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Veröffentlicht am 13.03.2025

Große Ferien

Wenn die Tage länger werden
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„Seit Jahren war sie vor allem die Mutter eines Kindes gewesen, hatte in einem alterslosen, körperlosen Raum geschwebt, war mehr Funktion gewesen als Mensch, geschweige denn Frau.“ (S. 77)
Lisa ist 38 ...

„Seit Jahren war sie vor allem die Mutter eines Kindes gewesen, hatte in einem alterslosen, körperlosen Raum geschwebt, war mehr Funktion gewesen als Mensch, geschweige denn Frau.“ (S. 77)
Lisa ist 38 und seit 6 Jahren Mutter. Alles andere ist ihr gleichgültig geworden, nachdem ihr Partner sie und ihren Sohn Paul verlassen hat. Sie fühlt sich zu alt und hässlich, zu groß und dick, mit einem Wort – unansehnlich. Auch ihre Arbeit als Musiklehrerin im Gymnasium macht ihr nur bedingt Spaß. Die Balance zwischen Kind, Haushalt und Job gelingt ihr schon lange nicht mehr. Doch jetzt sind endlich Sommerferien und Paul fährt für 3 Wochen mit seinem Papa in den Urlaub. Erst hat sie Verlustängste, weiß nichts mit sich anzufangen, weil sich jeder Gedanke um Paul dreht. Dann genießt sie die plötzliche Freiheit und macht sich Vorwürfe, dass sie ihn nicht mehr vermisst. Ist sie eine schlechte Mutter, wie ihre Mutter immer behauptet?! Steht es ihr zu, ohne ihren Sohn glücklich zu sein, zum ersten Mal seit 6 Jahren wieder durchzuschlafen und auszugehen, vielleicht jemand Neues kennenzulernen?! Sollte sie nicht lieber sehnsüchtig und einsam auf seine Heimkehr warten?!
Zur Ablenkung will sie wieder Geige spielen, aber das Instrument ist in einem schlechten Zustand. Also bringt sie sie zu einem Restaurator. Dabei lernt sie dessen Tochter Ute kennen. Die Obstbäuerin hat ihr ganzes Leben dem Erhalt des Hofes ihrer Eltern gewidmet, aber jetzt hat sie wahrscheinlich nicht mehr lange zu leben. Ihre Mutter ist schon vor Jahren gestorben, ihr Vater über 90 und sie selbst hat nie einen Partner gefunden oder Kinder bekommen. Wofür also weiter kämpfen und die letzten Kraftreserven verschwenden? Sie kommt sich vor „Wie ein besiegter Feldherr, der mit einem Krückstock über ein altes Schlachtfeld schlich und von vergangenen Zeiten träumte.“ (S. 29). Doch dann platzt Lisa in ihr Leben und packt einfach mit an, stellt keine Fragen, heuchelt kein Mitleid, guckt nicht betroffen weg. Eine zarte Freundschaft entsteht, die ins Schwanken gerät, als Utes Vater etwas an der Geige entdeckt und Lisa sich mit ihrer totgeschwiegenen Familiengeschichte auseinandersetzen muss.

Ich habe (passend zum Titel) etwas länger gebraucht, um in das Buch zu kommen und mich in Lisa einzufühlen, weil ich ihre dauernden Selbstzweifel und fast schon komplette Selbstaufgabe nicht immer verstehen konnte – aber ich bin auch keine Mutter. Und wenn einem der Partner und die eigene Mutter immer wieder suggerieren, dass man nicht gut genug ist, glaubt man das leider irgendwann. Doch dann bemerkt Lisa zum Glück, dass sie mehr ist, als „nur“ eine unzureichende Mutter und Lehrerin, dass sie immer noch eine begehrenswerte Frau ist. Und auch, wenn aus ihr nicht die Stargeigerin geworden ist, auf die ihre Mutter sie trimmen wollte, hat sie doch Spaß am Musizieren – ohne Zwang und Wettbewerbe, ohne ein Instrument, das in der Familie vererbt wurde und an dem große Erwartungen hingen.

