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Veröffentlicht am 27.04.2019

intensiv für Geschmacksknospen und Herz

Taste of Love - Küsse zum Nachtisch
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Es ist der zweite Band der „Taste of Love“-Reihe, die Handlung geht nicht direkt weiter, daher ist es nicht so schlimm, wenn man den ersten Teil nicht kennt, wenn man aber vor hat, ihn noch zu lesen/zu ...

Es ist der zweite Band der „Taste of Love“-Reihe, die Handlung geht nicht direkt weiter, daher ist es nicht so schlimm, wenn man den ersten Teil nicht kennt, wenn man aber vor hat, ihn noch zu lesen/zu hören, sollte man die Reihe auch von vorn beginnen, um sich nichts vorweg zu nehmen, da einige der Figuren schon eine Rolle spielen.

Nick O’Reilly ist Küchenchef und stellt immer wieder kreative Kombinationen zusammen. Seine Menüs kommen bei den Gästen gut an, er wird viel gelobt und zieht daraus neue Motivation, noch mehr ungewöhnliche Zutaten zu kombinieren, um die Geschmacksknospen zum Blühen zu bringen.
Als er dann in der Zeitung eine Kritik zu seinen Gerichten liest, hält ihn nichts mehr in der Küche. Er macht sich auf den Weg, um seinen Kritiker zur Rede zu stellen und vom Gegenteil zu überzeugen. Doch was ihn bei der Zeitung erwartet, hätte er wohl nicht gedacht…

Nick kennt man bereits aus dem ersten Band, in dem er jedoch eher eine Nebenrolle spielt und in dem man noch nicht allzu viel von ihm erfährt. Durch die Ereignisse im ersten Buch hat er die Chance bekommen, seine Kreativität noch intensiver auszuleben und kocht was das Zeug hält. Nick ist ein sympathetischer Charaktere mit Ecken undKanten, Geheimnissen und Wünschen, die er kaum zu äußern wagt. Hinter seine Mauern zu blicken ist nicht immer ganz leicht, jedoch bekommt man recht schnell einen guten Eindruck davon, was ihn wirklich bewegt und antreibt.
Gastrokritikerin Claire könnte man auf den ersten Blick vielleicht als eingebildet abstempeln, doch auch in ihr steckt mehr, als Nick zunächst ahnt. Sie weiß, was sie im Leben will und hat auch eine Vorstellung davon, wie sie es bekommt, trotzdem ist es auch für sie nicht immer leicht.
Eine explosive und sehr interessante Protagonistenkombination, die immer wieder Neckereien, Turbulenzen und leidenschaftliche Momente - auf ganz verschiedene Weisen - mit sich bringt.

Wie auch das erste Buch der Reihe habe ich diesen Band ebenfalls als Hörbuch gehört. Die Stimme ist sehr angenehm und man kann der Geschichte gut folgen. Die ausdrucksstarke Leseweise lässt die Handlung und vor allem auch die vielen unterschiedlichen Emotionen lebendig werden. Man kann sich gut in die Figuren einfühlen und kann sie intensiv dabei begleiten, wie sie versuchen, ihre geheimen Wünsche zu erfüllen, ihren Gegenüber zu überzeugen oder zu täuschen.
Durch Wechsel in der Sprechweise, Betonung und Stimmlage kann man die Charaktere auch gut auseinanderhalten und weiß immer, wer gerade spricht bzw. wen man begleitet.
Die Handlung ist zwar nicht geprägt von großen Überraschungen, es ist aber wirklich schön die Entwicklungen zwischen den Protagonisten zu verfolgen und auch die Figuren, die man aus dem ersten Band bereits kennt, wieder zu sehen.
Wenn ich die Geschichte allein anhand der kulinarischen Beschreibungen bewerten müsste, hat mir Band zwei ein wenig besser gefallen. Die Kombinationen klingen zwar ebenfalls teilweise exotisch und ungewöhnlich, sie machen aber auch Lust darauf, sie einfach mal auszuprobieren, besonders wenn man hört, wie Claire schwärmt.

