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Veröffentlicht am 26.07.2022

Oberflächliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit

Die karierten Mädchen
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Als Klara wärend der Weltwirtschaftskrise ihre Arbeit verliert, ist es ein Glücksfall für sie, die Stelle als Haushaltslehrerin in einem Erholungsheim für kranke Kinder zu bekommen. Schon bald fühlt sie ...

Als Klara wärend der Weltwirtschaftskrise ihre Arbeit verliert, ist es ein Glücksfall für sie, die Stelle als Haushaltslehrerin in einem Erholungsheim für kranke Kinder zu bekommen. Schon bald fühlt sie sich in Oranienbaum zu Hause, besonders die kleine Waise Tolla ist Klara ans Herz gewachsen. Da der Staat keine Zuschüsse für Tolla zahlt, trägt Klara die Kosten für deren Unterbringung aus eigener Tasche und gibt das jüdische Mädchen als ihre Tochter aus. Um das Heim zu erhalten, das Klara inzwischen leitet, sieht sie keinen Ausweg, als die neuen Nazi-Machthaber um Übernahme zu bitten, obwohl Tolla dadurch in große Gefahr gerät. Siebzig Jahre später spricht die inzwischen erblindete Klara ihre Lebensgeschichte auf Band und taucht damit tief in ihre Erinnerungen ein.
"Die karierten Mädchen" von Alexandra Hennig von Lange ist der erste Teil einer geplanten Trilogie, der mich nicht so ganz glücklich zurück gelassen hat. Die Protagonistin Klara habe ich als sehr widersprüchlich empfunden, einerseits wird sie von wacher Intelligenz getrieben und legt Wert darauf, ihre Schülerinnen zu selbstbewussten Frauen zu erziehen, die den Männern gleichberechtigt gegenüber treten können. Allgemeinbildung und Belesenheit sind ihr sehr wichtig, andererseits will sie von Politik nichts wissen und steckt regelrecht den Kopf in den Sand, wenn Freunde zu ihr über die Gefährlichkeit der nationalsozialistischen Verwaltung sprechen.Damit befindet sie sich zwar in guter Gesellschaft, schließlich gab es jede Menge Menschen, die angeblich nichts von den sich verschlimmernden Zuständen bemerkt haben wollten - als literarische Figur war sie für mich allerdings völlig uninteressant.
Der Schreibstil gehört meiner Meinung nach zu den wirklich positiven Aspekten der Geschichte, ich mochte das Buch zwischenzeitlich kaum aus der Hand legen. Die Autorin schrieb in ihrm Nachwort, dass sie von Kassettenaufnahmen ihrer Großmutter zu dem Roman inspiriert wurde, betont aber, dass diese nicht mit Klara übereinstmmt. Somit ist diese Geschichte für mich nicht Fisch und nicht Fleisch, zu fiktiv für eine familiäre Chronik und zu oberflächlich für einen bewegenden Roman. Außerdem muss ich zugeben, dass ich mir am Schluss ein frustriertes Aufstöhnen nicht verkneifen konnte, in meinen Augen bietet die Vorlage nicht genügend Stoff für zwei Fortsetzungen - ich denke, mit einigen Seiten zusätzlich hätte die Handlung zu einem zufrieden stellenden Ende geführt werden können und das Buch hätte mich als Einzelband eher überzeugt.
Fazit: Trotz des durchaus fesselnden Schreibstils bin ich mit der Geschichte nicht wirklich warm geworden, dass dieser Roman den Anfang einer Trilogie bildet, empfinde ich als übermäßiges Langziehen des Handlungsmittelpunktes.

Veröffentlicht am 21.07.2022

Spannendejr Auftakt einer mystischen Pferdetrilogie

Seahorse - Der Gesang der Wasserpferde
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Weil Shona zum wiedeholten Mal von der Schule geflogen ist, schickt ihr überforderter Vater sie nach Schottland. Bei der Familie ihrer verstorbenen Mutter, die auf einem abgeschiedenen Hof in den Highlands ...

