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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.06.2022

Guernsey-Krimi

Kalt lächelt die See
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Die Kanalinsel Guernsey ist natürlich eine traumhafte Kulisse für das neue Polizistenduo Kate Langlois / Tom Walker. 
Tom ist frisch aus London auf die Insel versetzt worden. Seine Methoden lösen bei Kate ...

Die Kanalinsel Guernsey ist natürlich eine traumhafte Kulisse für das neue Polizistenduo Kate Langlois / Tom Walker. 
Tom ist frisch aus London auf die Insel versetzt worden. Seine Methoden lösen bei Kate Befremden aus, denn auf Guernsey kommt man mit Small Talk weiter als mit zur Schau getragener Autorität. Es macht Spaß zu beobachten, wie die beiden sich im Verlauf der Ermittlung zu einem erfolgreichen Team zusammenraufen.
Die zwei müssen sich mit einer führerlos dümpelnden Jacht befassen, die nicht unerheblich mit Blut verschmutzt ist. Sie gehört einem Ehepaar, das vor zwei Jahren schon einmal im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gelandet ist. Ihre kleine Adoptivtochter war damals spurlos verschwunden. Dieser Fall ist nie geklärt worden, doch Kate und Tom müssen sich zwangsläufig noch einmal mit dem Geschehen von damals beschäftigen und finden tatsächlich einen neuen Lösungsansatz.
Die Autorin hat einen ziemlich komplexen Fall konstruiert, der aber zu keinem Zeitpunkt verwirrend wirkt. Man kann die Personen gut auseinanderhalten. Irgendwann hat man dann als Leser eine Ahnung, wie alles zusammenhängt, aber das tut der Spannung keinen Abbruch. Die Beziehungen der Personen untereinander machen einen Großteil der Spannung aus, und gegen Schluss gibt es noch einmal richtig Action.
Für mich war dieser Krimi ein richtig stimmiges Leseerlebnis.

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Veröffentlicht am 08.06.2022

Flache Handlung

Düsterhof (Thriller)
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Mit der gestylten Rechtsanwältin Anna Hart und dem unkonventionellen Privatdetektiv Felix Hertzlich hat die Autorin Melisa Schwermer ein neues Ermittlerduo in die Welt gesetzt. Felix kümmert sich verantwortungsvoll ...

Mit der gestylten Rechtsanwältin Anna Hart und dem unkonventionellen Privatdetektiv Felix Hertzlich hat die Autorin Melisa Schwermer ein neues Ermittlerduo in die Welt gesetzt. Felix kümmert sich verantwortungsvoll um seine autistische Schwester, die durch eine Reittherapie große Fortschritte in der Bewältigung ihrer Probleme gemacht hat. Doch ausgerechnet ihr fähiger Reittherapeut Robin Thaler steht plötzlich unter Mordverdacht, als seine Ex-Freundin Sinta brutal in ihrer eigenen Wohnung überfallen und dort regelrecht abgeschlachtet wird. 
Felix und Anna versuchen gemeinsam, die Unschuld Thalers zu beweisen. Dabei richtet sich ihr Focus auf einen irren Pferdequäler, der auf den Reiterhöfen der Umgebung sein Unwesen treibt.
Zwischendurch gibt es immer eingeschobene Kapitel, die die kruden Gedanken des Täters offenbaren.
Für mich ist leider die Spannung dieses Thrillers nicht ausreichend gewesen. Die Charaktere sind recht flach geblieben und die Handlung ist mir für einen Thriller einfach zu eindimensional.
Die Autorin hat eine klare, schnörkellose Ausdrucksweise. Auch die kurzen Kapitel sind eigentlich recht leserfreundlich, doch mich konnte das Buch nicht begeistern, auch wenn es spät auf den letzten Seiten doch noch Spannung entwickelt.

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Veröffentlicht am 01.06.2022

Keine Familiensaga

Der Papierpalast
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Papierpalast ist der scherzhafte Name der Ferienhütten, in denen Elle Bishop seit jeher ihre Sommer verbringt. Der Großvater hatte sie früher mal mit billigem Material erbaut (deshalb der Name) und so ...

Papierpalast ist der scherzhafte Name der Ferienhütten, in denen Elle Bishop seit jeher ihre Sommer verbringt. Der Großvater hatte sie früher mal mit billigem Material erbaut (deshalb der Name) und so wurde das Feriendomizil zur Familieninstitution. Die Unbeschwertheit der kindlichen Sommerferien wird durch schlimme Taten des Stiefbruders beendet. Es wird ein schwarzer Sommer für Elle Bishop, der zugleich ein Wendepunkt in ihrem Leben bedeutet. 
Nun aber steht sie 50-jährig wieder in dem Ferienhaus und muss sich zwischen ihrem Ehemann und ihrer Jugendliebe entscheiden. Zusammen mit dem Leser lässt sie ihr gesamtes Leben Revue passieren. Dabei kommen Elle, ihre Mutter und auch ihre Schwester nicht gut bei weg. Erschreckend, wie alle drei Frauen auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind. Dabei lügen und betrügen sie, dass sich die Balken biegen. Mich hat das sehr gestört, obwohl die Autorin diese Lebensgeschichten sehr positiv erzählt, sodass man eigentlich Verständnis aufbringen sollte. 
Jedenfalls sind die Lebenswege sehr bewegt und damit interessant. In Rückblenden, die in der Hörbuchversion nicht immer sofort als solche erkenntlich sind, wird Elles Werdegang seit ihrer Kindheit aufgerollt. Es ist spannend, wie sie sich entwickelt, und erst recht, als sie ihre mittlerweile erwachsen gewordene Jugendliebe Jonas aus dem Papierpalast per Zufall wieder trifft. Wie sie sich letztendlich entscheidet, ist für mich zweitrangig geblieben.
Die Geschichte liest sich sehr flüssig, ist aber nicht die unterhaltsame Familiengeschichte, die man eigentlich laut Klappentext erwartet hat.  
Vera Teltz macht sich wie immer großartig als Vorleserin.

