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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.05.2025

Projekt Zaugg

Wut und Liebe
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Eigentlich bin ich im Krimigenre beheimatet. Aber zur Abwechslung lese ich auch sehr gerne einen Roman. Wobei ich mich dann unweigerlich frage, was uns der Roman mit auf den Weg geben will. Manchmal vielleicht ...

Eigentlich bin ich im Krimigenre beheimatet. Aber zur Abwechslung lese ich auch sehr gerne einen Roman. Wobei ich mich dann unweigerlich frage, was uns der Roman mit auf den Weg geben will. Manchmal vielleicht nichts, da es sich um einen Wohlfühlroman handelt. Doch ein Wohlfühlroman ist Wut und Liebe trotz der sehr leichten Schreibweise nicht. Also, was für eine Geschichte will uns Suter erzählen?

Einer der prägnantesten Sätze ist „Ich liebe dich, aber nicht das Leben mit dir“. Dies sagt Camilla zu Noah. So trifft sie eine sehr rationale Entscheidung und verlässt Noah. Sie will ein Leben ohne finanzielle Sorgen und nicht den mittellosen Künstler Noah durchfüttern. Dieser wiederum liebt Camilla, will sie zurück und braucht dafür Erfolg bzw. Geld. Dieses Geld könnte er durch ein unmoralisches Angebot seiner Zufallsbekanntschaft Betty bekommen. Bei ihr sitzt der Hass auf den Geschäftspartner ihres verstorbenen Mannes tief. Und sie kann sich vorstellen, für seinen Tod zu bezahlen.

Die anfänglich gestellt Frage, ob man auch arm glücklich sein kann, wird aus den Augen verloren. Stattdessen rückt nun in den Mittelpunkt, wie weit man für die Liebe bereit ist zu gehen und ob man für sie morden würde. Oder auch wie tief Hass und Rachegedanken sitzen können.

Alle drei Hauptpersonen werden vor moralische Fragen gestellt. Ihre jeweilige Motivation ist vielleicht rational erklärbar. Aber um die daraus folgende Entscheidung und Handeln zu verstehen, hätte es mehr Tiefe bedurft. Mir sind die Charaktere zu blass geblieben, um ihr bedenkliches Handeln nachvollziehen zu können.

Der Plot-Twist war gut vorbereitet, aber für mich nicht wirklich überraschend. Eigentlich habe ich auf eine Auflösung in diese Richtung gewartet.

Fazit: gute Unterhaltung im besten Sinne. Die aufgeworfenen Fragen sind interessant, aber die Geschichte selbst und die Charaktere sind zu seicht und oberflächlich.

Veröffentlicht am 06.05.2025

Gabriels Rückkehr

Wie Risse in der Erde
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„Der Farmer ist tot …“. Damit beginnt das Buch und nimmt das Ende bereits vorweg. Oder doch nicht?

Was folgt, ist eine Reise voller bittersüßer Erinnerungen und tiefer Gefühle. Die Geschichte entfaltet ...

„Der Farmer ist tot …“. Damit beginnt das Buch und nimmt das Ende bereits vorweg. Oder doch nicht?

Was folgt, ist eine Reise voller bittersüßer Erinnerungen und tiefer Gefühle. Die Geschichte entfaltet sich mit beeindruckender Intensität und greift verschiedene Facetten der Liebe auf. Die Zeitsprünge verstärken die Spannung und lassen uns eintauchen in das „Damals“, als sich Beth und Gabriel kennenlernten, und das „Jetzt“, in dem Gabriels Rückkehr alles verändert und das Leben von Beth ordentlich durcheinandergewirbelt wird.

Durch die Rückkehr von Gabriel brechen bei Beth alte verschüttete Gefühle wieder auf. Trotz ihrer inneren Konflikte kann sie sich der Anziehung von ihm nicht entziehen. Kurzzeitig kann sie in ein Leben eintauchen, was sie mit ihm vielleicht hätte führen können. Doch die unausweichlichen Konsequenzen dieses gefährlichen Spiels liegen in der Luft.

Durch die kurzen Kapitel, die von einem Prozess berichten, wissen wir, dass es hier keine Happy End geben wird. Gekonnt wird offengelassen, wer hier eigentlich vor Gericht steht und welcher Tat er beschuldigt wird.

Dieser Roman ist kraftvoll und mitreißend. Eine Vielzahl an Gefühlen begegnet dem Leser. Nicht nur die Liebe. Auch Begehren, Lust, Schmerz, Leid oder Vergebung. Er erzählt von Schicksalsschlägen und ihren feinen und dennoch tiefen Spuren. Gibt uns aber auch die Hoffnung, dass die Wunden heilen können.

Veröffentlicht am 23.04.2025

Alles hat seinen Preis

Ein ungezähmtes Tier
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Wir kennen bereits das Finale, ein Raubüberfall auf einen Juwelier in Genf. Und wir sind sogar bei der Ausführung der Tat dabei. Aber wir wissen nicht, wie der Raub ausgeht, wer ihn begeht, ob die Täter ...

Wir kennen bereits das Finale, ein Raubüberfall auf einen Juwelier in Genf. Und wir sind sogar bei der Ausführung der Tat dabei. Aber wir wissen nicht, wie der Raub ausgeht, wer ihn begeht, ob die Täter entkommen können oder das Motiv für die Tat.

