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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.07.2026

Zu geradlinig für einen echten Pageturner

Schlafende Vulkane
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Dass Michael Hjorth einer der beiden Autoren des Buches ist, war das Zünglein an der Waage, sich dafür zu interessieren. Und auch die ersten Seiten waren vielversprechend. Der fesselnde Einstieg um den ...

Dass Michael Hjorth einer der beiden Autoren des Buches ist, war das Zünglein an der Waage, sich dafür zu interessieren. Und auch die ersten Seiten waren vielversprechend. Der fesselnde Einstieg um den verschwundenen Kristoffer, den Sohn der ermordet aufgefundenen Frau im Reitstall, warf eine ganze Reihe von Fragen auf. Ging es doch nicht nur um polizeiliche Ermittlungsarbeit, sondern auch um die Ungewissheit um den Verbleib von Kristoffer. Dies erzeugte genau die Art von Spannung, die neugierig machte und mich zum Weiterlesen animierte.

Besonders gut gefallen hat mir außerdem, dass die junge Ermittlerin Helga hier ihren ersten Fall als Leiterin übernehmen muss. Ihre Selbstzweifel und ihre Unsicherheit wirken authentisch und nachvollziehbar. Gerade weil sie nicht als perfekte Ermittlerin dargestellt wird, sondern menschliche Fehler macht und manchmal Entscheidungen trifft, die nicht immer völlig durchdacht erscheinen, gewinnt sie an Glaubwürdigkeit.

Neben Helga ist Bjarki eine der Hauptpersonen. Eigentlich arbeitet er bei der Verkehrspolizei und ist auch zufrieden damit, kann das Ermittlerteam hier aber von außen unterstützen. Beide zeichnen sich durch ihren hohen Einsatz und ihr großes Engagement aus. Ihre unterschiedlichen Charaktere und Arbeitsweisen ergänzen sich und erweisen sich als Vorteil bei den Ermittlungen.

Das Buch bietet kurze, abwechselnde Kapitel. Sie sind aus Sicht verschiedener an der Ermittlung beteiligter Personen geschrieben, sodass hier zum einen die Ermittlungsarbeit klar im Vordergrund steht, zum anderen ein hoher Lesefluss entsteht. Die schnelle Lesbarkeit war aufgrund des Umfangs des Printbuches eine positive Überraschung.

So vielversprechend der Krimi begonnen hat, verlor er leider im weiteren Verlauf an Spannung. Den Aufbau würde ich daher als klassisch und handwerklich überzeugend beschreiben, aber auch als vorhersehbar. Mit jedem Opfer bzw. potenziellen Opfer kommt man dem Täter ein Stück näher, bis es zum großen Showdown kommt. Allerdings bleibt die Ermittlung insgesamt recht geradlinig. Sie verläuft nahezu ohne größere Rückschläge und echte Überraschungen. Raffinierte falsche Fährten sucht man vergeblich. Auch Motiv und gesellschaftlicher Hintergrund des Täters wirken eher stereotyp, auch wenn sie durchaus realitätsnah sein mögen. Mit diesem Aufbau kann man nichts falsch machen, aber den Leser auch nicht besonders fesseln.

Fazit: Insgesamt ist dies ein solider Krimi mit einer in sich schlüssigen Handlung. Beim Spannungsaufbau ist noch deutlich Luft nach oben. Ein Weiterverfolgen der Reihe lohnt eher wegen der Hauptprotagonisten und deren Entwicklung.

Veröffentlicht am 14.07.2026

so flüchtig wie ein Sommertag

Mirabellentage
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Mirabellentage bietet kurzweilige und leichte Unterhaltung, ohne aber länger nachzuwirken. Der Roman erzählt von der Haushälterin Anna, die viele Jahre an der Seite des Dorfpfarrers Josef im beschaulichen ...