„Wenn die Tage länger werden“ ist ein sehr poetischer Roman. Anne Stern schreibt über die Gleichberechtigung und Wahrnehmung von Frauen und Männer als Mütter und Väter und ihren Aufgaben innerhalb der Familie. Ich musste dabei sofort an die Empörungswelle denken, die eine Podcasterin mit der Aussage, dass Väter gefeiert werden, wenn sie allein zum Kinderarzt gehen, ausgelöst hat.
Sie schreibt aber auch über die Versöhnung mit sich selbst, der Familie und der Vergangenheit bzw. Herkunft, über das Erkennen und Verstehen von (geerbten) Traumata, das Vergeben, aber nicht Vergessen, über Freundschaften und das Wiederfinden des Lebenswillens.
In gewisser Weise ist es auch ein Coming of Age Roman, weil Lisa erst mit Ende 30 in ihrer Rolle als Mutter, Alleinerziehende und trotzdem noch Tochter ankommt, sich endlich selbst findet.

Ein tiefsinniger Sommerroman über dunkle und helle Tage.

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Veröffentlicht am 09.03.2025

Ein Fremder, zwei Verbrechen

Stumme Zypressen
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„Kaum vorstellbar, dass all das heute Morgen mit zwei toten Gänsen angefangen hat.“ (S. 175)
Montegiardino flirrt in der Sommerhitze. Commissario Luca hat nicht viel zu tun, muss nur in einem Nachbarschaftsstreit ...

„Kaum vorstellbar, dass all das heute Morgen mit zwei toten Gänsen angefangen hat.“ (S. 175)
Montegiardino flirrt in der Sommerhitze. Commissario Luca hat nicht viel zu tun, muss nur in einem Nachbarschaftsstreit wegen eines hyperaktiven Hahns und zwei Dutzend Gänsen vermitteln. Ansonsten kann er sich ganz seiner frischen Beziehung mit Dottoressa Chiara widmen. Da reist nachts plötzlich ein unheimlicher Fremder an, der komplett schwarz gekleidet stundenlang über den Marktplatz patrouilliert. Die Einwohner bekommen Angst, Luca soll was unternehmen. Doch noch bevor er dazu kommt, werden zwei der Gänse getötet – das muss der Fremde gewesen sein! – und ein Wanderer wird angeschossen, der dem Fremden extrem ähnlich sieht. Plötzlich läuft Luca und Vice-Questora Aurora die Zeit davon.

„Stumme Zypressen“ ist bereits der vierte Teil der Reihe von Paolo Riva. Luca ist endlich wieder glücklich und genießt das Familienleben mit seiner Tochter Emma und Chiara. Darum nimmt er das Problem mit dem Fremden auch erstmal nicht ganz so ernst, schließlich ist diesem nichts nachzuweisen. Auch die toten Gänse beunruhigen ihn noch nicht, der verletzte Tourist sorgt allerdings für sehr viel Wirbel – und ausgerechnet Emma entdeckt einen sehr wichtigsten Hinweis.

Ich mag das toskanische Flair, die kulinarischen Genüsse – eben das Dolce Vita. Immer wieder spannend finde ich das Zusammenleben in der Kleinstadt, in der jeder jeden kennt, und wie sich die Protagonisten weiterentwickeln. Emma wird langsam erwachsen und nabelt sich ab bzw. interessiert sich nicht mehr nur aus Neugierde für die Fälle ihres Vaters, sondern weil sie mit ermitteln will – wächst da etwa schon die nächste Generation heran?!

Die Handlung kam diesmal etwas später in Fahrt und war insgesamt weniger aufregend als in den Vorgängerbänden, aber trotzdem war der Hintergrund des Falls sehr interessant und die Auflösung gut gemacht.

