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Veröffentlicht am 30.07.2025

Lügennetz mit Fallstricken

Eine falsche Lüge – Wird es ihre letzte sein?
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Mehr als ein Lügengebäude wird in dem Thriller "Eine falsche Lüge" von Sophie Stava errichtet, und so ziemlich jeder ihrer Protagonisten hat verborgene Motive und einige fragwürdige Charaktereigenschaften. ...

Mehr als ein Lügengebäude wird in dem Thriller "Eine falsche Lüge" von Sophie Stava errichtet, und so ziemlich jeder ihrer Protagonisten hat verborgene Motive und einige fragwürdige Charaktereigenschaften. Zum Beispiel die Lügerei, die Sloane längst zur Gewohnheit geworden ist. Schon als Kind, wenn ihre alleinerziehende Mutter und sie wegen Schulden mal wieder ganz schnell den Wohnort wechseln mussten, erfand sie vor ihren neuen Mitschülerinnen ein sehr viel glamouröseres Leben als Grund für den Umzug.

Ihre Orientierung an wohlhabenderen Vorbildern hat sie nicht nur den letzten Job gekostet, sondern sie auch in echte Schwierigkeiten gebracht. Dann lernt sie scheinbar zufällig den gutaussehenden und wohlhabenden Jay Lockhart und seine kleine Tochter in einem Park kennen. Sloane erfindet eine ganz neue Identität und schafft es tatsächlich, als Kindermädchen der Familie eingestellt zu werden.

Jays Frau Violet ist es gar nicht unrecht, dass Sloane ihren Stil nachahmt, ihre Frisur, gar die Haarfarbe ändert. Denn auch sie erzählt dem Kindermädchen, zu dem bald ein freundschaftliches Verhältnis besteht, nicht die Wahrheit und hat eigene Pläne, die im Sommerurlaub in den Hamptons eskalieren. Lügen, so ahnen die Leserinnen bald, haben nicht nur kurze Beine. Sie haben auch das Potential, tödlich zu sein. Fragt sich nur: Für wen? Und wer manipuliert hier wen am besten?

Die Autorin schafft es, mit genau dieser Frage die Spannung immer weiter anzuheizen und für unerwartete Wendungen zu sorgen. Denn schnell wird klar, dass die drei Erwachsenen einander umkreisen und jeder besondere Absichten hat. Der Schein des perfekten, schönen Ehepaars trügt ebenso wie die Legende, die Sloane sich für ihre neuen Arbeitgeber zurechtgelegt hat. Dabei sorgt die Autorin mit gezielt eingesetzten Informationshäppchen dafür, dass die Leser
innen einen kleinen Informationsvorsprung erhalten, dabei aber das Warten auf die Auflösung des Plots die Spannung anheizt. Dieser Thriller ist nicht blutig, sondern lebt vom Element der Täuschung und des falschen Scheins.

Die Charaktere sind keineswegs völlig sympathisch oder laden zur Identifizierung ein. Doch gerade wegen ihrer Schwächen wirken sie menschlich. Ein überzeugender Plot und eine flüssige Schreibweise sorgen hier für spannendes Lesevergnügen.

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Veröffentlicht am 30.07.2025

Mütter und Töchter

Die Königin von Dirt Island
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Liebe, Solidarität und Tragödien prägen das Leben von Eileen und Mary. Die beiden Frauen sind eng verbunden durch den frühen Verlust von Eileens Mann und Marys Sohn, der wenige Tage nach der Geburt seiner ...

Liebe, Solidarität und Tragödien prägen das Leben von Eileen und Mary. Die beiden Frauen sind eng verbunden durch den frühen Verlust von Eileens Mann und Marys Sohn, der wenige Tage nach der Geburt seiner Tochter tödlich verunglückte. Da wusste er noch nicht einmal, dass sein kleines Mädchen Saorsie heißen würde. In Mary findet Eileen unverbrüchliche Unterstützung - eine Unterstützung, die sie von ihrer eigenen Familie nicht erhielt. Die wohlhabenden Großbauern haben sie verstoßen, denn Eileen wurde schon vor ihrer Hochzeit schwanger. Im ländlichen Irland der - ich schätze mal - 60-er oder 70-er Jahre für viele ein schwerer Fehltritt.

Saorsie vermisst den Vater nicht, den sie nie kennengelernt hat. Mary, ihre "Nana", verbringt mehr Zeit in dem winzigen Häuschen ihrer Schwiegertochter als auf dem heimischen Bauernhof, auf dem ihre beiden verbliebenen Söhne leben - der eine nicht sonderlich helle, der andere beginnt, sich in der IRA zu engagieren. Zwischen Eileen und Mary besteht eine generationsübergreifende Freundschaft, in der die gegenseitige Zuneigung hinter Streitgesprächen verborgen wird.

Als Saorsie als Teenager schwanger wird, ist das für Eileen zunächst eine Katastrophe - ein Schicksal, das sie der eigenen Tochter gerne erspart hätte. Doch als die kleine Pearl geboren wird, wird sie von der Liebe dreier Generationen überschüttet.