Mirabellentage bietet kurzweilige und leichte Unterhaltung, ohne aber länger nachzuwirken. Der Roman erzählt von der Haushälterin Anna, die viele Jahre an der Seite des Dorfpfarrers Josef im beschaulichen Blumfeld verbracht hat. Sie scheint wenige Ansprüche zu haben und ist mit ihrem Leben zufrieden. Als gute Seele des Dorfes hat sie unter anderem die Seniorengruppe und die Stuhlgymnastik ins Leben gerufen und sorgt mit ihren Aktivitäten für eine funktionierende Dorfgemeinschaft. Trotzdem hält sie sich im Hintergrund und ist eine eher bescheidene Frau.

In Rückblenden werden ihr Leben und Wirken anschaulich und lebendig beschrieben. Die ein oder andere kuriose Geschichte zum Schmunzeln darf dabei nicht fehlen. Ob dieser Humor den persönlichen Geschmack trifft, bleibt jedoch Ansichtssache.

So reizvoll das Landleben auch sein mag, so idealisiert wirkt es hier. Nicht nur, dass jeder jeden kennt, auch wirken Infrastruktur und Vereinsleben nahezu vollständig vorhanden, von der Fahrschule über den Blumenladen bis zum Schützenverein. Ein großer Zusammenhalt und Gemeinschaftssinn prägen das Dorfleben, wodurch das Bild eines beinahe perfekten ländlichen Idylls entsteht.

Nach Josefs Tod sieht sich Anna plötzlich mit einer unsicheren Zukunft konfrontiert. Sie beginnt sich zu fragen, welchen Platz sie im Pfarrhaus und im Dorfleben zukünftig haben wird und ob sie weiterhin gebraucht wird. Hier klingt zwar das Thema Neuanfang an und verleiht der Geschichte etwas Tiefe, bleibt für meinen Geschmack jedoch zu diffus und kurz angerissen.

Fazit: Insgesamt ein netter Wohlfühlroman mit liebenswerten Figuren und ländlicher Atmosphäre. Eine kleine Auszeit vom Alltag, die zwar keine großen Überraschungen bietet, aber mit ihrem warmherzigen Ton überzeugt. So leicht sich der Roman lesen lässt, so leicht ist er aber auch wieder vergessen.

Veröffentlicht am 10.07.2026

Festhalten oder loslassen?

Weißer Sommer
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In diesem Sommer entscheidet sich, ob Alma und Theo eine gemeinsame Zukunft haben. Dafür treffen sie sich in dem Haus von Almas Eltern in Frankreich, wo ihre gemeinsame Liebe begann. Aber bevor diese Frage ...

In diesem Sommer entscheidet sich, ob Alma und Theo eine gemeinsame Zukunft haben. Dafür treffen sie sich in dem Haus von Almas Eltern in Frankreich, wo ihre gemeinsame Liebe begann. Aber bevor diese Frage geklärt werden kann, blickt der Roman auf ihr Kennenlernen und ihren gemeinsamen Weg zurück.

Alma steht kurz vor dem Abschluss ihres Journalismusstudiums, ihre Leidenschaft aber gilt der Malerei. Zunehmend hinterfragt sie, welchen Weg sie einschlagen möchte, welche Chancen und Möglichkeiten sie noch hat. Sie möchte sich ausprobieren und nichts verpassen.
Theo hingegen hat scheinbar seinen Platz bereits gefunden, denn er arbeitet im Betrieb seines Vaters. Durch Alma beginnt auch in ihm etwas zu arbeiten. Doch Schritt für Schritt gerät er dabei auf die schiefe Bahn.

Obwohl deutlich wird, wie sehr sie einander lieben, eine große Vertrautheit und Nähe herrscht, entwickeln sie sich doch ganz unterschiedlich. So begleitet der Roman ihre Liebe durch Höhen und Tiefen, wobei diese zunehmend unter Druck gerät. Dies ist schmerzhaft zu beobachten, vor allem, da es so schleichend passiert und kein nachvollziehbarer Grund vorzuliegen scheint. Hinzu kommt, dass ihre unterschiedlichen gesellschaftlichen Hintergründe die Beziehung zusätzlich belasten. Dennoch spürt man den Wunsch von Alma und Theo, dass sie eine gemeinsame Zukunft haben.

