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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.01.2026

Immer wieder ein spannender Genuss!

Oxen. Interregnum
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Dieser dänische Thriller um den Jägersoldaten Niels Oxen handelt in diesem Band von einem Spionagefall mit mehrfachem Mord und kompliziertem Betrug auf internationalem Niveau. Zusammen mit dem legendären ...

Dieser dänische Thriller um den Jägersoldaten Niels Oxen handelt in diesem Band von einem Spionagefall mit mehrfachem Mord und kompliziertem Betrug auf internationalem Niveau. Zusammen mit dem legendären Axel Mossman, einem umgänglichen, höflichen und empathischen Menschen im Interregnum quasi kurz vor seiner Verrentung, agiert auch wieder Margrethe Franck, dieses Mal gegen reale dunkle Mächte aus China und gegen eine alte Verschwörung rund um den Danehof. Die schlüssige, nachvollziehbare Aufklärung dieses komplizierten Plots mit mehreren Nebenschauplätzen nur teilweise auf dänischem Boden mit mächtigen Gegnern auf oberster Ebene lässt ein spannendes, gewaltbereites, intelligent verwobenes Ambiente aufkommen. Die Welt der Spionage wird als beinhart und gnadenlos dargestellt. Thematisiert werden auch die kriminelle Vermittlung nicht-europäischer Studenten an europäischen Hochschulen, die Überwachung durch Satelliten und der Einsatz der Malware Pegasus, einem Überwachungsprogramm, das von der israelischen Cyberintelligence-Firma NSO Group Technologies entwickelt wurde. Aber auch grenzüberschreitender Drogenhandel, betrügerische Manipulationen in der IT im Darknet unter Hackern und politische Ränkespiele erzeugen spannende, kreative Momente zwischen Chaos, Geheimnissen, Verrat um diese drei Hauptfiguren. Appelliert wird auch an Moral, Ethik und Gerechtigkeit.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Teils pseudo-wissenschaftlich, teils dystopisch!

Schleifen
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Dreidimensional kommen die orange-farbigen Linien auf schwarzem Grund auf dem Cover daher. Der Buchtitel Schleifen bezieht sich im Buch auf Möbiusschleifen, die entstehen, wenn man die Enden eines Papierstreifens, ...

Dreidimensional kommen die orange-farbigen Linien auf schwarzem Grund auf dem Cover daher. Der Buchtitel Schleifen bezieht sich im Buch auf Möbiusschleifen, die entstehen, wenn man die Enden eines Papierstreifens, um 180 Grad verdreht, miteinander zusammenklebt. Cover und Buchtitel überzeugen. In drei Teilen geht es um das Bemühen, eine vom Menschen künstlich erschaffene Universalsprache zu schaffen, eine universelle philosophische und wissenschaftliche Sprache. Wird in Teil 1 zunächst die babylonische Sprachverwirrung beim Turmbau zu Babel erwähnt, dann mit dem Logiker Kurt Gödel, dem Physiker Moritz Schlick oder dem Philosophen Ludwig Wittgenstein an den Wiener Kreis erinnert mit ihren Plansprachen-Ideen mit Bezug auf John Wilkins erster Vision einer universalen Sprache. Spielt die Szenerie mit der kindlichen Hauptfigur Franziska Denk in Wien um 1930, erfolgt während der NSDAP-Zeit ein Wegzug vieler Mitglieder dieses Kreises. Das junge Mädchen reagiert auf sprachliche Äußerungen, als wären sie real. Erfährt sie z.B. Einzelheiten über eine Pesterkrankung, beginnt Franziskas Haut schwarze Blasen zu werfen. Auch nach dem Umzug nach Rhode Island leidet sie aufgrund dieser Kondition an Sozialkontakten, bringt sich selbständig mehrere Sprachen bei, desensibilisiert sich schließlich selbst mit ausgestorbenen Begriffen, quasi mit einem Impfstoff aus toten Wörtern. Mit dem tragischen Ableben der Eltern wird sie den Behörden überlassen mit 17 Jahren. Durch den jahrelangen Briefkontakt ab Herbst 1948 mit dem 14-jährigen Otto Mandl, der in England bei seiner Tante in Sicherheit vor Hitlers Schergen ist, verändert sich auch Franziskas Leben. Durch seinen Vater ist Otto mit Wissenschaft aufgewachsen und sein Traum ist es, die gesamte Wissenschaft auf einen neuen philosophischen Boden zu stellen. Zum Studium in Berlin ziehen sie zusammen, sie inskribiert für Sprachwissenschaften und Germanistik, er für Mathematik. Beide entwickeln eine dynamische Plansprache namens Litæ mit Orientierung an der Struktur der tatsächlich gesprochenen Sprache, sie bleibt lebendig und wandelbar. Der bisherige pseudo-wissenschaftliche Charakter im Roman verliert sich mehr und mehr. Anstatt den festgeschriebenen Regeln der Wörterbücher zu folgen, endet deren gemeinsames Projekt in einer komplizierten Objektsprache. Man entwickelt diese Sprache mit dem Ziel, die Welt in all ihren Details akkurat abzubilden, und nicht, um sie praktisch in Alltagssituationen einsetzen zu können. Ab den Gesprächen beim jährlich stattfindenden Objektsprache-Kongress entwickelt der Roman Kafkaeske Züge. Der zunehmende Eindruck, dass Franziska dem Wahnsinn verfällt und sich nicht nur in einer neuen Sprachwelt aufhält, verstärkt sich im zweiten Teil in Wodot, einem Staat bei Rom. Utopische Ideen werden hier lebendig, während Otto sich in Japan nach einem Kongress in einem großen Kreisverkehr verliert. Im dritten Teil expandiert das einst durch Sprache hervorgerufene Chaos weltweit, weit ab vom Normalen. Kafkas Welt mit seinem Werk Der Prozess wird eingeflochten in die Arbeit des Literaturarchivs in Marbach. Nachdem sich viele Begriffe auflösen, hat dies einen überzeugenden Effekt auf die allgemeine Weltlage. Der Autor regt mit seinen Metaphern, Allegorien und utopischen Bildern sicher an, über den Stellenwert von Sprache nachzudenken.
Nicht ganz leicht zu schluckender Lesestoff.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Ein berührender Roman!

