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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.08.2021

Faszinierend, geistreich, begeisternd - Forensic-Crime vom Feinsten

Tote schweigen nie
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Das ist mir ja noch nie passiert: Ich las und las, und als ich das Buch zuschlug, bemerkte ich, dass ich völlig vergessen hatte, mir wie sonst üblich während des Lesens Notizen für die spätere Rezension ...



Das ist mir ja noch nie passiert: Ich las und las, und als ich das Buch zuschlug, bemerkte ich, dass ich völlig vergessen hatte, mir wie sonst üblich während des Lesens Notizen für die spätere Rezension zu machen. Ein begeisternder Thriller-Reihenauftakt hatte mich völlig in seinen Bann geschlagen!

Cassie Raven ist Assistentin der Rechtsmedizin. Ihr Gothic-Look und ihre Tattoos wirken durchaus etwas befremdlich, und doch besitzt Cassie eine besonders ausgeprägte Sensibilität. Nicht nur, dass sie bei einer Begegnung mit Trauernden ihre zahlreichen Piercings vorher abnimmt, um die Angehörigen nicht allzu sehr zu verstören. Nein, sie geht mit den „Gästen“, wie sie die Toten bezeichnet, sehr achtungsvoll um, spricht mit ihnen und manchmal, ja manchmal erhält sie sogar eine Antwort. Wie zum Beispiel, als sie ihre überaus geschätzte Mentorin auf den Seziertisch bekommt. Angeblich sei sie in ihrer Badewanne ertrunken. Doch Cassie hört genau hin: „Meine Zeit ist noch nicht gekommen“ raunt ihr der Leichnam von Mrs. Edwards zu. Doch wie soll Cassie den Mord, von dem sie überzeugt ist, beweisen? Erst als die Einäscherung kurz bevorsteht, findet sie unerwartet Unterstützung durch die nüchtern-kühle DS Phyllida Flyte.

A.K. Turner ist es gelungen, jenseits der üblichen Thriller-Szenarien eine sehr eigene und damit faszinierende Welt zu schaffen. Cassie Raven und Phyllida Flyte sind jeweils auf ihre Art besondere Menschen. Ihr schwieriges Zueinanderfinden in diesem ersten Band lässt für die Folgebände auf äußerst aufregende weitere Ermittlungsfälle hoffen. Von Anfang bis Ende sehr spannend, abwechslungsreich und lebendig erzählt die Autorin in einem leicht eingängigen, dabei aber sensibel-geistreichen Schreibstil. Der Plot ist schlau und letztlich überraschend konzipiert. Dass sorgfältige Recherche-Arbeit dem Thriller zugrunde liegt, spürt man in allen Details.
Kurzum: Ein begeisternder, überraschend ungewöhnlicher und durchweg spannender Forenic-Thriller.

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Veröffentlicht am 12.08.2021

Voyeur sein beim spannenden Spiel zwischen Schein und sein

Home, sweet home
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Der Originaltitel „Sackgasse“ wäre fast noch ein wenig passender gewesen als „Home, sweet home“. Denn Joy Fielding hat einen unglaublich intensiv wirkenden Roman geschrieben über das, was hinter verschlossenen ...



Der Originaltitel „Sackgasse“ wäre fast noch ein wenig passender gewesen als „Home, sweet home“. Denn Joy Fielding hat einen unglaublich intensiv wirkenden Roman geschrieben über das, was hinter verschlossenen Türen in den Häusern passiert, die entlang einer Sackgasse stehen. Es sind Menschen, die sich auch in ihrem Leben in einer Sackgasse befinden und unterschiedliche Überlebensstrategien entwickeln.

Über den Inhalt braucht man nicht viel zu erzählen. In Palm Beach Gardens in Florida in einer Sackgasse mit Wendeschleife stehen mehrere gepflegte Häuser in einer gepflegten Gegend. Man hat wenig mit den Nachbarn zu tun, grüsst sich und schließt die Tür fest hinter sich zu. Die alltäglichen menschlichen Dramen hinter den Haustüren bleiben normalerweise den Augen der Nachbarn verborgen, bis eines Tages die Dinge eskalieren…