Die Geschichte lebt vor allem von ihren sehr bildhaften und feinfühligen Beschreibungen. Die Autorin zeichnet die Beziehung zwischen Alma und Theo mit großer Sensibilität nach. Die Vertrautheit und Nähe zwischen den beiden sind jederzeit spürbar. Gleichzeitig liegt über der Geschichte ein melancholischer, nachdenklicher Unterton. Allerdings ist die Erzählweise sehr introspektiv. So hatte ich spätestens nach der Hälfte das Gefühl, dass nun alle Gedanken gedacht sind, die Gefühle und gemeinsamen Erlebnisse erzählt und sich die Autorin verstärkt dem Fortschritt der Handlung zuwenden könnte. Dies war nicht der Fall, wodurch für mich das Buch über weite Strecken sehr schwermütig wirkte.

Fazit: Inhaltlich hätte ich dem Buch durchaus 4 Sterne gegeben, da die behandelten Themen relevant, sensibel und überzeugend umgesetzt sind. Vom eigentlichen Leseerlebnis her reicht es für mich jedoch eher für 3 Sterne, da mir etwas mehr aktive Handlung und Leichtigkeit gefehlt haben. Letztlich liegt das aber auch daran, dass die angesprochenen Themen mich momentan nicht so stark abholen. Dennoch ist es ein feinfühliger Roman über Liebe, Zukunftsängste und das Erwachsenwerden.

Veröffentlicht am 08.07.2026

Ein Thriller über Verlust

Deine Zeit wird kommen
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Die zentralen Figuren des Buches sind die beiden Ermittler Björling und Johanna. Björling ist leitender Kommissar in Falkenberg, und er betrauert den Tod seiner Frau, die vor einem Jahr an Krebs gestorben ...

Die zentralen Figuren des Buches sind die beiden Ermittler Björling und Johanna. Björling ist leitender Kommissar in Falkenberg, und er betrauert den Tod seiner Frau, die vor einem Jahr an Krebs gestorben ist. Johanna kommt nach Falkenberg, um die Ermittlungen vor Ort zu unterstützen. Auch sie hat Belastendes in ihrer Vergangenheit erlebt, dessen Hintergründe zunächst nur angedeutet werden und sich erst im Verlauf der Handlung allmählich offenbaren. Lediglich Björlings Kollege Hakansson wirkt unbelastet, wobei man über sein Privatleben kaum etwas erfährt.

Zu Beginn empfand ich die starke Fokussierung auf den persönlichen Ballast beider Hauptfiguren als überladen. Dadurch rückte die eigentliche Ermittlung zum Tod eines jungen Mädchens, das in einem Bach gefunden wurde und dessen Identität lange nicht aufgeklärt werden konnte, zu sehr in den Hintergrund. Statt dass der Fall und seine Aufklärung im Zentrum stehen, wirkte er eher wie ein Rahmen, an dem sich die persönliche Entwicklung der Figuren entlangbewegt.

Erzählt wird in mehreren Strängen: Björlings Trauer und sein persönlicher Absturz, Johannas belastete Vergangenheit und natürlich die Ermittlungen selbst. Und obwohl auch aus Perspektive des Opfers erzählt wird und dessen Leiden dadurch erlebbar erscheint, wollte bei mir keine echte Emotion aufkommen. Weder empfand ich den Fall als düster noch als beklemmend oder atmosphärisch. Wobei ich keine Ahnung habe, ob es an der Übersetzung, dem Schreibstil oder mir selber liegt.

Und leider, leider empfand ich die Aufklärung als absolut unzureichend, da insbesondere die Motivation des Täters unklar bleibt. Eine Erklärung, die ich später nachgelesen habe, konnte ich dem Buch selbst nicht entnehmen.