Donal Ryan erzählt in seinem Roman "Die Königin von Dirt Island" eine Geschichte starker Frauen und ihres Zusammenhalts. Eileen und Mary haben einen herben Charme, Saorsie wird von der Kindheit über den rebellischen Teenager hin zu einer jungen Frau gezeigt, die Verantwortung übernimmt und ihrer Mutter und Großmutter zunehmend ähnlicher wird, zugleich aber eine Wendung nehmen wird, die bei der unverheirateten jungen Mutter ohne Schulabschluss zunächst nicht abzusehen war. Weniger intensiv ist die Figur ihrer Tochter Pearl, eher Katalysator der Ereignisse als Akteurin.

Die kurzen Kapitel sind teilweise wie szenische Stückchen für sich. Die eher einfache Sprache passt zu dem schlichten Landleben mit Menschen, die eher wortkarg sind und pragmatisch ihren oft harten Alltag angehen. Das heißt aber nicht, dass das Buch einfach gestrickt ist. Dieses Buch einer Familie ist auch ein Buch über Solidarität und Standvermögen.

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Veröffentlicht am 29.07.2025

Die grauen Eminenzen hinter der Trump-Administration

Der Masterplan der Trump-Regierung
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Mit "Der Masterplan der Trump-Regierung" blickt David A Graham hinter die Kulissen rechtskonservativer Think Tanks und ihre Rolle als Chefideologen der Trump-Administration. Wobei der Autor zugeben muss ...

Mit "Der Masterplan der Trump-Regierung" blickt David A Graham hinter die Kulissen rechtskonservativer Think Tanks und ihre Rolle als Chefideologen der Trump-Administration. Wobei der Autor zugeben muss - so richtig steuern lässt sich ein unberechenbarer und impulsgesteuerter Mensch wie Trump, der weder zu logischem Denken noch zu echtem Politikverständnis neigt, eher nicht.

Doch zugleich ist Trump die Hoffnung ultrakonservativer Denker, da sich zumindest einige Punkte der jeweiligen Agenda überschneiden - etwa den Kurswechsel beim Thema Einwanderung, einer Schwächung von Kontrollinstanzen etwa der Gerichtsbarkeit und die zunehmende Ideologisierung auch der Mitarbeiter in Schlüsselministerien.

Mit Schulungen für den öffentlichen Dienst, so beschreibt Graham, habe die Heritage Foundation bereits Jahre von Trumps Wiederwahl dafür gesorgt, dass Kandidaten für Außen- und Verteidigungsministerium bereitstünden, die im öffentlichen Dienst Beamte ersetzen können, die der Sympathie für die Demokraten verdächtig sind. Zudem gibt es personelle Überschneidungen zwischen Analysten der Stiftung und Mitarbeitern der Trump-Administration.

Viele Vertreter der Stiftung werden als fundamentalchristlich mit traditionellen Familienwerten beschrieben - das dürfte auf Trump eher nicht zutreffen. Berührungspunkte gibt es dagegen beim Kampf gegen "Wokeness" und "Gender-Ideologie" - hier hat sich ja bereits in den ersten Stunden nach dem Amtseid gezeigt, dass Trump nur Cis-Geschlechtsnormen gelten lassen will.

Wird alles, was das "Projekt 2025" anstrebt, unter Trump durchgesetzt? Das wird die Zukunft zeigen. Dann aber dürfte die Verletzung der bisher bestehenden Rechte von Einwanderern, Minderheiten und queeren Menschen nur der Anfang sein. Mit einem Familienbild, das die Männer als Ernährer und die Frauen als Hausfrauen und Mütter sieht, drohen nicht nur Erfolge der Frauenbewegung rückgängig gemacht zu werden, sondern auch weibliche Selbstbestimmung über den eigenen Körper, wenn es etwa um Abtreibung geht. Eine beängstigende Vorstellung ist das allemal.

Veröffentlicht am 28.07.2025

Familiengeschichte voller Liebe, Lügen und Geheimnissen

Wohin du auch gehst
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Was für ein wunderbares Debüt mit spannenden, lebensnahen Protagonistinnen! "Wohin du auch gehst" von Christina Fonthes packt und berührt mit einer Familiengeschichte zwischen Kinshasa und London, voller ...

Was für ein wunderbares Debüt mit spannenden, lebensnahen Protagonistinnen! "Wohin du auch gehst" von Christina Fonthes packt und berührt mit einer Familiengeschichte zwischen Kinshasa und London, voller Liebe, Lügen und Familiengeheimnisse, die erst nach und nach entschlüsselt werden. Es geht um Identität und Queerness, afrikanische Spiritualität und Diaspora-Community, um die Demokratische Republik Kongo, das frühere Zaire, dieses schöne geschundene Land mit seiner Gewalt und seiner Musik.

