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Veröffentlicht am 15.11.2019

Teilweise etwas übertrieben

Night Academy - Die Begabte
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„Night Academy. Die Begabte“ beginnt sehr geheimnisvoll und unheimlich. Der Leser wird im Prolog direkt mit Dancias besonderer Gabe konfrontiert, auch wenn es zu Beginn des Buches schwer fällt, sich darunter ...

„Night Academy. Die Begabte“ beginnt sehr geheimnisvoll und unheimlich. Der Leser wird im Prolog direkt mit Dancias besonderer Gabe konfrontiert, auch wenn es zu Beginn des Buches schwer fällt, sich darunter Genaueres vorgestellt. Auch die Handlung im ersten Kapitel ist sehr unvermittelt und direkt, denn hier wird Dancia bereits von Mr Judan und Cameron Sanders für die Night Academy angeworben. Der Leser hat zu Beginn somit relativ begrenzte Möglichkeiten, sich an die Charaktere und vor allem die Handlung zu gewöhnen, da er direkt in die Geschichte hineingeworfen wird. Das gleicht sich im Verlauf des Buches aber aus, denn die Autorin nimmt sich viel Zeit für ihre Figuren und die Entwicklung der Handlung.

Natürlich kann Dancia gar nicht anders, als sich für eine Ausbildung an der Night Academy zu entscheiden. Dazu wird sie zwar von ihrer Großmutter, die übrigens großartig gezeichnet ist, etwas gezwungen, aber am Ende sieht sie selbst ein, dass es wohl das Beste für sie und vielleicht auch alle anderen ist. In der Schule angekommen, wird diese sehr bildhaft aus Dancias Sicht beschrieben. Lebendig wird die Night Academy vor allem durch ihre Schüler und Lehrer, die sehr anschaulich dargestellt werden. Es herrschen genaue Regeln, die es einzuhalten gilt, aber den Schülern wird auch Freiraum gegeben, sich zu entfalten. Offiziell sollen an der Night Academy hochbegabte Schüler und Schülerinnen ausgebildet werden, doch Dancia merkt nach einer gewissen Zeit, dass mehr dahinter stecken muss.

Darauf gebracht wird sie von Jack, der eher ein Außenseiter ist und seine Zeit alleine verbringt. Mit ihm freundet sich Dancia an und zwischen den beiden entwickelt sich eine tolle Freundschaft. Ob es dabei bleibt, ob sich mehr daraus entwickelt oder ob den beiden doch Cameron in die Quere kommt, der sich anscheinend sehr für Dancia zu interessieren scheint – das lest ihr am besten selbst! Die obligatorische Dreiecks-Geschichte fehlt natürlich auch in diesem Jugendbuch nicht, aber sie ist sehr authentisch und nachvollziehbar gestaltet und driftet nicht ins Kitschige ab.

Der Schulalltag an der Night Academy wird sehr detailliert beschrieben und zum Großteil konzentriert sich das Buch tatsächlich auf das Internatsleben. Dieses ist aber sehr abwechslungsreich gestaltet. Der Leser begleitet Dancia zu ihren Unterrichtsstunden, zu außerschulischen Aktivitäten, die teilweise sehr geheimnisvoll und mysteriös sind, und auf ihrer Suche nach Freunden. Zunächst wehrt sich Dancia dagegen, Freundschaften zu schließen – dafür hat sie auch einen triftigen Grund. Aber mit der Zeit lernt sie doch, wie schön es ist, Gleichgesinnte um sich zu haben, und es macht Spaß, sie als Leser gemeinsam mit anderen Mädchen – oder auch Jungs – zu erleben. Die Dialoge zwischen den Jugendlichen sind sehr frisch und spritzig und sorgen für einige Schmunzler.

Dancia ist ein toller Charakter, der sehr sympathisch gezeichnet ist und schnell das Herz des Lesers gewinnt. Sie hat eine sehr ansprechende Art und überzeugt durch ihre kleinen Fehler und Macken, die ihr Sorgen bereiten, die sie aber nur umso liebenswerter machen. Auch mit den Nebencharakteren hat sich Inara Scott sehr viel Mühe gegeben, auch wenn sie bei ihrer Gestaltung stellenweise zu offensichtlich mit Klischees spielt. Aber im Ergebnis ist die Stimmung, die von den Schülern des Internats ausgeht, passend.

