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Veröffentlicht am 21.02.2023

Zukunftsangst

Serious Shit
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Eine Generation blickt geschockt auf den Krieg in der Ukraine und beginnt zu begreifen, dass die Welt nicht so friedlich ist wie sie bisher vermutet hat. Marlene Knobloch ist Ende zwanzig und spricht in ...

Eine Generation blickt geschockt auf den Krieg in der Ukraine und beginnt zu begreifen, dass die Welt nicht so friedlich ist wie sie bisher vermutet hat. Marlene Knobloch ist Ende zwanzig und spricht in ihrem Essay für ihre Generation. Kernaussage ist meiner Meinung nach die Zukunftsangst. Der Krieg hat deutlich gemacht, dass Europa keine heile Seifenblase ist, in der es sich rosarot leben lässt. Sondern dass der Frieden und unser Wohlstand fragil sind. Sie beschreibt aber auch die Erwartungen ihrer Generation vom Leben und Arbeiten und dem Aufbrechen von altbewährten Strukturen wie der 8h/5 Tage Woche. Ich habe Marlene Knobloch gerne zugehört und mit Verwunderung ihren Blick auf die Welt wahrgenommen. Ob sie für eine ganze Generation spricht, kann ich nicht beurteilen. Interessant fand ich es dennoch. Viel hat mich jedoch auch daran erinnert, als ich selbst in diesem Alter war und feststellen musste, dass die Welt nicht unbedingt auf mich gewartet hat. Ihre ängstlichen Gedanken haben mich jedoch auch etwas betroffen gemacht. Ich würde mir wünschen, dass diese Generation mehr Zutrauen in die Welt und in sich selbst hat. Verwundert hat mich auch, dass der Ukrainekrieg als Auslöser für diese Erkenntnis dient. Haben wir doch gerade eine Pandemie überstanden, die unsere Gesellschaft ganz schön durcheinandergewirbelt hat. Laut der Autorin sollen ältere Generationen wohl zum ersten Mal nicht neidisch auf die Zukunft der jungen Generation sein. Das erscheint mir doch sehr subjektiv. Krisen und Kriege haben auch andere Generationen schon miterlebt. Mir hätte eine neutralere Auseinandersetzung mit dem Thema doch besser gefallen. So habe ich eher das Gefühl nur einen Standpunkt gehört zu haben. Aber zugehört habe ich dennoch gerne.

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Veröffentlicht am 19.02.2023

Spannend, facettenreich und geheimnisvoll

Geheimnis um die Rauhnächte - Ein Jahr voller Abenteuer in Oberbayern
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Ein Ferienhaus am Ammersee in Oberbayern ist der Startpunkt für die Geschwister Tim und Rosalie und ihre Freunde Xavier und Lotta für viele tolle Abenteuer. Wir dürfen sie durch die Jahreszeiten begleiten ...

Ein Ferienhaus am Ammersee in Oberbayern ist der Startpunkt für die Geschwister Tim und Rosalie und ihre Freunde Xavier und Lotta für viele tolle Abenteuer. Wir dürfen sie durch die Jahreszeiten begleiten und erfahren viel über Sehenswertes, Land und Leute rund um den Ammersee. So freunden sie sich mit der Kräuterhexe Hortensia an, retten zwei Eichhörnchen und entdecken das Geheimnis der Rauhnächte. Besonders dieser Teil des Buches hat uns sehr gut gefallen. Rituale und Geschichten um die Rauhnächte sind spannend und geheimnisvoll. Und so mancher Brauch meiner Großmutter wandelte sich von spleenig zu einem Ah-Erlebnis. Die Illustrationen sind schlicht gehalten unterstreichen jedoch das Leseerlebnis. Die vier Kinder sind uns ans Herz gewachsen und die Gegend hat uns neugierig gemacht. Besonders gefallen hat mir, dass die Geschichte ein ganzes Jahr umfasst. Denn Oberbayern ist nicht nur was für die Sommerfeiern, sondern hat das ganze Jahr über etwas zu bieten. Und genau das kam in diesem Buch wunderbar zur Geltung. Ein Buch für jede Jahreszeit und für Kinder die Lust auf spannende und entdeckungsreiche Geschichten haben.

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Veröffentlicht am 13.02.2023

Sein Revier

Hund, Wolf, Schakal
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Saam, sein kleiner Bruder Nima und ihr Vater fliehen nach Deutschland. In eine Welt die ihnen fremd ist. Ihre Mutter wurde im Iran hingerichtet und ihr Vater findet vor Trauer kaum liebevolle Worte für ...

