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Veröffentlicht am 29.04.2026

Episodenhaft

Tage des Lichts
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Ein Leben in sechs Episoden erzählt- das klingt doch eigentlich nach einem ganz spannenden Konzept. Zumal man mit Ivy in ihre Bohemiene-Familie eintauchen darf, in der schon immer die Kreativität und freie ...

Ein Leben in sechs Episoden erzählt- das klingt doch eigentlich nach einem ganz spannenden Konzept. Zumal man mit Ivy in ihre Bohemiene-Familie eintauchen darf, in der schon immer die Kreativität und freie Liebe regiert.

1938 begegnen wir Ivy zum ersten Mal. Es ist Ostern, die Familie kommt zusammen und ihr Bruder Josef will allen seine neue Freundin Frances vorstellen. Währenddessen hadert Ivy mit dem Leben und ihrer Plan- und Ziellosigkeit. So ganz scheint sie nicht in die künstlerische Vielfalt und den Überschwang ihrer Familie zu passen. Doch dann stirbt Josef überraschend und Ivy kämpft ihr Leben lang mit den Konsequenzen.

Eigentlich klingt das alles nach Drama und großen Gefühlen. Die liefert uns Megan Hunter auch mit Sicherheit. Und doch fühlte sich dieses Buch an, als würde ich das alles durch einen starken Filter betrachten.

Megan Hunters Roman dominiert ein blumiger, mit Metaphern beinahe überladener Schreibstil, der mir im Laufe des Buches immer bekannter erschien. Bis mir wieder einfiel, woran er mich erinnerte: "Die Harpye"- was wenig verwundert, stammt doch beides aus derselben Feder.

Ich bin mit beiden Büchern nicht ganz warm geworden, vermutlich weil ich permanent das Gefühl hatte, einen Großteil der versteckten Bedeutungen nicht verstanden zu haben. Auch bleiben die Figuren unnahbar und so fällt es schwer, mit ihnen mitzufiebern und zu leiden.

Insgesamt hat dass Buch Potential und wenn man den Stil mag, kann es ein tolles Leseerlebnis bieten.

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Veröffentlicht am 28.04.2026

Brutale Liebe

The Poet Empress
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Wir haben hier eine unglaublich starke, eindringliche, atmosphärische, vom chinesischen Kaiserreich inspirierte Fantasygeschichte, die mich gefesselt und verzaubert hat.

Yin Wei lebt mit ihrer Familie ...

Wir haben hier eine unglaublich starke, eindringliche, atmosphärische, vom chinesischen Kaiserreich inspirierte Fantasygeschichte, die mich gefesselt und verzaubert hat.

Yin Wei lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Dorf, ihren kargen Unterhalt verdienen sie als Reisbauern. Das Land leidet unter einer furchtbaren Hungersnot, die nicht von dieser Welt zu sein scheint. Als der Kaiser einen seiner Söhne als Erben ernennt, werden Freiwillige gesucht, die sich als Konkubinen melden. Wei sieht ihre Chance gekommen, ihre Familie zu retten und meldet sich, ohne zu ahnen, in welche Schlangengrube sie sich damit begibt.

Ich war innerhalb eines Wimpernschlages verzaubert von dieser fantastischen wie grausamen Welt, in die uns Shen Tao hier entführt. Die Schlucht zwischen der armen Bvölkerung, in der Frauen Lesen und Schreiben auf den Tod verboten sind, und der Königsfamilie, die dank ihres Siegels mit unglaublicher Macht gesegnet sind, ist riesig. Komplexe Magie ist den Regierenden vorbehalten, und diese Macht korrumpiert jeden, der ihr zu nahe kommt.

Diese Mischung aus historischem Realismus und der zarten Blüten- und Tiermagie ist einmalig. Die Vielfalt und Liebe fürs Detail, die in die Beschreibung der vielen Tiere ebenso wie Kleidung und Nahrung gesteckt wird, springt aus jeder Seite.

Der Kontrast zwischen dieser zarten Magie und der kalten Brutalität dieser Herrscherfamilie trifft einen besonders hart. Umso mehr fiebert man mit Wei mit und hofft, dass ihr Plan sie zum Schluss ans Ziel gelangt. ASo trifft es mich besonders hart, dass ich im Laufe der Geschichte nicht nur mit ihr mitfiebere, sondern auf eine verquere Art und Weise ebenso eine Beziehung zu ihrem Anvertrauten Prinz Terren entwickle- dem eigentlichen Antagonisten der Geschichte.

Shen Tao schafft, was bisher nicht vielen gelungen ist- dass ich mich zum Schluss in das Biest verliebt habe.

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Veröffentlicht am 28.04.2026

Etwas wirr

Nightweaver
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Dieses Buch hält einerseits vieles von dem, was es verspricht, kann in anderen Punkten aber die Erwartungen nicht erfüllen.

Die Welt ist in einem ewigen Krieg gefangen- die Menschen kämpfen gegen die ...

