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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.03.2026

Wo ist das Kuschelmonster?

Einfach Sunny
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An Maren Grafs Kinderbuch über die blinde Titelheldin Sunny hat mich vor allem das bunte Cover angesprochen. Ich mochte die warmen Farbtöne auf Anhieb. Zudem fand ich die Story über eine blinde "Schatzsucherin" ...

An Maren Grafs Kinderbuch über die blinde Titelheldin Sunny hat mich vor allem das bunte Cover angesprochen. Ich mochte die warmen Farbtöne auf Anhieb. Zudem fand ich die Story über eine blinde "Schatzsucherin" reizvoll. Die zeichnerische Umsetzung ist wirklich gelungen und preisverdächtig. Die Geschichte konnte mich leider nicht so mitreißen. Es fehlte mir an Tempo und Abenteuer. Die Hauptfigur Sunny lernt Ben auf der Straße kennen, indem sie ihm mit ihrem Blindenstock anrempelt. Er ist auf der Suche nach seinem Lieblingskuscheltier, wobei ihn Sunny gern behilflich ist. Sunnys unkomplizierter Umgang mit Vorurteilen rund ums Thema Behinderung hat mir imponiert. Sie ist mutig und lässt sich nicht auf ihre Blindheit reduzieren. Ben und Sunny bilden ein gutes Team, wobei die Kuscheltiersuche sich ziemlich zieht und die lustigen Stellen eher rar sind. Schade, dass die Katze vom Cover keine Rolle innerhalb der Handlung spielte.

FAZIT
Alles in allem ein solides Kinderbuch zum Thema gelebte Inklusion und Freundschaft.

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Zerrissen zwischen zwei Kulturen

Unser Haus mit Rutsche
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Die Schauspielerin Safia Al Bagdadi schreibt frisch und selbstironisch über Laylas unkonventionelles Leben. Die Hauptprotagonistin wächst als Kind eines Irakers und einer Französin in Saarbrücken auf. ...

Die Schauspielerin Safia Al Bagdadi schreibt frisch und selbstironisch über Laylas unkonventionelles Leben. Die Hauptprotagonistin wächst als Kind eines Irakers und einer Französin in Saarbrücken auf. Erst startet der Vater im Nahen Osten mit dem Verkauf von Computern durch, dann erfindet sich Laylas Mutter nach dem Golfkrieg neu und übt gleich drei Jobs aus, um die Familie über Wasser zu halten. Ihr kleiner Bruder Nouri spielt nur eine Nebenrolle, die französische Schwiegermutter agiert dafür umso mondäner als versnobtes Schwiegermonster. Die Eigenheiten der Familie blitzen während der Lektüre immer wieder durch. Man bekommt einen unterstellten Einblick in den familiären Mikrokosmos aus Anpassung und Kultur. Layla sucht lange nach ihren Platz im Leben. Nach Mobbing in der Schule, Träumen aus 1000 und 1 Nacht im Irak (vgl. Buchtitel) und der Leidenschaft für die Theater-AG scheitert sie als Schauspielerin und sucht bei Psychologen nach Antworten auf die großen Fragen. Die Erzählerin kann beides, mal ernst, mal urkomisch. Die Geschichte von Layla klingt irgendwie stark biografisch inspiriert. Wenn sie von Michael Jackson schwärmt, von den Gutenachtgeschichten ihres Vaters erzählt oder über die Geschichte Iraks philosophiert, ist sie ungemein sympathisch und einfach nur menschlich echt.

FAZIT
Eine authentisches Familiengeschichte, die mitreißt und zugleich für unterschiedliche Kulturen sensibilisiert.

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Überraschend tiefgründiger Jugendfantasyroman

Die Jagd nach den magischen Münzen
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Jessie Burtons Roman “Die Jagd nach den magischen Münzen” hat mich staunend zurückgelassen. Denn was als fantasiereiches Abenteuerstück begann, entwickelte sich zu einem vielschichtigen Werk über Trauerbewältigung ...

Jessie Burtons Roman “Die Jagd nach den magischen Münzen” hat mich staunend zurückgelassen. Denn was als fantasiereiches Abenteuerstück begann, entwickelte sich zu einem vielschichtigen Werk über Trauerbewältigung und Neuanfang. Im Zentrum der Geschichte steht die 12-jährige Halbwaise Bo Delafort. Sie sucht gern im Schlamm der Themse nach Kostbarkeiten und findet dort 1918 eine mondförmige Münze. Letztere verfügt über magische Kräfte und lässt Bo mit dem Fluss sprechen sowie Rückschauen erleben. Doch Bos Entdeckung bleibt nicht unentdeckt, der gleichaltrige Billy River und der Altertumswissenschaftler Frederick Muncaster interessieren sich aus ganz unterschiedlichen Gründen für den “schwarzen Mond”.

