Wenn Liebe friert und dennoch bleibt
Nach dem Sommer fühlt sich diese Geschichte an wie ein leiser Atemzug in der Kälte. Sanft, melancholisch und voller Zwischenräume, in denen Gefühle wachsen dürfen. Schon auf den ersten Seiten liegt etwas ...
Nach dem Sommer fühlt sich diese Geschichte an wie ein leiser Atemzug in der Kälte. Sanft, melancholisch und voller Zwischenräume, in denen Gefühle wachsen dürfen. Schon auf den ersten Seiten liegt etwas Unausweichliches in der Luft, wie Frost auf Gras, der ahnen lässt, dass Wärme kostbar und vergänglich ist.
Gemeinsam auf dem Sofa gelesen, Buch an Buch, entstand schnell dieses besondere Buddyread-Gefühl. Während Grace die Wölfe beobachtet, wurde neben mir die Seite langsamer umgeblättert. „Der Wolf meint es gut“, kam es leise von der Seite, und plötzlich war klar, wie sehr Sams stille Loyalität berührt. An anderen Stellen wurde gelacht, wenn Grace stur und mutig zugleich war, und manchmal einfach nur geschwiegen, weil Worte zu viel gewesen wären.
Maggie Stiefvater erzählt keine laute Liebesgeschichte, sondern eine, die unter die Haut kriecht. Sams Zerrissenheit zwischen Wärme und Kälte, Mensch und Wolf, wird mit einer poetischen Ruhe geschildert, die hängen bleibt. Besonders berührend war der Moment, als wir beide innehielten, weil der Winter näher rückte. „Warum kann Liebe das nicht einfach aufhalten?“, wurde gefragt – und genau diese Frage trägt das ganze Buch.
Gefühle stehen über Action. Am Ende blieb dieses leise Ziehen im Herzen, dieses Nachhallen, das gute Bücher hinterlassen. Fünf Sterne, weil Shiver nicht laut überzeugen will, sondern still bleibt – und genau deshalb so lange wirkt.