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Veröffentlicht am 02.05.2022

Spaziergang über eine Gedankenlawine

Verbrechen
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Was mich am meisten an Schirachs Bücher fesselt, ist seine geniale Erzwählweise. Ruhig. Sachlich. Präzise. Diese drei Schlagwörter fallen mir auf Anhieb ein, müsste ich ihn genauer beschreiben.

Ferdinand ...

Was mich am meisten an Schirachs Bücher fesselt, ist seine geniale Erzwählweise. Ruhig. Sachlich. Präzise. Diese drei Schlagwörter fallen mir auf Anhieb ein, müsste ich ihn genauer beschreiben.

Ferdinand von Schirach ist mittlerweile ein gern gesehener Gast in meinem Bücherregal und auch seine elf Kurzgeschichten in dem Buch "Verbrechen" haben mich wieder begeistern können.
In den elf Geschichten werden dem Leser verschiedene Straftaten vorgestellt. Dabei kommt er immer wieder auf die Thematik "Schuld" zu sprechen- direkt oder auch indirekt. "Die meisten Dinge sind kompliziert, und mit der Schuld ist es so eine Sache." Bereits im Vorwort wird der Leser auf die Grauzonen hingewiesen, in der Strafverbrechen begangen werden. Schirach erzählt seine eigenen Einblicke in der Ich-Perspektive gegen Ende jeder Geschichte, nachdem die Sachlage zuerst erläutert wurde und der "Schuldige" zur Genüge präsentiert wurde. Dabei scheut er nicht vor Abscheulichkeiten zurück, sondern schreibt die Dinge nieder, wie sie sind.
Und das finale Urteil? Das bildet sich der Leser oft selber. Und genau das Liebe ich so sehr an seinen Büchern. All die Dinge, die nicht direkt gesagt worden sind, sondern die Sätze, die dem Leser zwischen den Zeilen überbracht werden und ihn zum Nachdenken förmlich zwingen. Der Begriff Kopfkino ist hier schon fast wörtlich zu verstehen.

Schirachs Werke haben mich bisher alle fasziniert und ich freue mich auf jedes weitere seiner Werke. Eine klare Leseempfehlung von mir, für die es 5 von 5 Sternen verliehen gibt.

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Veröffentlicht am 27.04.2022

"TV-Serien-Gefühle" vermittelt das Buch

Crave
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Tracy Wolff's Auftakt einer Fantasyreihe scheint man derzeit nicht entkommen zu können.

Als Grace aufgrund eines Unfalltods ihrer Eltern nach Alaska zu ihrem Onkel umziehen muss, der dort Schulleiter ...

Tracy Wolff's Auftakt einer Fantasyreihe scheint man derzeit nicht entkommen zu können.

Als Grace aufgrund eines Unfalltods ihrer Eltern nach Alaska zu ihrem Onkel umziehen muss, der dort Schulleiter eines renommierten Internats ist, hätte sie sich nicht erträumen können, auf was für ein Abenteuer sie sich wappnen muss. Zwischen Schneeballschlachten und verstimmten Mitschülern versucht sie mit der Hilfe ihrer Cousine Macy sich an der Katmere Academy zurecht zu finden. Würde nur nicht immer dieser unverschämte Jaxon Vega auftauchen, der ihr Herz gefährlich zum stottern bringt...



Vorab bin ich an dieses Buch völlig meinungslos hingegangen und habe versucht, keine anderen Rezensionen vor dem Lesebeginn anzuschauen. Und ich bin sehr froh darum.
Crave zeichnet sich für mich vor allem durch den humorvollen, übertriebenen Schreibstil aus. Graces Charakter war übertrieben naiv stellenweise, aber genau das war das unterhaltsame. Klischeehafte Sätze, Erwähnungen aktueller Bands, witzige Kapitelüberschriften oder sogar „Twilight Bücher“- Beim Lesen habe ich mich stellenweise gefühlt, als würde man eine klassische Sitcom im Fernseher anschauen und sich einfach berieseln lassen.
Mit seinen knapp 700 Seiten ist es wahrlich keine leichte Lektüre, aber dennoch eignet sich der Schreibstil und auch die gesamte Geschichte für zwischendurch. Gerade wenn man sich wieder nach einem seichteren Fantasyroman sehnt.