Weil Shona zum wiedeholten Mal von der Schule geflogen ist, schickt ihr überforderter Vater sie nach Schottland. Bei der Familie ihrer verstorbenen Mutter, die auf einem abgeschiedenen Hof in den Highlands lebt, soll sie zur Ruhe kommen und ihre rebellische Art etwas dämpfen. Bereits am Ankunftstag sieht sie einen wunderschönen weißen Hengst, doch ihre Tante und ihr Onkel bestreiten, dass es in der Gegend wilde Pferde gibt. Immer wieder trifft Shona auf den Schimmel und freundet sich langsam mit dem scheuen Tier an.
"Seahorse - Der Gesang der Wasserpferde" von Karin Müller ist ein fantastischer Jugendroman, der mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt hat - obwohl ich inzwischen deutlich älter als die anvisierte Zielgruppe bin. Shona ist eine Protagonistin, die mir schnell ans Herz gewachsen war, im Grunde ist sie nicht die Unruhestifterin, die ihre Mitmenschen in ihr sehen. Durch ihre große Tierliebe bringt sie sich allerdings immer wieder in Schwierigkeiten, was sie in meinen Augen umso sympathischer macht.
Inzwischen kenne ich bereits einige andere Bücher der Autorin und auch in diesem Roman fand ich den Schreibstil wieder angenehm eingängig. Die Verbindung zur schottischen Mythologie hat mir sehr gefallen, für meinen Geschmack brachte die Geschichte den richtigen Anteil an Spannung mit. Da es sich um den Auftakt einer Trilogie handelt, wurden noch nicht alle meiner offenen Fragen beantwortet, so dass ich mich bereits sehr auf die Fortsetzung freue. Für diesen gelungenen Reivenauftakt spreche ich gern eine Leseempfehlung an jugendliche aber auch ältere Fantasy-Freunde aus.
Fazit: Mich hat die mystische und sehr spannende Pferdegeschichte ganz wunderbar unterhalten, so dass ich sie gern weiter empfehle.


Veröffentlicht am 15.07.2022

Spannende Fantasy mit komplexem Weltenaufbau

Cursed Worlds 1. Aus ihren Schatten …
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Als die Großmutter von Sis und Finn einen Schlaganfall erleidet, finden die Geschwister eine Nachricht von ihr, dass sie zuhause nicht mehr sicher sind und daher nach nach Spanien reisen sollen. Kurz entschlossen ...

Als die Großmutter von Sis und Finn einen Schlaganfall erleidet, finden die Geschwister eine Nachricht von ihr, dass sie zuhause nicht mehr sicher sind und daher nach nach Spanien reisen sollen. Kurz entschlossen machen sie sich auf den Weg und treffen bald darauf Ramon, einen alten Freund ihres Vaters, der ihnen eine unglaubliche Geschichte erzählt. Ihre tot geglaubten Eltern habe es zusammen mit Finns Zwillingsbruder Kieran vor vielen Jahren in eine magische Welt verschlagen - gleichzeitig gibt Ramon Finn das magische Artefakt, mit dem er die Grenze zwischen den Welten überschreiten kann. Doch damit gerät Finn in große Gefahr, denn ein uralter Magier hat ihn bereits im Visier, um an das lange verschollene Artefakt zu kommen.

"Cursed Worlds - Aus ihren Schatten ..." von Rena Fischer ist der Auftakt einer neuen Fantasy-Reihe, der mich mit jeder gelesenen Seite mehr in seinen Bann gezogen hat. Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Sis und Finn und aus der von Kieran erzählt - die Handlung springt dabei nicht nur zwischen den verschiedenen Welten, sondern auch in mehreren Zeitebenen, was mir am Anfang einige Konzentration abfordert hat. Später kommen noch kurze Abschnitte aus dem Blickwinkel weiterer Figuren dazu, wodurch ich das Leseerlebnis noch intensiver und umfassender empfunden habe.

Im Buchinnendeckel gibt es einen QR-Code mit Bonusmaterial, das ein Personen- und Sachverzeichnis enthält, auch die in den magischen Welten abweichende Zeitrechnung wird darin erklärt - ein gutes Hilfsmittel, das den Einstieg in den komplexen Weltenaufbau für mich etwas erleichtert hat. Den Schreibstil kann ich nur als absolut fesselnd bezeichnen, ich mochte das Buch bis zur letzten Seite hin nur selten aus der Hand legen und kann es kaum erwarten, meine Nase in den Fortsetzungsband zu stecken (der zu meinem Glück schon im August 22 erscheint).

