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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.01.2026

Rot-weiße Ferien

Ein Sommer in Schweden
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Endlich Sommerferien und endlich soll es für die Geschwister Ole, Lotta und Alfred nach Schweden gehen. Doch leider vorerst ohne Mama, denn die muss als Kommissarin zu Hause noch einen Fall lösen. Dabei ...

Endlich Sommerferien und endlich soll es für die Geschwister Ole, Lotta und Alfred nach Schweden gehen. Doch leider vorerst ohne Mama, denn die muss als Kommissarin zu Hause noch einen Fall lösen. Dabei geht es doch zu ihrer guten Freundin Katrin, die nach Schweden ausgewandert ist. Doch schon bald ist die Traurigkeit verschwunden, denn in Schweden warten nicht nur Elche, Mittsommer und Bullerbü auf die drei, sondern auch Katrins Kinder und damit neue Freunde. Neben einer unbeschwerten Zeit mit vielen neuen Eindrücken, erwartet die Kinder auch eine spannende Detektivgeschichte. Dieser Kinderbuch-Reiseführer bringt uns die Region in Südschweden näher. Auch ein Abstecher nach Stockholm erwartet die kleinen und großen Leser. Wir erfahren einiges über die Besonderheiten des Landes, wie das Mittsommerfest, Kulinarisches oder einige wichtige Worte auf Schwedisch. Schweden ist für uns ein Traumreiseziel und dieses Buch hat es uns als Familie nähergebracht. Für die Eltern sind einige wertvolle Tipps für Sehenswürdigkeiten und Ausflüge dabei, und die Kinder freuen sich über die spannende Geschichte. Sehr gut haben uns auch die Illustrationen gefallen. Denn die sind sehr stilvoll und detailreich. Und hat dieses Buch so richtig Lust auf Schweden gemacht. Also nicht nur für den Urlaub selbst sondern schon zur Vorbereitung darauf sehr zu empfehlen.

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Veröffentlicht am 12.01.2026

Schonungslos

Ellbogen
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Wir lernen Hazal kurz vor ihrem achtzehnten Geburtstag kennen. Sie ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Ihre Eltern sind streng und gewalttätig. Bisher hat sie kaum Gutes erfahren und erwartet es auch ...

Wir lernen Hazal kurz vor ihrem achtzehnten Geburtstag kennen. Sie ist in Berlin geboren und aufgewachsen. Ihre Eltern sind streng und gewalttätig. Bisher hat sie kaum Gutes erfahren und erwartet es auch nicht. Weder von ihrer Familie noch von der Gesellschaft. Sie fühlt sich auf der Verliererseite des Lebens. An ihrem achtzehnten Geburtstag will sie feiern, mit ihren Freundinnen so richtig ausgelassen sein, doch es kommt anders und der Tag endet in einer Katastrophe.
Dieser Roman ist schonungslos brutal. Hazal lebt in einem vielgepriesenen sicheren Land und ist doch gefangen in einem Alptraum aus Perspektivlosigkeit, Gewalt und Verachtung. Ein Absatz in Fatma Aydemirs Roman beschreibt es so treffend. Da heißt es sinngemäß: Sie sehen erst auf uns, wenn wir etwas schlimmes anstellen, vorher sind wir unsichtbar. Nicht Hazal ist die erste die die Ellenbogen rausstreckt, um sich Platz zu verschaffen. Vorher ist sie ihr ganzes Leben gegen zig Ellenbogen gelaufen, von ihnen gestoßen und verletzt worden. Niemand hat sich für sie interessiert, niemand hat sich um sie gekümmert. Das schmälert nicht ihre Tat. Die ist grausam und unverständlich. Aber ich habe auch nicht das Gefühl, dass der Roman versucht zu rechtfertigen oder zu erklären. Ich hatte nur wenig Sympathie mit Hazal, dennoch habe ich viele ihrer Handlungen aus der Situation heraus verstanden. Am Ende bleibt eine gewisse Traurigkeit, einen Menschen kennengelernt zu haben, von dem man annehmen muss, dass er niemals richtig glücklich sein wird.