Fonthes Protagonistinnen sind zwei Frauen, zwei Generationen - Bijoux und ihre Tante Mira. Als zwölfjährige wurde Bijoux zur Tante nach London geschickt, angeblich wegen der zunehmend gefährlichen Lage in ihrer Heimatstadt Kinshasa. Für die Tochter einer recht privilegierten Familie ist es ein Schock, sich plötzlich in einer Sozialsiedlung wiederzufinden, mit einer Tante, die vor allem schweigt.

Was Bijoux nicht weiß und was sich in Rückblicken entblättert: Mira ist so etwas wie die verlorene Tochter der Familie. Einst das verwöhnte Nesthäkchen, das aus dem behüteten Leben ausbrach, mit 16 Jahren schwanger wurde und vom Vater verstoßen wurde. Mira irrte jahrelang durchs Leben, in Brüssel, in Paris, schließlich London, wo sie in einer evangelikalen Gemeinde eine Heimat fand und ein äußerst respektables Leben begann.

Auch Bijoux fühlt sich in der Gemeinde heimisch. Doch sie ist lesbisch - etwas, was sie ihrer Tante lange verschweigt. Erst als sie einen jungen Mann aus der Gemeinde heiraten soll, offenbart sie sich, mit harschen Konsequenzen. Denn Homosexualität gilt als "unafrikanisch". Kann sie sie selbst sein, oder ist sie zu einem Leben in ständiger Selbstverleugnung gezwungen?

Fonthes schafft es, Schablonen und Schwarz-Weiß-Bilder zu vermeiden. Sie beschreibt queere Community und religiöse afrikanische Diaspora gleichermaßen mit Wärme und ohne zu verurteilen. Sie zeigt die Brücken zwischen dem Heimatkontinent und den Afrikanern in der Ferne, ihre Märkte und Frisierläden als Orte, in denen ein Stück Heimat in die Fremde geholt werden kann, Solidarität und Klatsch. Nur am Rande wird der Konflikt im Ostkongo mit seinen Grausamkeiten erwähnt, doch die Gewalt und das Chaos des Landes sind unterschwellig präsent, zumal Bijoux´ s Mutter Ärztin bei MSF ist. "Wohin du auch gehst" ist ein Buch voller Liebe und starker Frauen, über die Suche nach Glück und Wahrheiten, die manchmal sehr spät kommen.

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Veröffentlicht am 18.07.2025

Idylle mit Untiefen

Gerächt sein sollst du
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Die Finnland-Krimis, die ich bisher kennengelernt habe, fallen entweder durch eine gewisse Kauzigkeit der Charaktere oder eine Noir-Stimmung auf. "Gerächt sein sollst du" von Kaisu Tuokko fällt in keine ...

Die Finnland-Krimis, die ich bisher kennengelernt habe, fallen entweder durch eine gewisse Kauzigkeit der Charaktere oder eine Noir-Stimmung auf. "Gerächt sein sollst du" von Kaisu Tuokko fällt in keine der beiden Kategorien, sondern versucht eine gewisse hyggelige Gefühligkeit einfließen zu lassen, die mich nicht wirklich überzeugt hat.

Journalistin Eevi erfährt vom Fund einer Leiche und eilt zu den Klippen des idyllischen Küstenorts Kristinestad. Die Ermittlungen um den Tod des 17-jährigen Jonas leitet ausgerechnet ihr Jugendfreund und erste Liebe Mats, der in seinem alten Heimatort eigentlich nur ein paar Tage ausspannen sollte (bin mir nicht sicher, wie realistisch das sein soll, dass ein Polizist auf Urlaub mal eben die Ermittlungen übernimmt).

Jonas was ein Eigenbrötler ohne echte Freunde, wurde gemobbt. War es Selbstmord? Seine Mutter schließt das aus. Dann tauchen schwere Vorwürfe gegen den Jugendlichen auf. Sowohl Eevi als auch Mats begeben sich auf Wahrheitssuche, die eine als Journalistin, der andere als Ermittler. Dabei kommen sie sich auch menschlich wieder näher.

Die Autorin packt durchaus relevante Themen an - Mobbing, MeToo, das nichts vergessende Internet. Mir persönlich hätte es besser gefallen, wenn sie das stärker focussiert hätte. So aber spielen die persönlichen Befindlichkeiten und emotionalen Achterbahnfahrten ihrer Protagonisten eine große Rolle mit erwartbaren Klischees. Natürlich fällt Mats beim Wiedersehen mit Eevie ein, dass es in seiner Ehe nicht toll läuft und er seine alte Freundin eigentlich immer noch sehr anziehend findet.

Eevie wiederum leidet unter ihrer ungewollten Kinderlosigkeit und hat ständig nah am Wasser gebaut. Dass eine mit knapp 40 Jahren nun doch schon erfahrene Journalistin die Fassung verliert, wenn sie von einem Todesfall berichtet, dass sie es nicht schafft, professionelle Distanz zu halten, macht sie in meinen Augen unglaubwürdig und ein bißchen nervig. Die Entwicklung des Plots ist auch recht absehbar, was den Spannungsbogen eher flach hält. Immerhin wirkt die trügerische Idylle Kristinestads anziehend. Insofern ganz nett - aber leider mit einigen Schwächen

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