Epischer Abschluss der monumentalen Vampir-Trilogie
Das Reich der DämmerungNoch immer befindet sich Gabriel de Leon gefangen im Turm der Vampirherrscherin Margot Chastain und erzählt deren Chronisten Jean-François seine Geschichte. Nachdem er mit ansehen musste, wie einer der ...
Noch immer befindet sich Gabriel de Leon gefangen im Turm der Vampirherrscherin Margot Chastain und erzählt deren Chronisten Jean-François seine Geschichte. Nachdem er mit ansehen musste, wie einer der ewigen Fürsten den heiligen Gral tötete, treibt ihn lediglich das Verlangen nach Rache noch voran. Längst hat der Sangiré, der unheilige Blutdurst, der alle Bleichblüter irgendwann befällt, seine Klauen tief in Gabriels Geist geschlagen, doch bevor die Bestie in seinem Inneren die Oberhand gewinnt, will er Fabien Voss zur Strecke bringen, der einst seine Familie ermordete.
Dior ist allerdings noch am Leben und reist mit einer Truppe ehemaliger Höriger in die Hauptstadt Augustin, um die Prophezeiung zu erfüllen, dass sie auf dem fünffachen Thron sitzen muss, um den Tagestod zu beenden. Unterstützt wird sie dabei von Gabriels Schwester Celene und einer altvorderen Vampirin und so nähern sie sich einer Schlacht, die nicht nur ihr eigenes Schicksal, sondern das ihrer gesamten Welt verändern könnte. Doch weder Gabriel noch Dior ahnen, wem sie dabei wirklich vertrauen können.
"Das Reich der Dämmerung" von Jay Kristoff ist der Abschluss einer monumentalen Vampir-Trilogie, in meinen Augen ein wirklich episches Werk, das mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt und begeistert hat. Da die Handlung durch alle drei Bände hindurch fortlaufend erzählt wird, sollte man zunächst die beiden Vorgänger gelesen haben, wenn das bereits eine Weile zurück liegt, hilft den Lesenden zu Beginn ein umfangreiches Dramatis Personae, wieder in Gabriels düstere Welt zurück zu finden. Das mittelalterlich geprägte Ambiente und die derbe Umgangssprache haben die schmutzige, erbarmungslose Realität, in der sich der letzte Silberwächter bewegt, authentisch und dreidimensional dargestellt, ich war emotional immer tief in der Geschichte versunken.
Gabriel und seine Freunde waren mir bereits in den ersten beiden Büchern ans Herz gewachsen, obwohl keiner von ihnen das Klischee eines strahlenden Helden erfüllt. Der Protagonist ist desillusioniert und durch den Verlust seiner geliebten Familie innerlich gebrochen, in seinem Geist tobt ein Monster, das seinem halbvampirischen Erbe entspringt - und dennoch habe ich ihn geliebt, mit ihm gelitten und gebangt und auf einen erfolgreichen Verlauf seines ganz persönlichen Feldzugs gehofft. Zwischenzeitlich mochte ich den E-Reader kaum aus der Hand legen und war trotz der umfangreichen Seitenzahl gefühlt viel zu schnell am Ende angekommen.
Gabriels Bericht wurde durch die Erzählungen seiner Schwester Celene ergänzt, die ebenfalls in Margot Chastains Schloss gefangen ist, die beiden Handlungsstränge wurden durch den Chronisten Jean-François festgehalten und mit der einen oder anderen auflockernden Anmerkung versehen. So hatte ich ein umfassendes Bild des Geschehens vor Augen und habe mich wunderbar unterhalten gefühlt. Ganzseitige Illustrationen in dunkel gehaltenem Stil halfen mir zusätzlich, eine deutliche Vorstellung der Hauptfiguren zu erhalten, meiner Meinung nach hat sich die optische Gestaltung mit dem mitreißenden Schreibstil zu einem einzigartigem Lesevergnügen vereint, das ich begeistert weiter empfehle.
Fazit: Für mich stellte dieser Finalband den krönenden Abschluss der epischen Vampir-Trilogie dar, für alle drei Bücher spreche ich eine unbedingte Leseempfehlung aus.