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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.04.2026

Nicht nur im Moor lauern Gefahren

Moorland. Die Zwillinge
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Man stelle sich ein Moor mit seiner unübersichtlichen Fläche und dem tückischen Untergrund vor, wo jeder falsche Schritt fatale Folgen haben kann. Kombiniert mit Kälte, Dunkelheit und Nebel, entsteht ein ...

Man stelle sich ein Moor mit seiner unübersichtlichen Fläche und dem tückischen Untergrund vor, wo jeder falsche Schritt fatale Folgen haben kann. Kombiniert mit Kälte, Dunkelheit und Nebel, entsteht ein tolles Setting für einen Thriller.

Doch dies alleine reicht natürlich nicht aus, um Spannung erzeugen und uns Leser fesseln zu können. Unterstützt wird dies hier durch kurze Kapitel, authentische Bewohner und einen Fall, der immer größer und größer wird. Aber der Reihe nach.

Schon auf den ersten Seiten wird man mitten ins Geschehen und die Gemeinde Moorbach hineingeworfen. Da muss man sich zunächst orientieren und mit den Bewohnern und ihren Beziehungen vertraut machen. Schon hier wird klar, dass nicht jeder mit jedem kann und nicht jeder sympathisch ist. Von forsch und fordernd bis sehr zugewandt ist alles an Charakteren vertreten. So lebt das Buch von den Geheimnissen der Dorfbewohner, von Antipathien und Vertuschung. Da bildet nicht einmal die Kommissarin Malia mit ihrer Familiengeschichte eine Ausnahme.

Der Fall selbst beginnt unblutig und mit einer Suchaktion nach Zwillingen, die spurlos verschwunden sind. Doch als die Ermittlungen in Gang kommen, wird klar, dass mehr dahintersteckt.

Besonders gut hat mir gefallen, wie der Autor den Fall Stück für Stück größer werden lässt. Was zunächst wie ein lokales Drama beginnt, entfaltet sich nach und nach zu einem komplexen Geflecht aus Spuren, Motiven und Verstrickungen. Die Kommissarin stößt dabei mit ihren begrenzten Ressourcen und dem kleinen Team schnell an ihre Grenzen und ist kaum in der Lage, allen Spuren zu folgen und mit den Entwicklungen und Erkenntnissen Schritt zu halten. Die kurzen Kapitel mit den wechselnden Perspektiven unterstützen das Gefühl, dass mehrere Ereignisse parallel stattfinden und die Dynamik und Dringlichkeit zunimmt.

Obwohl zwischenzeitlich verschiedene Personen ein Motiv haben oder sich verdächtig verhalten, hat sich für mich der Täter auf den letzten Seiten doch recht klar und eindeutig abgezeichnet. Wenn ich einen Wermutstropfen nennen müsste, wäre dies der Einzige, der mir bei diesem Buch einfällt.

Fazit: der Autor macht es uns Lesern einfach, in dieses Buch und die packende Ermittlung einzutauchen und es guten Gewissens weiterzuempfehlen.

Veröffentlicht am 16.04.2026

Muttis Wurzeln

Elbland
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Anfangs empfand ich den Schreibstil des Buches etwas gewöhnungsbedürftig. Zwar war die Sprache einfach, klar und schnörkellos, doch die kurzen Sätze ließen den Text stellenweise etwas abgehackt wirken. ...

Anfangs empfand ich den Schreibstil des Buches etwas gewöhnungsbedürftig. Zwar war die Sprache einfach, klar und schnörkellos, doch die kurzen Sätze ließen den Text stellenweise etwas abgehackt wirken. Mit der Zeit empfand ich das aber nicht mehr als störend, eher im Gegenteil. Es wirkte, als würde sich die Autorin ganz bewusst auf das Wesentliche konzentrieren. Und trotz dieser Knappheit entstand eine bildhafte, warme Atmosphäre, die mich sogleich in die Familiengeschichte hineingezogen hat.

Schnell wird klar, dass die einst glückliche Familie auseinandergebrochen ist. Die Eltern sind schon viele Jahre getrennt. Auch die Beziehung der Schwestern Nina und Katja untereinander scheint schwierig zu sein und das Verhältnis zum jeweiligen Elternteil ist angespannt. Der Satz, dass Nina 32 Jahre allein mit der Aufgabe war, „dafür zu sorgen, dass die Mutti ihr Leben erträgt“, ist prägend für das Buch.

Nach und nach legt die Autorin offen, was genau hinter dieser Aufgabe steckt und weshalb sich Nina damit allein gelassen fühlt. Unter der Oberfläche brodelt vieles, vor allem bei Nina selbst. Der Tod der Mutter wird schließlich zum Auslöser, sich mit all dem auseinanderzusetzen, nicht zuletzt, weil Nina einen Zusammenbruch erleidet.

