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Veröffentlicht am 02.03.2026

Spezieller Schreibstil mit viel Raum für Interpretationen

Grüne Welle
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Die namenlose Protagonistin fährt nach einem Kinobesuch nach Hause, eine Umleitung und eine falsch gewählte Abzweigung führen sie allerdings aus der Stadt heraus. Es geht immer geradeaus, die Landstraße ...

Die namenlose Protagonistin fährt nach einem Kinobesuch nach Hause, eine Umleitung und eine falsch gewählte Abzweigung führen sie allerdings aus der Stadt heraus. Es geht immer geradeaus, die Landstraße bietet keinen Platz zum Wenden und jede Ampel, an die sie heran fährt, steht auf grün. Sie ist sich sicher, dass ihr Mann sich sorgt, aber sie kann ihn nicht anrufen, denn der Handyakku ist leer und so fährt sie immer weiter und weiter. Je mehr Abstand sie zu ihrem Zuhause hat, umso fokussierter betrachtet sie ihr Leben, doch solange sie fährt, muss sie keine Entscheidungen treffen.

"Grüne Welle" von Esther Schüttpelz ist ein Roman, den ich anfangs etwas sperrig geschrieben fand, erst nach und nach hat der Text seine Anziehungskraft auf mich entfaltet. Die Frau, deren Konzentration sich zunächst nur auf die Fahrtstrecke und einige oberflächliche Erinnerungen richtet, wirkte auf mich recht unpersönlich charakterisiert. Mit der Zeit ist mir aufgegangen, dass dieser emotionsarme Schreibstil wohl den Abstand verdeutlicht, den sie selbst zu ihrer Gefühlswelt hat. Die Gedanken an ihren Mann, dass sie ihn anrufen sollte, dass es ihm nicht gefällt, wenn sie sich monatlich mit einer Freundin zum Kinobesuch trifft, ließen in mir langsam die Ahnung aufsteigen, dass mit dieser Beziehung etwas ganz und gar nicht stimmt. Was mit einer falsch genommenen Abzweigung begann, scheint für die Frau der Weg in die Freiheit zu sein.

Keine der Figuren ist namentlich benannt, es sind die Frau, der Mann, die Freundin der Frau usw. Trotz dieser distanzierten Erzählweise entstand nach und nach ein Bild vor meinem geistigen Auge. Die Selbstreflektion, die zunahm, je weiter die Frau fuhr, hat mich zunehmend gefesselt, doch nach einigen doch recht intensiv empfundenen Einblicken verlor sich meine Verzauberung erneut in Belanglosigkeit und Gefühlskälte. Diese Geschichte bietet viel Raum für Interpretationen der Lesenden und dennoch hatte ich den Eindruck, dass die Handlung gegen Ende hin ein wenig zerfasert, genau wie die Gedanken der Protagonistin. Meinen Geschmack hat die Autorin damit leider nicht so ganz getroffen, auch wenn ich durchaus das Potential des Buches anerkennen möchte.

Fazit: Der unpersönliche Schreibstil gewährte mir einen recht distanzierten Blick auf das Geschehen, einige Sequenzen der Selbsterkenntnis haben zwar leichte Sympathie für die Protagonistin geweckt, dennoch fand ich das Leseerlebnis trotz des ernsten Themas zu oberflächlich gehalten.

Veröffentlicht am 25.02.2026

Mehr Psycho als Thriller

The Exes
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Als Natalie James kennenlernt, glaubt sie, endlich den Richtigen gefunden zu haben, nachdem sie zuvor nur negative Erfahrungen mit Männern gemacht hatte. James ist freundlich, aufmerksam und liebevoll, ...

Als Natalie James kennenlernt, glaubt sie, endlich den Richtigen gefunden zu haben, nachdem sie zuvor nur negative Erfahrungen mit Männern gemacht hatte. James ist freundlich, aufmerksam und liebevoll, die gegenseitige Vereinbarung, sich nicht über die Vergangenheit auszutauschen, scheint das beste Rezept für eine glückliche Ehe zu sein. Das ändert sich allerdings, als James eines Tages die Briefe findet, die Natalie an ihre Ex-Freunde geschrieben hat - denn jeder der Verflossenen ist zum Ende der jeweiligen Beziehung zufällig ums Leben gekommen.....doch waren es wirklich zufällige Unglücke? Und was bedeutet das jetzt für James?