Lola im Spiegel
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Das Cover zeigt einen zersplitterten Spiegel auf gelbem Grund, vielleicht in Andeutung für Queensland als dem Sonnenscheinstaat Australiens. Der Buchtitel enthält den symbolischen Frauenname Lola, der ...

Das Cover zeigt einen zersplitterten Spiegel auf gelbem Grund, vielleicht in Andeutung für Queensland als dem Sonnenscheinstaat Australiens. Der Buchtitel enthält den symbolischen Frauenname Lola, der oft mit Stärke, Temperament und der Fähigkeit, Schmerz zu überwinden, verbunden ist. Die teils erschreckende, teils hoffnungsvolle Szenerie spielt in Brisbane, grössenteils in der Gegend entlang dem Brisbane River mit seinen Schrottplätzen, Firmengeländen und Hinterhöfen, ideal als Unterschlupf für Obdachlose. Über einen Zeitraum von 2022 bis Anfang 2024 geht es zwischen historischen Fakten wie Überschwemmung mit bis zu 161 % Niederschlagsmengen und Vorbereitungen für die Olympischen Sommerspiele 2032 um das versteckte, von jahrelanger Flucht geprägte Leben einer Frau mit 17-jährigem Mädchen. Jedem Kapitel vorangestellt ist eine Stift-/Tuschezeichnung mit Metaphern, Allegorien und voller Fantasie, die der Ich-Erzählerin, dem künstlerisch begabten Mädchen, zugesprochen werden. In diesem inspirierenden Unterfangen versteckt integriert sich auch die australische Flora und Fauna z.B. mit Rautenpython, Kragenechse, Kookaburras Weißstirn-Schwatzvögel, Australbuschhühner, Honigfresser, Schlangenhalsvogel oder Flammenbäume, Jacarandas, Viel gesellschaftskritische Themen wie Gewalt gegen Frauen, Drogen und deren Schmuggel, Obdachlosigkeit und bezahlbarer Wohnraumnotstand werden aufgegriffen in detailliertem, realistischem Schreibstil. Mit Hilfe des großen Traums vom Leben als erfolgreiche Künstlerin und auch mittels ihres zerbrochenen Zauberspiegels schaut das namenlose Mädchen positiv voller Hoffnung und Liebe in ihre Zukunft. Märchenhafte Erinnerungen an Grimms Märchen von Schneewittchen mit „Spieglein, Spieglein, an der Wand….etc“ weckt dieser Spiegel. Inmitten all der teils gewaltsamen Realität abseits von Wohlstand und Sicherheit existiert aber auch Liebe, Vertrauen und Loyalität. Mitunter begründen tiefgründig philosophische, optimistische Dialoge die Botschaft, dass jeder eine Chance auf ein besseres, beruflich erfolgreiches Leben hat – so wie das Mädchen schließlich als Kunststudentin mit Kunst als Stütze bei ihrem ungewöhnlichen Aufwachsen oder wie der Autor selbst als Journalist. Er verbindet mit dem Hochwasserfluss und dem Verhalten der darin Schwimmenden die Metapher, was und wer du bist.