Saam, sein kleiner Bruder Nima und ihr Vater fliehen nach Deutschland. In eine Welt die ihnen fremd ist. Ihre Mutter wurde im Iran hingerichtet und ihr Vater findet vor Trauer kaum liebevolle Worte für seine Söhne. So wird Berlin-Neukölln ihre neue Heimat und die Menschen in ihrem Kiez ihre neue Familie. Und so wie sie leben, werden sie so wie sie sind. Der Schreibstil von Behzad Karim Khani hat mich überwältigt, denn er strahlt vor Intelligenz und Wortgewandtheit. So wird selbst das Slang-Gelaber der 90er Jahre Kids zum poetischen Hochgenuss.
Sein Buch erklärt nichts und sucht auch keinen Schuldigen. Es zeichnet nur auf scharfsinnige Weise ein Bild von Neukölln wie es ist. „Die falschen Freunde“ gibt es nicht. Denn die, mit denen man in Neukölln rumhängt sind einfach nur die, die da leben. Sie sind weder falsch noch richtig. Sie sind wie sie sind und wie sie wurden. Haben sie Einfluss auf Saams Leben? Ja natürlich. Aber einen anderen Einfluss gibt es auch nicht, denn er lebt mit ihnen. Der Blick und das Urteil, kommen von außen. Ich habe schon lange nicht mehr so ein ehrliches Buch gelesen! Sehr stilvoll und doch treffsicher beschreibt der Autor das Leben von Saam und seinem Bruder Nima in Neukölln. Die Gespräche der Kids aus den 90ern sind einfach genial und könnten genau so unter meinen Freunden stattgefunden haben. Die gut situierten Stadtrandfamilien, die“ so Kids“ als ihr „soziales Projekt“ ansehen und sich gebildet und erhaben fühlen, sind so dermaßen gut dargestellt, dass ich mich plötzlich 30 Jahre zurückversetzt fühlte. Mit Arroganz breiten sie ihren Lebensstil vor dir aus, als wäre er der einzig richtige und als wäre dein Leben nicht mal würdig, dass du davon überhaupt erzählen darfst. Du bist immer gerne gesehen in ihrem Haus, aber das ihre Kinder dich besuchen, geht dann doch zu weit. Und so sehr wir doch alle glauben gleich zu sein, so unterschiedlich sozialisiert sind wir doch, ebenso wie Hund, Wolf und Schakal. Jeder in seinem Revier. Für mich persönlich war dieses Buch ein Highlight, wahr, ehrlich und wahnsinnig scharfsinnig. Eine wirkliche Entdeckung!

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Veröffentlicht am 12.02.2023

Finde deine Wurzeln

Die sieben Schwestern
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In einem herrlichen Anwesen am Genfer See lebte ein geheimnisvoller Mann der nach und nach Mädchen aus allen Teilen der Welt adoptierte und ihnen ein wunderbares Zuhause gab. So lebten bald sechs eng verbundene ...

In einem herrlichen Anwesen am Genfer See lebte ein geheimnisvoller Mann der nach und nach Mädchen aus allen Teilen der Welt adoptierte und ihnen ein wunderbares Zuhause gab. So lebten bald sechs eng verbundene Adoptivschwestern unter einem Dach, benannt nach dem Himmelsgestirn der Plejaden (oder auch sieben Schwestern). Nach dem Tod ihres Adoptivvaters hinterlässt er den jungen Frauen ihre eigene ganz persönliche Geschichte und ermuntert sie, ihre Wurzeln zu entdecken. In diesem ersten Band geht es um die introvertierte Maia. Sie reist nach Brasilien, um dort mehr über ihre Vergangenheit und die ihrer leiblichen Familie zu erfahren.
Die Geschichte ist wirklich wunderbar erzählt. Die Charaktere sind facettenreich und interessant. Und besonders die Entdeckung des mir fremden Landes empfand ich als besonders reizvoll. Natürlich kommt hier die Liebe nicht zu kurz. Doch auch diese Geschichte empfand ich als wohl durchdacht und lebensnah. Zu beginnt hatten mich die Wechsel zwischen dem Handlungsstrang der Gegenwart und dem der Vergangenheit etwas aus dem Lesefluss gerissen. Ich denke es ist wichtig, dass man dieses Buch in zügigem Tempo lies. Ansonsten könnte man den Anschluss verlieren. Für mich war das Buch ein Seelenwärmer im grauen Februar und zu einer Zeit in der man schöne Geschichten unbedingt vertragen kann. Ich habe nun so richtig Lust die weiteren Romane dieser Reihe zu lesen.

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Veröffentlicht am 31.01.2023

Welche Tür wählst du?

Ausweglos
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Ein Mörder hält dir ein Messer an die Kehle und befiehlt dir, ihn in eure Wohnung zu führen. Und du weißt dort liegt deine Frau in eurem Bett und schläft. Doch du hast den Schlüssel der Nachbarin am Schlüsselbund. ...

Ein Mörder hält dir ein Messer an die Kehle und befiehlt dir, ihn in eure Wohnung zu führen. Und du weißt dort liegt deine Frau in eurem Bett und schläft. Doch du hast den Schlüssel der Nachbarin am Schlüsselbund. Was tust du? So beginnt das Buch „Ausweglos“ von Henri Faber, und reißt einen damit direkt aus dem tristen Alltag in ein unglaubliches Horrorszenario und eine tiefgehende Gewissensfrage. Wie erwartet wird jemand sterben. Und dieser Mord sieht verdächtig nach der Handschrift eines Hamburger Serientäters aus. Wir erleben hier einen ständigen Perspektivwechsel zwischen, Noah (Ehemann), Elias (Kommissar), Linda (Ehefrau) und dem Mörder. Alles erzählt in der Ich-Person. Dadurch entstand bei mir der Eindruck, ganz dicht am Geschehen zu sein. Und dennoch gelingt es dem Autor uns doch im Ungewissen zu lassen. Wem kann man trauen, wer sagt die Wahrheit? Und ist alles so wie es scheint? Ich kann euch sagen: Nein so ist es nicht! Es ist unfassbar ausgeklügelt und am Ende doch so einzigartig logisch. Mich hat dieses Buch mitgerissen und das Hier und Jetzt vergessen lassen. Ich habe sogar nachts davon geträumt und am Morgen weiter darüber nachgedacht. Für alle Thrillerfreunde ist dies eine absolute Leseempfehlung. Macht euch auf was gefasst!

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