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Veröffentlicht am 12.10.2019

Habe die Liebe etwas vermisst

Josh & Emma: Soundtrack einer Liebe (Band 1)
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Zwei Welten prallen aufeinander, als die schüchterne und brave Emma auf den erfolgreichen Musik-Star Joshua trifft. Da Emma sich überhaupt nicht für Musik interessiert, erkennt sie den Star, der vor ihr ...

Zwei Welten prallen aufeinander, als die schüchterne und brave Emma auf den erfolgreichen Musik-Star Joshua trifft. Da Emma sich überhaupt nicht für Musik interessiert, erkennt sie den Star, der vor ihr steht, auch nicht. Umso echter ist die Liebe, die sich zwischen den beiden entwickelt, denn sie entspringt keiner Schwärmerei eines Fan-Girls. Doch Josh ist viel unterwegs, Emma ist viel allein. Außerdem hat sie bereits Pläne für die Zukunft. Soll sie diese aufgeben? Für Josh? Und ist Emma überhaupt gut genug für so einen Star?

Als Teenager habe ich für den ein oder anderen Star geschwärmt und von einer Beziehung mit so einer Berühmtheit geträumt. :wink: Wie diese hätte aussehen können, beschreibt Sina Müller in ihrem Debüt "Josh & Emma. Soundtrack einer Liebe". Dabei konzentriert sie sich voll auf die Gedanken- und Gefühlswelt ihrer weiblichen Hauptperson Emma, die als Ich-Erzählerin auftritt. Aber durch viele Dialoge, in denen auch Josh über seine Gefühle spricht, wird er ebenso bildhaft gezeichnet. Auch die Nebencharaktere, wie zum Beispiel Joshs Bandkollegen oder Sinas Mutter, konnten mich überzeugen. Was nicht heißt, dass sie mir alle sympathisch waren. Gerade Emmas Mutter war total anstrengend. Aber Sina Müller hat ihnen allen ein Gesicht gegeben und sie authentisch dargestellt.

Emma war aber leider eine Figur, deren Verhalten ich nicht immer nachvollziehen konnte. Sie ist sehr sprunghaft, verhält sich teilweise sehr unreif und kindisch und handelt unlogisch. Vielleicht liegt dieser Eindruck auch daran, dass die Autorin sich in manchen Szenen nicht tiefgründig genug mit ihren Charakteren auseinandergesetzt hat und die Handlung dadurch zu oberflächlich bleibt. Einige Entscheidungen und Reaktionen konnte ich jedenfalls nicht nachvollziehen und habe stellenweise den Kopf über Emma geschüttelt. Vor allem ihre Eifersuchtsszenen waren mir zu viel.

Josh dagegen mochte ich total. Er tut alles für Emma und gibt sich so viel Mühe mit ihr. Er ist lieb, rücksichtsvoll, verständnisvoll. In der Öffentlichkeit spielt er den Gute-Laune-Menschen, er flirtet mit seinen Fans, er steht gerne im Rampenlicht. Wenn er mit Emma allein ist, zeigt er Gefühle, macht sich angreifbar, zeigt sich verletztlich. Das hat mir total gut gefallen. Es wäre übertrieben, zu sagen, dass Josh zwei Seiten oder zwei Gesichter hat. Ich würde vielmehr sagen, er spielt seine Rolle perfekt. Er ist immer Josh, immer authentisch. Nur passt er sich seiner Umgebung an.

Mein wohl größter Kritikpunkt ist, dass Josh und Emma sich viel zu schnell ineinander verlieben. Ich habe das Kribbeln vermisst, habe keine Schmetterlinge im Bauch gespürt. Dabei sind es gerade diese Szenen, bei denen die Spannung zwischen den Charakteren fast schon mit den Händen zu greifen ist, die ich an diesem Genre "Young Adult" so liebe. Hier geht aber leider alles sehr schnell, es sprühen keine Funken, es flattern keine Schmetterlinge. Der erste Kuss "passiert" schon nach nicht einmal 30 Seiten. Das ging mir eindeutig zu schnell. Und dadurch war die Liebe der beiden für mich auch nur schwer nachvollziehbar. Klar, verknallt hat man sich schnell. Aber das Kribbeln fehlte mir einfach. Auch im weiteren Verlauf des Buches fehlten mir einfach die Szenen, in denen man sich völlig im Buch verliert, weil das, was man da gerade liest, so schön und herzerwärmend ist. Ich brauche keinen Kitsch, aber ich brauche Gefühle, die sich direkt auf den Leser übertragen. Die haben mir hier eindeutig gefehlt.