Möge es immer hilfreiche Menschen geben, die uns eine rettende Hand und mehr reichen.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Was für ein totalitäres Leben im Kalifat Saddam Husseins……..

Der letzte Sommer der Tauben
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Der zunächst 14-jährige Noah Derwisch, der Ich-Erzähler, ist wie sein Onkel Ali unter dem Regime Saddam Husseins in Bagdad nicht nur als Taubenzüchter aktiv, sondern zunehmend auch politisch. Wie sehr ...

Der zunächst 14-jährige Noah Derwisch, der Ich-Erzähler, ist wie sein Onkel Ali unter dem Regime Saddam Husseins in Bagdad nicht nur als Taubenzüchter aktiv, sondern zunehmend auch politisch. Wie sehr der Familienalltag von Gewalt, Willkür und Angst durchdrungen ist, wird eindrucksvoll, überzeugend beschrieben. Die Treue der Tauben, ihre stetige Rückkehr, gibt dem Jungen Halt in einer Zeit voller gewaltsamer Umbrüche durch die Mudschahedin. Öffentliche Bestrafungen wie Auspeitschungen und Steinigungen, sogar Schlimmeres lässt diese Menschen vergessen, wie man frei ist. Jugendliche Freundschaften lösen sich in diesem System aufgrund von politisch induzierten Ferienlagern leicht auf, können an Hitlers Jugendorganisation erinnern. Mit der Erwähnung der Operation Wandertaube tauchen Wortfetzen von im Untergrund agierenden Widerständlern wie Onkel Ali auf. Reflektionen, von ihm in teils philosophischer Art verfasst, vergleichen das Zusammenleben eines Taubenschwarms, einer umsichtigen, harmonischen Gemeinschaft, mit unseren jetzt herrschenden Religionen voller Konfliktbereitschaft und Machtkämpfen unter Männern im Kalifat. Das Taubenreich als letzter friedlicher Hoffnungsträger des Himmels wird verglichen mit dem von Menschen geschaffenen Monotheismus und deren immerwährender Suche nach Demokratie und Freiheit. Auch das Fehlen von Gleichberechtigung für Frauen in allen Weltreligionen wird thematisiert. Sehr interessant sind Informationen rund um die Taubenzucht, um die berühmte Brieftaube Cher Ami oder um die letzte Wandertaube Martha.
Wie schnell Noah besonders durch Onkel Alis Worte und Taten erwachsen werden muss, ist erschreckend. Denn sie leben im Kalifat in einer Welt, in der seine Aktivitäten den Tod bringen.

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Vier Familienmitglieder – vier Problematiken klar umrissen

Alle glücklich
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Vorgestellt wird zunächst der Familienalltag der Holsteins, einer vierköpfigen Familie mit der 44-jährigen Mutter Nina, die auch in ihren weiteren Rollen als Arztehefrau und MTA wenig Wertschätzung erfährt, ...

Vorgestellt wird zunächst der Familienalltag der Holsteins, einer vierköpfigen Familie mit der 44-jährigen Mutter Nina, die auch in ihren weiteren Rollen als Arztehefrau und MTA wenig Wertschätzung erfährt, bis sie für sich neues Glück findet. Im Wechsel werden Gedanken und Probleme weiterer Familienmitglieder in und außerhalb des Familienalltags realistisch skizziert. Mit zunehmender Dramatik spitzen sich Zustände im Krankenhaus, in der Schule, an der Universität und in der Familie zu, obwohl doch alle eigentlich glücklich sein könnten. Der Schreibstil ist überzeugend authentisch in seinen verschiedenen, teils extremen Situationsbeschreibungen, die zum Nachdenken animieren können über behutsameren Umgang miteinander, mit mehr Einfühlungsvermögen und Respekt.
Wie wichtig ist eine Ehe und Familie tatsächlich als kleinste Einheit in unserer Gesellschaft für eine sichere, auch emotionale Entwicklung all ihrer Mitglieder?

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