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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.11.2021

Gekonnt konstruiert, spannend, lesenswert

Kant und der sechste Winter
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Ein Kriminalroman, der absolut passend zu der vor uns liegenden Weihnachtszeit seine spannende Handlung zwischen Weihnachtsbraten und verschneiten Straßen ausbreitet. Diesen unterhaltsam und psychologisch ...


Ein Kriminalroman, der absolut passend zu der vor uns liegenden Weihnachtszeit seine spannende Handlung zwischen Weihnachtsbraten und verschneiten Straßen ausbreitet. Diesen unterhaltsam und psychologisch klug geschriebenen Roman habe ich sehr gerne gelesen und hoffe auf weitere spannende Unterhaltung dieses Autors.

Bei Hauptkommissar Kant, einem nachdenklich-eigenwilligen Typ, seit 12 Jahren allein lebend, ist vor 4 Wochen Frida, seine pubertär-anstrengende Tochter, eingezogen. Ausgerechnet als er den Weihnachtsbraten in den Ofen schieben will, wird er zu einem Einsatz gerufen: Ein Toter liegt auf der vereisten Straße. Eigentlich sieht das Ganze aus wie ein Unfall mit Fahrerflucht. Doch eine Anwohnerin will gesehen haben, dass die Fahrerin des Unfallwagens den bereits am Boden liegenden Mann erwürgte. Glaubwürdig oder nicht? Kant und sein Team nehmen die Ermittlungen auf und geraten immer tiefer in seltsame Verstrickungen aus früherer Zeit. Alle möglichen Überlegungen und Spuren scheitern an der Mauer des Schweigens der befragten Personen, insbesondere in einem kleinen Dorf am Ammersee….

Gekonnt geschrieben ist der Kriminalroman, spannend und unterhaltsam gleichermaßen. Dank wechselnder Perspektiven wird der Leser tief in die Geschichte hineingezogen, in eine Geschichte um Schuld und Rache, aber auch um Lug und Trug und – natürlich - auch um Liebe. Kant gehört meine ganze Sympathie. Hoffentlich kann ich ihm bald wieder begegnen!
Fazit: Unterhaltsam-spannend, lesenswert!

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Veröffentlicht am 07.11.2021

Ein Kinderbuch, das ein Dauerlächeln ins Gesicht zaubert

Die Lama-Gang. Mit Herz & Spucke 1: Ein Fall für alle Felle
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Keine Frage – Lamas sind sehr individuelle Persönlichkeiten. Da gibt es auf Gut Erlenbach zum Beispiel den hell- und dunkelbraun gefleckten, überaus schlauen Einstein, der allerdings auch großen Wert ...


Keine Frage – Lamas sind sehr individuelle Persönlichkeiten. Da gibt es auf Gut Erlenbach zum Beispiel den hell- und dunkelbraun gefleckten, überaus schlauen Einstein, der allerdings auch großen Wert auf Ruhe und Gleichmaß legt. Ganz anders die schneeweiße Petersilie. Sie ist eine sehr zickige Dame, sozusagen ein Drama-Lama, das aus jeder Mücke einen Elefanten macht. Die Betreiber von Gut Erlenbach, die Familie Sonnenschein mit den Töchtern Finja und Lilly, sind in Aufregung, denn die Ankunft eines neuen Lama-Mitbewohners steht kurz bevor. Petersilie und Einstein sind gar nicht begeistert, denn der Neuzugang ist bestimmt doof und vor allen Dingen anstrengend. Ach ja, was noch wichtig ist: Lamas sind offensichtlich klüger als Menschen, denn sie können miteinander sprechen und verstehen, was die Menschen sagen. Menschen jedoch verstehen Lamas nicht. Das ist doch Beweis genug, oder? Als der rabenschwarze Neue aus dem Hänger steigt, wird er sofort aufgrund seiner sehr speziellen Frisur Vokuhila genannt, und mit seiner unerschütterlichen Fröhlichkeit erobert er alle Herzen im Nu. Dass er alle mit seinen Schlabberküssen überschüttet, ist allerdings gewöhnungsbedürftig. Als eines Nachts auf dem Gut eingebrochen wird unter Mitnahme einer sehr seltsamen Beute, beschließen die drei Lamas die Gründung einer Lama-Gang, denn sie möchten unbedingt den Raub aufklären, auch wenn die Menschen wieder einmal gar nichts verstehen…

Heike Eva Schmidt ist ein wundervolles Kinderbuch gelungen, das außerordentlich lebendig und humorvoll geschrieben ist. Durch die einfache Sprache eignet es sich perfekt für Leseanfänger, ist aber auch ideal zum Vorlesen. Denn die vielen Dialoge, teils mit urkomischen Missverständnissen gewürzt, machen rundum Spaß. Und die Spannung kommt natürlich auch nicht zu kurz. Wie der erste Fall der Lama-Gang eine ganz unerwartete Aufklärung findet, müsst ihr unbedingt selber lesen!
Die liebevoll erzählte, herzerwärmende Geschichte wird enorm bereichert durch die herrlich treffenden, witzigen und ausdrucksstarken Illustrationen von Niko Renger. Besser geht es nicht, spuckeklar! Ach ja, nicht zu vergessen: Am Ende des Buches gibt es ein Rezept für Knabber-Müslistangen für Zweibeiner. Botschaft an die Erwachsenen: Unbedingt ausprobieren.