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Veröffentlicht am 07.03.2025

Saubere Ermittlungen

»Wenn Ende gut, dann alles«
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„Hilf mir.“ (S. 31) steht auf dem Zettel, den Möchtegern-Schriftsteller Tommi und seine ukrainische Putzfrau Svetlana im Rucksack eines kleinen Mädchens mit Down-Syndrom finden, das allein auf einer Landstraße ...

„Hilf mir.“ (S. 31) steht auf dem Zettel, den Möchtegern-Schriftsteller Tommi und seine ukrainische Putzfrau Svetlana im Rucksack eines kleinen Mädchens mit Down-Syndrom finden, das allein auf einer Landstraße unterwegs ist. Da sie sonst keine Hinweise auf ihre Identität bei sich hat und nicht spricht, rufen sie die Polizei. Die bringt das Kind erst in ein KKH und dann in ein Heim, weil sich niemand meldet. Das will Svetlana nicht hinnehmen, ein Kind gehört zu seiner Mutter! Und wenn die Polizei die nicht findet, sucht sie nicht richtig. Also muss sie das zusammen mit Tommi selbst in die Hand nehmen, ob der nun will oder nicht. Schließlich kann er die Recherche doch für seinen Thriller nutzen, an dem er seit 3 Monaten schreibt.

„Wenn Ende gut, dann alles“ ist der Auftakt einer Krimireihe von Volker Klüpfel, von der es hoffentlich noch viele Teile geben wird. Tommi und Svetlana sind Originale, die man sofort ins Herz schließt. Tommi, weil man ihn bemitleidet, da er als einziger nicht begreift, dass die „Beziehungspause“ seiner Freundin vor einem Jahr eine nette Umschreibung fürs Schlussmachen war, und Svetlana, weil sie ihn einfach zum Mitmachen zwingt, mit ihren grammatikalisch (und manchmal auch inhaltlich) recht fragwürdigen Sprichwörtern in den Wahnsinn treibt, ganz zu schweigen von den Hausmitteln, mit denen sie ihn traktiert (Knoblauch, Wodka und blaue Fäden gegen … ach, das lest ihr lieber selbst).

Tommi hat Svetlana zusammen mit einem alten Wohnmobil von seinem Vater geerbt. Wobei „übernommen“ vielleicht das bessere Wort wäre, denn noch lebt sein Vater, sogar ziemlich gut, im Seniorenheim, wo er rundum versorgt wird und sich ganz seinem, nennen wir es mal „Hobby“, widmen kann (welches, verrate ich natürlich nicht). Eigentlich ist Tommi Schriftsteller, aber er kommt nie zum Schreiben, weil Svetlana ihn angeblich immer wieder unterbricht. Sie kontrolliert, was er liest (russische Klassiker statt John Sinclair!) und isst, dass er sich genug bewegt, und wenn sie mit dem Putzen fertig ist, schneidet sie ihm auch noch die Haare. Kurz gesagt, sie ist die Verkörperung seines schlechten Gewissens. Und sie hat deutlich mehr kriminalistischen Spürsinn als er, ist impulsiv und risikofreudig, wo er konfus ist und erst mal ausgiebig grübeln muss. Doch ihre gemeinsame Verbrecherjagd läuft erstaunlich gut, sogar besser, als die der Polizei. Was aber auch daran liegt, dass sie schnell Hinweise finden, die in die Ukraine führen und Svetlana da einfach Sprach- und Heimvorteil hat.

Volker Klüpfel baut die Spannung langsam, aber kontinuierlich auf. Ich habe das Buch an nur zwei Abenden inhaliert und liebe die Situationskomik. Zudem punktet er mit ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden und schönen Sidekicks. Neben Tommis Vater, der für einige Aufregung sorgt, haben es mir besonders die Rommé-Runde im Café Klatsch und Herr Kleinschmidt vom Ordnungsamt angetan, der einen persönlichen Kleinkrieg wegen Dauerwohnens im Camper gegen Tommi führt.