Doch obwohl Nina im Vordergrund steht, blieb sie mir fremd und es fiel mir wirklich schwer, sie zu verstehen. In einem Moment war sie himmelhochjauchzend und im nächsten zu Tode betrübt. Diese emotionale Achterbahnfahrt fand ich mit der Zeit schwierig zu ertragen.
Gerne hätte ich verstanden, was genau zu ihrem Zusammenbruch geführt hat. War das der unerwartete Tod der Mutter? Die Wut auf den Vati und die Schwester oder gar etwas komplett anderes? Warum kann sie die alten Konflikte nicht loslassen, obwohl sie eigentlich ein gutes Leben führt? Und wenn sie auch auf die Mutti wütend ist, warum sucht sie dann nach ihren Wurzeln? Mir hat ihr ambivalente Verhalten sehr zu schaffen gemacht.

Sehr gelungen fand ich hingegen die Verknüpfung von Gegenwart und Vergangenheit, also Ninas eigener Geschichte mit der Lebensgeschichte ihrer Mutter. Besonders die späte Versöhnung mit ihr und das neu gewonnene Verständnis für ihren Charakter, das erst durch Ninas Einblick in die Kindheit und prägenden Erfahrungen der Mutter möglich wird, verleihen dem Buch eine besondere Tiefe.

Fazit: die Geschichte wirkt überzeugend und rund. Die Spuren der Kindheit, die sich im späteren Verhalten widerspiegeln, sind eindrucksvoll dargestellt. Aber mit Nina bin ich leider nicht klargekommen, was mir die Freude an dem Buch genommen hat.

Veröffentlicht am 10.04.2026

solide, aber nicht packend

Schattenmädchen
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Sehr gerne wollte ich der Autorin und ihrer Reihe um die Ermittler Fredrika Storm und Henry Calment eine neue Chance geben. Leider hat es auch der vorliegende Band nicht geschafft, mich wirklich zu überzeugen.

Der ...

Sehr gerne wollte ich der Autorin und ihrer Reihe um die Ermittler Fredrika Storm und Henry Calment eine neue Chance geben. Leider hat es auch der vorliegende Band nicht geschafft, mich wirklich zu überzeugen.

Der Einstieg hingegen gefiel mir sehr gut. Steckt man doch direkt inmitten der Ermittlungen, ohne dass eine lange Vorgeschichte benötigt wird. Die angenehme Kapitellänge lädt dazu ein, noch ein weiteres lesen zu wollen und unterstützen den Lesefluss.

Ebenso sei positiv erwähnt, dass das Buch ohne Blutvergießen und grausame Verbrechen auskommt. Stattdessen steht im Mittelpunkt der Ermittlungen das Verschwinden einer Studentin. Hierbei wird schnell deutlich, wie ernst Fredrika ihren Job nimmt und wie wichtig es ihr ist, diesen Fall zu lösen. Ihr Engagement ist aber nicht nur eine Stärke, sondern gleichzeitig auch eine Schwäche. Im Verlauf des Buches bekommt man immer mehr das Gefühl, dass sie sich verrennt und zu sehr auf einen einzigen Ansatz fixiert ist. Zwar bleibt die Möglichkeit bestehen, dass Fredrika mit ihrer Vermutung richtig liegen könnte, doch über weite Strecken fehlt es an alternativen Ermittlungsansätzen. Dadurch entsteht ein Gefühl von Stillstand und die ausbleibenden neuen Erkenntnisse bremsen die Spannung spürbar aus.

Grundsätzlich lese ich gerne etwas über das Privatleben der Ermittler, da es sie nahbarer macht. Es darf für meinen Geschmack aber nicht zu sehr im Vordergrund stehen und die Krimihandlung unterbrechen. Da sowohl Fredrika als auch Henry mit privaten Problemen zu kämpfen haben, war dieser Aspekt für mich hier etwas zu dominant.

Die Auflösung fand ich im ersten Moment überraschend und dadurch gut gelungen. Doch je länger ich darüber nachdachte, desto mehr Fragen stellten sich mir. Auf den Ablauf, die Planung und Durchführung oder die Motivation wird nicht eingegangen. Es bleibt alleine dem Leser überlassen, eine schlüssige Erklärung zu finden. Schade, das ist mir dann doch zu vage und wenig greifbar.

Das Aufgreifen von realen Begebenheiten an der Universität Lund, ist für mich ein Pluspunkt. Gleichzeitig bin ich unsicher, ob sich dieses reale Vorbild tatsächlich optimal für eine Krimihandlung geeignet hat.

Fazit: ich hätte mir mehr Dynamik in den Ermittlungen gewünscht. Auch die unzureichend erklärte Auflösung ließen die Geschichte hinter ihrem Potenzial zurückbleiben. Für mich bleibt das Buch daher eher durchschnittlich.

Veröffentlicht am 01.04.2026

3 Vögel für Leo

Pina fällt aus
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Die Geschichte um Pina und Leo ist kurzweilig, warmherzig und leicht zu lesen. Mitunter reicht ein Tag aus, um in die Lebenssituation der beiden einzutauchen. Pina hat ihren Alltag auf Leo und seine Bedürfnisse ...

