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Veröffentlicht am 13.08.2023

Bla bla bla

Magnolia Parks
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„Wir opfern unsere Herzen auf dem Altar des anderen.“
Mit „Magnolia Parks“ präsentiert die Autorin Jessa Hastings das „Gossip Girl“ 2.0 für die Gen Z,denn es gibt junge, hippe, reiche Protagonisten, ...

„Wir opfern unsere Herzen auf dem Altar des anderen.“
Mit „Magnolia Parks“ präsentiert die Autorin Jessa Hastings das „Gossip Girl“ 2.0 für die Gen Z,denn es gibt junge, hippe, reiche Protagonisten, reichlich Namedropping (Edelmarken, hallo!) und ein tragisches Liebespaar mit einer on-off-Beziehung. Genau das Richtige für den Sommer, dachte ich.
Die Haupthandlung ist in London angesiedelt, es gibt alternierende Erzählperspektiven. Abwechselnd kommen die Protagonistin Magnolia Parks und ihr (Ex)Freund Baxter James Ballentine zu Wort. Magnolia ist „aus Kensington“ und sie wurde als Tochter eines Models und eines Musikproduzenten quasi mit dem goldenen Löffel im Mund geboren. Mode ist ihre Welt. Ihre Schwester hingegen ist der Bücherwurm der Familie und so wenig modeaffin, dass Magnolia sie förmlich dazu zwingen muss, sich chic zu kleiden. Tragisch! Magnolia hat eine russische Großmutter und eine Nanny namens „Mars“, die sie abgöttisch liebt und die ihrerseits BJ nicht leiden kann. Zur Clique von Magnolia und BJ (er ist zwei Jahre älter als sie) gehören, wie könnte es anders sein, sämtliche rich kids. Magnolia und BJ können nicht miteinander leben, aber auch nicht getrennt sein. Sie lernten sich kennen, als Magnolia 4 Jahre alt war. Sie verletzen und erfreuen einander. Ehrlich gesagt war ich von dem ganzen Drama, das in Kapitel 12 immer noch andauerte, genervt. Ein Seitensprung führte zum Hyperventilieren. Das ist nicht romantisch, nur noch nervtötend. Von wegen star-crossed lovers!
Viele Versatzstücke der Erzählung hat man in anderer Kombination daher schon irgendwo anders gelesen, aber man möchte dennoch wissen, wie das Ganze enden wird.
Stilistisch und sprachlich habe ich mehr erwartet. Da das Ganze in Großbritannien spielt, hatte ich mich auf eine schwarzhumorige Story mit Hintersinn und Selbstironie gefreut. Weit gefehlt! Das Ganze wirkt irgendwie seltsam selbstverliebt, Pathos gibt es zuhauf, aber auch sehr platte Sätze, lol:
„Ihn zu lieben bedeutete nichts anderes, als einem Chauffeur ohne Führerschein die Schlüssel zu meinem Herzen zuzuwerfen.“
An der deutschen Version des Romans waren drei Übersetzerinnen beteiligt. Dennoch (oder gerade deshalb) waren mir manche Sätze zu holprig. („Ich würde über die schönen Seiten des Lebens meditieren, …“ , „Und dann schaltete ich.“)
Jessa Hastings braucht unglaublich lange, um auf den Punkt zu kommen. Ich wünschte, ein Lektor hätte das Ganze ein wenig gestrafft. In Sachen Figurenzeichnung hätte ich mir ein wenig mehr Feinschliff gewünscht. Bei fast jeder Figur wird aufgezählt, in welche Edelmarken sie gehüllt ist. Mich hätte aber eher etwas über den Charakter des jeweiligen Helden interessiert, und nicht unbedingt, ob er Prada oder Gucci trägt. Der Roman war auf Social Media wohl der Hit, und so ist es wohl nicht falsch anzunehmen, dass „Magnolia Parks“ das „Gossip Girl“ für die Generation Tik Tok ist. Blair Waldorf und Chuck Bass waren irgendwie glaubwürdiger.

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Veröffentlicht am 02.08.2023

Small Mercies

Sekunden der Gnade
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„Mary Pat zuckt die Achseln. Die Zeit zum Reden ist vorbei. Sie dreht sich um und geht durch die Menschenmenge hindurch, die sich vor jedem ihrer Schritte teilt.“

Shutter Island gehört zu meinen ...

„Mary Pat zuckt die Achseln. Die Zeit zum Reden ist vorbei. Sie dreht sich um und geht durch die Menschenmenge hindurch, die sich vor jedem ihrer Schritte teilt.“

Shutter Island gehört zu meinen All - Time - Favourites, und auch Lehanes neuester Coup kann sich sehen lassen. 1974, Boston: Es ist die Zeit, da contra Segregation das busing eingeführt wurde, was zu Rassenunruhen, Protesten und Gewalt führte. Doch auch die US - Drogenkrise der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts spielt eine Rolle und es wird die Wirtschafts – und Sozialgeschichte der Vereinigten Staaten tangiert.