Wirklich spannend wird das Buch erst zum Ende hin, wo den Leser ein großer Showdown erwartet. Bis dahin vermag „Night Academy. Die Begabte“ einfach durch seine sympathischen Charaktere und die interessante Handlungsumgebung zu überzeugen. Die Ereignisse am Ende des Buches sind teilweise vorhersehbar, teilweise etwas zu übertrieben. Das Ende des Buches ist kein echter Cliffhanger, aber es bleiben doch einige Fragen offen, die neugierig auf die Fortsetzung macht.

Mein Fazit:

„Night Academy. Die Begabte“ überzeugt durch seine farbenprächtige Handlungsumgebung und die sympathischen Charaktere, zum Ende hin trägt die Autorin aber etwas zu dick auf, wodurch die Handlung zu übertrieben wirkt.

Veröffentlicht am 15.11.2019

So gut!!!

Nachricht von dir
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Der Klappentext von „Nachricht von dir“ deutet es bereits an: Der neue Musso ist anders. Während der Autor bislang mit seinen gefühlvollen und emotionalen Liebesromanen zu überzeugen vermochte, scheint ...

Der Klappentext von „Nachricht von dir“ deutet es bereits an: Der neue Musso ist anders. Während der Autor bislang mit seinen gefühlvollen und emotionalen Liebesromanen zu überzeugen vermochte, scheint „Nachricht von dir“ nicht mehr allein diesem Genre zuzuordnen zu sein.

Und so ist es auch - das Buch hält, was der Klappentext verspricht: Der neue Musso ist fesselnd, spannend, aufwühlend, überraschend. Einfach irgendwie anders. Natürlich beinhaltet auch dieser Roman eine Liebesgeschichte, aber diese rückt eindeutig in den Hintergrund, ist nur nebensächlich und wird auch nur in Ansätzen verfolgt. Stattdessen liegt der Schwerpunkt des Romans eindeutig auf Krimi- und Thrillerelementen. „Nachricht von dir“ wartet mit einer Handlung auf, die nach dem ersten Drittel des Buches völlig unvermittelt einen Haken schlägt und vom Gewöhnlichen ins Außergewöhnliche wechselt.

Im ersten Teil des Buches wird lediglich beschrieben, wie zwei fremde Menschen durch ein Missgeschick ihre Handys vertauschen und diese dringend wieder haben möchten. Jonathan und Madeline können einfach nicht ohne ihre Handys, sie sind förmlich abhängig von ihnen und auf sie angewiesen. Die beiden Hauptfiguren werden anschaulich beschrieben, aber es fällt zunächst schwer, einen Zugang zu ihnen zu finden, da sie unnahbar und unsympathisch wirken. Der Funke springt einfach nicht über und zudem plätschert die Handlung mehr oder weniger vor sich hin. Es passiert nur sehr wenig in diesem ersten Teil: Der Alltag der beiden Personen wird beschrieben und zugleich ein Blick in Jonathans Vergangenheit geworfen – die Zeit, als er noch ein berühmter Sternekoch war, der mit seinen kreativen Menüs das Herz jedes Gourmets gewann.

Im zweiten Teil des Buches erfährt die Handlung dann eine unerwartete Wendung, die den Leser auf eine völlig andere Spur schickt. Jonathan entdeckt in Madeleines Handy einen passwortgeschützten Ordner. Nach einigen Recherchen und mit einigem Ausprobieren gelingt es ihm, das Passwort zu knacken. Der Ordner enthält eine Vielzahl an unterschiedlichen Dateien: Texte, Videos, Bilder. Und ihr Inhalt ist erschreckend. Und zugleich extrem spannend. Das Buch wird nun temporeicher und vor allem: fesselnd. Die Figuren werden endlich greifbar, die Handlung wird lebendig und ereignisreich, die gestellten Dialoge des ersten Teils geraten in Vergessenheit, weil der Leser nun von unfassbaren Ereignissen gefangen genommen wird.

Ein viele Jahre zurückliegender Mordfall erschüttert das Leben der beiden Protagonisten und bringt sie völlig aus der Bahn. Plötzlich laufen ihre Schicksale nicht mehr nebeneinander her, sondern verbinden sich auf eine hervorragend konstruierte Art und Weise. Ging es beiden zunächst nur darum, ihre Handys wiederzuerlangen, steckt nun viel mehr dahinter und beide erfahren wechselseitig Details über das Leben des Anderen, die ihnen keine Ruhe lassen und sie zu Nachforschungen antreiben, die in unfassbaren Entdeckungen münden.

Guillaume Musso nimmt den Leser mit auf eine Entdeckungsreise in die Vergangenheit der Protagonisten, wobei Ereignisse ihren Lauf nehmen, die man als Leser so definitiv nicht erwartet hätte. Unterstützt wird die spannende Handlung durch den angenehmen Stil des Autors, der das Lesen zu einem Vergnügen macht. Der Stil ist nicht sonderlich anspruchsvoll oder bildreich, dennoch sitzt jedes Wort und Musso lässt die Figuren lebendig werden und gestaltet die Handlung nachvollziehbar und verständlich.