Dieses Buch hält einerseits vieles von dem, was es verspricht, kann in anderen Punkten aber die Erwartungen nicht erfüllen.

Die Welt ist in einem ewigen Krieg gefangen- die Menschen kämpfen gegen die übersinnlichen Nightweaver und sind dabei diesen Kampf zu verlieren. Lediglich die Meere sind ihnen noch geblieben und werden von ihnen als Piraten befahren. Aster Oberon und ihre Familie sind eine der mächtigsten Besatzungen. Bis die Lightbringer, ihr Schiff eines Tages von Nightweaver geentert wird und ihr Bruder Owen dabei ums Leben kommt. Der Rest endet als Gefangene des geheimnisvollen Will und seiner Familie. Doch Aster kämpft gegen das Leben als einfache Bedienstete, gefangen an Land.

Es hätte so eine tolle Piratengeschichte sein können, doch die Zeit auf See ist ziemlich schnell vorbei, den Rest der Geschichte verbringen wir an Land.
Auch wenn es dort spannend weitergeht, kann das meine Sehnsucht nach Fluch der Karibik-Vibes nicht ganz stillen.

Aster und Will sind mit ihren 17 Jahren typische Young Adult-Figuren: eine verwirrende, teils widersprüchliche Mischung aus unreif, impulsiv und unglaubwürdig reif und erfahren. Eigentlich genau das, was ich erwartet habe (auch, wenn ich es nicht unbedingt immer leiden mag).

Diese Welt selbst fasziniert mich. Die Autorin bietet uns verschiedenste Wesen und Figuren, eine schillernder oder düsterer als die andere. Viele davon sind schmückendes Beiwerk, es gibt aber auch eine Vielzahl, die für die Geschichte und ihr Verständnis essenziell sind. Leider werden sie erst nach und nach eingeführt, was das Begreifen dieses Weltenbaus ziemlich schwierig für mich gemacht hat. Ich hatte auch das Gefühl, dass die Spannung etwas darunter gelitten hat.

Trotz allem möchte ich wissen, wie es mit Aster und Will weitergeht und freue mich schon auf den Rest der Trilogie.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Zurück zu den Wurzeln

Halber Stein
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Iris Wolff hat in den letzten Jahren mit ihren Büchern für Aufsehen und Begeisterung gesorgt, besonders "Lichtungen" hatte mir sehr gefallen. Nun hat der Verlag mit "Halber Stein" das Debüt der Autorin ...

Iris Wolff hat in den letzten Jahren mit ihren Büchern für Aufsehen und Begeisterung gesorgt, besonders "Lichtungen" hatte mir sehr gefallen. Nun hat der Verlag mit "Halber Stein" das Debüt der Autorin nachträglich übersetzt und veröffentlicht.

Sine kehrt nach 20 Jahren in ihre Heimat zurück, zur Beisetzung ihrer geliebten Großmutter Agneta. Je länger sie den Ort erkundet, in dem sie aufgewachsen ist, und sich mit den Menschen unterhält, die zurück geblieben sind, desto stärker werden die Erinnerungen an Erlebnisse und Emotionen.

Die Themen, die der Roman aufgreift, werden einem bekannt vorkommen, wenn man sich mit dem Werk der Autorin auskennt. Rein sprachlich kann man hier schon sehr gut das Potential erkennen, dass Frau Wolffs Bücher später einmal ausmachen wird.

Allerdings fehlt dem Buch etwas der Antrieb und das Fesselnde. So fiel es mir schwer, angesichts der vielen beschreibenden Worte am Ball zu bleiben.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Kein James Bond

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Ich weiß, was uns das Agentenkino vermittelt, ist weit ab der Normalität, geschweige denn Realität. Ich habe auch keine absurden Gadgets oder schnellen Autos mit Schleudersitz erwartet. Etwas mehr Spannung ...

Ich weiß, was uns das Agentenkino vermittelt, ist weit ab der Normalität, geschweige denn Realität. Ich habe auch keine absurden Gadgets oder schnellen Autos mit Schleudersitz erwartet. Etwas mehr Spannung und Drive hätte ich mir aber schon gewünscht.

Dabei fängt die Story um BND-Außendienstmitarbeiter Germeshausen gut an, der auf einer Party der Sowjets in Rom den deutschen Vorzeigepoeten anwirbt.

Die Mauer ist gefallen, das politische Niemandsland zwischen Ost und West hängt in der Schwebe. Alle sind zum Aufbruch bereit.

Das Setting ist spannend, hat Potential und wird auch mit interessanten Figuren gefüttert. Aber der Autor nutzt das leider so gar nicht aus.

Stattdessen plätschert die Geschichte dahin, dreht ein paar irre Pirouetten und kommt trotzdem nicht ans Ziel. Oder das Ziel wird den Leser nicht offenbart. Mir jedenfalls hat sich das Ende nicht erschlossen.

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