Immer wieder bewundere ich, wie es Joy Fielding gelingt, aus alltäglichen, fast banal wirkenden Situationen und deren Schilderungen eine zunehmende Spannung, eine sich zuspitzende Bedrohung herauszuarbeiten. Im vorliegenden Roman wird der Leser zum Voyeur. Wer würde nicht allzu gerne sehen, was beim Nachbarn hinter verschlossener Tür geschieht? Joy Fielding lässt uns hineinschauen in die verschiedenen Lebensdramen, und sie macht das so geschickt und psychologisch stimmig, dass wir mit den Protagonisten mitleiden, verzweifelt sind, hilflos oder auflehnend, gelassen oder wütend. Die Alltäglichkeit der individuellen Dramen wirkt so entsetzlich, weil sie immer und überall möglich sind. Bis zum Schluss hofft man voller Spannung, dass es im Roman ein gutes Ende geben wird, denn wir alle wünschen uns auch in unserem Leben, dass alles gut wird. Aber Joy Fielding lässt uns wissen, dass manchmal nur noch die totale Zerstörung zum Neuanfang führen wird.
Fazit: Ein Roman mit immanenter Spannung, fesselnd zu lesen und psychologisch stimmig, über Schein und Sein.

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Veröffentlicht am 10.08.2021

Ein Buch voller Geschichten in der Geschichte

Der längste Tag im Leben des Pedro Fernández García
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Ohne Lanzarote je gesehen zu haben, gewann ich durch das Buch einen unvergesslichen farbig-plastischen Eindruck von der Insel und seinen Bewohnern. Und dieser Eindruck blieb mir am meisten hängen vom ...


Ohne Lanzarote je gesehen zu haben, gewann ich durch das Buch einen unvergesslichen farbig-plastischen Eindruck von der Insel und seinen Bewohnern. Und dieser Eindruck blieb mir am meisten hängen vom Roman, den ich sehr gerne gelesen habe.

Der Postbote Pedro in Yaiza hat ein ruhiges Leben, denn das Internet hat ihn seiner eigentlichen Aufgabe entledigt. Wer schreibt heute noch Briefe? Also sortiert er Werbesendungen, trägt diese gewissenhaft aus, fährt regelmäßig mit seiner Honda quer über die Insel zum Nachweis seiner Geschäftigkeit, trinkt am Hafen Café con leche, bringt seinen Sohn Miguel zur Schule und holt ihn wieder ab. Er hat sich gut eingerichtet in diesem ruhigen Leben. Carlota, seine große Liebe, aber trennt sich von ihm, zieht nach Barcelona und nimmt Miguel mit. Pedro ist am Boden zerstört. Selbst sein ziemlich verrückter Freund Tenaro, angeblich mit Hemingway verwandt, schafft es nicht, ihn aufzuheitern. Bis Amado der Flüchtling auftaucht und die drei zusammen planen, Pedros Sohn Miguel zurückzuholen.

Was das Buch auszeichnet, neben seiner eindrücklichen Schilderung von Land und Leuten, ist seine Erzählfreude. Denn in die Handlung eingestreut sind viele weitere kleine Geschichten, Lebensgeschichten, aber auch politische Geschichten, komische Geschichten und Geschichten von Vulkanausbrüchen; eine Wundertüte an Tragikomik, deren Inhalt der Autor für uns ausbreitet. Aber es geht auch um den spanischen Bürgerkrieg und aktuelles Geschehen, es geht um die Schuldfrage und um das Thema Flucht, denn der Vergangenheit kann man nicht entfliehen. Glücklicherweise ist die ausufernde, weitschweifige Erzählweise niemals langweilig, im Gegenteil. Das Buch ist kurzweilig, wie das Leben selbst, heiter und traurig, ruhig und chaotisch und auch ein wenig weise.

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Veröffentlicht am 08.08.2021

Liebevoll gestaltetes Mitmach-Buch für die Kleinsten

Meine Schiebebahn-Pappe: Fahr mit auf dem Bauernhof
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Für die Kleinsten ist ein interaktives Bilderbuch ist immer schön und führt zu einer längeren oder wiederholten Beschäftigung mit dem im Buch dargestellten Thema, insbesondere wenn es so liebevoll gemacht ...


Für die Kleinsten ist ein interaktives Bilderbuch ist immer schön und führt zu einer längeren oder wiederholten Beschäftigung mit dem im Buch dargestellten Thema, insbesondere wenn es so liebevoll gemacht ist wie die Reihe „Fahr mit!“ aus dem Esslinger Verlag.

