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Veröffentlicht am 12.05.2026

Epischer Abschluss der monumentalen Vampir-Trilogie

Das Reich der Dämmerung
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Noch immer befindet sich Gabriel de Leon gefangen im Turm der Vampirherrscherin Margot Chastain und erzählt deren Chronisten Jean-François seine Geschichte. Nachdem er mit ansehen musste, wie einer der ...

Noch immer befindet sich Gabriel de Leon gefangen im Turm der Vampirherrscherin Margot Chastain und erzählt deren Chronisten Jean-François seine Geschichte. Nachdem er mit ansehen musste, wie einer der ewigen Fürsten den heiligen Gral tötete, treibt ihn lediglich das Verlangen nach Rache noch voran. Längst hat der Sangiré, der unheilige Blutdurst, der alle Bleichblüter irgendwann befällt, seine Klauen tief in Gabriels Geist geschlagen, doch bevor die Bestie in seinem Inneren die Oberhand gewinnt, will er Fabien Voss zur Strecke bringen, der einst seine Familie ermordete.

Dior ist allerdings noch am Leben und reist mit einer Truppe ehemaliger Höriger in die Hauptstadt Augustin, um die Prophezeiung zu erfüllen, dass sie auf dem fünffachen Thron sitzen muss, um den Tagestod zu beenden. Unterstützt wird sie dabei von Gabriels Schwester Celene und einer altvorderen Vampirin und so nähern sie sich einer Schlacht, die nicht nur ihr eigenes Schicksal, sondern das ihrer gesamten Welt verändern könnte. Doch weder Gabriel noch Dior ahnen, wem sie dabei wirklich vertrauen können.

"Das Reich der Dämmerung" von Jay Kristoff ist der Abschluss einer monumentalen Vampir-Trilogie, in meinen Augen ein wirklich episches Werk, das mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und begeistert hat. Da die Handlung durch alle drei Bände hindurch fortlaufend erzählt wird, sollte man zunächst die beiden Vorgänger gelesen haben, wenn das bereits eine Weile zurück liegt, hilft den Lesenden zu Beginn ein umfangreiches Dramatis Personae, wieder in Gabriels düstere Welt zurück zu finden. Das mittelalterlich geprägte Ambiente und die derbe Umgangssprache haben die schmutzige, erbarmungslose Realität, in der sich der letzte Silberwächter bewegt, authentisch und dreidimensional dargestellt, ich war emotional immer tief in der Geschichte versunken.

Gabriel und seine Freunde waren mir bereits in den ersten beiden Büchern ans Herz gewachsen, obwohl keiner von ihnen das Klischee eines strahlenden Helden erfüllt. Der Protagonist ist desillusioniert und durch den Verlust seiner geliebten Familie innerlich gebrochen, in seinem Geist tobt ein Monster, das seinem halbvampirischen Erbe entspringt - und dennoch habe ich ihn geliebt, mit ihm gelitten und gebangt und auf einen erfolgreichen Verlauf seines ganz persönlichen Feldzugs gehofft. Zwischenzeitlich mochte ich den E-Reader kaum aus der Hand legen und war trotz der umfangreichen Seitenzahl gefühlt viel zu schnell am Ende angekommen.

Gabriels Bericht wurde durch die Erzählungen seiner Schwester Celene ergänzt, die ebenfalls in Margot Chastains Schloss gefangen ist, die beiden Handlungsstränge wurden durch den Chronisten Jean-François festgehalten und mit der einen oder anderen auflockernden Anmerkung versehen. So hatte ich ein umfassendes Bild des Geschehens vor Augen und habe mich wunderbar unterhalten gefühlt. Ganzseitige Illustrationen in dunkel gehaltenem Stil halfen mir zusätzlich, eine deutliche Vorstellung der Hauptfiguren zu erhalten, meiner Meinung nach hat sich die optische Gestaltung mit dem mitreißenden Schreibstil zu einem einzigartigem Lesevergnügen vereint, das ich begeistert weiter empfehle.

Fazit: Für mich stellte dieser Finalband den krönenden Abschluss der epischen Vampir-Trilogie dar, für alle drei Bücher spreche ich eine unbedingte Leseempfehlung aus.

Veröffentlicht am 30.04.2026

Gewohnt fesselnde Fortsetzung der Gestaltwandler-Reihe

Age of Trinity - Verlorener Himmel
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Als sich Adam Garrett und Eleri Dias vor zehn Jahren im Flur eines Gerichtsgebäudes trafen, war beiden sofort klar, dass sie füreinander bestimmt sind. Doch die Verhandlung, der Eleri als J-Mediale in ...