Gut fand ich dafür, wie Sina Müller die Schattenseiten der Beziehung zwischen Emma und Josh dargestellt hat. Damit meine ich nicht Emmas Quängeleien und Eifersüchteleien, sondern vielmehr die Tatsache, dass beide vor der Wahl stehen, ihren jeweiligen Partner glücklich zu machen oder sich selbst, die eigenen Träume und Wünsche, aufzugeben. Beide erbringen Opfer für die Beziehung, aber beide kommen irgendwann auch an einen Punkt, an dem es so nicht weitergehen kann. Während mir also die positiven Gefühle etwas gefehlt haben, hat die Autorin die negativen und komplizierten Emotionen dagegen sehr gut dargestellt.

In einigen Rezensionen habe ich gelesen, dass andere Leser mit dem Ende des Buches nicht zufrieden waren. Dem kann ich mich nicht anschließen. In meinen Augen ist das Ende sehr stimmig, auch wenn sich natürlich darüber streiten lässt. Ich kann nachvollziehen, dass manche Leser sich ein anderes Ende gewünscht hätten. Für mich war es so genau richtig. Und da die Fortsetzung des Buches im Frühjahr 2015 erscheinen soll, weiß man auch, dass dieses Ende nicht das wirkliche Ende ist. :wink:

Zu Beginn jedes neuen Kapitels finden sich übrigens Songtexte verschiedener Musiker und Bands. Die meisten davon sind mir bislang unbekannt, ich werde aber mal recherchieren, ob da nicht die ein oder andere hörenswerte Neuentdeckung für mich dabei ist.

Mein Fazit

Während der Soundtrack des Buches deutlich zu hören war, habe ich die Liebe doch etwas vermisst.

Veröffentlicht am 12.10.2019

Toller Humor!

Lockwood & Co. - Der Wispernde Schädel
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Mit seiner Reihe um die jungen Geisterjäger Lucy, Lockwood und George hat Jonathan Stroud eine Geschichte kreiert, die es schafft, junge und erwachsene Leser gleichermaßen in ihren Bann zu ziehen. Was ...

Mit seiner Reihe um die jungen Geisterjäger Lucy, Lockwood und George hat Jonathan Stroud eine Geschichte kreiert, die es schafft, junge und erwachsene Leser gleichermaßen in ihren Bann zu ziehen. Was mir besonders gut gefällt, ist die besondere Mischung aus spannender Handlung, liebenswerten Charakteren und tollem Humor. Auch in diesem zweiten Band gelingt es dem Autor, mich gefangen zu nehmen, mich in ein London zu entführen, in dem unheimliche Gestalten ihr Unwesen treiben, um mir jedes Mal einen Schauer über die Haut zu jagen, wenn es besonders spukhaft wird.

Wobei ich sagen muss, dass mich der Fall, den die jungen Agenten in diesem zweiten Band zu lösen hatten, nicht durchweg fesseln konnte. Sicherlich ist die Handlung kogisch durchdacht und gut konstruiert, aber zwischendurch kamen für mich doch einige Längen auf, wenn Lockwood & Co. auf einem Friedhof ihr Nachtlager aufschlagen und der Spuk nur von kurzer Dauer ist. Es gab unheimliche Szenen, aber diese waren doch weitaus seltener und kürzer gestreut als noch in Band 1.

Gut hat mir dagegen gefallen, dass in diesem Buch die Konkurrenz unter den verschiedenen Agenturen deutlich zum Tragen kommt und dem Verhältnis der jungen Geisterjäger Lucy, George und Lockwood untereinander wieder eine große Rolle zuteil wird. Dadurch lernt man die Hauptfiguren noch besser kennen und gerade am Ende, wenn man denkt, endlich hinter die Fassade von Lockwood zu schauen, bricht das Buch ab. Was für ein fieser Cliffhanger. Hoffentlich lässt uns der Verlag nicht zu lange auf den dritten Teil der Reihe warten.