Fazit:
Ein schöner zweiter Band, den man auch unabhängig vom Auftakt lesen/hören kann. Es werden wieder außergewöhnliche, aber scheinbar sehr köstliche Gerichte mit den privaten Entwicklungen der Protagonisten kombiniert. Ich hatte beim Hören auch nicht den Eindruck, dass entscheidende Stellen raus gekürzt wurden, man kann den Entwicklungen gut folgen. Zwar insgesamt ohne große Überraschungen, aber trotzdem schön anzuhören.


Veröffentlicht am 24.04.2019

spannender, temporeicher Thriller

Todeskleid
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Der zweite Band der Baltimore-Reihe hat ein paar Berührungspunkte zum ersten Band, da einige der Ermittler wieder mit auftauchen, jedoch eher am Rande, es ist also nicht so entscheidend, ob man den ersten ...

Der zweite Band der Baltimore-Reihe hat ein paar Berührungspunkte zum ersten Band, da einige der Ermittler wieder mit auftauchen, jedoch eher am Rande, es ist also nicht so entscheidend, ob man den ersten Band kennt. Die Mordfälle sind unabhängig voneinander.

Wenn man bei seinen Ermittlungen jemandem empfindlich nah kommt, sollte man sich selbst in Acht nehmen, dass man nicht die nächste auf der Abschussliste wird. So ähnlich ergeht es Paige Holden, als sie für einen angeblich unschuldig Inhaftierten erneut auf Wahrheitssuche geht. Plötzlich muss sie um ihr Leben bangen und findet dabei heraus, wie viel größer der gesamte Fall wirklich ist.

Wie bereits den ersten Band der Baltimore-Reihe habe ich das Buch als Hörbuch gehört. Die angenehme, mitnehmende Stimme von Sabina Godec führt einen dabei gut durch die Handlung und bringt die unterschiedlichen Atmosphären der Geschichte ausdrucksstark rüber. Durch Veränderungen in der Tonart, der Ausdrucks- und Sprechweise kann man auch die verschiedenen Charaktere gut auseinander halten. Die Handlung ist sehr temporeich und spannend, die Figuren haben kaum Chance, mal durchzuatmen oder zur Ruhe zu kommen. Ein erschreckendes Ereignis jagt das nächste.
Umso weiter man in der Handlung voran schreitet, umso komplexer und verstrickter wird der Fall. Intrigen, Geheimnisse, Kooperationen und geheim gehaltene Verbindungen machen es schwierig, das Ausmaß sofort zu überblicken. Was zunächst nach einem einfachen Mord aussah, entpuppt sich mit der Zeit als Mordserie, die mit ihrem Ursprung weit in die Vergangenheit zurück reicht. Immer wieder muss Paige um ihr Leben bangen, denn die Verbrecher ruhen nicht. Unermüdlich versuchen sie, Paige an weiteren Ermittlungserfolgen zu hindern und gehen dabei auch über – weitere- Leichen. Die geballte Menge an Gewaltverbrechen ist wirklich erschütternd und umso mehr man erfährt, umso schrecklicher wird das Ganze.
Die Kombination er Protagonisten hat mir gut gefallen. Sie sind nicht auf den Kopf gefallen, haben eine gesunde Portion Misstrauen, können gut kombinieren, sind sehr mutig und entschlossen. Auch wenn manche ihrer Aktionen fast leichtsinnig sind, kann man doch irgendwie verstehen, wieso sie sich nicht davon abbringen lassen.
Gut mit dem Fall verknüpft, erfährt man auch einige private Dinge von den Figuren, sie bauen eine Bindung zueinander auf und verlieren dabei trotzdem ihre Ermittlungen nicht aus dem Auge. Das macht die Charaktere noch greifbarer und lebendiger. Ich hoffe darauf, dass man auch von ihnen im nächsten Band wieder am Rande der Handlung etwas mehr über ihre weitere Entwicklung erfahren wird.