Als sich Adam Garrett und Eleri Dias vor zehn Jahren im Flur eines Gerichtsgebäudes trafen, war beiden sofort klar, dass sie füreinander bestimmt sind. Doch die Verhandlung, der Eleri als J-Mediale in Ausbildung beiwohnte, trennte ihre Wege scheinbar für immer. Inzwischen ist Eleri durch die lange Zeit im Justiz-Dienst ausgebrannt, ihre psychischen Schilde stehen kurz vor dem Zusammenbruch - was ihr sicheres Todesurteil sein wird. Die verbleibende Zeit nutzt sie, um gefährliche Serienkiller aus dem Verkehr zu ziehen, ihr aktueller Fall führt Eleri nach Raintree, Adams Heimatort. Inzwischen ist er der Anführer der der WindHaven-Falken und trotz des Gefühls, seinerzeit von Eleri verraten worden zu sein, muss sich Adam eingestehen, dass seine Gefühle für sie immer noch existieren.

"Age of Trinity - Verlorener Himmel" von Nalini Singh ist Band 24 meiner absoluten Lieblingsserie, der mich in gewohnter Weise gefesselt und fasziniert hat. Die Mischung aus fantasievoll erdachten Figuren, einem komplexen Weltenaufbau inklusive jeder Menge politischer und gesellschaftlicher Konflikte und nicht zuletzt einem guten Maß explizit beschriebener Erotik ließ mich erneut tief in die Welt der Medialen, Menschen und Gestaltwandler eintauchen. Wegen der Komplexität des Hintergrunds empfehle ich Neueinsteigern, diese Reihe unbedingt in chronologischer Reihenfolge kennen zu lernen, auch wenn in jedem Buch ein anderes Paar im Mittelpunkt steht, deren Liebesgeschichte man in sich abgeschlossen betrachten könnte.

Adam Garrett hatte ich zwar schon (äußerst kurz) in anderen Bänden als Nebenfigur getroffen, doch bisher wusste ich kaum etwas über ihn und die Gemeinschaft der Falken. Umso mehr Freude hatte ich dabei, eine weitere Gestaltwandler-Spezies zu erleben, deren Anführer mir schnell sympathisch war. Auch Eleri ist mir sofort ans Herz gewachsen, ihre innere Stärke trotz des bevorstehenden Zusammenbruchs hat mich beeindruckt. Die Jagd auf den psychopathischen Serienkiller hat die Spannung meiner Meinung nach auf einen guten Niveau gehalten, selbst die leise Ahnung um seine Identität, die mich bereits sehr zeitig überkommen hatte, trübte das Lesevergnügen für mich kein bisschen. Erneut gelang es der Autorin, mich für einige wundervolle Lesestunden komplett aus dem Alltag zu reißen, daher empfehle ich dieses Buch und die gesamte Reihe begeistert weiter.

Fazit: Seit Jahren ist diese Buchreihe mein absolutes Lesehighlight, auch in Band 24 hat diese Welt für mich nichts von ihrem Zauber eingebüßt, so dass ich erneut eine unbedingte Leseempfehlung ausspreche.

Veröffentlicht am 28.04.2026

Fantasievolle Neuerzählung der Oz-Geschichte für Erwachsene

West of Wicked. Folge deinem Verlangen
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Dorothy Gale lebt mit ihren Zieheltern auf einer Farm in Kansas, wo das Leben recht eintönig verläuft. Selbst die Affäre mit ihrem Jugendfreund Edward bringt ihr keine emotionale Zufriedenheit, sie sehnt ...

Dorothy Gale lebt mit ihren Zieheltern auf einer Farm in Kansas, wo das Leben recht eintönig verläuft. Selbst die Affäre mit ihrem Jugendfreund Edward bringt ihr keine emotionale Zufriedenheit, sie sehnt sich nach mehr, ohne zu wissen, was es außerhalb ihrer Heimat für sie geben könnte. Als ein Wirbelsturm Dorothy mitsamt ihrem Hund Toto und dem kleinen Farmhaus der Familie nach Oz trägt, wo sie sich erst einmal gegen eine mordlüsterne Hexe zur Wehr setzen muss, scheint ihr Wunsch nach Veränderung in Erfüllung zu gehen. Die Sorge um ihre Zieheltern drängt Dorothy, nach Kansas zurück zu kehren, doch niemand hier hat je von diesem Land gehört. Also beschließt die junge Frau, den Empfehlungen der Einwohner von Oz zu folgen, die glauben, nur der Zauberer, der in der Smaragdstadt regiert, könne ihr helfen und betritt den gelben Backsteinweg, um zur Hauptstadt des Landes zu gelangen.