Der Schreibstil von Jonathan Stroud ist gewohnt kurzweilig und herrlich humorvoll. Ich mag es, wie er mich in fantastische Welten entführt und mich die Realität vergessen lässt. Dazu schafft es der Autor, die für die gesamte Reihe wichtige Handlung aus Band 1 aufleben zu lassen und in die Fortsetzung einzubinden, sodass man gut den Anschluss wiederfindet, ohne den Auftakt der Reihe noch einmal lesen zu müssen.

Mein Fazit

Der in dieser Fortsetzung von Lockwood & Co. zu lösende Fall konnte mich nicht ganz überzeugen, dafür habe ich den Humor und die liebenswerten Hauptfiguren umso mehr genossen.

Veröffentlicht am 12.10.2019

Hat mich total umgehauen

WALLBANGER - Ein Nachbar zum Verlieben
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Ich muss ehrlich zugeben, dass ich “Wallbanger” allein vom Cover her wohl niemals gelesen hätte. Und auch der Klappentext hat mir nicht gerade das Gefühl gegeben, dass dieses Buch in mein Beuteschema passt ...

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich “Wallbanger” allein vom Cover her wohl niemals gelesen hätte. Und auch der Klappentext hat mir nicht gerade das Gefühl gegeben, dass dieses Buch in mein Beuteschema passt und ich es unbedingt lesen müsste. Aber dann habe ich doch immer wieder Positives über das Debüt von Alice Clayton gehört und wurde immer neugieriger. Kurzerhand habe ich mir das Buch dann im Original geschnappt (meine Bibliothek hatte das Buch vorrätig, das Risiko war daher nicht besonders groß, falls mir das Buch doch nicht gefallen sollte) – und in einem Rutsch verschlungen. Denn dieses Buch ist einfach so so so gut. Und im Nachhinein bin ich sogar froh darüber, dass der Sieben Verlag das Cover der Originalausgabe übernommen hat.

Ich muss an dieser Stelle deutlich betonen, dass ich “Wallbanger” im Original gelesen habe. Über die Qualität der Übersetzung kann ich daher nichts sagen. Ich hoffe aber, dass es Julia Weisenberger gelungen ist, den grandiosen Erzählstil der Autorin in der Übersetzung beizubehalten. Denn dieser Erzählstil ist es, was für mich den größten Reiz an diesem Buch ausgemacht hat. Alice Clayton versteht es, ihre Leser bei Laune zu halten. Sie erzählt so kurzweilig und unterhaltsam und dabei mit so einem niveauvollen und feinfühligen Humor, dass es einfach eine wahre Freude ist. Ich habe so oft gelacht und vor mich hin gekichert, hatte so viel Spaß beim Lesen des Buches, es war einfach herrlich. Caro, die weibliche Hauptperson, ist eine wundervolle Erzählerin, ihre Gedanken und Kommentare fand ich großartig und ich mochte ihre kesse Art, die in den Gesprächen mit ihren Freundinnen oder ihrer Chefin deutlich wird.

Aber noch großartiger waren ihre Schlagabtäusche mit Simon, der männlichen Hauptperson. Die beiden liegen genau auf einer Wellenlänge und es war einfach nur ein großer Spaß und ein großes Vergnügen, sie zusammen zu beobachten. Nicht nur ihre Dialoge waren so unterhaltsam, wenn sie sich kesse Sprüche nur so um die Ohren werfen. Dazu gab es auch Kapitel, die allein aus SMS bestehen. Diese waren so kreativ und witzig. Ich hab so gelacht. Es war einfach wundervoll. Ich kann meine Begeisterung dafür hier gerade gar nicht so richtig in Worte fassen. Ich hoffe, ihr lasst euch trotzdem ein wenig davon anstecken und lest dieses Buch selbst, denn es ist einfach großartig.