Fazit
Ein toller zweiter Band, den man auch unabhängig vom ersten hören kann. Besonders durch die ausdrucksstarke, stimmungstransportierende Leseweise wird man sehr intensiv in den Fall gezogen und kann mit den Figuren mitfiebern, mit ihnen bangen und hoffen, dass sie unbeschadet aus all den Anschlägen und Verstrickungen rauskommen mögen. Sehr spannende, temporeiche Entwicklungen lassen sowohl die Charaktere, als auch den Hörer kaum zu Atem kommen.

Veröffentlicht am 24.04.2019

angenehm gesprochen, gefühlvolle Geschichte

Wildblumensommer
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Zoe steht mit beiden Beinen fest im Leben, doch eine schreckliche Diagnose erschüttert ihre Stabilität. Ihre Arbeit, die den Großteil ihres Tages einnimmt, lässt ihr eigentlich keinen Freiraum, um in Ruhe ...

Zoe steht mit beiden Beinen fest im Leben, doch eine schreckliche Diagnose erschüttert ihre Stabilität. Ihre Arbeit, die den Großteil ihres Tages einnimmt, lässt ihr eigentlich keinen Freiraum, um in Ruhe darüber nachzudenken, was sie wirklich möchte und um sich gegebenenfalls auf die nötige OP vorzubereiten. Trotzdem nimmt sie sich unter Protest eine Auszeit und reist zurück an den Ort, an dem Glück und Leid ihrer Vergangenheit so nah beieinander liegen. Zoe versucht ein paar offene Fragen zu klären, aber die Schatten der Vergangenheit lauern einfach überall.

Die Geschichte beginnt direkt sehr dramatisch und mit einem schweren Verlust für Zoe, der sie komplett aus der Bahn wirft. Alle eigentlich geschmiedeten Pläne und Hoffnungen wurden an diesem einen Tag mit begraben. Dieses Ereignis beschäftigt sie noch Jahre später so sehr, dass sie zurück kehrt, um aufzuräumen, Fragen zu klären und vielleicht auch ein wenig mehr zur Ruhe zu kommen. Allerdings findet sie nicht nur Entspannung und Zeit, über die nötige OP nachzudenken, sondern auch viele alte Bekannte, die Erinnerungen wach rufen, Hindernisse, die sie daran hindern den Fall von vor 14 Jahren aufzuklären und begrabene Gefühle, die neu zu erwachen drohen.
In Zoes Leben passiert wirklich so einiges. Mir ist der Anfangsabschnitt fast ein wenig kurz gewesen. Alles stürzt ins Chaos und dann befinden wir und 14 Jahre weiter und stehen vor einem völlig neuen und ebenfalls sehr schlimmen Problem bzw. Schicksalsschlag für Zoe. Das kann aber auch an der gekürzten Fassung des Hörbuchs liegen.
In Verlauf zeigt sich, dass es noch weitere Sorgen gibt, ihre Familie ist nun nicht unbedingt vom Glück geprägt. Und auch bei den anderen Charakteren läuft nicht unbedingt alles glatt. Insgesamt betrachtet es ist sehr viel Schicksal und Leid geballt auf kleinem Raum wodurch viele Abschnitte sehr emotional und aufwühlend sind und auch zeigen, wie stark es die Figuren belastet und beschäftigt, auch wenn sie nach außen hin versuchen, stark zu sein. Nicht alle Entwicklungen waren wirklich überraschend, aber es war trotzdem interessant die Charaktere auf ihrem Weg zu begleiten und zu erfahren, wann sie selbst dahinter kommen.

