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Veröffentlicht am 07.05.2025

Ermittlungen mit dem Herzen einer Toten

Das zweite Herz
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Der amerikanische Krimi-Autor Michael Connelly ist vor allem für seine Serien über den Polizei-Detective Harry Bosch und den "Lincoln Lawyer" Mickey Haller bekannt. Zu seinen kleineren Spin-offs gehört ...

Der amerikanische Krimi-Autor Michael Connelly ist vor allem für seine Serien über den Polizei-Detective Harry Bosch und den "Lincoln Lawyer" Mickey Haller bekannt. Zu seinen kleineren Spin-offs gehört aber auch der FBI-Profiler Terry McCaleb, ein Experte für Serienmörder. In einem Fall der Bosch-Serie unterstützte er den Polizisten. "Das zweite Herz" ist dagegen ganz McCaleb gewidmet.

Der Blick in die Abgründe psychopathischer Killer hat McCaleb wohl buchstäblich das Herz gebrochen: Dank der Transplantation eines Spenderorgans überlebte er. Doch sein Gesundheitszustand zwang ihn in den Vorruhestand. Mit Mitte 40 lebt McCaleb ein Rentnerleben im Yachthafen, in dem er das alte Boot seines Vaters wieder seefähig machen will. Da sein Brustbein nach der Operation am offenen Herzen noch nicht verheilt ist, darf er noch nicht einmal Auto fahren - sollte sich im Falle eines Unfalls der Airbag öffnen, hätte das für McCaleb nicht lebensrettende, sondern tödliche Folgen.

Und doch ist es nicht nur die Langeweile über ein vielleicht zu ruhiges Leben, das den Ex-Ermittler dazu bringt, der Bitte einer Frau nachzukommen, den Mord an ihrer Schwester zu untersuchen. Denn die tote Frau war Organspenderin und hatte eine seltene Blutgruppe - wie McCaleb. Es ist ihr Herz, das McCaleb ein neues Leben ermöglicht hat.

Bei seinen Untersuchungen stößt McCaleb auf einen Mord, in dem ähnlich vorgegangen wurde. Gibt es einen Zusammenhang? Die offiziellen Ermittler sind nicht gerade begeistert, dass sich der Ex-FBI-Mann in ihre ungelösten Fälle einmischt. Doch wie perfide der Täter vorgegangen ist und dass die Opfer keineswegs zufällig gefunden wurden, erkennt McCaleb erst spät. Krimi-Routinier Connelly sorgt gerade im letzten Teil des Buches für eine überraschende Wende, die selbst McCaleb als Kenner des Bösen noch überraschen kann. Sehr konstruiert? Vielleicht. Aber das tut der Spannung keinen Abbruch.

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Veröffentlicht am 05.05.2025

Freundinnen mit Geheimnissen

Bad Tourists
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Kate, Camilla und Darcy sind Freundinnen - doch eigentlich wissen die drei Frauen nicht viel übereinander. Eine mehr als 20 Jahre zurückliegende Tragödie verbindet die drei Frauen, nun feiern sie mit einem ...

Kate, Camilla und Darcy sind Freundinnen - doch eigentlich wissen die drei Frauen nicht viel übereinander. Eine mehr als 20 Jahre zurückliegende Tragödie verbindet die drei Frauen, nun feiern sie mit einem gemeinsamen Urlaub in einem Luxusresort auf den Malediven Darcys Scheidung. Doch dann zeigt sich in Caro Carvers Urlaubsthriller "Bad Tourists", dass die Freundschaft des Trios nicht unbedingt auf Ehrlichkeit beruht und es Geheimnisse gibt, die bei Aufdeckung einen Abgrund verraten.

Die traumhafte Szenerie verbreitet Urlaubsstimmung, doch das Inselparadies hat seine dunklen Seiten. Das gilt auch für die Flitterwöchner Rob und Jade. Sehr schnell wird den drei Freundinnen klar, dass Rob seine deutlich jüngere Frau misshandelt. Doch hat er auch mit dem traumatischen Erlebnis in ihrer Vergangenheit zu tun?

Kate war als Studentin die einzige Überlebende eines Massakers an sechs Menschen in einem Guesthouse. Zu den Toten gehörten Camillas Zwillingsbruder und Darcys Freund. Die drei sehr unterschiedlichen Frauen lernten sich über eine Facebook-Gruppe für Angehörige kennen und freundeten sich an. Sie sind überzeugt: Der geständige Täter, der nur einen Monat nach seiner Verurteilung im Gefängnis starb, handelte nicht allein...

Aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, schürt "Bad Tourists" mit Andeutungen so manchen Verdacht und legt falsche Spuren. Dramatische Wendungen, große Emotionen und ein brachialer Showdown sorgen für reichlich Spannung. Flüssig und fesselnd geschrieben, läuft der Thriller auf eine große Überraschung zu, die ich nicht erwartet hätte. Das ist Strandlektüre mit Gänsehautfaktor.