Natürlich dauert es seine Zeit, bis es zu diesen großartigen Dialogen und Flirts zwischen Caro und Simon kommt. Denn am Anfang des Buches ist Caro so gar nicht begeistert von ihrem Nachbarn. Kein Wunder, wenn er sie auch regelmäßig mit seinem nächtlichen “Wallbanging” weckt. :wink: Aber schnell entwickelt sich ein wundervolles Katz-und-Maus-Spiel zwischen den beiden. Und dabei habe ich mich in die beiden Figuren verliebt. Caro ist so wundervoll schlagfertig, so herrlich unterhaltsam, einfach so liebenswert. Ich hätte sie sehr gerne zur Freundin. Und Simon ist der perfekte Gegenpart für Caro mit seiner rotzfrechen Art und seinem Humor und … hach, er ist einfach toll. :love:

Übrigens fand ich nicht nur Caro und Simon ganz wundervoll gezeichnet und habe sie auf Anhieb in mein Herz geschlossen, auch alle anderen Charaktere in diesem Buch fand ich einfach klasse. Caros beste Freundinnen und Simons beste Kumpel, sogar Clive – Caros Katze – habe ich geliebt, obwohl ich Katzen normalerweise überhaupt nicht mag und definitiv ein Hundemensch bin. Aber hier war einfach alles so perfekt.

Natürlich ist in diesem Buch nicht alles Friede-Freude-Eierkuchen. Neben dem vielen Flirten und den frechen Sprüchen gibt es auch ernste Szenen, die mich stellenweise wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt haben. Denn ich war für eine Weile in einer anderen Welt, auf Wolke 7, habe zusammen mit Caro und Simon alles um mich herum vergessen. Bis der Moment kam, an dem die Seifenblase geplatzt ist und Caro und ich unsanft zurück in die Realität geholt wurden. Auslöser dafür war Simon, mit einer Kleinigkeit hat er eine gewisse Ernsthaftigkeit in das Buch gebracht, die diesem aber auch ganz gut tut. Es geht hier nicht wirklich um großes Drama, die Charaktere haben keine schlimme Vergangenheit, die sie bewältigen und verarbeiten müssen. Aber dennoch kommt irgendwann der Moment, wo der ganze Humor, der ganze Spaß einfach umschlägt und die Figuren auch mit schwierigen Situationen klarkommen müssen.

Neben den vielen “Young Adult”- und “New Adult”-Büchern, die ich sonst hauptsächlich lese, war es übrigens sehr erfrischend, es hier mit Charakteren zu tun zu haben, die etwas reifer sind. :wink:

Nur eine Kleinigkeit hat mich gestört: Caro spricht von Zeit zu Zeit mit sich selbst, mit den unteren Regionen ihres Körpers, mit ihrem Herzen, mit ihrem Verstand. Ein wenig habe ich mich da an die “innere Göttin” der Ana von “Shades of Grey” erinnert … Mit diesen Szenen konnte ich nicht besonders viel anfagen.

Mein Fazit

Ich hätte es niemals gedacht, aber dieses Buch hat mich total umgehauen und ich freue mich darauf, noch mehr von Alice Clayton zu lesen. :love:

Veröffentlicht am 12.10.2019

Emotionale Lektüre

Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe
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Zac liebt Statistiken und Zahlen. Er beschäftigt sich mit Wahrscheinlichkeiten: der Wahrscheinlichkeit, mit einem Würfel eine 3 zu würfeln; der Wahrscheinlichkeit, mit zwei Würfeln zweimal eine 3 zu würfeln; ...

Zac liebt Statistiken und Zahlen. Er beschäftigt sich mit Wahrscheinlichkeiten: der Wahrscheinlichkeit, mit einem Würfel eine 3 zu würfeln; der Wahrscheinlichkeit, mit zwei Würfeln zweimal eine 3 zu würfeln; der Wahrscheinlichkeit, dass ein 32-jähriger Mann überlebt, dem ein Hirntumor entfernt wurde und dessen Krebs nach acht Monaten zurückgekehrt ist. Zac klammert sich an Fakten. So fällt es ihm leichter, mit seiner Krebserkrankung umzugehen. Zac redet nichts schön, dafür hat er zu viel durchgemacht. Schonungslos beschreibt er die Begleiterscheinungen seiner Krankheit. Er macht keinen Hehl daraus, dass er seinen Schließmuskel nach der Chemotherapie nicht unter Kontrolle hat und dass er sich fühlt wie ein Kleinkind mit Schamhaar. Und genau das macht dieses Buch so authentisch. Denn wenn man mitten drin steckt in der Scheiße, hilft keine Schönmalerei.