Mir bleibt vor allem das Thema Verlust im Kopf hängen und die vielschichtigen Wege, wie Menschen versuchen, ihn zu bewältigen. In dem Thriller begegnet er uns in unterschiedlichsten Formen, und mehrere Figuren werden damit konfrontiert. So verschieden die Erfahrungen des Verlusts sind, so unterschiedlich zeigen sich auch die Wege, den Schmerz zu bewältigen. Besonders deutlich wird dies bei Björling und Johanna, aber ebenso bei den Angehörigen der Mordopfer, die ebenfalls mit den Folgen kämpfen.

Fazit: Das Buch hinterlässt bei mir einen zwiespältigen Eindruck. Einerseits wagt es sich an große Themen wie Verlust, Trauer und Schuld, andererseits bleibt es als Thriller deutlich hinter meinen Erwartungen zurück.

Veröffentlicht am 18.06.2026

Die Lücke, die sie hinterließ

Weil sie lügt
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Dieses Buch hat mich direkt gepackt. Die Kapitel sind kurz und leicht zu lesen. Sie wechseln sich ab und sind mal aus der Sicht von Anna, der Schwester der verschwundenen Juli, und mal aus Sicht von Katharina, ...

Dieses Buch hat mich direkt gepackt. Die Kapitel sind kurz und leicht zu lesen. Sie wechseln sich ab und sind mal aus der Sicht von Anna, der Schwester der verschwundenen Juli, und mal aus Sicht von Katharina, der Ermittlerin, erzählt. So entsteht ein ausgewogenes Bild zwischen emotionaler Betroffenheit und polizeilicher Ermittlungsarbeit. Beiden Protagonistinnen kommt man hierdurch nah, und sie wirken authentisch.

Besonders interessant ist zudem, dass die Handlung erst eineinhalb Jahre nach Julis Verschwinden einsetzt. Dadurch bleibt im Dunkeln, welche Erkenntnisse die bisherigen Ermittlungen gebracht haben und welche Beweise tatsächlich gegen den Vater von Juli vorliegen. Für die Handlung spielt das allerdings auch nur eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist die dadurch entstandene Familiensituation für Anna, eine Situation, die einen sofort mit ihr mitfühlen lässt. Sie ist eine äußerst starke Persönlichkeit, droht aber an der Last der Verantwortung, den Verdächtigungen der Polizei und dem ungewissen Schicksal ihrer Schwester zu zerbrechen.

Auch der Titel ist perfekt gewählt. Er wirft sofort die Frage auf, wer „sie“ ist? Ständig ging mir dies beim Lesen durch den Kopf, und ich habe versucht herauszufinden, auf wen sich der Titel beziehen könnte. Ist es Anna, oder Katharina, oder jemand Drittes? Wer hat hier etwas zu verbergen? Und hat diese Lüge etwas mit dem Verschwinden von Juli zu tun?

Natürlich hebt sich die Autorin wichtige Sachverhalte bis zum Schluss auf, um uns Leser bis dahin in die Irre führen zu können. Aber der Weg zur Auflösung ist spannend und unvorhersehbar, was durch die Perspektivwechsel verstärkt wird. Der Autorin gelingt es hervorragend, mehrere Personen in ein fragwürdiges Licht zu rücken und suspekt dastehen zu lassen. Es gibt nicht die großen einschneidenden Wendungen, aber die kleinen Aspekte, die bisher geglaubtes Wissen in neues Licht rücken und an vermeintlichen Zusammenhängen zweifeln lassen. Und obwohl ich zwischenzeitlich die richtige Person in Verdacht hatte, dass sie etwas Entscheidendes verbirgt, bin ich später wieder von ihr abgewichen.

Ich bin mit dem Ende und der Auflösung zufrieden, da die ganz großen offenen Fragen aufgeklärt werden. Natürlich hätte man zeitliche Abläufe genauer beschreiben können, um es schlüssiger erscheinen zu lassen. Ich denke jedoch, dass dies zu Lasten der Spannung gegangen wäre.

Fazit: Genauso wünsche ich mir einen Thriller. Kein Blutbad, kein überzeichneter Serienkiller und trotzdem einfach fesselnd und wendungsreich. Man wird als Leser perfekt in die Irre geführt, was mit Juli passiert ist.