Die Handlung selber ist schlüssig aufgebaut und viele Gegebenheiten und Orte werden ausführlich beschrieben. Aus der Sicht von Grace werden die einzelnen Kapitel erzählt. Aber es gibt einen Bonusanhang mit einigen Kapiteln aus Jaxon's Sicht. Gerade diese übertriebenen Eigenschaften der einzelnen Personen war im Zusammenhang mit dem Buch wieder sehr passend. Graces Naivität wäre mir vielleicht an jeder anderen Stelle zu anstrengend, aber in Crave passt es dann doch sehr gut hinein zu der humorvollen Handlung.
Zwar hätte ich persönlich ein paar Kapitel aus der Sicht von Jaxon favorisiert, aber so bleibt nun mal gedanklich mehr zum Träumen übrig.

Insgesamt hat mich das Buch gut unterhalten. Aufgrund des Cliffhangers ist man quasi dazu genötigt, gleich die Fortsetzung zu lesen, aber für kurze Zeit gehört Jaxon Vega noch in meine Träume, bevor er auf den nächsten Buchseiten wieder für eine kurze Zeit real sein darf. 4 von 5 Sternen für diese spannende und unterhaltsame Vampir-Geschichte.

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Veröffentlicht am 25.04.2022

Spannende Dystopie!

Gelöscht
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Der erste Band von Teri Terry's Erfolgstriologie "Gelöscht" würde ich am ehesten als "ewige SuB-Leiche" bezeichnen. Zumindest mein Bücherregal würde dem zustimmen, wenn es reden könnte….

Aber wie habe ...

Der erste Band von Teri Terry's Erfolgstriologie "Gelöscht" würde ich am ehesten als "ewige SuB-Leiche" bezeichnen. Zumindest mein Bücherregal würde dem zustimmen, wenn es reden könnte….

Aber wie habe ich es geschafft, dieses wunderbare Buch nicht viel früher zu lesen?
Falls es noch jemanden so ergeht, dann seht das als Zeichen und lest es! Sofort!

Der Einstieg in die Geschichte fällt dem Leser sehr leicht. Kyla Davis wurde "geslated". Ihre Vergangenheit wurde aus ihrem Gedächtnis gelöscht und ihr wird die Chance auf ein neues Leben gegeben. Eine weiße Leinwand. Doch was ist, wenn diese angebliche weiße Leinwand bereits Farbspritzer aufgetragen hat? Bruchstücke ihrer Vergangenheit suchen sie heim und werfen dabei immer weitere Fragen auf. Warum wurde sie geslated? War sie eine Verbrecherin, wie die Regierung behauptet? Warum kann sie sich an Einzelheiten ihrer Vergangenheit erinnern?

Der Leser kann zu Beginn mitfiebern, was es mit Kyla's Vergangenheit auf sich hat. Die Geschichte verläuft nicht geradlinig, sondern es werden viele spannende Momente eingebaut. Die Charaktere bauen erst im Laufe des Buches ihre Erscheinung vollends auf, sodass man deren Entwicklung mit jeder Seite mitverfolgen kann. In der Geschichte werden immer wieder Rückblicke in Form von Träumen eingestreut, womit der Spannungspegel immer sehr gut erhalten bleibt.

Also wer mal wieder Lust auf eine spannende Dystopie hat, dem kann ich "Gelöscht" nur ans Herz legen. Ich meinerseits muss jetzt nur noch schauen, dass ich schnell an die Folgebände komme…. 4,5 von 5 Sternen verleihe ich derweil dem Buch!

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Veröffentlicht am 09.04.2022

Abweichung der traditionellen Rollenbilder

What if we Stay
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Im zweiten Teil der "What if"-Reihe der Autorin Sarah Sprinz wird die Geschichte der Architekturstudenten Amber Gills und Emmett Sorichetti erzählt. Auf den ersten Blick könnten die beiden nicht unterschiedlicher ...

Im zweiten Teil der "What if"-Reihe der Autorin Sarah Sprinz wird die Geschichte der Architekturstudenten Amber Gills und Emmett Sorichetti erzählt. Auf den ersten Blick könnten die beiden nicht unterschiedlicher sein, aber die Liebe findet nun mal die verrücktesten Wege.