Worum geht’s?
Mary Pat Fennessys schlimmster Alptraum wird wahr, als ihre siebzehnjährige Tochter Jules eines Tages nicht mehr nach Hause kommt. Mary Pat kann das nicht akzeptieren – sind es etwa ihre eigenen Schuldgefühle, die sie antreiben? Die Protagonistin schwört blutige Rache. Bei ihrer Suche stößt sie auf ein Netz aus Lügen und Intrigen und sticht in ein Wespennest…
„Sekunden der Gnade“ liest sich extrem gut, obwohl der Roman relativ dialoglastig ist. Die spannende Handlung wird in einen historischen Kontext eingebettet, der als Katalysator für den Plot dient. Die nuancierte Figurenzeichnung gefiel mir besonders gut, die Protagonisten sind nicht unbedingt sympathisch; überhaupt lebt die Geschichte von der Ambivalenz. Es ist mutig, dass der Autor auch das N – Wort gebraucht und damit eine bestimmte Atmosphäre evoziert, die den Hass und die Hysterie der damaligen Zeit illustriert. Als Leser darf man sich an Beleidigungen und Schmähungen nicht stören, da diese nicht die Ansicht des Autors spiegeln, sondern ein gewisses Mindset, welches die Story authentisch wirken lässt. „Sekunden der Gnade“ ist zugleich Gesellschaftskritik und Psychogramm, ein Drama mit Ansage und ein historischer Krimi, der es in sich hat. Zwei Welten prallen aufeinander, als die irische Community Bostons und die afroamerikanischen Bürger gegeneinander ausgespielt werden.
Bei Lehane gibt es keine Schwarzweißmalerei, der Verlauf der story ist nicht unbedingt vorhersehbar, da er mit ‚doppelten Böden‘ und mehreren Ebenen arbeitet. Die Auflösung überrascht.

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Veröffentlicht am 01.08.2023

Oy Vey!

Shmutz
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Raizl ist eine junge Frau, die in Brooklyn lebt. Ihre Familie gehört zum orthodoxen Judentum, da sie einer chassidischen Sekte angehört, die eine strenge Glaubensauslegung praktiziert; verheiratete Frauen ...

Raizl ist eine junge Frau, die in Brooklyn lebt. Ihre Familie gehört zum orthodoxen Judentum, da sie einer chassidischen Sekte angehört, die eine strenge Glaubensauslegung praktiziert; verheiratete Frauen tragen Perücken, die Männer natürlich Bärte, Jarmulke und Hut.
Raizl arbeitet und geht auf’s College, während sich ihre Brüder (auch durch die finanzielle Unterstützung ihrer Schwester) in Vollzeit der Thora widmen können. Für das Studium der Buchhaltung und des Rechnungswesens macht ihr Vater eine Ausnahme, da er seiner Tochter mit Stipendium erlaubt, einen internetfähigen Computer zu besitzen. Leider wird Raizl süchtig nach Internetpornographie. Im Internet gibt es Frauen aller Formen und Farben, und die Studentin fühlt sich in gewisser Weise verstanden. Auch kann sie ihre verbotene Lust ausleben. Doch sie soll auch heiraten. Zunächst bringt das Jewish Matchmaking nicht den gewünschten Erfolg, und so vereinbart die Mutter der Protagonistin Termine bei einer Psychologin, die Diplome von der „New York University“ (sie hat mitnichten an einer Ivy League Uni ihren Abschluß gemacht) an der Wand hängen hat und im Gegensatz zu ihrer frommen Klientin nicht gläubig ist. Die Diagnose lautet schon bald: "Du passt also auch dann nicht rein, wenn Du keine Pornos schaust." (Pos.588)
Wird Raizl ihre Sucht überwinden und ihren Weg gehen, einen Partner finden?