Die Figuren fand ich sehr umfassend und authentisch dargestellt, ich habe sie als lebensecht empfunden und entsprechend mit ihnen allen mit gefühlt. Der farbenfroh beschriebene Hintergrund, die diversen magischen Wesen und einige liebevoll gestaltete Details (wie z.B. der Skarabäus Amun, der mir immer wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat) trugen dazu bei, diesen Roman in meinen Augen zu einem besonderen Highlight zu machen, für das ich eine begeisterte Leseempfehlung ausspreche.

Fazit: Wer bereit ist, sich von der Autorin in eine komplexe Welt entführen zu lassen, wird mit einem wirklich fantastischen und äußerst spannendem Leseerlebnis belohnt. Mich hat die Geschichte gefesselt und begeistert, so dass ich sie gern weiter empfehle.

Veröffentlicht am 13.07.2022

Monumentaler Fantasy-Auftakt

Das Reich der Vampire
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Gabriel de León ist der letzte Silberwächter, gefangen in einem Turmverlies erzählt er einem Chronisten der Vampir-Herrscherin seine Lebensgeschichte. Bereits in seiner Kindheit verdunkelte sich der Himmel, ...

Gabriel de León ist der letzte Silberwächter, gefangen in einem Turmverlies erzählt er einem Chronisten der Vampir-Herrscherin seine Lebensgeschichte. Bereits in seiner Kindheit verdunkelte sich der Himmel, seitdem sind die Tage kaum heller als die Nächte, Vampirclans haben sich ausgebreitet und den Menschen ihren Lebensraum streitig gemacht. Der Orden der Silberwächter versammelt Halbblüter, die von ihren vampirischen Vätern die übernatürliche Stärke geerbt haben - als Gabriel dem Orden beitritt, ahnt er noch nicht, dass er einmal der berühmteste Kämpfer des Ordo Argentum sein wird.

"Das Reich der Vampire" von Jay Kristoff ist ein spannender Fantasy-Roman, nachdem mich die Geschichte einmal in ihren Bann gezogen hatte, mochte ich den E-Reader kaum noch aus der Hand legen. Und trotz des gewaltigen Umfangs schien es mir, dass ich gefühlt viel zu schnell am Ende dieses monumentalen Reihenauftakts angekommen war. Mit Gabriel schuf der Autor einen Protagonisten nach meinem Geschmack, er ist kein strahlender Prince Charming, sondern eine Figur, so düster wie seine Umgebung und mit vielschichtigem Charakter.

Zum Zeitpunkt der Rahmenhandlung hat er seinen einst so starken Glauben bereits verloren und berichtet desillusioniert von seiner Vergangenheit. Immer wieder wechselt die Erzählung zwischen zwei verschiedenen Zeitebenen, so dass der Leser Gabriel sowohl als Jugendlichen bei seinen Anfängertagen im Orden, als auch viele Jahre später, als innerlich gebrochenen Mann, erlebt. Dem Chronisten fiel dabei die Aufgabe zu, vor jedem neuen Abschnitt die Ereignisse des Zeitstrangs mit wenigen Sätzen zusammen zu fassen, so dass ich es leicht fand, mich wieder in die jeweilige Handlungsebene einzudenken .

Den Hintergrund bildet eine mittelalterliche Fantasy-Welt, geprägt von Dunkelheit und derber Umgangsweise - entsprechend rauh ist auch die Sprache gestaltet - man könnte beinahe behaupten, das Buch wäre nur halb so dick, wenn man sämtliche Schimpfwörter weg ließe. Doch meiner Meinung nach würde das Werk dadurch verlieren, für mich ist Gabriels Geschichte stimmig und authentisch dargestellt, in meinen Augen passt jedes Detail und trägt zum absolut fesselnden Gesamteindruck bei. Obwohl der Roman nicht mit einem Cliffhänger endet, finde ich es deutlich spürbar, dass Gabriels Geschichte noch lange nicht fertig erzählt ist und ich freue mich sehr darauf, die Fortsetzung in den Händen zu halten.