Die Geschichte um Pina und Leo ist kurzweilig, warmherzig und leicht zu lesen. Mitunter reicht ein Tag aus, um in die Lebenssituation der beiden einzutauchen. Pina hat ihren Alltag auf Leo und seine Bedürfnisse ausgerichtet. Denn wenn nicht alles nach Plan läuft, kann Leo damit nicht umgehen und hat Chaos in seinem Kopf. Bis sie plötzlich und unerwartet vor der Herausforderung stehen, dass „die Welt und Leo miteinander klarkommen müssen“. Was so einfach klingt, ist für Leo doch so schwer. Was also tun, wenn nichts mehr ist wie gewohnt und Pina nicht da ist?

Aus der Not machen die Hausbewohner eine Tugend. Und so erleben wir auf den folgenden Seiten, wie sie ihren Alltag umkrempeln, um für Leo da zu sein. Wie sie Stück für Stück herausfinden, was für Leo wichtig ist und wie sein Tag strukturiert sein muss. Wie aus dem Nebeneinanderleben der Hausbewohner ein Miteinander wird.

Die Autorin schafft es, eine äußerst empathische und berührende Geschichte zu erzählen, ohne dabei rührselig zu sein. Ohne erhobenen Zeigefinger oder Anklage holt sie das Thema Inklusion in die Mitte der Gesellschaft. Sie zeigt, dass diese gemeinsam gelingen kann, wenn jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten dazu beiträgt und dass es sich lohnt, sich für seine Mitmenschen zu interessieren und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Dass Inklusion mehr ist als die Möglichkeit der Teilhabe durch staatliche Institutionen und Organisationen, sondern dass sie auch gelebt werden muss und kann. Und dass sie im optimalen Fall keine Last, sondern eine Bereicherung ist.

Fazit: ein einfühlsames Buch mit einem ernsten und wichtigen Thema, welches trotzdem leicht und positiv erzählt wird. Es zeigt, wie Zusammenhalt, Verantwortung und gelebte Inklusion aussehen kann und wie viel gemeinsam möglich ist.

Veröffentlicht am 31.03.2026

An der Wahrheit erstickt

Nordlicht - Das fremde Gesicht
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Der Krimi startet direkt und ohne großes Aufheben mit den Ermittlungen um einen Mord auf einem Pferdegestüt in Deutschland. Nach einem weiteren Mord in Dänemark und erkennbaren Parallelen, werden die Ermittlungen ...

Der Krimi startet direkt und ohne großes Aufheben mit den Ermittlungen um einen Mord auf einem Pferdegestüt in Deutschland. Nach einem weiteren Mord in Dänemark und erkennbaren Parallelen, werden die Ermittlungen in der grenzübergreifenden Sondereinheit GZ Padborg gebündelt.

Das Buch präsentiert sich im weiteren Verkauf als klassischer Krimi im allerbesten Sinne. Er ist ruhig erzählt, klar strukturiert und der Fokus ist auf die Ermittlungsarbeit ausgerichtet. Die einzelnen Schritte werden super herausgearbeitet und sind absolut nachvollziehbar. Die Ermittlungen folgen dabei einer logischen Abfolge, von der Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen den Opfern über die Identifikation möglicher weiterer Gefährdeter bis hin zur Frage nach dem Motiv und darüber abschließend der Identität des Täters.
So konnte man der Aufklärung zu allen Zeiten wunderbar folgen, ohne dass am Ende eine Zusammenfassung nötig wäre, um uns Leser die Zusammenhänge nochmals zu erklären.

Die Geschichte überzeugt weniger durch überraschenden Wendungen, sondern lebt von den vielen kleinen Erkenntnissen und Fortschritten, die sich Stück für Stück zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Spannung schaffte die Autorin durch die kontinuierliche Annäherung an die Wahrheit und das die Identität des Täters auch bis zum Schluss nicht vorhersehbar war.

Ein direkter Vergleich zu anderen Fällen der Reihe ist mir nicht möglich. Ich habe lediglich einen der ersten Bände gelesen, aber keine Erinnerung mehr daran. Dafür bin ich erstaunlich gut mit den Figuren zurechtgekommen. Nur bei Rasmus hatte ich das Gefühl, dass sein Privatleben in früheren Bänden bereits eine größere Rolle gespielt hat. Trotzdem reichten mir die Informationen, die man im vorliegenden Band bekommt, als Hintergrundwissen aus, um seine Rolle und seine Geschichte zu verstehen.

Die ständig wechselnden Schauplätze des Buches machen es manchmal nicht leicht, die Opfer namentlich und örtlich zuzuordnen. Aber die Karte im Einband des Taschenbuches hilft bei der Orientierung und bietet eine schöne Grundlage für die geografische Einordnung der Schauplätze.

Fazit: Insgesamt hat mich dieser Krimi absolut überzeugt. Er zeichnet sich durch einen angenehmen Schreibstil, einen klaren Fokus auf die Ermittlungsarbeit und eine Auflösung aus, die stringent und nachvollziehbar bleibt.