"West of Wicked. Folge deinem Verlangen" von Nikki St. Crowe ist ein Retelling von L.F. Baums "Der Zauberer von Oz", das mich schnell in seinen Bann gezogen hat. Aufgrund der Verlagswerbung hatte ich eine komplett andere Vorstellung von der Geschichte, dennoch habe ich das Leseerlebnis auf jeder einzelnen Seite geliebt. Diese Version ist ganz eindeutig für Erwachsene gedacht, es gibt Blut, Mord und auch (sehr wenige) explizit beschriebene Erotikszenen, trotzdem fand ich es bei weitem nicht in dem Maße düster und spicy, wie die Beschreibung behauptet. Vorab hatte ich mir vorgestellt, dass sich große Teile der Handlung um Dorothys persönlichen und auch erotischen Selbstfindungsprozess bewegen, das wurde zwar auch thematisiert, für mich haben aber die märchenhaften Elemente - sowohl angelehnt an die Originalgeschichte, als auch einige wirklich spannende Neuerungen - überwogen.

Der Schreibstil hat mich locker-leicht durch den Roman geführt, die Spannung habe ich auf einem für mich angenehmen Niveau wahr genommen. Die erwachsene Dorothy war mir sympathisch, sie selbst und auch sämtliche andere Figuren fand ich umfassend und authentisch dargestellt. Die Atmosphäre hat dafür gesorgt, dass ich emotional tief in der Geschichte versunken war, die in meinen Augen angenehme Mischung aus Märchenstimmung, Geheimnissen und der einen oder anderen überraschenden Wendung haben diesen Auftaktband für mich zu einem wunderbaren Lesevergnügen gemacht, das ich gern weiter empfehle. Der Cliffhanger am Schluss lässt mich nun bereits ungeduldig auf die Fortsetzung warten.

Fazit: Zwar hat sich die Handlung ganz anders entwickelt, als ich es mir aufgrund der Verlagswerbung vorgestellt hatte, dennoch konnte mich die fantasievolle Neuerzählung des "Zauberers von Oz" fesseln und begeistern, für diesen Auftaktband spreche ich gern eine Leseempfehlung aus.

Veröffentlicht am 27.04.2026

Starker Anfang, dann verlor sich die Spannung ein wenig

The Crane and the Nightjar
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Nach einem illegalen Kartenspiel werden Zara Nightjar und der geheimnisvolle Crane verhaftet - einige endlos scheinende Wochen später erhält Zara das Angebot, an einem Wettkampf unter Dieben teil zu nehmen, ...

Nach einem illegalen Kartenspiel werden Zara Nightjar und der geheimnisvolle Crane verhaftet - einige endlos scheinende Wochen später erhält Zara das Angebot, an einem Wettkampf unter Dieben teil zu nehmen, bei dem nur die Besten überleben. Zu ihrer Überraschung ist auch Crane unter den Auserwählten, um ihre Chancen zu verbessern, sieht sich sich gezwungen, eine Zweckallianz mit ihm einzugehen, obwohl sie ihm aus tiefstem Herzen misstraut. Dennoch fühlt sie sich mehr und mehr zu ihm hin gezogen und auch Crane muss sich eingestehen, dass Zara ihm nicht so gleichgültig ist, wie er behauptet. Doch welche Ziele verfolgt er wirklich?

"The Crane and the Nightjar" von Ada Bailey ist der Auftaktband einer Fantasy-Dilogie, der stark anfängt, im Lauf der Handlung aber leider nachlässt. Der Einstieg in die Geschichte hat mich sofort gefesselt, ich hatte eine gute Vorstellung von dem dystopisch anmutendem Hintergrund und das Magiesystem fand ich auf spannende Weise einzigartig. Zara und Crane waren mir sympathisch, auch wenn sich besonders Letzterer sehr geheimnisvoll gab. Bis kurz vor dem Ende hatte ich zwar eine Ahnung, woher er gekommen sein könnte und welche Rolle er vielleicht in dem maroden Königreich inne hat, aber selbst die Kapitel aus seiner Perspektive verrieten kaum etwas über seine Ziele oder auch nur seine wirkliche Persönlichkeit.

Zara dagegen habe ich im Lauf der Handlung etwas besser kennen lernen können, wodurch ich mit ihr ganz besonders mit gefiebert habe. Dennoch hat sich die Spannung um die Prüfungen herum ein wenig abgeflacht, dann kamen auch noch einige Fehler vor, die mich deutlich irritiert haben. Personen, die während einer Zusammenkunft abwesend waren, haben z.B. plötzlich dies oder das getan, worüber eine weitere (ebenfalls abwesende) Person die Augen verdrehte - am Ende sind sie doch nicht da gewesen und hatten nicht mit bekommen, worüber sie kurz zuvor angeblich Witze gerissen hätten. Das hat mich im Lesefluss sehr gestört, zumal solche Ungenauigkeiten mehrmals passiert sind - wenn die Autorin in ihrer Danksagung nicht auch eine Lektorin erwähnt hätte, wäre meine Vermutung gewesen, dass man sich das Lektorat gespart hat.