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Veröffentlicht am 09.01.2026

Raffiniert

Fabula Rasa oder Die Königin des Grand Hotels
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Der neue Roman von Vea Kaiser beginnt in den 80er Jahren in Wien. Angelika Moser arbeitet als Buchhalterin im Grand Hotel Frohner. Zahlen, Struktur und Ordnung, das ist genau ihre Welt. Umso gegensätzlicher ...

Der neue Roman von Vea Kaiser beginnt in den 80er Jahren in Wien. Angelika Moser arbeitet als Buchhalterin im Grand Hotel Frohner. Zahlen, Struktur und Ordnung, das ist genau ihre Welt. Umso gegensätzlicher ihr Privatleben. Hier geht sie gerne in die Clubs der Stadt, schlägt sich die Nächte um die Ohren, tanzt, feiert und schläft wenig. Sie sprüht vor Energie, Lebenslust und Zukunftsplänen. Als Kind einer alleinerziehenden Hausmeisterin kommt sie aus ärmlichen Verhältnissen, doch sie schafft im „Frohner“ den Sprung in eine Leitungsposition. Nun selbst alleinerziehende Mutter eines kleinen Sohnes steht sie vor vielen schier unlösbaren Problemen. Anstatt zu verzweifeln, geht sie einen ganz anderen Weg. Im Laufe der Jahre wird sie zur Millionenbetrügerin, zweigt Geld des Hotels heimlich auf ihr eigenes Konto ab. Was aus der Not heraus geboren wird, entwickelt sich zur Selbstverständlichkeit.
Die Geschichte hat mir richtig gut gefallen. Die Frau ist wirklich mit allen Wassern gewaschen. Was sie tut, ist Unrecht und dennoch entwickelt man eine gewisse Anerkennung vor ihrer Raffinesse und ihrem Charme. Wirklich geschädigt hat sie niemanden, denn das Geld wurde jahrzehntelang offensichtlich nicht vermisst. Und es zeigt damit auch die Kluft, die zwischen der reichen Wiener Gesellschaft und den Menschen, die für sie arbeiten herrscht. Während die einen das Geld in Saus und Braus zum Fenster hinauswerfen, wissen die anderen kaum, wie sie ihre Miete bezahlen sollen. Und doch haben alle denselben Arbeitsplatz. Und die einen würden ohne die anderen nicht existieren können. Angelika Moser war da nicht so scheu, sich zu nehmen, was ihr zustand. Sie hat sich von dem Geld der Frohners ein kleines Luxusleben finanziert und ihrem Sohn eine bessere Zukunft ermöglicht. Der Roman basiert auf einer realen Person, was es für mich nur noch interessanter gemacht hat. Obwohl Angelika Moser bestimmt nicht zu bewundern ist, hat ihre Geschichte doch einen hohen Unterhaltungswert. Vea Kaiser hat mich tief abtauchen lassen in eine Welt voller Glamour, Schein und Trug und in eine ganz tolle Stadt.

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Veröffentlicht am 03.01.2026

Viele Emotionen

Windstärke 17
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Der Roman knüpft an den ersten Roman von Caroline Wahl „22 Bahnen“ an. Aus dem kleinen Mädchen Ida ist mittlerweile eine junge Frau geworden. Ihre Schwester Tilda ist aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen ...

