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Veröffentlicht am 23.01.2023

Interessanter Blickwinkel!

Die Chemie des Todes
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Ein forensischer Anthropologe startet als Landarzt einen Neuanfang in einer beschaulichen Gemeinde. Könnte fast nach cozy crime klingen, wäre da nicht eine ordentliche Portion Krabbeltierchen.

Auch nach ...

Ein forensischer Anthropologe startet als Landarzt einen Neuanfang in einer beschaulichen Gemeinde. Könnte fast nach cozy crime klingen, wäre da nicht eine ordentliche Portion Krabbeltierchen.

Auch nach mehreren Jahren ist David Hunter noch immer „der Zugezogene“. Weniger überraschend also, dass er skeptisch beäugt wird, nachdem eine Frauenleiche im Wald entdeckt und er häufiger mit der Polizei gesichtet wird. Die Tote war Schriftstellerin und ebenfalls zugezogen – kurz: Eine Außenseiterin. In Kombination mit den Schwanenflügeln, mit denen sie ausstaffiert wurde, handelt es sich um einen ungewöhnlichen Fall für die Polizei und Gerichtsmedizin auf dem Lande. Und so unterstützt David die Ermittlungen, während das Dorf eine ganz eigene Dynamik entwickelt.

Mir hat 𝐃𝐢𝐞 𝐂𝐡𝐞𝐦𝐢𝐞 𝐝𝐞𝐬 𝐓𝐨𝐝𝐞𝐬 richtig gut gefallen. Der Erzählstil ist für mein Empfinden eher ruhig, gleichzeitig konnte ich mir das Getuschel hinter vorgehaltener Hand sehr gut vorstellen. Ich würde die Spannung als subtil beschreiben, aber für mich muss ein Thriller auch nicht durchgehend von Pauken und Trompeten begleitet werden.

David Hunter ist eine recht typische Figur, seine eher verschlossene Art hat mir dennoch gut gefallen. Außerdem sind einige Figuren sehr überspitzt dargestellt, z. B. der Priester, der die Chance ergreift, den Aufruhr für seine Ziele zu nutzen. Er passt aber gut in die Landidylle, die sich langsam wandelt.

Davids Träume waren mir etwas zu viel und die aufkeimende Liebe wird für mein Empfinden eigenwillig geschildert, aber in Kombination mit dem wütenden Mob, habe ich gern mitgefiebert. Außerdem waren die forensischen Aspekte sehr interessant!

Insgesamt hat mir der Auftakt gut gefallen – vor allem, dass nicht immer jede:r gerettet werden kann – wobei das Ende weniger nach meinem Geschmack war.

Zusatz: Das Buch wurde inzwischen auch verfilmt!

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Veröffentlicht am 20.01.2023

Ein Märchen über Schönheit, Mut und Erwartungen

Das Mädchen mit dem Herz aus Gold
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„In jeder dieser Geschichten ging es um tapfere Könige, strahlende Königinnen und unfassbar schöne Prinzessinnen. So sollte es eigentlich sein, dachte das arme Mädchen. Aber irgendwie ist alles schiefgelaufen. ...

„In jeder dieser Geschichten ging es um tapfere Könige, strahlende Königinnen und unfassbar schöne Prinzessinnen. So sollte es eigentlich sein, dachte das arme Mädchen. Aber irgendwie ist alles schiefgelaufen. Ich habe es falsch gemacht. An mir ist alles falsch.“

Violet ist leidenschaftliche Geschichtenerzählerin, eine mutige Abenteurerin und die Prinzessin von Andulanien. Doch nicht schlammbedeckte Stiefel sorgen für Probleme, sondern Violets (fehlende) Schönheit, denn „jeder weiß, dass eine richtige Prinzessin immer schön ist“. Sie entspricht nicht den Prinzessinnen aus den Büchern: Ihre Zähne glänzen nicht wie Perlen und auch ihre Haare sind nicht seidig. Doch ist es wirklich das, was zählt? Als sie eines Tages auf eine geheime Kammer im Schloss stößt, bietet das dort gefangene Wesen Violet einen Handel an: Schönheit gegen einen klitzekleinen Gefallen…

Interessant ist in meinen Augen, dass uns der Geschichtenerzähler Cassian von Violets Erlebnissen berichtet – und nicht sie selbst. Diese Perspektive unterstreicht die märchenhafte Atmosphäre, ist aber ggf. zunächst gewöhnungsbedürftig. Die Kapitel sind außerdem sehr kurz gehalten, was mir für ein Buch, das sich an jüngere Leser:innen richtet, passend gewählt vorkommt – vor allem, wenn man sich die Geschichte gegenseitig vorliest.

