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Veröffentlicht am 03.11.2017

Das Buch kann ein Anfang sein

Für immer zuckerfrei
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INHALT:
Anastasia Zampounidis ist trockener Sugarholic. Jahrzehntelang griff sie zu Süßigkeiten, wenn sie sich beruhigen, trösten oder belohnen wollte, und erweckte damit nur neuen Heißhunger. Ein regelrechter ...

INHALT:
Anastasia Zampounidis ist trockener Sugarholic. Jahrzehntelang griff sie zu Süßigkeiten, wenn sie sich beruhigen, trösten oder belohnen wollte, und erweckte damit nur neuen Heißhunger. Ein regelrechter Suchtkreislauf aus kurzfristiger Befriedigung und baldigem Verlagen nach mehr entstand. Dann ging sie auf Entzug, mit großartigen Folgen: Sie verlor Gewicht, fühlte sich ausgeglichener und fitter, zudem sieht die Endvierzigerin aus wie Anfang dreißig.
Welche Folgen hat Konsum von Zucker also wirklich? Wie wirkt er, wo steckt er überall drin und wie nascht man ohne das süße Gift? Anastasia Zampounidis erzählt von ihrem Weg aus der Zuckerhölle, sie klärt über seine Wirkungsweise auf und verrät Tipps und Rezepte, die zuckerfrei glücklich machen.

MEINUNG:
Ich lese nicht oft Ratgeber, aber gesunde Ernährung interessiert mich schon seit langem immer mehr. Anastasia kenn ich noch aus meiner Jugendzeit von MTV. Ein bekanntes Gesicht, über das ich dennoch recht wenig weiß. Umso besser hat es mir gefallen, dass Anastasia hier auch ein wenig ihre Lebensgeschichte geschildert hat. Natürlich mit Fokus auf ihrer „Esskarriere“, die aber unweigerliche an ihren beruflichen Werdegang geknüpft ist. Anastasia schreibt so wie sie vermutlich auch sprechen würde, locker, leicht und mit einer Prise Humor. Sie schreibt leicht verständlich und wiederholt auch immer wieder wichtige Dinge (so setzen sie sich ja bekanntlich besser fest).

Ich habe das Buch innerhalb von zwei Tagen verschlungen. Zugegebenermaßen hat es aber auch nur gute 200 Seiten, wovon ca. 40 Seiten noch Anhang ist, in dem zusätzliche Informationen und auch Rezepte enthalten sind (aber es ist kein reines Rezeptbuch!). Gleich nach dem Beenden, habe ich angefangen zu schauen, wo überall Zucker drin und es ist wirklich erschreckend. Es wüsste nicht, wie ich das anstellen sollte, komplett darauf zu verzichten. Zucker ist einfach überall drin. Selbst dort, wo man es nicht vermuten würde. Warum das so ist, erklärt Anastasia auch sehr gut. Mir gefiel auch, dass sie die Geschichte des Zuckers mit rein genommen hat. Positiv ist wirklich, dass sie komplexe Themen wirklich gut und einfach erklärt, sodass sie wirklich von jedem verstanden werden können. Man ist nach dem Lesen nicht erschlagen, sondern es lädt dazu an dem Thema weiter dranzubleiben, wenn man das möchte. Für einige andere ist es interessanter Überblick.

FAZIT:
Es war wirklich sehr aufschlussreich. Locker und vor allem informativ geschrieben. Am Ende wüsste ich jetzt zwar nicht, wie ich eine solche Umstellung angehen sollte, aber das Buch kann ein Anfang sein. Es kann die Augen und kann auch ein stärkeres Bewusstsein schaffen, mehr zu prüfen, was man eigentlich so zu sich nimmt den lieben langen Tag.

Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 26.10.2017

Zurück ins Leben

Tage ohne Hunger
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INHALT:
»Die Kälte in ihr sagte ihr, dass sie zwischen Leben und Sterben wählen musste.« Laure ist neunzehn Jahre alt und magersüchtig. Als die Krankheit lebensbedrohlich ist, wird sie in eine Klinik eingewiesen. ...