Da es einen übergeordneten Erzähler gibt, kann man an verschiedenen Orten Einblicke in das Leben der unterschiedlichen Figuren bekommen. Die meiste Zeit begleitet man jedoch Zoe auf ihrem schweren und auch sehr emotionalen Weg. Zwischendurch gibt es kleine Abschnitte, in denen andere Charaktere, die im engen Zusammenhang mi Zoe stehen, beleuchtet werden. Die Entwicklungen bei ihrer Freundin Rose fand ich auch interessant, allerdings kam mir das ebenfalls etwas kurz. Man bekommt da eher kleine Brocken präsentiert und dann schaltet die Handlung sofort wieder um. Erst am Ende erfährt man dann, wie es dort ausgegangen ist. So bleibt der Fokus auf Zoe, was auch okay und verständlich ist, aber dann hätte man auch die Passagen von Rose in einem Telefonat oder ähnlichem Abhandeln können und ihr nicht erst den Raum geben, sich zu Wort zu melden und sie dann eigentlich doch eher nicht zu beachten. Da ich nicht weiß, wie sehr die Geschichte auf dem Hörbuch gekürzt ist, kann das in der Originalgeschichte aber natürlich anders sein. Es hat das Hörvergnügen aber nicht zu sehr beeinträchtigt, ich hätte einfach nur gern mehr von ihr erfahren.
Die Sprecherin Marie Bierstedt hat eine sehr angenehme, ausdrucksstarke Stimme. Sie bringt die unterschiedlichen Emotionen und Stimmungen in der Geschichte gut rüber und es hat Spaß gemacht, ihr zuzuhören. Ich habe mich direkt wohl gefühlt und konnte mich gut auf die Handlung einlassen. Durch die schönen Beschreibungen werden auch die Handlungsorte und die besonderen Merkmale, zum Beispiel die Wildblumen, die diese ausmachen, vorstellbar. Wenn es nicht so viele Probleme zu wälzen gäbe, wäre es wirklich eine idyllische Kulisse für die Geschichte. Auch die musikalische Untermalung zu Beginn des Hörbuchs und zum Ende jeder CD unterstreicht noch mal die Stimmung und war sehr passend ausgewählt.

Fazit
Ein sehr schönes Hörbuch, das ich an einem Tag durchgehört habe. Durch die angenehme, ausdrucksstarke Stimme, die die Emotionen der Figuren gut transportiert, habe ich mich direkt in die Handlung einfühlen können. Hier und da hätte ich mir noch etwas mehr Raum für die anderen Charaktere gewünscht, aber das kann der Kürzung geschuldet sein. Alles in allem eine sehr schöne, schicksalhafte Familien-/Liebesgeschichte.

Veröffentlicht am 16.04.2019

blutig, brutal, spannend zu verfolgen

Todesherz
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Der Fund einer brutal zugerichteten, fast bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten Leiche erschüttert de Gerichtsmedizinerin Lucy Trask schwer. Die Grausamkeiten scheinen grenzenlos und übertreffen die meisten ...

Der Fund einer brutal zugerichteten, fast bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten Leiche erschüttert de Gerichtsmedizinerin Lucy Trask schwer. Die Grausamkeiten scheinen grenzenlos und übertreffen die meisten anderen Fälle, die bei ihr sonst auf dem Tisch landen. Auch die Detectives sind schockiert und arbeiten auf Hochtouren. Trotzdem können sie weitere Opfer nicht verhindern. Der Täter schlägt schnell und erbarmungslos zu und schnell wird klar, dass hinter dem blutigen Morden mehr stecken muss.

Ein wirklich blutiger, brutaler Thriller, der nichts für schwache Nerven ist. Ich habe das gekürzte Hörbuch gehört und auch wenn ich nicht weiß, was rausgenommen wurde, hatte ich nicht den Eindruck, dass einem Zusammenhänge oder Verknüpfungen gefehlt haben. Auch mit den Grausamkeiten des Täters wird nicht gespart. Die Verletzungen verursachen Gänsehaut, die Ermittlungen fesseln und parallel dazu lernt man auch die Protagonisten noch gut kennen. Eine gelungene, spannende Mischung, die mich von Anfang bis Ende gepackt hat.