"The Exes" von Leodora Darlington ist eine Geschichte, die sich zwar ganz nett lesen ließ, für mich in Puncto Spannung aber leider nicht gehalten hat, was der Klappentext versprach, nach einem durchaus fesselnden Einstieg hat sich das Ganze dann etwas zähe in die Länge gezogen. Dass keine der Figuren ein wirklicher Sympathieträger war, hat sich meiner Meinung nach nicht unbedingt negativ auf das Leseerlebnis ausgewirkt, allerdings fand ich gerade Natalie leicht verschwommen charakterisiert. Dadurch konnte ich mich ihr weder im positiven noch im negativen Sinne emotional annähern.

Dabei hat die Grundidee durchaus Potential, die Ungewissheit, ob Natalie für den Tod ihrer Ex-Freunde verantwortlich ist, James´ Umgang mit diesem heiklen Thema und die familiären Verstrickungen hätten Stoff für einem fesselnden Thriller geboten, die immer wieder eingefügten Rückblenden in die Vergangenheit haben jedes Mal eine Prise Spannung mit sich gebracht. Die Gegenwart hat sich dann aber eher um die psychischen Belange der Protagonistin gedreht - auch dass hätte zum Nervenkitzel beitragen können, allerdings hatte ich eher den Eindruck, dass sich die Handlung zum Ende hin reichlich verworrenen entwickelt, bis der unübersichtliche Knoten endlich aufgelöst wird.

Fazit: Das Potential dieses Romans ging leider teilweise zwischen langatmigen Kapiteln und schwer überschaubaren Handlungssträngen verloren, wodurch es mir schwer fiel, emotional in die Handlung einzutauchen.

Veröffentlicht am 19.02.2026

Jede Menge Rätsel um ein mystisches Hotel verbinden sich mit einer sanften Romanze zu diesem fesselnden Lesevergnügen

Das White Octopus Hotel
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Die introvertierte Kunstgutachterin Eve Shaw pflegt kaum Umgang mit ihren Kollegen, dass in der Firma über sie getuschelt wird, ist ihr egal. Doch eines Tages taucht in ihrem Büro ein alter Herr auf, der ...

Die introvertierte Kunstgutachterin Eve Shaw pflegt kaum Umgang mit ihren Kollegen, dass in der Firma über sie getuschelt wird, ist ihr egal. Doch eines Tages taucht in ihrem Büro ein alter Herr auf, der hinter Eves abweisende Fassade zu schauen scheint. Er schenkt ihr eine kleine Oktopus-Figur und bittet sie eindringlich, in das Hotel zurück zu kehren. Eves Recherche zu der Figur, die verblüffend genau ihrem wandernden Tattoo gleicht, führt sie zu jeder Menge Gerüchten, die sich um das seit vielen Jahren geschlossene White Octopus Hotel ranken. Gegenstände aus dem Haus sollen angeblich magische Kräfte besitzen, ein Zimmerschlüssel verspricht, in die Vergangenheit zu führen. Als Eve beschließt, sich das verfallene Hotel selbst anzusehen, ahnt sie noch nicht, wie eng dessen Geschichte mit ihrem eigenen Leben verknüpft ist.

"Das White Octopus Hotel" von Alexandra Bell ist eine spannenden Geschichte mit mystischem Hintergrund, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat. Eve, die auf ihre Mitmenschen sicher reichlich unterkühlt wirkt, war mir direkt sympathisch, es war schmerzhaft spürbar, welche seelischen Narben der frühe Tod ihrer Schwester hinterlassen hat. Obwohl sie selbst noch ein kleines Mädchen war, haben es die Eltern in ihrer Trauer verpasst, der kleinen Eve emotional beizustehen. So nagen die Schuldgefühle ein Vierteljahrhundert später immer noch an ihr, die Möglichkeit in die Vergangenheit des Hotels zu reisen bietet Eve die einmalige Chance, den Unfall ihrer Schwester ungeschehen zu machen. Allerdings muss sie dafür nicht nur ein Blatt des magischen Hotelbriefpapiers finden, sondern auch die zarten Gefühle für den Komponisten Max Everly unterdrücken - denn wenn sie Bellas Tod verhindert, wird sie Max nie gekannt haben.