INHALT:
»Die Kälte in ihr sagte ihr, dass sie zwischen Leben und Sterben wählen musste.« Laure ist neunzehn Jahre alt und magersüchtig. Als die Krankheit lebensbedrohlich ist, wird sie in eine Klinik eingewiesen. Bei der Wahl für oder gegen das Leben hilft ihr vor allem der Arzt, dessen Patientin sie wird. Er ist der Einzige, der hartnäckig um sie ringt. Nach langer Zeit ist er der erste Mensch, dem sich Laure öffnet. Und sie erzählt von dem Teil ihrer Kindheit, der sie in diese Krankheit getrieben hat: das Zusammenleben mit ihrer psychisch kranken Mutter.

Drei Monate Krankenhausleben werden geschildert, drei Monate, in denen Laure ihren Todeswunsch überwindet und sich in ihr allmählich ein Lebenswille und sogar der Wunsch nach Freude am Leben wieder einstellt.

MEINUNG:
Von Delphine de Vigan wollte ich immer schon gerne etwas lesen und ich freut mich ein neues Buch von ihr in Rahmen einer Leserunde zu entdecken. Mit Tage ohne Hunger greift sie das schwere Thema Anorexie auf, welches auch autobiographische Züge enthält, wenn ich es richtig verstanden habe.

Laures Weg beginnt mit der Einweisung in die Klinik. Sie hat bereits ein lebensbedrohliches Gewicht erreicht und dies ist ihre letzte Chance am Leben zu bleiben. Den Wunsch zu überleben erweckt vor allem ein Arzt in ihr, der ihr das Gefühl gibt wirklich um sie kämpfen zu wollen. Man weiß, wie wichtiger er für Laure ist, aber in meinen Augen blieb er sonst relativ im Hintergrund. Was sicherlich auch daran liegt, dass die Geschichte komplett aus Laure Sicht erzählt wird und man keine Perspektive von außen auf Laure zu lesen bekommt (was sicher interessant gewesen wäre), aber es handelt sich hier um eine sehr persönliche Geschichte. Oft liest es sich wie ein Tagebuch.
Die Gründe für eine solche Erkrankung sind ja stets mannigfaltig, aber bei Laure spielt sicher auch das schwierige Elternhaus eine Rolle. Eine Mutter, die starke psychische Probleme hat und mehr mit sich selbst beschäftigt ist, als sich um Laure und ihre Schwester zu kümmern und einen Vater, der neu verheiratet ist, aber seine Kinder nur beschimpft als wären sie ihm eine Last. Das zu lesen hat mir wirklich innerlich wehgetan. Ich habe mich mal wieder gefragt, wie man so seine eigenen Kinder behandeln kann. Die Quintessenz daraus ist, dass Laure auf sich alleine gestellt ist und wenig Rückhalt hat. Scheinbar fällt es auch kaum jemanden auf, dass mit ihr etwas nicht stimmt.

Das Buch beschreibt Laures Zeit in der Klinik von der Einweisung bis zur Entlassung. Dort kommt sie auch in Kontakt mit anderen Erkrankten. Es wird nicht viel auf die gesundheitlichen Konsequenzen eingegangen, aber ein Freundin von ihr kann auf Grund der Magersucht nun keine Kinder mehr bekommen und ihr Mann droht ihr damit sie deswegen zu verlassen. Das hat mich wirklich sehr mitgenommen. Ansonsten begleiten wir Laure in ihrem Alltag und bei den kleinen Schritten, die sie macht, um wieder richtig zu essen. Laure inneren Kampf dabei fand ich sehr gut dargestellt. Das Buch weißt keine große Spannung auf Anfang und Ende sind relativ klar. Manchmal habe ich mich erwischt, wie meine Gedanken beim Lesen abgedriftet sind. Gerne hätte es auch noch ein paar mehr Seiten sein können. Ein wenig mehr Einblick hätte ich mir noch gewünscht.

FAZIT:
Tage ohne Hunger lässt den Leser in den Gedanken- und Gefühlwelt einer an Magersucht erkrankten jungen Frau. Ebenso wie der Prozess der Heilung und des täglichen Kampfes mit dem Essen wird hier eindringlich beschrieben. Man sollte beachten, dass es sich hier nicht um einen Ratgeber oder eine ausführliche Erläuterung von Therapiemöglichkeiten handelt, sondern es ist Laures Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben.
Ich vergebe 4 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 26.10.2017

Einfühlsam erzählte Familiengeschichte

Alle müssen mit
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INHALT:
Die Geschwister Inge, Klaus und Uwe haben schon vor langer Zeit jeden Kontakt zueinander abgebrochen. Doch als ihnen der Notar eröffnet, dass sie das Erbe ihres Vaters nur ausgezahlt bekommen, ...