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Veröffentlicht am 04.05.2025

Rentner-Detektive zwischen Hamlet und Hundemord

Crime im Heim
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Es gibt mehr Dinge im Altersheim, als auf den Tod zu warten - jedenfalls für Yogalehrerin Katja, den Impresario Friedhelm und die übrigen Mitglieder einer leicht exzentrischen Seniorengruppe, die sich ...

Es gibt mehr Dinge im Altersheim, als auf den Tod zu warten - jedenfalls für Yogalehrerin Katja, den Impresario Friedhelm und die übrigen Mitglieder einer leicht exzentrischen Seniorengruppe, die sich zusammengeschlossen hat, um "Hamlet" auf die Bühne ihres Seniorenheims zu bringen. Es ist eine recht unterschiedlich zusammengewürfelte Truppe, die in Ida Tannerts Cozy-Krimi "Crime im Heim" zusammenkommt: Die verwitwete Gräfin, die Hunde lieber mag als Menschen und nicht nur eine eindrucksvolle Waffensammlung mit ins Heim genommen hat, sondern auch weiß, wie man Schlösser knackt. Der Zahnarzt, der im Innern immer noch ein Rebell a la James Dean ist und eine Vorliebe für Heavy Metal hat. Der reimende Lehrer, der Vogelfreund mit empfindlichem Darm und Rollator, der sensible Ex-Bauer Hans, der spanische Lyrik liebt und der Anarchist, trotz Arthritis und Diabetes immer noch im Herzen Revolutionär und als Neuzugang im Heim Auslöser einiger Ereignisse, die erst im Laufe der Handlung aufgeklärt werden.

Am Anfang jedoch steht ein Mord am Mops einer Heimbewohnerin. Zwar konnte kaum jemand außer der Besitzerin das bissige kleine Vieh leiden - aber Schüsse im Park der Senioren, das geht nun wirklich nicht. Als dann auch noch eine menschliche Leiche auftaucht, fühlen sich die Senioren zwar leicht überfordert, nehmen aber die Herausforderung an, auch diesem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Gar nicht so einfach, wenn die bevormundende Heimleiterin versucht, die Aktivitäten ihrer Schützlinge zu kontrollieren.

Während die einen mit Feuereifer als Hobby-Detektive loslegen, ist nur Friedhelm verzweifelt: Wird sein Hamlet je zur Aufführung kommen? Oder lassen sich die unorthodoxen Ermittlungen gewissermaßen als method acting verwerten? Der humorvoll geschriebene Cozy erinnert ein wenig als Richard Osmans Donnerstag-Mordclub, der trotz altersbedingter Einschränkungen gar nicht daran denkt, im seniorengerechten Relaxsessel dahinzudämmern. Dass nicht alle so rüstig und aktiv sind wie die Schauspielgruppe, wird ebenfalls nicht verschwiegen. Altwerden ist kein reines Vergnügen. Dieses Buch allerdings schon.

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Veröffentlicht am 04.05.2025

Girl Power gegen toxische Männlichkeit

Riot Girl
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Als Sachbuchautorin befasst sich Susanne Kaiser mit Mysogynie, Genderstereostypen, toxischer Männlichkeit, Sexismus und Feminismus. Da ist es kaum verwunderlich, dass auch in ihrem Debütroman Gewalt gegen ...

Als Sachbuchautorin befasst sich Susanne Kaiser mit Mysogynie, Genderstereostypen, toxischer Männlichkeit, Sexismus und Feminismus. Da ist es kaum verwunderlich, dass auch in ihrem Debütroman Gewalt gegen - sehr junge - Frauen thematisiert wird. In "Riot Girl" schlagen die Mädchen, denn es geht um eine Bewegung von Teenagerinnen - zurück, organisieren sich über soziale Medien und die Vertaggung durch Influencerinnen, um flashmobs zu organisieren, die buchstäblich Wellen schlagen.

LKA-Forensikerin Obalski wird als verdeckte Ermittlerin ins Münchner Jugendamt eingeschleust, um Informationen über die Organisation der Influenzas und ihre Ziele zu ermitteln. Schon bald stellt sie fest - es scheint eine Untergruppe zu geben, die sich radikalisiert. Als nach einer konspirativen Party an der Isar eine Leiche auftaucht, stellt sich die Frage - greifen die Gruppenmitglieder auch zu Gewalt? Und was hat es mit dem runenförmigen Symbol zu tun, das bei mehreren Mädchen in den Arm geritzt wurde? Sind das Selbstverletzungen oder Spuren von systematischer Gewalt, denen sie ausgesetzt sind?

Obalski hat schon bald das Gefühl, dass ihr die Zeit davonläuft - nicht nur, weil Interna der Soko an die Medien durchgestochen werden. Es muss einen "Maulwurf" im Kreis der Ermittler geben. Kann sie ihren Kollegen trauen? Verstörende Bilder lassen zudem darauf schließen, dass es eine Gruppe mächtiger Männer gibt, die darauf abfahren, Mädchen Gewalt anzutun.