5 Sterne und meine Empfehlung für diese #krimihighlight.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Ein Haus auf Amrum

Der Duft von Kuchen und Meer
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„Jetzt lag es an mir, eine Verbindung und die Vergangenheit zu finden, die meine Oma aus der Bahn geworfen hatte. Und die doch uns alle betraf.“ (S. 75)
Maren ist überrascht, als ihr ihre Oma Undine erzählt, ...

„Jetzt lag es an mir, eine Verbindung und die Vergangenheit zu finden, die meine Oma aus der Bahn geworfen hatte. Und die doch uns alle betraf.“ (S. 75)
Maren ist überrascht, als ihr ihre Oma Undine erzählt, dass sie vor vielen Jahren von ihrem Vater ein Haus auf Amrum geerbt hat. Doch sie will es nicht, hat die Insel schon mit 21 verlassen und sich geschworen, nie wieder zurückzukehren, auch wegen dem Streit mit ihrem Bruder Ocke, der immer noch dort lebt.
Maren ist seit dem Tod ihres Partners alleinerziehend, soll das Haus für sich und ihre kleine Tochter Leni haben, es vermieten oder verkaufen. Die Sache hat nur einen Haken, noch lebt Undines Tante Gesche darin. Die hat ein lebenslanges Wohnrecht, will jetzt aber zu ihrer Tochter ziehen und erwartet dafür einen monetären Ausgleich. Maren soll mit Leni hinfahren, sich das Haus ansehen, mit Gesche reden und dann entscheiden, was sie damit macht.

Das Buch weckt schon auf den ersten Seiten die Sehnsucht nach Kuchen und Mee(h)r. Maren ist Konditorin und träumt von einer Weiterbildung in Paris, will irgendwann ein eigenes Café eröffnen. Noch geht Leni vor, aber durch das vorgezogene Erbe könnte sie sich diesen Traum vielleicht bald erfüllen, schließlich ist das Haus auf Amrum einiges wert. Doch sobald sie auf der Insel angekommen sind, fühlen sie sich mit ihr verbunden, sind viel entspannter und weniger traurig als zu Hause. Der Verlust ihres Partners bzw. Papas ist plötzlich weiter weg. „Ich fühlte mich freier – und irgendwie auch zu Hause.“ (S. 258). Außerdem treibt sie die Neugier an. Maren will unbedingt ihre Familiengeschichte ergründen, Undine und Ocke aussöhnen. Dabei erfährt sie, dass sie das Backtalent von ihrer Urgroßmutter Hedwig geerbt hat, die 1946 der Liebe wegen nach Amrum gekommen ist.
Zusammen mit Leni erkundet sie die Insel, deren Geschichte, Sitten und Bräuche und versucht Öömrang (Friesisch) zu lernen.

Ich mag die Einbindung der Familiengeschichten und Geheimnisse, die in einer zweiten Zeitebene erzählt werden. Dadurch erfährt man, wie sich das Leben auf Amrum nach dem Krieg entwickelt hat, dass die Frauen die meiste Zeit des Jahren allein waren, weil die Männer zur See fuhren, und wie Marens Uroma Hedwig damit zurechtgekommen ist.

In Anne Barns Büchern erlebt man das Meer und die Inseln immer wieder neu. Ich mag ihren literarischen Schreibstil, den leicht melancholischen Unterton. Trotzdem verbreitet sie aber immer auch Hoffnung und Zuversicht.

Das perfekte Buch für eine Auszeit im Strandkorb oder wenigstens auf der heimischen Couch, um sich mal wieder ans Meer (und in die nächste Konditorei) zu träumen.

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Veröffentlicht am 02.03.2025

Zwei Frauen, eine Reise?

Weserleuchten
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Emilie ist eine anerkannte Naturforscherin und berühmt für ihre Herbarien. Trotzdem ist sie überrascht, als der reiche Bremer Kaufmann Jost Ostherloh sie zu einer Australien-Expedition einlädt. Bei den ...