Auf diese Reise nimmt uns der Autor mit. Einem Countdown ähnlich werden die Geschehnisse der letzten 20 Tage vor dem Raubüberfall beleuchtet. Hierbei stehen die beiden Ehepaare Braun und Liègan im Mittelpunkt. Das Schicksal der vier Personen ist eng miteinander verwoben. Da sie aber aus unterschiedlichen wirtschaftlichen Verhältnissen kommen, ist es nicht frei von Neid, Missgunst oder auch Besessenheit. Doch im weiteren Verlauf stellt sich die Frage, ob diese scheinbar schöne Welt und das Leben wirklich so begehrenswert sind.

Ein Blick hinter die Kulissen und auch immer wieder in die Vergangenheit der beiden Ehepaare bringt uns die Protagonisten näher. Je näher wir dem Raubüberfall kommen, umso mehr zeigen sich deutliche Risse in der Fassade, wovor auch Geld nicht schützen kann. Fast jeder hat etwas zu verbergen und die Geheimnisse beeinflussen den weiteren Verlauf.

Joel Dicker bedient sich zeitlicher Sprünge in der Erzählperspektive. Dies macht den Roman abwechslungsreich und lebendig. Die Erzählung ist minutiös geplant und dafür muss man Joel Dicker Respekt zollen. Hier ist nichts dem Zufall überlassen. Er weiß das Netz der Verwicklungen geschickt auszulegen. Aber die Handlungsstränge geben nur so viel preis, dass wir vom wirklichen Ausgang noch überrascht werden.

Fazit: ein Roman mit Krimielementen, der sich leicht lesen lässt. Doch ich habe mich zum Schluss gefragt, ob uns das Buch auch eine Message mitgeben möchte oder nur unterhalten will. Und definitiv gibt es von Joel Dicker bereits Bücher, die deutlich komplexer und wendungsreicher sind.

Veröffentlicht am 22.04.2025

Die Moorvilla

Für Polina
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Ich bin hin und her gerissen. Ist dieses Buch meisterlich und gekonnt komponiert oder hat der Autor zu viel gewollt? Ist die Geschichte um Hannes berührend oder langatmig und schwerfällig? Darauf muss ...

Ich bin hin und her gerissen. Ist dieses Buch meisterlich und gekonnt komponiert oder hat der Autor zu viel gewollt? Ist die Geschichte um Hannes berührend oder langatmig und schwerfällig? Darauf muss jeder für sich persönlich eine Antwort finden.

Auf jeden Fall ist es eine Liebesgeschichte voller Hoffnung und dem Glauben an die Kraft der Musik. Man wünscht Hannes ein Happy End und das er sein Glück in die Hand nimmt. Das er aus seiner Lethargie erwacht und nicht das Leben an sich vorbeiziehen lässt.

Doch die Grundstimmung fand ich sehr getragen, schwerfällig und melancholisch. Mitunter fand ich es anstrengend zu lesen und ich brauchte eine Pause. Es hätte etwas mitreisender und emotionaler sein können. Aber gegen Ende hat es mich doch noch gepackt und wie eine warme Decke umhüllt.

Fazit: eine zeitlose Geschichte, die auch vor 50 Jahren spielen könnte.

Veröffentlicht am 15.04.2025

Raus aus der Platte

Achtzehnter Stock
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Wanda ist alleinerziehende Mutter, lebt in einem Hochhaus und hat einen Traum. Sie will mehr vom Leben. Sie will sich selbst verwirklichen. Sie will raus aus der Platte. Raus aus dem dreckigen, versifften, ...

Wanda ist alleinerziehende Mutter, lebt in einem Hochhaus und hat einen Traum. Sie will mehr vom Leben. Sie will sich selbst verwirklichen. Sie will raus aus der Platte. Raus aus dem dreckigen, versifften, lauten Hochhaus. Sie will ein besseres Leben für sich und ihre Tochter Karlie. Doch als alleinerziehende und liebende Mutter muss Wanda jeden Tag neu kämpfen. Denn mit einem fünfjährigen Kind sind die Tage nicht immer gleich und planbar.

Sie ist eigentlich Schauspielerin, doch keiner glaubt an sie. Auch nicht, als sie endlich die lang ersehnte Chance bekommt und eine Rolle ergattern kann. Sie kann in die Welt der Reichen hineinschnuppern und endlich ihren Traum leben. Dabei muss sie Karlie jedoch immer wieder im Stich lassen und sieht sich vor der Schwierigkeit, ihren Traum und ihre Tochter miteinander zu vereinbaren.

Natürlich kann man sagen, dass es sehr unterwahrscheinlich ist, dass jemand aus diesem Milieu eine große Rolle bekommt. Für mich steht es aber dafür, an seinem Traum festzuhalten und sich nicht von äußeren Umständen beeinflussen zu lassen. Und die Unterschiedlichkeit der beiden Welten prallt hier aufeinander. Es mag klischeehaft sein, aber die Oberflächlichkeit der Schauspielwelt halte ich trotzdem für real. Heute gefeiert und ein Star, morgen schon wieder vergessen. Doch macht Geld allein glücklich? So muss Wanda feststellen, dass die Platte mehr ist, als sie dachte. Denn ein Zuhause kann man mit Geld alleine nicht kaufen.

Der Roman ist schonungslos, direkt und ehrlich, aber trotzdem leicht zu lesen. In nur zwei Tagen hatte ich das Buch durch. Die Autorin gibt Personen ein Gesicht, die am Rande der Gesellschaft stehen und sonst keine Beachtung finden.

Fazit: man ist mehr als der eigene Wohnort und die Herkunft vermuten lässt