Veröffentlicht am 15.11.2019

Die Erfahrungen eines Gefängnisarztes

Knast
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„Ich bin der Hausarzt von Mördern, Totschlägern, Vergewaltigern, Kinderschändern, Erpressern, Betrügern und Dieben. Ich bin RAF-Terroristen begegnet, Wirtschaftskriminellen, Brandstiftern und Frauen, die ...

„Ich bin der Hausarzt von Mördern, Totschlägern, Vergewaltigern, Kinderschändern, Erpressern, Betrügern und Dieben. Ich bin RAF-Terroristen begegnet, Wirtschaftskriminellen, Brandstiftern und Frauen, die ihr Baby umgebracht haben. Aber auch vielen Eierdieben. Im Knast ist alles echt. Hier stehst du nicht mehr auf Brettern, die die Welt bedeuten. Hier stehst du knöcheltief in der Scheiße, bist konfrontiert mit einer Realität, die dir alles abverlangt.“

Mit dieser knallharten Realität macht Joe Bausch seine Leser vertraut. Er nimmt sie mit auf eine Reise hinter Gittern, lässt sie den Knastalltag kennenlernen. Völlig unverblümt und unbeschönigt beschreibt der Autor, was es heißt, wenn sich hinter einem Menschen eine Tür schließt, die an der Innenseite weder eine Klinke noch ein Schlüsselloch hat. Dem Leser wird vor Augen geführt, wie das Leben im Gefängnis abläuft, wie man dort jegliche Eigenständigkeit abgibt und ein völlig fremdbestimmtes Leben führt. Die Eintönigkeit, das Ausgeliefertsein, die Ungewissheit – die Gefühle eines Gefängnisinsassen übertragen sich direkt auf den Leser. Und das, obwohl der Schreibstil des Autors völlig emotionslos ist. Aber dafür ist er eindringlich und so herrlich direkt.

Joe Bausch beschreibt nicht nur seine Kindheit, in der die ersten Grundsteine für seine spätere Entwicklung gelegt wurden, und seinen eigenen Werdegang, angefangen bei seinem ersten Arbeitstag als Gefängnisarzt. Er widmet sich auch den Entwicklung des Gefängnisses, in dem er seit 25 Jahren arbeitet und in dem er schon alles gesehen und erlebt hat. Auch die Auswirkungen seiner Arbeit auf sein Privatleben werden beschrieben. Dabei ist die Tatsache, dass er direkt neben der JVA wohnt und dadurch sowohl Wachmannschaften als auch Insassen einen guten Blick auf sein Haus haben, noch das geringste Übel.

Der Autor berichtet von harten Jungs, solchen, die es werden wollen und solchen, die nur vorgeben, hart zu sein. Er erzählt von den verschiedensten Typen von Verbrechern, die ihm im Laufe seiner Karriere begegnet sind und beschreibt ihre besonderen Eigenschaften. Er gibt Informationen über Tauschgeschäfte preis, lässt den Leser an gelungenen und gescheiterten Fluchtversuchen teilhaben und erzählt von Menschen, die im Gefängnis zerbrochen sind. Das Leben von Frauen im Knast wird genauso beleuchtet wie das Leben von Frauen außerhalb des Knastes, die ihre Männer für eine Stunde besuchen können. Kurzum: Mit „Knast“ wird der Alltag im Gefängnis greifbar. Bausch sagt, dass dieses Buch keine Autobiographie darstellt. Das tut es auch nicht. Aber dafür es ist eine Biographie der JVA Werl, ihrer Insassen und ihrer Mitarbeiter..

Das Buch ist durchweg sehr allgemein gehalten. Zwar erzählt der Autor auch von einigen bestimmten Beispielen und konkreten Fällen, die dann fettgedruckt sind und sich dadurch vom eigentlichen Text unterscheiden. Aber es sind nur eine Handvoll Fälle, die so konkret erzählt werden. Diese sind zudem schon recht alt, stammen hauptsächlich aus den siebziger oder achtziger Jahren. Zum Großteil enthält das Buch Verallgemeinerungen und Zusammenfassungen vieler Erlebnisse und Erfahrungen des Autors.

Mein Fazit:

Mit „Knast“ wird der Alltag in der JVA Werl lebendig und greifbar – Bausch erzählt unverblümt und direkt von seinen Erfahrungen als Gefängnisarzt.