Emilie ist eine anerkannte Naturforscherin und berühmt für ihre Herbarien. Trotzdem ist sie überrascht, als der reiche Bremer Kaufmann Jost Ostherloh sie zu einer Australien-Expedition einlädt. Bei den Vorbereitungen dazu lernt sie Louise kennen, eine Bürgerstochter und begnadete Zeichnerin. „Sie sind wirklich begabt. Wissen Sie, jemanden wie Sie könnten wir gut gebrauchen.“ (S. 20) Ihre Arbeiten würden sich perfekt ergänzen, aber natürlich ziemt es sich für Louise nicht. Schafft sie es trotzdem ins Team der Expedition?

Ich hatte aufgrund des Klappentextes gedacht, dass es in „Weserleuchten“ um die Reise von Emilie (und evtl. auch Louise) nach Australien geht, aber diese wird hier nur vorbereitet und das sehr umfangreiche Personal vorgestellt. Zum Glück gibt es zur besseren Übersicht ein Personenverzeichnis.

Emilie stammt aus einfachen Verhältnissen. Alles, was sie kann und weiß hat ihr ihr Mann beigebracht. Als sie entdeckt, dass er ihre Arbeitskraft nur ausnutzt und ihr das Angebot von Ostherloh verheimlicht, verlässt sie ihn und reist allein nach Bremen. Dort hat sie einen schweren Stand, wird von den männlichen Expeditionsteilnehmern nicht ernst genommen und muss sexuelle Übergriffe erdulden.
Louise stammt aus gutem Haus, hat aber früh ihre Mutter verloren und wurde vom iVater zu Verwandten gegeben. Inzwischen ist sie alt genug, um verheiratet zu werden, doch sie will aus dem goldenen Käfig ausbrechen und ihr Leben selbst bestimmen. Sie darf ja nicht mal allein ihre Freundinnen besuchen: „Immer war eine Begleitung erforderlich, eine Garantie für Anstand und Tugend in einer Welt, die die Selbstständigkeit einer Frau argwöhnisch beäugte. Wie ein unsichtbares Korsett umschlang die Etikette sie fest und unerbittlich.“ (S. 26) Und wenn sie schon heiraten soll, will sie ihren Mann gern selbst wählen. Sie hat sich in Ostherlohs Sohn Alexander verguckt, der ihr in gestohlenen Minuten immer wieder heiße Liebesschwüre macht, allerdings nie offiziell um ihre Hand anhält. Bald muss sie überlegen, wie viel sie für die Liebe riskieren will.

Christiane Lind schildert, wie Frauen verschiedener Gesellschaftsschichten von Männer bevormundet werden bzw. von ihnen abhängig sind und kaum eine Chance haben, ihr Schicksal zu ändern. Gemeinsam ist ihnen der Traum von einem selbstbestimmten und selbstfinanzierten Leben, das sie der Natur und Kunst widmen wollen.
Außerdem zeigt sie die unterschiedliche Lebensumstände. Während Emilie eine Kammer bei einer Witwe mit mehreren Kindern mietet, die von der Hand in den Mund leben und sich keine ärztliche Versorgung leisten können, wird Louise alles hinterhergetragen – Hauptsache, sie sieht auf dem nächsten Ball gut aus und angelt sich endlich einen Mann.
Die Gegebenheiten und Personen sind sehr anschaulich beschrieben. Die niedere Bevölkerung spricht Platt, was zwar schwierig zu lesen ist, aber gut zur Handlung passt. Etwas anstrengend fand ich allerdings Louises Fixierung auf Alexander und das ewige Auf und Ab ihrer Gefühle. Überhaupt sind die Männer bis auf wenige Ausnahmen hier nicht gut weggekommen.

Ein interessanter Auftakt der Reihe mit einigen Längen, ich hoffe, dass es in Australien etwas spannender wird.

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