Gut gefallen hat mir, dass Violet ihre neue aus Märchen inspirierte Schönheit nicht nur Vorteile bringt und die Ideale, mit denen sie stets konfrontiert wurde, im Laufe der Geschichte auf verschiedene Weisen kritisch adressiert werden. Ihre Charakterentwicklung habe ich als sehr gelungen und authentisch empfunden. Besonders schön fand ich in diesem Zusammenhang eine Stelle, die das möglicherweise zwischenzeitlich eher negative Bild der Leser:innen von Violet in meinen Augen ohne viel Schnickschnack abmildert: „Klugheit bedeutet nicht, dass man keine Fehler macht oder alles schon vorher weiß. Klug sein bedeutet, dass man dazulernt“.

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Veröffentlicht am 20.01.2023

Der Tod als ständiger Begleiter

Winterstern (Anthologie)
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Nachdem meine Begeisterung für Kurzgeschichten wieder entflammt wurde, habe ich mich sehr auf Winterstern gefreut. Besonders interessant finde ich, dass sich die Autor:innen ganz unterschiedliche Zugänge ...

Nachdem meine Begeisterung für Kurzgeschichten wieder entflammt wurde, habe ich mich sehr auf Winterstern gefreut. Besonders interessant finde ich, dass sich die Autor:innen ganz unterschiedliche Zugänge zum Thema Winterstern gesucht haben. Dadurch hatte jede Geschichte etwas Eigenes. Es geht z. B. um einen Spuk, magische Fähigkeiten sowie – was ich viel zu selten lese – Zwerge und Drachen!

Ich hatte erwartet, mich mit der Anthologie auf die besinnliche Jahreszeit einstimmen zu können. Dem war zum Großteil nicht so. Dies lag für mich insbesondere an den weniger leichten Themen, denn die starke Präsenz von Tod & Verlust haben mir persönlich gar nicht gefallen. Es gab durchaus Geschichten, denen das bittersüße Gefühl gestanden hat, für mich hat es insgesamt aber nicht dazu gepasst, dass die Anthologie „zum Lachen, Lieben, Gruseln, Träumen, Hoffen und Bangen“ einlädt. Das macht die Kurzgeschichten nicht weniger lesenswert, ich hätte mir jedoch einen anderen Klappentext und ggf. TW (z. B. Suizid) gewünscht.

Lassen wir meine Erwartungen einmal außen vor: Einige Geschichten konnten mich direkt für sich gewinnen, bei anderen hatte ich meine Schwierigkeiten. Ich sehe diesen Punkt allerdings eher als Vorteil, denn die Vielfältigkeit an Ideen und Schreibstilen führt sicher dazu, dass für jede:n ein Highlight dabei ist. Hervorheben möchte ich vor allem:

Allein – Eine Protagonistin, die auf wenige magische Fähigkeiten zurückgreifen kann, es aber durch Köpfchen wettmacht.

Hölzern – Thematisch stach die Geschichte für mich am meisten heraus. Es geht um einen Puppenspieler und seine Puppen. Cooles Thema!

Außerdem gibt es eine wirklich süße, wenn auch vorhersehbare, queere Geschichte, die mir viel Spaß gemacht hat.

Insgesamt finde ich, dass Anthologien eine tolle Möglichkeit sind, neue Autor:innen zu entdecken. Bei Winterstern haben meine Erwartungen und der tatsächliche Inhalt nicht zusammengepasst und die Geschichten waren für mich eher durchwachsen. Manchmal hatte ich das Gefühl, das Thema sei nachträglich hinzugefügt worden. Einige haben mich dafür aber sehr gut unterhalten!

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Veröffentlicht am 20.01.2023

Endlich ein neues Märchen als Vorlage!

Frau Holles Labyrinth
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„[I]ch bin vorsichtig mit dem, was ich mir wünsche. Es könnte ja jemand in der Nähe sein, der die Macht hat, es zu erfüllen.“

Mich hat Frau Holles Labyrinth sehr an die Bücher von Christina Henry erinnert ...

„[I]ch bin vorsichtig mit dem, was ich mir wünsche. Es könnte ja jemand in der Nähe sein, der die Macht hat, es zu erfüllen.“

Mich hat Frau Holles Labyrinth sehr an die Bücher von Christina Henry erinnert – nicht nur im Hinblick auf das Cover. Für mich heißt das: Es wird düster und die ursprüngliche Geschichte wird eher lose, aber immer noch erkennbar, aufgegriffen.