Veröffentlicht am 15.11.2019

schöner Schmöker

Schiff der tausend Träume
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Obwohl das Buch den Titel „Schiff der tausend Träume“ trägt, spielen nur die ersten 50 Seiten des Romans auf der Titanic. Der Leser erfährt dennoch einiges über dieses beeindruckende Schiff und die Beweggründe ...

Obwohl das Buch den Titel „Schiff der tausend Träume“ trägt, spielen nur die ersten 50 Seiten des Romans auf der Titanic. Der Leser erfährt dennoch einiges über dieses beeindruckende Schiff und die Beweggründe der Passagiere, an der Jungfernfahrt teilzunehmen. Für manche ist es pure Abenteuerlust, für andere hingegen die letzte Hoffnung, aus ihrem alten Leben zu entfliehen und einen Neuanfang zu wagen. Eindringlich und anschaulich beschreibt Leah Fleming die Klassenunterschiede der Passagiere, die sich auch an Bord der Titanic deutlich zeigen, zum Beispiel in den unterschiedlichen Unterkünften oder am Kleidungsstil der Menschen. Die Katastrophe des Untergangs ist ebenfalls sehr eindringlich beschrieben. Die Verzweiflung und Angst der Passagiere wird für den Leser greifbar und es fühlt sich so an, als stecke er mittendrin in diesen schrecklichen Geschehnissen.

May und Celeste werden von Beginn an sehr lebendig beschrieben und auf diesen beiden Frauen liegt eindeutig das Hauptaugenmerk der Autorin. Den Nebenfiguren widmet sie sich auch recht umfassend, aber es wird schnell klar, dass das Schicksal dieser beiden Frauen im Vordergrund steht. May sucht nach der Beerdigung ihrer Mutter zusammen mit Mann und Kind einen Neuanfang, Celeste hingegen reist an Bord der Titanic, um zu ihrem Sohn und ihrem brutalen Ehemann zurückzukehren. Der Untergang des Schiffes führt die beiden jungen Frauen zusammen und zwischen ihnen entwickelt sich eine wunderbare Freundschaft. Ihre Wege trennen sich nach kurzer Zeit wieder, aber über die Laufe der Jahre bleiben sie in ständigem Briefkontakt. Diese wechselseitigen Briefe sind im Buch abgedruckt und teilweise bestehen die kurzen Kapitel allein aus diesen Briefen, die die Handlung vorantreiben.

Im Verlauf des Buches entwickelt die Handlung viele Nebenstränge, die die Autorin verfolgt und dem Buch so eine gewisse Breite und Tiefe verleiht. Celestes Ehemann, ihr Sohn, ein Pfarrer, ein Italiener – sie alle spielen für die Entwicklung des Buches eine Rolle und werden in die Handlung einbezogen. Oft findet mit jedem neuen Kapitel ein Sprung zu einem anderen Handlungsstrang statt, aber es fällt dennoch leicht, der Geschichte zu folgen.

„Schiff der tausend Träume“ ist zwar ein sehr umfangreicher Schmöker, lässt sich aber aufgrund des angenehmen Schreibstils der Autorin schnell und leicht weglesen. Die Ausdrucksweise von Leah Fleming ist nicht zu ausgefeilt, sondern für einen Roman passend und angemessen. Dazu kommt, dass die Handlung sehr abwechslungsreich ist und ständig etwas passiert, sodass so gut wie keine Längen aufkommen. Nachteilig ist dadurch aber, dass sich die Autorin für manche Ereignisse zu wenig Zeit nimmt und diese zu schnell abhandelt, wodurch der Roman stellenweise etwas oberflächlich wirkt. Das Buch nimmt im Jahr 1912 seinen Lauf und die Ereignisse des Ersten Weltkrieges werden nur mit wenigen Worten erwähnt. Dafür nimmt sich die Autorin jedoch viel Zeit für die Schicksale ihrer Figuren. „Schiff der tausend Träume“ ist ein Entwicklungsroman, bei dem die Charaktere im Vordergrund stehen und ihr Leben über viele Jahre hinweg verfolgt wird. Manche Entwicklungen sind vorhersehbar, andere kommen völlig unerwartet. Durchweg bleibt das Interesse des Lesers an den Einzelschicksalen geweckt, sodass der Roman gute Unterhaltung bietet.

Mein Fazit:

Ein handlungsreicher Schmöker, bei dem die Entwicklung der zahlreichen Figuren im Vordergrund steht.

Veröffentlicht am 15.11.2019

Tiefgründig!

