spielen in Wien und in einem abgelegenen Dorf in Serbien. Dorthin zu Hexen fliehen Sanja mit ihrer schwer misshandelten Schwester. Thematisiert werden Gewalt gegen Frauen, Vergewaltigung, Trauma, Angst, Schwesternschaft und späte Vergeltung durch clevere, selbstbewusste Frauen. Der Schreibstil gefällt durch realistisch beschriebene moralische Angstzustände, berufliche Benachteiligung und mitmenschlicher Hilfestellung durch unerwartete Fehde.
Guter Lesespaß!

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Veröffentlicht am 03.04.2025

Kenntnisse in Physik, Biologie und Medizin sind hier von Vorteil. Sehr kreativ!

Lyneham
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Auf zwei Erzählebenen geht es um das Leben auf dem urzeitlichen Mond Perm. Henry Meadow, 12 Jahre alt, beschreibt als Ich-Erzähler das Familienleben nach der missglückten Landung in dieser fremden Welt ...


Auf zwei Erzählebenen geht es um das Leben auf dem urzeitlichen Mond Perm. Henry Meadow, 12 Jahre alt, beschreibt als Ich-Erzähler das Familienleben nach der missglückten Landung in dieser fremden Welt ohne ihre Mutter, Frau Dr. Mildred Meadow. Sie ist Wissenschaftlerin und arbeitet an Projekten, die hier ein Überleben bei zu wenig Sauerstoff unter bisher unbekannter Thermodynamik, Fauna und Flora ermöglichen soll. Viel Technologie kommt zum Einsatz, angefangen bei den Stasiskammern oder den Aggregatoren, einem Gerät zur Lebensmittelsynthese. Die zwei Geländekarten, anfangs vorgestellt, sowie das anhängende Glossar bieten Hilfestellung zwecks besserer Übersicht bzw. Verständnis der naturwissenschaftlichen Terminologie. Viel Fantasie über die Anomalie oder die Windleite wird vorausgesetzt, um diese Welt der Science Fiktion voll genießen zu können. Einige ethische Fragen werden tiefgründig angegangen, z.B. bei der Ankunft des Transfermoduls Fünf mit Russen, Chinesen und Saudis an Bord. Die männliche Figur Noah Rayser mit seinen Kompetenzen in der Raumfahrt und medizinischen Forschung stellt einen starken, negativen Charakter dar im spannenden, intelligent geführten Kampf von Henrys Mutter. Insgesamt sehr kreativ, aber in der Terminologie sehr anspruchsvoll.

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