Vielleicht liegt es ja an den Fällen, mit denen sich Kaiser in ihrer nicht-literarischen Tätigkeit befasst, aber die Charaktere des Romans sind ein wenig sehr holzschnittartig geraten. Hier die Träger männlicher Privilegien, da die Machos und Aufreißer unter Obalskis Kollegen und in ihrer Stammkneipe und als einsamer Leuchtturm in der Nacht toxischer Männlichkeit eben die empathische Obalski, die nicht nur als erste den Durchblick hat, sondern auch ziemlich problemlos das Vertrauen der Mädchen gewinnt. Da sind die Rollen einfach zu klischeehaft verteilt, um echte Spannung aufkommen zu lassen und das Ergebnis erinnert ein bißchen an Agitprop-Literatur wie in den 70-er Jahren. Vielleicht hätte die Autorin ihren Leser*innen genug Intelligenz und Empathie zutrauen sollen, Schlussfolgerungen zu ziehen, ohne dass jedes Mal der Wink mit der Litfassäule kommen muss. Schade angesichts des wichtigen Themas. Der Plot ist dennoch spannend und nachdenkenswert.

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Veröffentlicht am 30.04.2025

Geheimnis in den Wäldern Norfolks

Die Schatten, die dich jagen
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Die Buchbeschreibung von "Ein Schrei, den niemand hört" von Alex Smith machte schon einmal neugierig: Ausgerechnet ein auf Vermisstenfälle spezialisierter Ermittler ist nun selbst betroffen: Robert Kletts ...

Die Buchbeschreibung von "Ein Schrei, den niemand hört" von Alex Smith machte schon einmal neugierig: Ausgerechnet ein auf Vermisstenfälle spezialisierter Ermittler ist nun selbst betroffen: Robert Kletts Frau ist entführt worden, er weiß nicht, ob sie überhaupt noch lebt. Trotz all seines Spezialwissens kann er seinen liebsten Menschen nicht finden. Als ob das allein nicht schon belastend genug wäre, ist er unversehens alleinerziehender Vater, der für seine drei kleinen Töchter im Alter von 18 Monaten, drei und sieben Jahren, alle mit höchst unterschiedlichem Temperament Normalität wahren muss.

In Norfolk, einer neuen Umgebung, soll Klett eigentlich auf andere Gedanken kommen und sich auf seine Kinder konzentrieren. Doch das spurlose Verschwinden zweier Mädchen lässt die angedachte Auszeit scheitern. Klett bietet der örtlichen Polizei seine Zusammenarbeit und Expertise an. Der örtliche Kripochef, Typ Grantler, ist davon zunächst einmal gar nicht angetan. Zum einen, weil er Londoner Polizisten generell Besserwissertum unterstellt, zum anderen, weil Klett immer mindestens ein Kleinkind im Schlepptau hat und die Kinderbetreuung sicherstellen muss. Das ist mit hochtourigen Polizeiermittlungen nur begrenzt kompatibel.

Zum besonderen Reiz dieses Spannungsroman gehört, dass er nicht nur fesselt, sondern trotz aller Dramatik Humor hat. Dafür sorgen schon Kletts Probleme mit dem lieben Kleinen. Die können nämlich ganz schön nervig werden und zeigen: Elternsein ist nichts für Weicheier. Auch Kletts Kollegen haben alle so ihre besonderen Eigenheiten, an die er sich erst mal gewöhnen muss. Mit dieser Mischung hat mich Smith eingefangen - so sehr, dass ich nicht nur "Ein Schrei, den niemand hört" in einer Nacht durchlas, weil ich einfach nicht aufhören konnte, ich musste auch sofort den Folgeband "Die Schatten, die dich jagen" lesen, der zeitlich wenige Wochen nach Kletts erstem Fall spielt.

Klett ist mittlerweile Teil des Ermittlerteams in Norfolk, von seinem letzten Fall aber noch angeschlagen, nicht nur physisch, sondern auch wegen eines kryptischen Hinweises auf die Entführung seiner Frau. Ein Leichenfund im Wald erinnert an eine alte Volkssage, den dämonischen "Black Shuck", der in den Wäldern mordet. Großstadtmensch Klett findet die dichten Wälder zwar eher unheimlich, glaubt aber nicht an Gespenster. Doch das Böse, er ahnt es, ist hier am Werk.

Auch der zweite Band ist unglaublich spannend, denn Klett ist engagiert bis zur Schmerzgrenze und wenn er sich in einen Fall verbissen hat, pfeift er sowohl auf Dienstvorschriften wie auf Risiko. An diesem Punkt habe ich mitunter meine Probleme mit der Impulsivität Kletts, der keineswegs unfähige Kolleginnen und Kollegen hat. Dennoch ignoriert er wiederholt die Tatsache, dass er für drei kleine Mädchen der einzig verbliebene Elternteil ist. Zwar macht er sich wiederholt klar, wie traumatisch es für seine Töchter wäre, würden sie auch ihn verlieren - doch dann prescht er doch wieder im Alleingang vor. Spannung und Dramatik sind auch hier garantiert - da lässt sich ahnen, dass der Abschlussband der Triologie noch einmal sämtliche Register zieht.

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