Der mitreißende Schreibstil hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt, ich mochte den E-Reader zwischenzeitlich kaum aus der Hand legen und war emotional tief in der Handlung versunken. Die Geheimnisse um das Hotel und den häufig abgebildeten weißen Oktopus mit der einen schwarzen Tentakelspitze fand ich sehr atmosphärisch umgesetzt, der Roman hat mich ständig zum mit rätseln animiert. Stellenweise glaubte ich beinahe, die Musik von Max Everly im Ohr zu haben, die Eve in ihrem einsamen Leben vor der Entdeckung des Hotels bereits so sehr geliebt hat. Das wunderbare Ende hat mich zufrieden zurück gelassen, der einzige Grund für mich, in der Bewertung nicht die Höchstpunktzahl zu vergeben, ist die Tatsache, dass schlussendlich zwar fast alle offenen Fragen beantwortet wurden, meine Neugier sich aber noch umfassendere Hintergrundinformationen gewünscht hätte. Für diese romantisch-mystische Geschichte spreche ich dennoch eine begeisterte Leseempfehlung aus.

Fazit: Ein mystisches Hotel bietet den Hintergrund für jede Menge Rätsel und eine sanfte Romanze in der Vergangenheit. Mich hat die Geschichte von Anfang bis Ende gefesselt und begeistert, diesen Roman empfehle ich gern weiter.

Veröffentlicht am 16.02.2026

Fesselnd und erotisch, die Protagonistin blieb allerdings weiterhin blass

Until the Light destroys
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Noch immer sucht Xara nach Antworten, ist sie wirklich die Wiedergeburt der manipulativen Ksaryna, deren Erinnerungen sie in ihrem Träumen sieht? Nachdem Juraj plötzlich verschwunden ist, weiß sie nicht, ...

Noch immer sucht Xara nach Antworten, ist sie wirklich die Wiedergeburt der manipulativen Ksaryna, deren Erinnerungen sie in ihrem Träumen sieht? Nachdem Juraj plötzlich verschwunden ist, weiß sie nicht, ob sie ihm weiterhin vertrauen kann, einzig Dorian beschützt sie nach wie vor. Doch ihm geht es um Ksaryna, wie weit wird er schlussendlich gehen, um seine frühere Liebe in Xaras Körper zu erwecken?

"Until the Light destroys" von Alessia Gold ist der zweite Band einer fesselnden Fantasy-Dilogie. Noch immer hatte ich den Eindruck, von Xara nur ein recht oberflächlich gezeichnetes Bild zu erhalten, ihre Persönlichkeit scheint nur aus den jeweils aktuellen Gefühlen zu bestehen. Die freundschaftliche Zuneigung zu Adrian und Chris, das Begehren und die Zweifel, die sie gegenüber Dorian und Juraj empfindet, tiefer geht ihre Charakterisierung leider nicht. Bei einer so blassen Protagonistin habe ich mich stellenweise gefragt, was die Männer dazu bringt, alles für ihr Wohlergehen auf´s Spiel zu setzen. Besonders Dorians Verhalten hat mich irritiert, nachdem er fünfhundert Jahre lang um Ksaryna getrauert hat, geht ihm dann innerhalb von Sekunden auf, dass sie ihn eigentlich immer nur manipuliert hat und er doch jetzt lieber die sanfte Xara liebt?

Der Schreibstil war genau so mitreißend, wie ich es bereits im Vorgängerband empfunden habe, die Spannung und natürlich auch die Erotik kamen meiner Meinung nach nicht zu kurz. Allerdings muss ich kritisch anmerken, dass sämtliche Probleme, die sich über einen Großteil der Handlung hinweg schier unüberwindlich auftürmten, schlussendlich mit einem ganz leisen Plopp verpufften, nach all dem Drama hätte ich mir da tatsächlich etwas ausführlicheres Ringen um die jeweilige Lösung gewünscht. Insgesamt kann ich dennoch von guter Unterhaltung sprechen, es blieben keine offenen Fragen übrig, so dass ich diese Fortsetzung trotz meiner Kritikpunkte empfehle.

Fazit: Die Pluspunkte dieser Geschichte sind definitiv der fesselnde Schreibstil und die explizite Erotik, wer im zweiten Band auf ausführliche Problemlösungen hoffte, könnte sich allerdings ein wenig knapp abgespeist fühlen.