Der Roman knüpft an den ersten Roman von Caroline Wahl „22 Bahnen“ an. Aus dem kleinen Mädchen Ida ist mittlerweile eine junge Frau geworden. Ihre Schwester Tilda ist aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen als sie noch ein Kind war, und hat sie mit ihrer alkoholkranken Mutter zurückgelassen. Ida hat versucht ihr Leben zusammenzuhalten, doch als ihre Mutter ihrem eigenen Leben ein Ende bereitet, bricht auch für Ida alles zusammen. Sie flüchtet, will eigentlich zu ihrer Schwester Tilda, strandet aber auf Rügen, wo sie Halt bei einem älteren Ehepaar findet. Oft habe ich in Rezensionen gelesen, dass vielen dieses Buch noch besser gefallen hat als das erste. Bei mir ist es eher andersherum. Ich habe Tilda als starke Frau empfunden, die sich trotz aller Widerlichkeiten durch ihr Leben gekämpft hat. Ich war eher ziemlich entsetzt, was aus Ida geworden ist: eine zerstörte, traumatisierte junge Frau, schutzlos mit einer Situation allein gelassen, die zu groß für sie ist. Anders als bei Tilda habe ich mir Sorgen gemacht, dass sie es nicht überstehen wird. Und ich habe mich auch über Tilda geärgert, wie sie ihrer kleinen Schwester so etwas antun kann und selbst einen wahren Familientraum lebt. Ich fand diesen Roman eher deprimierend durch Idas destruktive Art. Und dann möchte ich auch noch thematisieren, was mich persönlich ziemlich angefasst hat. Zu allem Unglück muss auch noch eine der Protagonistinnen Metastasen bekommen. Ida setzt sich damit stark auseinander und googelt alles darüber. Ich bin selbst Betroffene, aber so etwas wie die Lebenserwartung zu googeln habe ich aus gutem Grund nie getan. Und folglich möchte ich es auch nicht schwarz-auf weiß in einem Roman lesen müssen, ohne darauf vorbereitet zu werden. Ich war nie überzeugt von Triggerwarnungen, habe jetzt aber zum ersten Mal selbst gemerkt, wie sinnvoll sie doch sein können. Oder wenigstens ein Wort darüber im Klappentext hätte ich gut gefunden. Im Allgemeinen hat mir der Roman gut gefallen und ich mag den Schreibstil von Caroline Wahl sehr. Dennoch hat mir der erste Teil besser gefallen.

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Veröffentlicht am 30.12.2025

Bitteres Idyll

Der Honigmann
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Im Vorstadtidyll Fischbach ist die Welt noch in Ordnung. Tim und Fine lieben diesen Ort, in dem sie mit ihrer 8-jährigen Tochter Carla leben. Die Kleine lebt hier einen wahren Kindertraum, in Geborgenheit ...

Im Vorstadtidyll Fischbach ist die Welt noch in Ordnung. Tim und Fine lieben diesen Ort, in dem sie mit ihrer 8-jährigen Tochter Carla leben. Die Kleine lebt hier einen wahren Kindertraum, in Geborgenheit groß werden, immer Freunde zum Spielen und ganz viel Natur, die sie barfuß durchstreifen darf. Gegenüber der Fischbacher Grundschule lässt sich ein Mann nieder, der ein Geschäft eröffnet. Hier gibt es viel schnuckeliges Dekozeug und jede Menge Honig. Die Mütter und Kinder lieben diesen Laden und den Honigmann, denn er hat immer ein offenes Ohr für alle. Doch dann finde eine Mutter etwas Beängstigendes über den Honigmann heraus. Das Gerücht läuft wie ein Lauffeuer durch den Ort und Fischbach entwickelt sich zu einem brodelnden Vulkan. Ein Ereignis zieht das andere nach sich. Aus dem lieben Nachbar wird eine suspekte Person, die Freundin wird zur Feindin, Meinungen drehen sich wie ein Fähnchen im Wind und die Idylle wird zum Alptraum ohne Erwachen. Ich habe dieses Buch förmlich verschlungen. Hier wandelt sich eine Gesellschaft von einer Weintrunkenden-dauerlächel-Grillparty zu einem geifernden, wütenden Mob. Genial fand ich den Schachzug, dass der Honigmann selbst gar nicht zu Wort kommt. Die Zerstörung findet um ihn herum statt. Die Eltern zerfleischen sich selbst in dem Bemühen nur das Beste für die eigenen Kinder zu wollen. Und leider muss ich sagen, dass uns der Wandel von Menschen, die wir für stabil und verlässlich hielten, seit der Coronazeit nur allzu vertraut ist. Wo aus Freunden oder Nachbarn plötzlich Nudeln-hortende Straßenseitenwechsler wurden. Peter Huth ist hier eine exakte Zeichnung einer Gesellschaft im Ausnahmezustand gelungen. Spannend zu lesen und spannend auch, sich selbst zu fragen, was hätte ich getan?

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