Nach einem kleinen Ausrutscher verbindet Mary das notwendige Untertauchen mit einem Besuch bei ihrer Familie. Dazu zählen ihre Schwester Moira, die stets ihren Willen bekommt, und ihre Tante. Als bei einem Streit das Amulett ihrer verstorbenen Mutter in den Brunnen fällt, klettert Mary hinterher, springt das letzte Stück – und fällt viel tiefer als erwartet. Als sie die Augen wieder aufschlägt, liegt sie allerdings nicht am Boden eines Brunnens, sondern mitten im düsteren Reich von Frau Holle, wo die Bewohner:innen ein mühsames Leben führen und Erinnerungen nicht nur in Gefahr, sondern auch gefährlich sind…

Mir fiel es anfangs schwer, in die Geschichte einzutauchen. Die Spannung hat für mich auf sich warten lassen und an einigen Stellen musste ich eher an Alice im Wunderland denken. Es lohnt sich aber dranzubleiben, denn die Idee, dass Erinnerungen machtvoll sind, hat mir gut gefallen! Welche Auswirkungen hat es, wenn wir Erinnerungen nicht mehr gefahrlos mit anderen teilen können? Was bleibt von uns übrig, wenn wir anfangen zu vergessen? Und was passiert mit einem, wenn man Erinnerungen stiehlt?

Mich hat das Thema sehr neugierig gemacht und die Geschichte war auf jeden Fall ungewöhnlich. Einige Enthüllungen waren für meinen Geschmack etwas naheliegend und manche Charaktere blieben eher blass, trotzdem habe ich mich gut unterhalten gefühlt. Außerdem wird euch der Epilog sicher überraschen!

Ich finde es großartig, dass ein Märchen aufgegriffen wurde, das mir bei Retellings bisher nicht begegnet ist und drücke die Daumen, dass weitere originelle Interpretationen folgen werden!

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Veröffentlicht am 20.01.2023

Mehr erhofft

Twisted Tales Collection
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Was wäre, wenn der Zufall nicht dem Guten zuspielt, sondern dem Bösen? Wenn die Heldin zu spät kommt oder der Held stirbt? Oder wenn das Unheil von einer nahestehenden Person ausgeht?

Die Twisted Tales ...

Was wäre, wenn der Zufall nicht dem Guten zuspielt, sondern dem Bösen? Wenn die Heldin zu spät kommt oder der Held stirbt? Oder wenn das Unheil von einer nahestehenden Person ausgeht?

Die Twisted Tales Collection umfasst fünf Bände der Reihe, allerdings nicht in chronologischer Reihenfolge der Veröffentlichung. Enthalten sind:

ᴇʟsᴀs sᴜᴄʜᴇ: Was wäre, wenn Elsa und Anna sich nie kennengelernt hätten?
sᴘɪᴇɢʟᴇɪɴ, sᴘɪᴇɢʟᴇɪɴ: Was wäre, wenn die böse Königin den Prinzen vergiftet hätte?
ᴡɪᴇ ᴇɪɴ ᴜɴᴇɴᴅʟɪᴄʜᴇʀ ᴛʀᴀᴜᴍ: Was wäre, wenn Dornröschniemals mehr erwacht wäre?
ᴅᴜɴᴋʟᴇ sᴄʜᴀᴛᴛᴇɴ: Was wäre, wenn Mulan in die Unterwelt hätte reisen müssen?
ᴅɪᴇ sᴄʜöɴᴇ ᴜɴᴅ ɪʜʀ ɢᴇʜᴇɪᴍɴɪs: Was wäre, wenn Belles Mutter das Biest verflucht hätte?
Ich war bereits von der Idee, Märchen aus neuer Perspektive zu erzählen begeistert (Villains Collection), aber auf die alternativen Handlungsverläufe war ich fast noch gespannter! Die fünf Bände unterscheiden sich für mich allerdings sehr stark hinsichtlich Atmosphäre, Charakteren und Spannungsbogen. ᴡɪᴇ ᴇɪɴ ᴜɴᴇɴᴅʟɪᴄʜᴇʀ ᴛʀᴀᴜᴍ konnte mich leider gar nicht überzeugen. Das Konzept fand ich sehr interessant – gefangen in einer Traumwelt! –, aber mir waren sowohl Aurora als auch der Prinz unsympathisch und die Geschichte verlief für mich etwas zäh. sᴘɪᴇɢʟᴇɪɴ, sᴘɪᴇɢʟᴇɪɴ hat mir im Vergleich z. B. deutlich besser gefallen. Der Wechsel der Perspektive hat die Charaktere für mich lebendiger gemacht und zur Spannung beigetragen, aber auch hier hat mir das gewisse Etwas gefehlt.

Schön finde ich, dass jedes Hörbuch von einer anderen Sprecherin gelesen wird. Einigen war für mich persönlich leichter zu folgen als anderen, aber grundsätzlich lesen alle sehr angenehm. Den Wechsel finde ich auch als Unterbrechung der Geschichten, die nicht aufeinander aufbauen, sehr passend.

Insgesamt sind die Twisted Tales für mich ein interessanter Ansatz für Neuerzählungen, der mich in der Umsetzung leider nicht ganz überzeugen konnte.

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