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Veröffentlicht am 31.05.2022

Eine geheinmisvolle Vergangenheit

Das verschlossene Zimmer
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Der Roman spielt in Krakau. Hier zieht der renommierte Arzt Dominik Karski seine Tochter Marie alleine groß. Maries Fragen nach ihrer Mutter weicht er aus.
Marie ist intelligent. Sie möchte ebenfalls Medizin ...

Der Roman spielt in Krakau. Hier zieht der renommierte Arzt Dominik Karski seine Tochter Marie alleine groß. Maries Fragen nach ihrer Mutter weicht er aus.
Marie ist intelligent. Sie möchte ebenfalls Medizin studieren, um wie ihr Vater Leben zu retten. Doch 1939 werden in Polen noch keine Frauen an der Universität angenommen. Karski ist darüber erleichtert. Er hat andere Pläne für seine Tochter. Nur in einer reichen Heirat wüsste er sie ausreichend geschützt, wenn sein dunkelstes Geheimnis ans Licht kommt und damit die bürgerliche Fassade ihrer beider Leben zusammenbricht.
Marie heiratet tatsächlich. Ja, sogar einen wohlhabenden Mann. Doch Ben ist Jude und Marie konvertiert zu seiner Religion.
Der Gedanke an ihre Mutter lässt sie immer noch nicht los. Darum beginnt sie auf eigene Faust mit Nachforschungen. Sie findet Unglaubliches heraus. Und während ihre ganze Welt erschüttert wird, bricht auch das Leben in Krakau zusammen, weil die Deutschen in Polen einmarschiert sind. Hier findet der Roman ein sehr ergreifendes Ende.
Das Buch ist sehr unterhaltsam geschrieben. Man kann sich Marie, Dominik und Ben sehr gut vorstellen; ebenso die bereits faschistisch eingestellten Kollegen und Nachbarn. Dennoch kratzt der Inhalt nur leicht an der Oberfläche. Anders kann man sich die Naivität von Marie nicht erklären. Wie kann eine so intelligente junge Frau nicht ein Mindestmaß an politischer Allgemeinbildung aufweisen? Sie ist völlig erstaunt, dass sie als Jüdin so schlecht behandelt wird. Es kann doch nicht sein, dass sie vorher nicht die Zeichen der Zeit in ihrer Umgebung wahrgenommen hat. Marie kommt mir vor wie ein verwöhntes Einzelkind, das partout mit dem Kopf durch die Wand will und taub gegen alle Ratschläge ist. Weil sie aber so eine gute Bildung und auch eine hohe Intelligenz besitzt, empfinde ich ihre Charakterisierung nicht als stimmig.
Ihr Vater Dominik dagegen ist mir ans Herz gewachsen. Er geht gradlinig seinen Weg. Seine Patienten behandelt er alle gleich, egal welcher Herkunft sie sind. Er hat so einen guten Charakter, dass man sich ratlos fragt, welch dunkles Geheimnis von ihm um jeden Preis gehütet wird.
Dieses Geheimnis macht auch einen Großteil der Spannung aus. Dennoch hat mir das gewisse Etwas in der Handlung gefehlt. Alles dümpelt vor sich hin, bis die Auflösung  dann wirklich mit einem unerwarteten Knalleffekt aufwartet.
Als unterhaltsame Lektüre ist das Buch durchaus geeignet, aber man sollte nicht mit allzu viel Tiefgang rechnen.

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Veröffentlicht am 31.05.2022

Nicht nur für Jugendliche

Perfect Storm
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In einem Computerspiel finden sechs Teenager aus verschiedenen Kontinenten zu einem unschlagbaren Team zusammen. Alle sind nicht nur hochintelligent, sondern auch wahre Künstler in der Hackerszene. Sie ...

In einem Computerspiel finden sechs Teenager aus verschiedenen Kontinenten zu einem unschlagbaren Team zusammen. Alle sind nicht nur hochintelligent, sondern auch wahre Künstler in der Hackerszene. Sie beschließen, ihre außerordentlichen Fähigkeiten auch zum Kampf gegen Konzerne einzusetzen, die sich nachweisbar durch kriminelle Ausbeutung bereichern. Sie legen deren geheime Machenschaften offen und begeben sich damit in höchste Lebensgefahr.
Der Autor wählt einen ungewöhnlichen Weg: Die Handlung setzt sich wie ein Puzzle aus Chatverläufen, Zeitungsberichten und Geheimdossiers zusammen. Ich hätte mir vorher nicht vorstellen können, dass man auch auf solche Art und Weise einen Pageturner schreiben kann. Es ist wirklich sehr spannend, aber zugleich ebenso erschreckend, wie viel man digital von seiner Persönlichkeit für Wildfremde, die sich in Informatik auskennen, preisgibt. Auch die angeprangerten Verfehlungen der Konzerne sind alles andere als weltfremde Fiktion. So oder ähnlich wird es in der Welt zugehen.
"Perfect Storm" ist ein richtiger Thriller, nicht nur für Teenies, sondern ebenfalls für Erwachsene. Es wird Zeit, darüber nachzudenken, dass "Big Brother is Watching You" nicht nur ein dahergesagter Slogan ist.

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