Burtons Buch besitzt überraschend viel Tiefgang. Hinzu kommen zwei sympathische Hauptfiguren - Bo und Billy - sowie ein spannungsvoller Plot mit grandiosem Ende. Ich habe nicht einmal zwei Tage für die Lektüre gebraucht. Junge wie junggebliebene Leser werden das Buch mögen.
Auch optisch konnte mich Burtons erstes Kinderbuch überzeugen. Cover und Farbschnitt bilden eine symbiotische Einheit, die man einfach gern anschaut und in die Hand nimmt.

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Fulminanter Reihenabschluss

Aliya und der Laden der Zweiten Chance 3
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INHALT
Im letzten und dritten Band kämpft die 12-jährige Aliya um die Ehre der Schlossergilde und natürlich gegen ihren manipulativen Erzfeind Dorian Drake. Letzterer träumt von der Unsterblichkeit und ...

INHALT
Im letzten und dritten Band kämpft die 12-jährige Aliya um die Ehre der Schlossergilde und natürlich gegen ihren manipulativen Erzfeind Dorian Drake. Letzterer träumt von der Unsterblichkeit und will sich durch Aliya Zugang zur Kairoer Schlosserschmiede verschaffen. Doch Aliya ist nicht allein. Ihre besten Schulfreunde und Nadim Simi stehen ihr bei. Denn auch das legendäre Teppichwettrennen muss noch absolviert werden.

MEINUNG
"Aliya und der Laden der Zweiten Chance" ist der fulminante Abschluss dieser spannenden Romanreihe. Im letzten Band wirkt Aliya nachdenklicher und emotional anfälliger. Die Leichtigkeit der Vorgängerbände fehlt, dafür steht plottechnisch mit dem Leben ihres Onkels sowie der Zeitreisewelt im Allgemeinen auch zu viel auf dem Spiel. Noch dazu scheint Aliyas magischer Gehilfe Simi mehr und mehr nach seinem eigenen Kopf zu agieren. Die Spannung baut sich stetig auf und kumuliert in einem ereignisreichen Schlussakkord. Der Kampf Gut gegen Böse sowie die menschliche Endlichkeit dominieren die Handlung. Mich haben wie jedes Mal das ägyptische Setting und die unterschiedlichen Charaktere begeistern können. Insofern verwundert es nicht, dass ich den 311-seitigen Roman in nicht einmal einen Tag verschlungen habe. Auch optisch hat mich Rifaats Pageturner mit seinem effektvollen Glitzer-Farbenspiel angesprochen. Die große Schrift erleichterte die Lektüre ungemein.

FAZIT
Leider der letzte Reihenband. Ich hätte gern noch mehr Abenteuer mit Aliya und ihrem Zeitreise-Team miterlebt. Rifaats märchenhafte Fantasiewelt ist eine gelungene Mischung aus 1001 Nacht sowie Alice im Wunderland. Für diese Buchreihe ist man nie zu alt. Ich wünsche "Der Schule der Zeitreisenden" den verdienten Erfolg.

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Veröffentlicht am 22.03.2026

Authentisch und gelassen altern

Alt genug
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"Alt genug" dominiert momentan die Spiegel-Bestsellerliste. Ich kann das gut verstehen. Ildikó von Kürthys persönliche Altersstudie changiert zwischen schonungslos offen und frappierend komisch. Die Erfolgsautorin ...

"Alt genug" dominiert momentan die Spiegel-Bestsellerliste. Ich kann das gut verstehen. Ildikó von Kürthys persönliche Altersstudie changiert zwischen schonungslos offen und frappierend komisch. Die Erfolgsautorin ist mit 58 endlich bei sich angekommen. Sie muss niemanden mehr gefallen und probiert aus, was sie durch ihre Angststörung immer aufgeschoben hat. So bewirbt sie sich bspw. bei Germanys Next Topmodel, reist nach Wacken oder fliegt nach New York. Von Kürthy altert gemeinsam mit ihren Freundinnen und bleibt sich treu. Lange Partys, Alkohol und zu enge Outfits waren gestern. Jetzt trägt sie bequeme Sachen, liebt Routinen und kämpft mit der Menopause. Indem sie nichts verschweigt und ihre Makel heiter begrüßt, ist sie ein Vorbild. Ich mag authentische und zugleich selbstironische Menschen wie sie unheimlich gern, weil ich auch so lebe. Ihr Sachbuch ist eine teils heitere, teils ernste Lebensschau und zugleich eine Einladung das Abenteuer Leben mit all seinen Facetten anzunehmen. Jede Leserin kann sich darin wiederfinden. Ich habe Kürthys Buch mit Gewinn gelesen und es mit einem Lächeln beendet. Das Buchcover wirkt in seiner Simplizität enigmatisch. Auf der Rückseite sieht man die Autorin in ihrem gestreiften Lieblingskleid, das schon Heidi Klum zu sehen bekam. Kürthys Unperfektheit ist ungeheuer sympathisch und einfach nur menschlich.

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