Bereits im ersten Buch der Triologie werden Amber und Emmett vorgestellt, allerdings dort nur als Nebendarsteller. Umso mehr freut es mich, dass die beiden nun ihre eigene Geschichte erzählt bekommen. Wie bereits bei "What if we drown" habe ich mir auch hier ein paar Kapitel aus Emmetts Sicht gewünscht. Die komplette Geschichte wird aus Ambers Sichtweise geschildert und dieser kleine Stilbruch hätte für mich die Geschichte an einigen Stellen gelockert. Der Schreibstil der Autorin ist sehr angenehm und lässt sich leicht lesen, auch wenn es um einen Mal etwas turbulenter zugeht.
Was mir besonders gefallen hat, ist der Bruch in den klischeehaften Rollenbildern. Der weibliche Part feiert hier exzessiv und durchlebt ein erfühltes Sexleben, währenddessen der männliche Counterpart eher der schüchterne, ruhige Part verkörpert. Diese Abweichung der traditionellen Rollenbilder wirkt so dermaßen natürlich, wie man es sich auch in der realen Gesellschaft wünscht. Den es ist vollkommen okay so zu sein, wie ihr nun mal seid. Ob Partymaus oder "Nerd". Und gerade das wird hier sehr schön vermittelt.

Ich hatte mit "What if we stay" ein paar schöne Lesestunden und war definitiv eine schöne Geschichte für zwischendurch. Ideale Snackbeilagenempfehlung: M & M's . Auf den dritten Teil der Reihe freue ich mich bereits, aber da die Bücher an sich schon als eigene Geschichte agieren, ist es kein Muss, die Reihe zeitnah weiterzulesen, bevor man die vorherige Handlung vergisst. Insgesamt gibt es 4 von 5 Sternen von mir.

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Veröffentlicht am 02.04.2022

Wenn das Multiversum eine Bibliothek wäre

Die Mitternachtsbibliothek
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Was wäre, wenn...
Was wäre, wenn du alles sein kannst, was du je sein wolltest?
Wenn du jedes Leben könntest, eines als Sportlerin, Architektin, Weingutbesitzerin oder sogar als Gletscherforscherin ? Wenn ...

Was wäre, wenn...
Was wäre, wenn du alles sein kannst, was du je sein wolltest?
Wenn du jedes Leben könntest, eines als Sportlerin, Architektin, Weingutbesitzerin oder sogar als Gletscherforscherin ? Wenn alle Möglichkeiten dir offen stehen, welches dieser unendlichen Leben würdest du wählen?

Vor genau dieser Entscheidung steht Nora Seed. Eine junge Frau, in deren Leben alles aussichtslos scheint und sie nur noch einen Ausweg sieht. Aber das Leben hat eine andere Vorstellung geplant. Sie endet an einem Ort zwischen Leben und Tod, der Mitternachtsbibliothek. Dort kann sie zwischen allen Leben wählen, die sie sich je erträumt hat. Aber welches ist das richtige? Welche Entscheidung ist es wert, korrigiert zu werden und was für Auswirkungen hat sie?

Matt Haigs' Buch die Mitternachtsbibliothek ist bisher mein absolutes Jahreshighlight. Von der ersten Seite an hat dieses Buch mich an sich gefesselt. Der Schreibstil befindet sich auf einer sachlichen, beschreibenden Ebene und vermittelt dennoch so viel zwischen den Zeilen, sodass man während dem Lesen nicht müde wird, sich mit elementaren Lebensfragen auseinanderzusetzen. Wie würden wir an Nora Seed's Stelle reagieren und agieren? Welche Entscheidung würden wir ändern?
Die vermittelte Botschaft, ein Leben muss man leben, wird auf eine schöne Weise vermittelt. Und es werden so viele schöne Buchzitate erwähnt, sodass ich endlich wieder meine Post-Its herausholen konnte.

Ein lebensbejahendes Buch mit so vielen Denkanstößen, sodass ich dieses Buch nur jeden ans Herz legen kann. Mein einziger Kritikpunkt: Ich hab es viel zu lange ungelesen im Schrank liegen gehabt. Eine kleine Reue, die ich an einem Ort wie der Mitternachtsbibliothek sofort ändern würde. Definitiv nicht mein letztes Buch von herr Haig und für diese traumhaften Lesestunden vergebe ich 5 von 5 Goldsterne.

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