Zu geradlinig für einen echten Pageturner
Schlafende VulkaneDass Michael Hjorth einer der beiden Autoren des Buches ist, war das Zünglein an der Waage, sich dafür zu interessieren. Und auch die ersten Seiten waren vielversprechend. Der fesselnde Einstieg um den ...
Dass Michael Hjorth einer der beiden Autoren des Buches ist, war das Zünglein an der Waage, sich dafür zu interessieren. Und auch die ersten Seiten waren vielversprechend. Der fesselnde Einstieg um den verschwundenen Kristoffer, den Sohn der ermordet aufgefundenen Frau im Reitstall, warf eine ganze Reihe von Fragen auf. Ging es doch nicht nur um polizeiliche Ermittlungsarbeit, sondern auch um die Ungewissheit um den Verbleib von Kristoffer. Dies erzeugte genau die Art von Spannung, die neugierig machte und mich zum Weiterlesen animierte.
Besonders gut gefallen hat mir außerdem, dass die junge Ermittlerin Helga hier ihren ersten Fall als Leiterin übernehmen muss. Ihre Selbstzweifel und ihre Unsicherheit wirken authentisch und nachvollziehbar. Gerade weil sie nicht als perfekte Ermittlerin dargestellt wird, sondern menschliche Fehler macht und manchmal Entscheidungen trifft, die nicht immer völlig durchdacht erscheinen, gewinnt sie an Glaubwürdigkeit.
Neben Helga ist Bjarki eine der Hauptpersonen. Eigentlich arbeitet er bei der Verkehrspolizei und ist auch zufrieden damit, kann das Ermittlerteam hier aber von außen unterstützen. Beide zeichnen sich durch ihren hohen Einsatz und ihr großes Engagement aus. Ihre unterschiedlichen Charaktere und Arbeitsweisen ergänzen sich und erweisen sich als Vorteil bei den Ermittlungen.
Das Buch bietet kurze, abwechselnde Kapitel. Sie sind aus Sicht verschiedener an der Ermittlung beteiligter Personen geschrieben, sodass hier zum einen die Ermittlungsarbeit klar im Vordergrund steht, zum anderen ein hoher Lesefluss entsteht. Die schnelle Lesbarkeit war aufgrund des Umfangs des Printbuches eine positive Überraschung.
So vielversprechend der Krimi begonnen hat, verlor er leider im weiteren Verlauf an Spannung. Den Aufbau würde ich daher als klassisch und handwerklich überzeugend beschreiben, aber auch als vorhersehbar. Mit jedem Opfer bzw. potenziellen Opfer kommt man dem Täter ein Stück näher, bis es zum großen Showdown kommt. Allerdings bleibt die Ermittlung insgesamt recht geradlinig. Sie verläuft nahezu ohne größere Rückschläge und echte Überraschungen. Raffinierte falsche Fährten sucht man vergeblich. Auch Motiv und gesellschaftlicher Hintergrund des Täters wirken eher stereotyp, auch wenn sie durchaus realitätsnah sein mögen. Mit diesem Aufbau kann man nichts falsch machen, aber den Leser auch nicht besonders fesseln.
Fazit: Insgesamt ist dies ein solider Krimi mit einer in sich schlüssigen Handlung. Beim Spannungsaufbau ist noch deutlich Luft nach oben. Ein Weiterverfolgen der Reihe lohnt eher wegen der Hauptprotagonisten und deren Entwicklung.