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Veröffentlicht am 07.11.2021

Wirkt wie eine Sammlung von Fundstücken aus der Ideenkiste

Eifersucht
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Eigentlich mag ich Erzählungen. Ich mag es, wenn eine Geschichte nicht weit ausholt, sondern sich bemüht, das Wesentliche auf komprimierte Weise in nachvollziehbare und eindringliche Schilderungen zu ...


Eigentlich mag ich Erzählungen. Ich mag es, wenn eine Geschichte nicht weit ausholt, sondern sich bemüht, das Wesentliche auf komprimierte Weise in nachvollziehbare und eindringliche Schilderungen zu fassen, um – im besten Fall – den Leser doch noch in letzter Sekunde in die Verwirrung zu stürzen oder in die Überraschung oder in die Verblüffung.
Mit solchen Erwartungen startete ich die Lektüre, denn dass der Autor schreiben kann, wusste ich durch Lektüre des einen oder anderen Kriminalromans aus seiner Feder.

Was ich hinter den blauen Schnittkanten des Buches fand, waren sieben unterschiedlich lange Erzählungen, in denen es mehr oder weniger frei interpretiert um das Thema Eifersucht geht. Schön und gut soweit. Warum nur gefiel mir die Lektüre nicht? Ein Grund mag darin liegen, dass der anspruchsvolle Schreibstil des Autors, seine Lust an philosophisch wirkenden Gedankenschleifen und mitunter fast lyrisch anmutenden Beobachtungen sich nicht wirklich in die komprimierte Form der Erzählung pressen lässt. Nesbo’s Erzählweise fordert viel Raum, muss sich ausdehnen können, um ihre Intensität entfalten zu können. So entwickelt der Autor ausschweifend kompliziert gestrickte Geschichten, die zu verfolgen den Leser im Verlauf eher ermüdet als fesselt. Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind die Erzählungen vorhersehbar, sogar die Twists bieten Erwartetes. Die handelnden Personen bleiben dem Leser emotional fern durch ihre nüchtern-sachlichen Darstellungen. Im Grunde genommen wirken die Texte im Buch wie aus der Schublade des Autors geholte Szenen, die er über die Jahre gesammelt hatte, um sie irgendwann in einem seiner Romane unterzubringen, eine Art Ideensammlung zum Thema „zwischenmenschliche Konflikte“.

Fazit: Sieben Geschichten, die in ihren unterschiedlichen Qualitäten wirken wie mühsam zusammengesuchtes Material, um ein weiteres Buch des geschätzten Autors auf den Markt zu bringen. Eine enttäuschende Lektüre!

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Veröffentlicht am 28.10.2021

Spannend, fesselnd, temporeich

Meeressarg (Ein Fabian-Risk-Krimi 6)
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Allem voran: Der Autor kann schreiben, und wie! Packend, lebendig, fesselnd, spannend. Vermutlich wäre es ratsam gewesen, die Vorgängerbände um Fabian Risk zu kennen, was jedoch von Verlagsseite nicht ...