INHALT:
Die Geschwister Inge, Klaus und Uwe haben schon vor langer Zeit jeden Kontakt zueinander abgebrochen. Doch als ihnen der Notar eröffnet, dass sie das Erbe ihres Vaters nur ausgezahlt bekommen, wenn sie zusammen nach Polen reisen um dort seine Asche zu verstreuen, müssen sie sich notgedrungen gemeinsam in einen Kleinbus setzen. So beginnt eine Reise ins Ungewisse voller Abenteuer und unerwarteter Erkenntnisse.

Ein Roadmovie mit echten Typen, unerwarteten Wendungen und schrägem Witz – ein Roman, dessen großes Herz für die Familie schlägt.
MEINUNG:
Von Lo Malinke habe ich bereits Alle unter eine Tanne gelesen und ich mochte die Art, wie der Autor Familiengeschichten erzählt. Seinen Familien sind vor allem eines: Nicht perfekt. Das gilt auch für Inge, Klaus und Uwe. Alle müssen mit wird als Komödie angepriesen und auch das fröhliche Cover lässt darauf schließen. Dementsprechend waren auch meine Erwartungen an das Buch, aber man wird hier schnell eines Besseren belehrt.

Schon nach den ersten drei Kapiteln, in denen man Inge, Uwe und Klaus das erste Mal begegnet, bekommt man ganz schnell einen bitteren Beigeschmack, denn alle drei scheinen sehr unglücklich mit ihrem Leben zu sein und haben einen Sack wirklich ernst zu nehmender Probleme wie Alkoholabhängigkeit und Depressionen. Von Komödie spürt man hier zunächst sehr wenig, aber mir gefiel sofort die Tiefe, die die Geschichte damit einnahm. Auf der anderen Seite haben die drei einen auch wirklich manchmal deprimiert. Die Beziehung zwischen den Dreien ist praktisch nicht vorhanden und auf der Reise ist Streit vorprogrammiert Es gibt lauter unterschwellige Enttäuschungen und Missverständnisse.

Aufgelockert hat das Ganze Jule, die Tochter von Inge und Krzysztof, ein polnischer Notar, der die vier begleitet und die Bedingungen, die an die Auszahlung des Erbes geknüpft sind, überwacht. Die Reise führt quer durch Polen auf den Spuren der Vergangenheit ihres Vaters/ Großvaters. Damit werden in diesem Roman auch die Vertreibung der Deutschen aus Polen nach dem zweiten Weltkrieg und die Beziehung zwischen Deutschen und Polen als Thema ausgegriffen und thematisiert. Lo Malinke versteht es, dieses Thema sehr feinfüllig zu vermitteln und räumt auch mit gewissen Vorurteilen auf. Das hat mir sehr gut gefallen.

FAZIT:
Alle müssen mit ist eine Tragikomödie von drei Geschwistern, die erst nach dem Tod des Vaters wieder ein Stück zueinander finden. Außerdem ist eine wunderschöne, augenöffnende Geschichte über die die deutsch-polnische Beziehung. Eine Familiengeschichte, die man sich auf jeden Fall mal ansehen sollte (oder anhören…das Hörbuch wird vom Autor selbst gesprochen).
Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 24.10.2017

Solider Roman - Kein Thriller!

Was wir getan haben
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INHALT:
Irgendwann kannst du nicht mehr davonlaufen. Irgendwann musst du dich stellen. Deiner Vergangenheit. Deiner Schuld.
Dem Tag, der dein Leben verändert hat.
Damals, als du gerade acht Jahre alt ...