Die Stimme von Sabina Godec ist sehr ausdrucksstark und transportiert die Atmosphäre der Geschichte gut. Durch den Wechsel in Tonlage, Lautstärke, Sprechweise und Betonung kann man die Figuren recht gut auseinander halten. Zusätzlich unterstützt es das Gesagte, wenn zum Beispiel wirklich geschrien, geseufzt oder abgehackt gesprochen wird. Wut, Zweifel und Frustration werden ebenso greifbar wie die positiven Gefühle, die hin und wieder aufblitzen.

Die einzelnen Abschnitte sind klar strukturiert und gegliedert. Die Angabe von Ort, Datum und Uhrzeit erleichtert die Orientierung und verdeutlicht in welchem engen Zeitfenster all die Dinge passieren. Es bleibt kaum Zeit zu reagieren bzw. Vorkehrungen zu treffen und selbst wenn dies geschieht, ist der Täter ihnen meistens trotzdem einen Schritt voraus.
Durch die Perspektivwechsel bekommt man Einblicke in die unterschiedlichen Handlungsstränge, die sich alle direkt befinden. Einige Zeit begleitet man den Täter, wodurch die Taten und Pläne noch grausamer und erschreckender werden. In anderen Passagen ist man mit den Ermittlern und der Gerichtsmedizinerin Lucy unterwegs, bangt, hofft und fiebert mit ihnen mit. Zahlreiche Verstrickungen, Zusammenhänge, Mitwisser und daraus entstandene Kooperationen machen die Handlung komplex und das Lösen des Falls auf keinen Fall einfacher.
Umso weiter man voran schreitet, umso spannender, packender, aber auch blutiger und schrecklicher werden die Geschehnisse. Und auch wenn man durch die Szenen, in denen man den Täter begleitet, schon einiges von den Hintergründen weiß, hat es die Spannung und das Tempo für mich nicht gedämpft. Man fiebert trotzdem mit und ist neugierig, auf welche Weise, wann und nach dem wievielten Opfer das Team rund um Detective J.D. Fitzpatrick hinter all die Geheimnisse kommt.
Die Zusammenstellung des Teams hat mir gut gefallen, auch die persönlichen Entwicklungen waren interessant zu verfolgen. Man kann sich gut vorstellen, dass sich ihre Wege auch weiterhin kreuzen könnten, wenn es weitere Fälle in Baltimore geben sollte. Hier schlummert in jedem Fall noch Potenzial für weitere Geschichten.

Fazit:
Ein sehr blutiger, von Brutalität gezeichneter Thriller, der spannend und fesselnd erzählt wird. Die Fülle an Ereignissen in der Kürze der Zeit hält das Tempo hoch und zwingt alle zu schnellem Handeln. Die Stimmung hat sich beim Hören übertragen. Man fühlt sich immer irgendwie unter Strom und ist gemeinsam mit den Figuren erschüttert von den unfassbaren Grausamkeiten und der Skrupellosigkeit.

Veröffentlicht am 16.04.2019

gefühlvolle Geschichte, in der die Mauern bröckeln

Step by Step. Herzschlag im Dreivierteltakt
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Hayne ist eine starke, selbstbewusste Schülersprecherin, die alles stets im Griff hat. Das ist zumindest das Bild, das sie den anderen Menschen um sich herum vermittelt. Dass auch in ihr Unsicherheit, ...

Hayne ist eine starke, selbstbewusste Schülersprecherin, die alles stets im Griff hat. Das ist zumindest das Bild, das sie den anderen Menschen um sich herum vermittelt. Dass auch in ihr Unsicherheit, Angst und Zweifel keimen, ahnen nicht viele. Als Hayne für den Schulball plötzlich selbst das Tanzbein schwingen soll, steht sie vor einem riesigen Problem. Sie kann weder tanzen, noch hat sie einen geeigneten Partner dafür, der nicht vor ihr weglaufen würde. Da ihre Optionen begrenzt sind, nimmt sie notgedrungen das fragwürdige Angebot von Schulschwarm Arthur an und steht damit nicht nur vor der Schwierigkeit in der Kürze der Zeit tanzen zu lernen.