Im vorliegenden Buch werden die Kleinsten und Kleinen auf einen Bauernhof eingeladen. Die wenigsten Kinder erleben heute noch das Leben auf dem Bauernhof. Deshalb finde ich diesen Titel aus der Reihe „Fahr mit!“ besonders wichtig. Bauer Franz und Bäuerin Frieda haben sehr viel Arbeit auf ihrem Butterblumenhof. Da ist zum Beispiel für das Futter der Kühe das Gras zu schneiden oder das Stroh auf dem Feld zu Strohballen zu pressen als Einstreu für die Tiere, oder es ist mit dem vollbeladenen Transporter auf den Markt zu fahren und vieles mehr.

Auf den dicken, robusten Seiten gibt es ganz viele Details zu entdecken. Viele verschiedene Tiere sind zu finden. Der akkurat angelegte Gemüsegarten hat es mir besonders angetan und die auf verschiedenen Seiten zu findenden Pferde und Hunde. Alles ist freundlich, bunt und lebensfroh dargestellt. Der besondere Gag des Buches ist, dass man auf vorgegebenen Bahnen mit dem Pferdeanhänger oder Mähdrescher oder Milchsammelwagen der Bauernfamilie zu Hilfe kommen kann. Gar nicht so einfach, mit den runden Schiebeelementen, ohne dass der Traktor oder Milchsammelwagen auf dem Kopf steht, über die Wege zu fahren. Das schult die Feinmotorik der Kleinen auf spielerische Weise. Der auf jeder Doppelseite eingefügte Text ist kurz, informativ und lädt dazu ein, die Abbildungen noch genauer anzuschauen.

Fazit: Sehr liebevoll gestaltetes Mitmach-Bilderbuch für die Kleinsten.

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Veröffentlicht am 07.08.2021

Ein spannendes und fantasievolles Plädoyer für die Bewahrung der Natur

Daliahs Garten - Das Geheimnis des grünen Nachtfeuers
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Die Gestaltung des Covers ist so verlockend, dass man sich dem kaum entziehen kann. Besser hätte man die Welt der Tausend Farben gar nicht darstellen können. Umso enttäuschter war ich, als die Illustration ...



Die Gestaltung des Covers ist so verlockend, dass man sich dem kaum entziehen kann. Besser hätte man die Welt der Tausend Farben gar nicht darstellen können. Umso enttäuschter war ich, als die Illustration des Einbandes tatsächlich die einzige im gesamten Buch ist. Das ist so schade, denn die Geschichte hätte es wahrlich verdient, sowohl auf edlerem Papier gedruckt zu werden, als auch mit weiteren fantastischen Illustrationen versehen zu werden. Auch wenn das Buch damit teurer geworden wäre – verdient hätte es die Geschichte auf jeden Fall!

Daliah muss mit ihren Eltern das Schloss Lilienfels, in dem sie aufgewachsen ist, verlassen und in die Stadt ziehen, weil das Schloss verkauft worden war. Daliah ist sehr traurig darüber. Wie gut, dass sie sich mit Rahim, dem Sohn des neuen Schlossbesitzers, so gut versteht. Mit ihm zusammen verfolgt sie ein geheimnisvolles Licht, das im verbotenen Teil des Schlossgartens auftaucht. Was dann alles an Unglaublichem und Aufregendem passiert, müsst ihr unbedingt selber lesen!

Dass Daliah die besondere Gabe hat, die Gefühle anderer als farbigen Schimmer wahrzunehmen, lässt sie zu einer besonderen Protagonistin werden. Sie kann dadurch mühelos und mutig zwischen der realen Welt und der fantastischen Welt der Tausend Farben wechseln. Und sie spürt, dass eine besondere Gabe immer auch eine besondere Verantwortung mit sich bringt. Sie spürt, dass die Natur, die so sehr bedroht ist von Menschen mit „dunklen“ Gedanken, Unterstützung braucht. Diese und noch weitere wichtige Botschaften sind unauffällig in der Geschichte verborgen, was mir sehr gut gefiel. Die Autorin erzählt mit schier unerschöpflicher Fantasie und auf sehr aufregend-spannende Weise. Da störte es mich nicht, dass der Sprachstil gelegentlich etwas unbeholfen wirkt.

Fazit: Eine Geschichte, die voller Fantasie und Abenteuer ein Plädoyer ist für die Natur, die viel mehr für unser Leben ist als nur eine bunte Verzierung.

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