Fazit: Der fesselnde Einstieg ließ auf ein wunderbares Leseerlebnis hoffen, leider verlor sich die Spannung dann in einigen Längen und Unkorrektheiten. Das Ende hat mich zwar neugierig zurück gelassen, aber ganz sicher bin ich nicht, ob ich mir den zweiten Band zu Gemüte führen möchte.

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Veröffentlicht am 24.04.2026

Unterhaltsame Fantasy mit kleineren Schwächen

When Shadows Darken the Sun
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Alle dreißig Jahre treten die Erben des Nachthofes und des Taghofes gegeneinander an, der Sieger herrscht in den kommenden Jahrzehnten über den dritten Hof. Von klein auf werden die Prinzen und Prinzessinnen ...

Alle dreißig Jahre treten die Erben des Nachthofes und des Taghofes gegeneinander an, der Sieger herrscht in den kommenden Jahrzehnten über den dritten Hof. Von klein auf werden die Prinzen und Prinzessinnen auf diesen Kampf vorbereitet, der immer im Reich des vorigen Gewinners statt findet, dieses mal im Nachthof. Als der Schattenprinz Nox die Delegation des Tagreiches in Empfang nimmt, hat er kaum Augen für die Prinzessin, gegen die er in wenige Tagen kämpfen muss, viel mehr zieht deren Zofe Cass seine Aufmerksamkeit auf sich. Die selbstbewusste Lichtkriegerin bezaubert Nox mehr, als er sich eingestehen möchte, dabei stehen sie doch bei dem kommenden Turnier auf gegnerischen Seiten.

"When Shadows Darken the Sun" von Nina Schilling ist der Auftaktband einer fantasievoll geschriebenen Dilogie, der mich schnell in seinen Bann gezogen hat. Sowohl Nox als auch Cass waren mir sympathisch, die Figuren des jeweiligen Gefolges mochte ich ebenfalls auf Anhieb. Wobei der Focus doch stark auf den Protagonisten lag, über ihre Begleiter habe ich kaum mehr erfahren, als für deren jeweilige Interaktion gerade vonnöten war, ab und an gab es noch einen kleinen Krumen Vergangenheitsinformation um bestimmte Charakterzüge zu erklären. Für meinen Geschmack hätten die Personen gern noch etwas umfassender beschrieben sein dürfen, nichtsdestotrotz habe ich sie alle gern begleitet.

Der Schreibstil hat mich leicht und locker durch die Handlung geführt auch wenn sich die Spannung innerhalb überschaubarer Grenzen hielt. Allerdings sehe ich diesen Roman zu weiten Teilen eher im Jugendsektor angesiedelt, es gab besonders im Weltenaufbau einige Punkte, die einfach als gegeben hin gestellt waren, ohne sie großartig zu hinterfragen. Ob es z.B. für den dritten Hof, um dessen Wohl doch die Spiele angeblich veranstaltet werden, wirklich optimal ist, über viele Jahrzehnte lang (der Nachthof hatte mehrere Turniere hintereinander gewonnen) im Dunklen zu existieren, wage ich zu bezweifeln. Mir hat sich auch noch nicht erschlossen, wer dort eigentlich lebt, da bisher ja nur die Völker des Lichts und des Schattens vorgestellt wurden.

Den großen Plottwist kurz vor Beginn der Spiele habe ich gefühlt vom ersten Moment an vorhersehen können, die Andeutungen waren in meinen Augen schon recht eindeutig. Wer sehr kritisch liest, wird sich in diesem Buch an einigen Dingen stoßen, zeitweise habe ich überlegt, ob einfach eine jüngere Zielgruppe angesprochen werden soll (bei der explizit beschriebenen Erotik habe ich diesen Gedanken wieder verworfen), dennoch habe ich mich insgesamt recht gut unterhalten gefühlt und bin neugierig genug zurück geblieben, um auch den Folgeband lesen zu wollen. Für mich blieben die angesprochenen Schwächen des Weltenaufbaus im Lesefluss eher hintergründig, im Nachhinein betrachtet hoffe ich allerdings, dass die eine oder andere Lücke im Weltbild im zweiten Buch noch geschlossen wird.

Fazit: Mich hat die Geschichte gefesselt und gut unterhalten, die kleinen Schwächen im Weltenaufbau sind während des Lesens im Hintergrund geblieben. Kritischer Lesenden möchte ich diesen Dilogieauftakt allerdings nicht uneingeschränkt empfehlen.