Veröffentlicht am 12.02.2026

Tiefgründige, facettenreichte Fantasygeschichte

The Poet Empress
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In den ländlichen Regionen des Reiches Tensha herrscht eine schreckliche Hungersnot. Als Abgesandte aus dem kaiserlichen Palast nach Konkubinen für den Kronprinzen Terren suchen, sieht Yin Wei darin eine ...

In den ländlichen Regionen des Reiches Tensha herrscht eine schreckliche Hungersnot. Als Abgesandte aus dem kaiserlichen Palast nach Konkubinen für den Kronprinzen Terren suchen, sieht Yin Wei darin eine Chance, ihrer Familie und der gesamten Dorfgemeinschaft zu helfen. Obwohl im ganzen Land Schauergeschichten über Terrens Grausamkeit verbreitet werden, ist die Konkurrenz groß, auch nach dem Einzug in den Azaleenpalast kämpfen die auserwählten Frauen mit Intrigen und Mordanschlägen um die beste Position an der Seite des Prinzen. Nachdem er Yin Wei als seine zukünftige Kaiserin auserkoren hat, ruft er sie Nacht für Nacht zu sich, um ihr unbeschreibliche Folterqualen zu bereiten und ihr wird klar, dass sie um jeden Preis verhindern will, dass Terren einmal das Land regiert. Allerdings besitzt er den Segen der Unsterblichkeit, um ihn zu töten, muss Wei ein Herzseelengedicht schreiben, das nur gelingen kann, wenn sie lernt, den grausamen Mann an ihrer Seite zu lieben.

"The Poet Empress" von Shen Tao ist eine mitreißende Fantasygeschichte, deren besonderer Zauber in der Vielzahl ihrer Facetten liegt. Mich hat der Roman unerwartet schnell gefesselt, so farbenprächtig wie die äußere Gestaltung des Buches ist, entfaltete sich auch die Handlung. Die Magie, von der die fantasievoll erdachte Welt durchzogen ist, ließ vor meinem geistigen Auge wunderschöne Bilder entstehen, sowohl die Figuren, als auch der Hintergrund waren ausführlich beschrieben; ich war emotional so tief versunken, dass ich beinahe glaubte, den Blütenduft im opulent ausgestatteten Palast zu riechen. Im Kontrast dazu stand die ebenso deutlich dargestellte Gewalt, die im Haus der Azaleen an der Tagesordnung war - wer in dieser Hinsicht Trigger befürchtet, sollte besser die Finger von dem Buch lassen.

Den Schreibstil habe ich unfassbar eindringlich empfunden, diese Geschichte hat mich bezaubert, bewegt, unterhalten, erschüttert und wird mich so bald nicht wieder los lassen. Es geht um ein Reich, in dem sich die magische Schönheit der Umgebung mit der Grausamkeit der Herrscherfamilie die Waage hält - wie in der realen Vergangenheit bezahlt das Volk mit Armut und Hungersnot für den Überfluss, in dem die höher gestellte Gesellschaftsschicht lebt. Es geht um Macht, die korrumpiert, um zwei Brüder, die sich aus tiefstem Herzen hassen, obwohl sie in ihrer Kindheit enge Freunde waren und man möchte weinen um die Jungen, die sie einst gewesen sind.

Yin Mei war mit sympathisch, selbst als sie sich für ihr eigenes Überleben an die Gepflogenheiten im Palast anpasst und ebenfalls Intrigen spinnt, habe ich dennoch weiterhin mit ihr gehofft und gebangt. Trotz aller beschriebenen Brutalität hat für mich die Farbenpracht des Romans überwogen, neben Gewaltdarstellungen gab es jede Menge magischer Schönheit, alleine die Beschreibung der Flora und Fauna hat mich sehr bezaubert, so dass ich einige wirklich wunderbare Lesestunden hatte. Das Ende fühlte sich für mich rund an, ich bin nach der letzten Seite restlos zufrieden zurück geblieben und spreche für dieses Feuerwerk an Magie und Fantasie eine begeisterte Leseempfehlung aus.

Fazit: Dieses Buch hat unendlich viele Facetten, magische Schönheit und ebenso deutlich beschriebenen Grausamkeit kommen in dem tiefgründigen Lesevergnügen gleichermaßen vor. Mich hat die Geschichte regelrecht bezaubert, so dass ich den Roman gern weiter empfehle.