Während Zac sich mit Statistiken ablenkt und sich intensiv mit seiner Krebserkrankung auseinandersetzt, fährt Mia eine ganz andere Strategie: Sie zieht sich zurück, geht ihren Freundinnen aus dem Weg und hält lediglich ihren Facebook-Status aktuell. Dort tut sie so, als wäre alles in Ordnung, als wäre sie nur wegen eines gebrochenen Fußes im Krankenhaus.

Zac und Mia könnten unterschiedlicher nicht sein, und doch entwickelt sich etwas ganz Wundervolles zwischen ihnen. Viel passiert zwischen den Zeilen, Zac und Mia sind beide keine Ich-Erzähler, die sich viel mit ihren Gefühlen beschäftigen. Und so merkt man fast gar nicht, wie sie sich immer weiter annähern. Und wie auch ich als Leser mich ihnen immer weiter annähere. Denn am Anfang hatte ich meine Schwierigkeiten mit den beiden. Sie sind beide sehr speziell, reden einfach drauflos und aus irgendeinem Grund war da ständig eine Distanz zwischen ihnen und mir. Ich kann es gar nicht richtig beschreiben, aber es hat einfach nicht von Anfang an gepasst. Zum Glück kam dann jedoch irgendwann der Punkt, wo es einfach Klick gemacht hat. Und ab diesem Moment habe ich total mit den beiden Charakteren mitgefiebert und mitgelitten. Denn “Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe” ist defintiv kein schönes Buch. Es ist traurig und es ist unfair. Inbesondere die Wut von Mia hat sich während des Lesens auf mich übertragen. Und doch hat mich das Ende versöhnt und ich konnte die letzte Seite zufrieden umblättern.

“Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe” erzählt vom wahren und vom echten Leben. Es erzählt von Angst, von Hoffnungslosigkeit, von Wut und von Trauer. Aber es erzählt auch davon, wie sich zwei junge Menschen gegenseitig einfach nur guttun können. Wie Zac durch Mia endlich aufhört, sich hinter seinen Zahlen zu verstecken und anfängt, in die Wirklichkeit zurückzukehren. Und wie Mia lernt, ihr Schicksal zu akzeptieren, wie sie anfängt, das Glück um sie herum endlich wahrzunehmen und wie sie endlich beginnt, zu kämpfen.

Die Aufmachung des Buches ist einfach wundervoll. Der Schutzumschlag ist so schlicht und doch so wunderschön gestaltet. Das Buch selbst ist in drei Teile unterteilt, die “Zac”, “und” und “Mia” heißen. Dementsprechend kommt im ersten Teil nur Zac als Ich-Erzähler zu Wort, im zweiten Teil wechseln sich Zac und Mia mit dem Erzählen ab und im dritten Teil kommt nur (fast) Mia zu Wort. Ich finde es toll, was sich die Autorin hier überlegt hat.

Mein Fazit

“Die Unwahrscheinlichkeit von Liebe” ist nicht einfach nur ein weiteres Krebs-Buch, sondern eine sehr bewegende und emotionale Lektüre.

Veröffentlicht am 12.10.2019

Konnte mich überzeugen

Zwischen zwei Fenstern
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So ziemlich jedes Buch des Königskinder Verlags steht mittlerweile auf meiner Wunschliste, auch die Bücher aus dem neuen Frühjahrsprogramm sind dort schon vermerkt. Denn nachdem ich mit “Zwischen zwei ...

So ziemlich jedes Buch des Königskinder Verlags steht mittlerweile auf meiner Wunschliste, auch die Bücher aus dem neuen Frühjahrsprogramm sind dort schon vermerkt. Denn nachdem ich mit “Zwischen zwei Fenstern” mein erstes Buch dieses Verlags gelesen habe, weiß ich, dass sie alle wahre Schätze sein müssen und ich sie unbedingt lesen und in mein Regal stellen muss.