Das verborgene Haus
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„Das verborgene Haus“ ist ein enorm melancholischer und wehmütiger Roman. Die Ehe zwischen Viola und Axel kann kaum noch als liebevoll oder schön bezeichnet werden. Die Stimmung zwischen den beiden ist ...

„Das verborgene Haus“ ist ein enorm melancholischer und wehmütiger Roman. Die Ehe zwischen Viola und Axel kann kaum noch als liebevoll oder schön bezeichnet werden. Die Stimmung zwischen den beiden ist durchweg gereizt und angespannt, was hauptsächlich an den scheinbar unkontrollierbaren Wutausbrüchen von Axel liegt. Die beiden Ehepartner gehen kaum noch zärtlich miteinander um, haben sich voneinander entfernt und bringen nur noch wenig Geduld oder Interesse für den anderen auf. Dabei wird für den Leser nicht deutlich, warum vor allem Axel sich so unangebracht verhält. Zwar wird erklärt, dass er vor nicht allzu langer Zeit unter einer schweren Krankheit litt, aber diese wird nicht genauer beschrieben und es wird nicht deutlich, warum sich diese so auf seine Gemütsfassung ausgewirkt hat. Der Urlaub in dem schwedischen Sommerhaus erscheint wie ein letzter Ausweg der beiden, um ihre Ehe zu retten. Es macht nicht viel Spaß, die beiden zusammen zu erleben und zu beobachten. Die Stimmung, die von der Ehe der beiden ausgeht, ist sehr bedrückend und unschön, wenig hoffnungsvoll und überträgt sich direkt auf die Gemütsfassung des Lesers.

Axels Mutter befindet sich in einem Pflegeheim in der Nähe des Sommerhauses, wo sie wegen ihrer fortgeschrittenen Demenz behandelt wird. Axel und Viola besuchen sie am zweiten Tag ihres Urlaubs und erneut kommt es zu Spannungen und Problemen zwischen den beiden, da Viola es nicht aushält, sich in der Nähe ihrer Schwiegermutter aufzuhalten, deren Leid sie sehr mitnimmt und bewegt. Daher läuft sie orientierungslos durch das Pflegeheim, bis sie auf eine andere Heimbewohnerin – die neunzigjährige Lea – trifft und in ihrer Nähe die Zeit vergisst. Lea wirkt mit ihrer offenen und direkten Art sehr beruhigend auf Viola und mit ihr wird sie in den nächsten Tagen sehr viel Zeit verbringen. Lea ist es, die Viola eine Mappe überreicht, in dem sich Erzählungen finden, die auf indirekte Art und Weise sehr viel über Lea und ihre Erfahrungen und Erlebnisse als Missionarin in China berichten. Auch diese Erzählungen sind traurig und bewegend und sorgen zusätzlich für die bedrückende Grundstimmung des Buches. Dennoch lesen sie sich sehr interessant und machen einen wesentlichen Teil des Romans aus.

Als Viola schließlich von einem Arzt zum Ausgang des labyrinthartigen Pflegeheims geführt wird und Axel die beiden zusammen sieht, hegt er ab sofort den Verdacht, seine Frau habe eine Affäre mit diesem Arzt. Die Stimmung ist von nun an noch gereizter und hoffnungsloser und Viola zieht sich immer mehr zurück, sehnt sich immer mehr nach den Mut und Kraft gebenden Worten Leas und entfernt sich immer mehr von ihrem Mann.

Es fällt sehr schwer, als Leser eine Beziehung zu den Figuren des Buches aufzubauen. Axel wirkt mit seiner unbeherrschten Art von Anfang an unsympathisch und unnahbar. Aber auch Violas Verhalten ist nicht immer nachvollziehbar und stößt auf Bedenken. Sicherlich lernt sie im Verlauf des Buches viel über sich selbst und entwickelt sich auch weiter, aber dennoch bleibt sie dem Leser zum größten Teil fremd.

„Das verborgene Haus“ ist ein sehr intelligenter und tiefgründiger Roman, bei dem man stellenweise zwischen den Zeilen lesen muss und die Charakterisierung der Figuren eher durch ihr Verhalten erfolgt als durch Beschreibungen der Autorin. Das ist sicher der Erzählperspektive geschuldet, passt aber auch einfach zur Stimmung und Grundaussage des Buches. Der Schreibstil der Autorin ist recht anspruchsvoll, wodurch ihr neuestes Werk kein seichter Roman, sondern anspruchsvolle Literatur ist.

Mein Fazit:

Ein tiefgründiger und intelligenter Roman, dessen melancholische und wehmütige Grundstimmung sich direkt auf den Leser überträgt.