Ich habe Hayne sehr schnell ins Herz geschlossen. Ich mag ihre Art, auch wenn sie manchmal etwas kratzbürstig, nicht immer nur freundlich oder zuvorkommend, sondern oft direkt und sehr schlagfertig ist. Ihre sarkastischen oder ironischen Äußerungen haben mich immer wieder zum Lachen gebracht, weil es einfach so perfekt in die Handlung und die Gespräche eingebunden ist. Vielleicht habe ich mich an einigen Stellen auch einfach selbst entdeckt, da mir auch nachgesagt wird, ich spreche fließend sarkastisch.
Vermutlich ist Hayne nicht für jeden Leser sympathisch und nahbar. Sie ist schon etwas speziell und erst im Verlauf des Buches lernt man die Hayne hinter den dicken Mauern kennen. Mich hat sie jedoch sofort mitgenommen und ich mochte auch ihre Entwicklung sehr. Auch starke Frauen haben ihre schwachen, verletzlichen Seiten, man möchte die nur nicht immer jedem zeigen. Hayne nimmt die Dinge gern selbst in die Hand und ist in den Augen ihrer Freunde manchmal zu vernünftig und durchgeplant. Ihre Kampfsporterfahrungen sind beim Durchsetzen auf jeden Fall hilfreich und verschaffen wir den nötigen Respekt. Dass einige da auch mal Angst vor ihr haben, kann man gut nachvollziehen, aber man muss sich eben auch nicht alles gefallen lassen, solange man dem Gegenüber nicht ernsthaft verletzt damit.
Durch die Ich-Perspektive erlebt man die Geschichte sehr intensiv. Man lernt sowohl die taffe, selbstbewusste, organisierte Hayne kennen, die nicht so viel aus der Ruhe bringt, als auch die Hayne mit Zweifeln, mit enttäuschten Gefühlen, die verletzliche, zarte Seite, die sie besonders in der Schule sonst nicht zeigt. Die authentischen, lebhaften Beschreibungen machen es leicht, sich in die Protagonistin einzufühlen und sie auf ihrem steinigen und turbulenten Weg zu begleiten.

Nicht alles in der Handlung ist überraschend, was mich aber nicht weiter gestört hat, da die Entwicklungen, die die Figuren machen, wirklich schön zu verfolgen sind. Und es gibt auch ein paar kleine Überraschungen und Erlebnisse, mit denen man eher nicht gerechnet hätte, wenn man Hayne zu Beginn des Buches erlebt. Viele verschiedene Emotionen begleiten die Charaktere im Laufe der Geschichte. Es gibt sehr schöne, fröhliche, lustige Momente, aber auch peinliche, erniedrigende, traurige Situationen – eine abwechslungsreiche Mischung, bei der nichts zu kurz kommt.
Auch in den Freundeskreis und die Familie der Protagonistin bekommt man einen Einblick, so ergibt sich ein komplexerer Blick auf das Geschehen und durch die Äußerungen in verschiedenen Gesprächen lernt man auch Hayne selbst noch besser kennen.
Die kleinen Tanzausflüge haben mir persönlich auch sehr gut gefallen, auch wenn sie nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen. Es ist eine schöne Ergänzung in der Handlung, darauf ja das seltsame Angebot von Arthur basiert. Man kann sich beim Lesen bildhaft vorstellen, wie ungeschickt die Tanzstunden ablaufen, was mich immer mal wieder zum Schmunzeln gebracht hat.

Eine sehr schöne, gefühlvolle Geschichte, bei der die Protagonistin besonders emotionale Hürden meistern muss, um das Schulfest zu überstehen, aber auch um ein Stück weit zu sich selbst zu finden und sich einzugestehen, dass man nicht immer alle Mauern hochfahren muss, um ihm Leben voran zu kommen.