INHALT:
Irgendwann kannst du nicht mehr davonlaufen. Irgendwann musst du dich stellen. Deiner Vergangenheit. Deiner Schuld.
Dem Tag, der dein Leben verändert hat.
Damals, als du gerade acht Jahre alt warst.
Masai Mara, Kenia 1982. In der sengenden Mittagssonne spielen drei Kinder am Fluss. Ihr Spiel hat keinen Namen, sie haben es sich selbst ausgedacht. Sie lachen und wetteifern, doch dann herrscht plötzlich Stille. Bis der erste Schrei ertönt.
Dublin 2013. Katie Walsh arbeitet als Journalistin bei einer Tageszeitung und soll ausgerechnet über Luke Yates, einen erfolgreichen Unternehmer, ein Porträt schreiben. Katie und Luke kennen sich seit Kindertagen, sie haben gemeinsam mit Lukes jüngerem Bruder Nick einen Sommer in Kenia verbracht. Doch seit jener Zeit ist der Kontakt zwischen ihnen abgebrochen. Zu schrecklich ist die Erinnerung an jenen heißen Nachmittag am Fluss, das Gefühl der Schuld, dass sie seither nur eines wollen: vergessen.

Katie trifft Luke schließlich bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung wieder und erfährt am nächsten Morgen, dass er noch in derselben Nacht verschwunden ist. Niemand weiß, wo er sein könnte, sein Büro ist ein Ort der Verwüstung, alle Bilder wurden von den Wänden gerissen und es finden sich Blutspuren. Auf dem Schreibtisch liegt ein Foto: Luke gemeinsam mit Katie und Nick 1982 in Kenia. Katie ist sofort klar, dass das kein Zufall sein kann. Es muss einen Zusammenhang zwischen Lukes Verschwinden und den Ereignissen von damals geben. Aber wer weiß etwas darüber?
Als Katie kurz darauf mit der Post einen toten Vogel erhält, begreift sie, dass sie nicht länger davonlaufen kann. Denn die Vergangenheit hat bereits unerbittlich begonnen sie einzuholen, und jemand sinnt auf späte Rache …

MEINUNG:
Das Buch wird abwechselnd aus der Sicht von Nick, Katie und Sallie, Lukes und Nicks Mutter erzählt, wobei Sallie nur wenige Kapitel hat. Von Anfang an ist klar, dass in der Vergangenheit etwas vorgefallen ist. Aus Sallies Sicht erfahren wir etwas über die Vergangenheit. Ich muss sagen, dass man sehr schnell eine Ahnung bekommt, was passiert sein könnte. Die Frage ist nur wie es dazu gekommen ist und wer wie genau darin verstrickt ist, denn das sie alle es sind ist Fakt.
Mit den Ereignissen aus der Vergangenheit gehen alle unterschiedlich um. Besonders Katie scheint enorm darunter zu leiden, obwohl fast zwei Jahrzehnte vergangen sind. Ihr Leben hat sie weniger im Griff und sie ertränkt ihre Schuldgefühle in Alkohol. Beim Lesen fragt man sich natürlich immer wieder, was um Himmels Willen denn passiert ist.

Die Handlung führt die Charaktere nach Lukes Verschwinden schnell wieder an den Ort des Geschehens, nach Kenia. Das Buch erscheint wie ein Krimi/ Thriller, ist aber ein Roman. Fehlende Spannung kann man dem Buch gerne vorwerfen, aber ich halte es nicht für gerechtfertigt, weil es eben nicht darum geht „den Fall“ zu lösen, sondern mehr um die Schuldfrage und die Verstrickung der Handelnden. Am Ende ist eine riesige Tragödie und es hat viele Unschuldige Jahre eines glücklichen Lebens gekostet und dass alles nur aus Liebe und dem daraus resultierende Bedürfnis diese Personen zu schützen.

FAZIT:
Mich hat das Buch nicht gänzlich vom Hocker gerissen, aber es war auch nicht wirklich schlecht. Das Buch ist ausgezeichnet geschrieben und erzählt. Zu jedem Zeitpunkt konnte man sich in die Protagonisten reinfühlen und begleitet diese bis zum alles entscheidenden Finale.

Ich vergebe 3,5 von 5 Sternen.

Veröffentlicht am 19.10.2017

Überlebende eines Massakers

Menschenwerk
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INHALT:
"Ich kämpfe, jeden Tag. Ich kämpfe gegen die Schande, überlebt zu haben und immer noch am Leben zu sein. Ich kämpfe gegen die Tatsache, dass ich ein Mensch bin. Und Sie, ebenso ein Mensch wie ich, ...