Insgesamt hat mich dieser Reihenauftakt bis zum letzten Satzzeichen hin begeistert, sogar die grafische Gestaltung des Buches ist für mich ein Highlight. Die seitengroßen Illustrationen passen in ihrem dunkel gehaltenen Stil perfekt zum Inhalt, selbst in der E-Book-Darstellung haben die Bilder ihren düsteren, eindrucksvollen Zauber entfaltet und mir so ein noch deutlicheres Bild von Gabriel und den Figuren in seinem Umfeld verschafft. Deshalb kann ich gar nicht anders, als für diesen eindrucksvollen ersten Band eine unbedingte Leseempfehlung auszusprechen.

Fazit: Mit dem ersten Buch, das ich von Jay Kristoff gelesen habe, hat mich der Autor direkt überzeugt, ich war trotz der großen Seitenzahl bis zum Ende hin gefesselt und bin auch Tage später noch überwältigt und begeistert - die opulent gestaltete Fantasy-Geschichte empfehle ich gern weiter.

Veröffentlicht am 11.07.2022

Bezaubernde Geschichte in sanftem, gemächlichen Erzählstil

Mr. Parnassus' Heim für magisch Begabte
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Seit 17 Jahren arbeitet Linus Baker bereits in der Behörde zur Betreuung magiebegabter Minderjähriger, er ist ein Beamter wie aus dem Bilderbuch. Doch sein neuer - höchst geheimer - Auftrag führt ihn weit ...

Seit 17 Jahren arbeitet Linus Baker bereits in der Behörde zur Betreuung magiebegabter Minderjähriger, er ist ein Beamter wie aus dem Bilderbuch. Doch sein neuer - höchst geheimer - Auftrag führt ihn weit aus dem gewohnten Umfeld weg, für ganze vier Wochen soll er auf einer Insel im Ozean ein Waisenhaus begutachten, das von einem Arthur Parnassus geleitet wird. Kaum angekommen, bemerkt Linus, dass die Kinder noch außergewöhnlicher sind, als er es sich vorgestellt hatte und zum ersten Mal in seiner gesamten Laufbahn bröckelt seine professionelle Distanz zu den jungen magischen Wesen.

"Mr. Parnassus' Heim für magisch Begabte" von TJ Klune ist eine wunderbar sanft geschriebene Geschichte, die ihren Zauber in leisen Zwischentönen entwickelt. Mich hat der Autor damit von der ersten bis zur letzten Seite begeistert, seine Figuren sind in meinen Augen ausgesprochen liebevoll und individuell gezeichnet. Dabei bedient Linus Baker, aus dessen Perspektive die Handlung erzählt wird, durchaus das eine oder andere Beamtenklischee, was mich während des Lesens öfter zum Schmunzeln gebracht hat - durch seinen Blickwinkel konnte ich auch die kleinen Veränderungen in seiner Wahrnehmung emotional mit erleben.

Der Schreibstil hat mich sehr gefesselt, obwohl ich das Handlungstempo eher als gemütlich bezeichnen möchte - die bewusst langsame, beinahe altmodisch anmutende Erzählweise hat meiner Meinung nach einen ganz besonderen Charme ausgestrahlt. Auch die Gefühle zwischen den Personen haben sich gemächlich und zart wie Schmetterlingsflügel entfaltet, der Hintergrund hat für mich Wohlfühlatmosphäre mit gebracht, so dass ich das Leseerlebnis insgesamt genossen habe, wie einen sonnigen Tag am Meer. Deshalb spreche ich für dieses wirklich zauberhafte Buch mit Freude eine Leseempfehlung aus.

Fazit: Die fantastische Geschichte entfaltet ihren Charme sanft und gemächlich, die Botschaft wird in leisen Zwischentönen transportiert. Mich hat diese Lektüre von Anfang bis Ende bezaubert, so dass ich das wunderbar fantasievolle Lesevergnügen gern weiter empfehle.