Allem voran: Der Autor kann schreiben, und wie! Packend, lebendig, fesselnd, spannend. Vermutlich wäre es ratsam gewesen, die Vorgängerbände um Fabian Risk zu kennen, was jedoch von Verlagsseite nicht kommuniziert wird.
Kim Sleizner ist der skrupellose Polizeichef von Kopenhagen und der absolute Erzfeind von Kommissar Fabian Risk. Fabians ehemalige Kollegin Dunja Hougard ist seit Monaten untergetaucht und ermittelt verdeckt gegen Kim Sleizner. Mit Unterstützung von zwei Bekannten und mittels perfekter technischer Ausstattung überwacht sie ihn rund um die Uhr. Fabian Risk unterstützt sie bei der Suche nach Beweisen. Als in einem Auto, das unter Wasser im Hafen von Kopenhagen gefunden wird, die Leichen von einem Mann und einer Frau entdeckt werden, sieht sich Kim Sleizner in akuter Gefahr…
Vermutlich hätte ich zu Dunja Hougard und Fabian Risk einen besseren, wohl auch emotionaleren Zugang gefunden, wenn ich die Vorgängerbände gelesen hätte. Doch auch ohne diese Kenntnisse nahm mich die Handlung von Anfang an gefangen. Der Kriminalroman ist ein echter Lesegenuss, spannend aufgebaut und perfekt konstruiert. . Kurze Kapitel und rasche Szenenwechsel halten den Leser permanent in Spannung. Die Zeitsprünge und verschiedenen Handlungsstränge fordern den Leser allerdings sehr. Und der durchaus anspruchsvolle Schreibstil erfordert ein sehr aufmerksames Lesen. Die Person des Ermittlers Fabian Risk, der mit dem Tod seines Sohnes zurechtkommen muss, wird meiner Meinung nach in den Beschreibungen ein wenig zu sehr vernachlässigt im Vergleich zu der undercover ermittelnden Dunja Hougard. Doch dies mag wirklich damit zusammenhängen, dass ich die Vorgängerbände nicht kenne. Dennoch hat mich alles in allem dieser Kriminalroman völlig überzeugt, denn die temporeiche und farbig-lebendig-spannende Erzählweise macht echte Lesefreude.

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Veröffentlicht am 26.10.2021

Spannend zu lesen, fachlich fundiert, leider mit klischeehaft skizzierten Personen

Probe 12
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Was liegt näher, als in Corona-Zeiten einen Thriller herauszubringen, der mit den Beunruhigungen oder gar Ängsten spielt, die wir alle selbst erlebten oder noch erleben. Die fiktive Handlung des vorliegenden ...


Was liegt näher, als in Corona-Zeiten einen Thriller herauszubringen, der mit den Beunruhigungen oder gar Ängsten spielt, die wir alle selbst erlebten oder noch erleben. Die fiktive Handlung des vorliegenden Buches kommt uns durch unsere eigenen eben erst gemachten Erfahrungen sehr viel näher als andere Spannungsliteratur. Das Thema Bioterrorismus wurde von den beiden Autorinnen sehr gekonnt in Szene gesetzt, auch wenn es Anlass zu ein paar Kritikpunkten gibt. Ich fühlte mich jedenfalls durchgängig sehr gut unterhalten.
Nina Falkenberg ist Journalistin und erlebt in Georgien während eines Besuches bei ihrem ehemaligen Mentor Anasias einen Anschlag, bei dem Anasias getötet wird. Nina hatte jedoch vorher noch erfahren, dass er ein Medikament gegen die höchst gefährlichen multiresistenten Keime entwickelt hatte, und sie muss nun mit Entsetzen erleben, wie das Labor und damit alle Probenreihen und Medikamente in Flammen aufgehen. So versucht sie, in Berlin zusammen mit dem Foodhunter Tom Morell die Forschungsergebnisse nachzuvollziehen, nicht zuletzt, um die Tochter von Tom zu retten, die, infiziert durch ihren Vater, an einem dieser Keime erkrankt und hoffnungslos austherapiert ist. Doch es gibt extrem gefährliche Gegner, die skrupellos weder vor Entführung noch Mord zurückschrecken…
Ganz grundsätzlich ist es den beiden Autorinnen gelungen, das Thema gekonnt wendungsreich in Szene zu setzen. Das Buch liest sich durchweg spannend und ist fachlich gut untermauert, was das Verdienst von Susanne Thiele ist, die als Mikrobiologin und Biochemikerin immer wieder durch Erläuterungen und Zusammenhänge aus ihren Fachbereichen verständlich und ganz und gar nicht langweilig dem Thriller mehr Substanz gibt. Kathrin Lange versteht es, den Spannungsbogen hoch zu halten und zum Ende hin noch zu steigern. Allerdings scheut sie nicht davor zurück, ihre Protagonisten sehr klischeehaft darzustellen. Offenbar ging es den Autorinnen mehr um eine fesselnde Geschichte rund um das Thema Bioterror, ganz und gar nicht aber um eine feinere psychologische Ausarbeitung der handelnden Personen. Das ist schade, weil gerade die so sehr gelungene fachliche Untermauerung des Thrillers eine differenziertere Darstellung der Personen verdient hätte. Auch sind die oftmals willkürlich wirkenden Perspektivwechsel innerhalb eines Kapitels etwas nervig. Und einem fähigen Korrektor hätte eigentlich der mehrfach vorkommende grammatikalisch unzulässige Komparativ „als wie“ schmerzhaft auffallen müssen.
Dennoch in der Summe eine empfehlenswerte Lektüre, denn das spannende Thema ist fachlich fundiert, fesselnd und gut lesbar aufbereitet, leider mit etwas klischeehaft skizzierten Protagonisten.

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