INHALT:
"Ich kämpfe, jeden Tag. Ich kämpfe gegen die Schande, überlebt zu haben und immer noch am Leben zu sein. Ich kämpfe gegen die Tatsache, dass ich ein Mensch bin. Und Sie, ebenso ein Mensch wie ich, welche Antworten können Sie mir geben?"

Ein Junge ist gestorben, und die Hinterbliebenen müssen weiterleben. Doch was ist ihnen ihr Leben noch wert? Han Kang beschreibt in ihrem neuen Roman, wie dehnbar die Grenzen menschlicher Leidensfähigkeit sind. Ein höchst mutiges Buch und ein brennender Aufruf gegen jede Art von Gewalt.

MEINUNG:
Ich habe von Han Kang bereits Die Vegetarierin gelesen und ich war nach dem Lesen nur mäßig begeistert. Wenn ich heute darüber nachdenke, dann würde ich meine Bewertung von drei Sternen auf jeden Fall nochmal nach oben korrigieren. Aus diesem Antrieb heraus war ich total gespannt auf das neue Werk von Han Kang. Menschenwerk ist ein Werk für sich und sollte auf keinen Fall mit Die Vegetarierin verglichen werden.

Menschenwerk beruht auf wahren Begebenheiten und zwar aus dem Gwangju-Massaker in den frühen 1980er in Südkorea, von dem ich zu meiner Schande behaupten muss, noch nie etwas gehört zu haben. Die Charaktere sind allerdings fiktiv. Da Han Kang selbst aus Gwangju stammt und zu der Zeit ca. zehn Jahre alt war, könnte man vermuten, dass hier auch persönliche Erfahrungen miteingeflossen sind. Vielleicht ist auch eine Art Aufarbeitung, weil sie vielleicht selbst jemanden verloren hat, der ihr wichtig war. Im Epilog kommt sich auch noch einmal selbst zu Wort. So ein Massaker verursacht in der Regel immer ein Trauma bei den Hinterbliebenen und den Überlebenden und genau darum geht es in dem Buch.

Die Geschichte beginnt direkt nach dem Massaker und arbeitet sich dann langsam in die Gegenwart vor. Jedes Kapitel ist aus der Sicht einer anderen Person geschrieben und doch hängen alle miteinander zusammen. Anfangs war es schwierig mit den koreanischen Namen zurecht zu kommen, da man diese einfach nicht gewohnt ist. Ich musste ein paar Mal hin und her blättern. Die verschiedenen Perspektiven auf das gleiche Ereignis haben mich ein wenig an Geständnisse Kanae Minato erinnert.
Die Erzählungen der einzelnen Personen habe alle eines gemeinsam: Sie sind schmerzlich und sie kämpfen damit überlebt zu haben. Jeder geht damit anders um, aber alle sind innerlich zerbrochen und sie versuchen ihren Weg alle irgendwie weiterzuleben. Dem einen gelingt es. Der andere zerbricht an den Nachwirkungen von Gefängnis und Folter. Immer wieder gewehrt Han Kang auch Einblicke in die südkoreanische Gesellschaft, so z.B. unterliegen Bücher zumindest zu dieser Zeit ein strengen Zensur und werden vor Veröffentlichung durch eine staatliche Stell geprüft. Das Dinge, die man sich irgendwie als Deutscher schwer vorstellen kann.

Die geschilderte Brutalität und Gewalt ist grausam zu lesen, dennoch fand ich die Erzählung recht nüchtern und konnte mich wenig in die Charaktere hineinfühlen. Vielleicht ist das auch eine kulturelle Art damit umzugehen, die ich nicht ganz nachvollziehen konnte. Dennoch bleibt Fassungslosigkeit zurück und das Unverständnis, wie eine vermeintlichen studentischer Aufstand so eskalieren konnte. Nachdem Lesen habe ich mich mit dem Massaker noch einmal ausführlicher beschäftigt und das sollte man auch, um zu verstehen, was dort wirklich passiert ist.

FAZIT:
Menschenwerk ist der Versuch einer Verarbeitung des Traumas aus dem Gwangju-Massaker in Südkorea. Ein Buch, welches sehr ehrlich und bewegend ist. Es gibt uns einen Teil Geschichte, der Mahnung für all jene Massaker stehen sollte, an dem unschuldige Menschen ums Leben gekommen sind.