“Zwischen zwei Fenstern” war keine einfache, dafür aber eine außergewöhnliche Lektüre. Sprachlich hat mich Dianne Touchell total getroffen, aber ihre Erzählweise bzw. die Erzählweise der beiden Hauptcharaktere ist sehr anspruchsvoll. Schnörkellos berichten das Nachbarmädchen und der Nachbarjunge von ihrem Alltag, von ihrem verkorksten Leben, den Streitereien ihrer Eltern. Fast unbewusst malen sie dabei mit Worten Bilder und verstecken so viel zwischen den Zeilen. Man muss sich Zeit nehmen für dieses Büchlein. Es liest sich nicht mal eben schnell weg. Man muss sich einlassen auf die feinen Töne, die zarte Poesie. Man muss bewusst lesen, Wort für Wort, und sich auf den eindrucksstarken Stil einstellen.

So anspruchsvoll das Buch vom Erzählstil her ist, so anders als gewöhnlich ist sein Inhalt: “Zwischen zwei Fenstern” erzählt von zwei jungen Menschen, die auf der Flucht vor der Realität sind, die allein sind in ihren lauten Familien, die das echte Leben endlich spüren wollen, die sich lebendig fühlen wollen, die das ganze Buch hindurch kein Wort miteinander sprechen und doch zwischen zwei Fenstern so viel miteinander teilen.

Nur anhand der Kapitelaufmachung lässt sich erkennen, welcher der beiden Ich-Erzähler den Leser gerade an seinen Gedanken teilhaben lässt. Der Nachbarjunge leitet seine Erzählungen durch Zitate aus Büchern ein, während das Nachbarmädchen fünfsilbige Überschriften findet, die zu ihrem jeweiligen Erzählteil passen. Dabei ist das Nachbarmädchen eine wahnsinnig gute Zuhörerin. Sie hört die leisen Töne aus den Sätzen der Menschen heraus, erkennt den wahren Unterton. Der Nachbarjunge dagegen ist der perfekte Beobachter. Er liest die Körpersprache des Menschen und schaut dadurch hinter die Fassade. Er nimmt das Weinglas seiner Mutter war, das diese hinter den Vorhängen versteckt. Er beobachtet, wie sein Vater den Dackel auf die Mutter abrichtet. Er beobachtet seine Mitschülerinnen, mit denen er nicht viel anfangen kann. Und schließlich beobachtet er das Nachbarmädchen. Und er verliebt sich in sie. Ganz einfach, und ohne Zweifel. Es gibt in diesem Buch keine Schmetterlinge und keine rosaroten Wolken. Die Liebe zwischen den beiden Charakteren ist ganz einfach da, ist ganz selbstverständlich, steht unweigerlich einfach fest.

Die Figuren, die Dianne Touchell entwickelt hat, sind unglaublich komplex und tiefgründig. Es lässt sich so viel in diesem Buch interpretieren und durchleuchten. Obwohl es nur gut 250 Seiten hat, ist es doch so voller Inhalt. Es lässt sich kaum in Worte fassen, wovon dieses Buch erzählt. Das solltet ihr am besten selbst erlesen. Es ist ein ruhiges Buch, hier gibt es keine spannende oder actionreiche Handlung. Im Vordergrund stehen einzig und allein der Nachbarjunge und das Nachbarmädchen und ihre Gedanken und Geschichten, die sie zu erzählen haben. Nicht immer ist die Lektüre einfach, denn das Nachbarmädchen leidet an einer psychischen Erkrankung, die sie dazu bringt, sich die Haare auszureißen. Nicht einzeln. Sondern büschelweise. Diese Szenen haben mich sehr stark getroffen. Aber es gibt auch schöne Szenen, hoffnungsvolle Szenen.

Die Gestaltung des Buches ist einfach wundervoll und so ist “Zwischen zwei Fenstern” nicht nur inhaltlich, sondern auch äußerlich ein wahrer Schatz.

Mein Fazit

Dianne Touchells Debüt “Zwischen zwei Fenstern” ist nicht immer eine einfache Lektüre gewesen, konnte mich aber insgesamt begeistern und vor allem vom Königskinder Verlag überzeugen.