Ehrlich gesagt kann ich nicht verstehen, wieso die LA Times den Roman „urkomisch“ findet. Vor der Lektüre hatte ich eine schwarzhumorige Geschichte erwartet, aber es gibt weder wirklich lustige Stellen noch einen comic relief. Wenn ein naives, isoliert lebendes Mädchen sich über „moderne“ Dinge wundert, ist das nicht witzig, sondern billig. Ein Plus: Felicia Berliners Stil liest sich eingängig, flott und flüssig, die jiddischen Einsprengsel (es gibt am Ende ein Glossar) sind super, allerdings kann ich nicht beurteilen, ob die Verwendung korrekt ist oder nicht, da ich keine Jüdin bin und auch keine Expertin für die Sprache /den Soziolekt. Die Protagonistin ist ein Charakter, für den man Sympathie entwickeln muss. Zu Beginn war ich aber ziemlich genervt, um ehrlich zu sein, da mir die Erzählung unterkomplex vorkam und die Figuren stereotyp sind (Raizls Eltern sind bigott und gefühlskalt). Same old, same old, dachte ich. Wie oft hat man beispielsweise die Psychologen/Patienten – „Schiene“ schon gelesen? Große Teile des Romans scheinen darauf ausgelegt zu sein, säkulare Lebensentwürfe zu glorifizieren und konservative (bzw.religiöse) Lebensformen zu verdammen. Unstrittig ist, dass die Geschichte durchweg eine Kritik am Patriarchat transportiert – Raizls Mutter scheint den male gaze und patriarchale Vorstellungen regelrecht verinnerlicht zu haben („Ihre Mutter hatte Raizls Sicht auf Avrums Sicht auf Raizl hören wollen.“). Manches fand ich recht plakativ präsentiert - Zu Beginn des Buches scheint sexpositiver Feminismus das Credo zu sein, natürlich wird die Critical Race Theory integriert und manche Sätze lesen sich wie aus dem „kleinen Einmaleins der Identitätspolitik“ kopiert. An Purim ist Raizls Bruder Yossi selig, „als er in Feiertagsstimmung vorgibt zu sein, was er nicht ist,“ aber die Verkleidung als Frau „das, was er wirklich ist“ ausdrückt. Insofern ist der Roman sehr ‚zeitgeistig‘, es ist auch von einem „geflüchtete[n] Schäfer“ die Rede, wobei im englischen Originaltext wohl nicht gegendert wird. Am College freundet sich die Protagonistin mit Leuten rund um das bisexuelle Goth-Mädchen Sam an, sie isst sogar Schweinefleisch und zunächst erscheint ihr die absolute Freiheit erstrebenswert, sie überlegt sogar, abzuhauen. Der Mittelteil der Geschichte ist deprimierend, und meine Laune war richtig im Keller, da Gewaltpornos in der Story vorkamen & als die Heldin zum Oralsex gezwungen wurde. Im letzten Drittel des Romans hat mich die Autorin dann positiv überrascht, da sie aufzeigt, dass auch das „moderne“ Leben für Frauen nicht die absolute Freiheit bedeutet, Pornographie wird kritisch betrachtet und nicht verherrlicht. Sie geht auch auf stereotype Vorstellungen über das orthodoxe Judentum ein (sehr löblich), aber ganz am Ende ist sie wieder am Anfang, da Raizl zwar nicht ausbricht, sich aber ein „Hintertürchen“ offenlässt. Ich habe vom Debut der Autorin, die unter dem Pseudonym „Felicia Berliner“ publiziert, insgesamt mehr erwartet.

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Veröffentlicht am 25.07.2023

Der etwas andere Sommerroman

Die Einladung
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„Das war es doch, was sie alle wollten, oder? Im Gesicht eines anderen Menschen pure Akzeptanz zu sehen.Eigentlich simpel, aber so selten, dass Leute es nicht von ihren Familien erfuhren, von ...

„Das war es doch, was sie alle wollten, oder? Im Gesicht eines anderen Menschen pure Akzeptanz zu sehen.Eigentlich simpel, aber so selten, dass Leute es nicht von ihren Familien erfuhren, von ihren Partnern, es sich suchen mussten bei jemandem wie Alex."

Wer erinnert sich an die Fernsehserie „O.C., California“ (im Original: “The O.C.“), in welcher die Figur Julie Cooper bereit war, alles zu tun, um nicht wieder im Trailer Park ihrer Kindheit zu landen?
Emma Clines Roman „Die Einladung“ geht von einer ähnlichen Prämisse aus. Ein auktorialer Erzähler führt durch das Geschehen, die Handlung ist eher character – driven als plot- driven.

Worum geht’s?

Die 22jährige Opportunistin Alex ist die Gespielin reicher alter Amerikaner, scheint dies aber nur unter Tabletteneinfluss zu ertragen. Nach creepy Dom wechselt sie zum Fitnessfanatiker Simon. Altes Geld! Der Sommer in den Hamptons beginnt vielverheißend, bis Alex ungewollt Simons Luxusauto beschädigt & Simon sie daraufhin vor die Tür setzt. Die junge Frau, die qua Geburt mitnichten zur Upper Class gehört, traut sich nicht nach New York zurück. So lässt sie sich treiben und fiebert Simons Party entgegen, in der Hoffnung, die Wogen glätten zu können, bis es zur Katastrophe kommt…

„Die Einladung“ ist eine Sommerlektüre der etwas anderen Art. Das Luxusleben existiert nicht ohne Abgründe, es geht um Machtgefälle und Abhängigkeit, aber auch um Manipulation und darum, dass Menschen gerne glauben, was sie glauben wollen. Ein Raubtierkapitalismus durchdringt alle Bereiche des Lebens, Jugend & Schönheit werden gegen Geld eingetauscht, aber ist es ein fairer Handel? Der Spielplatz der Superreichen – die Hamptons – verliert in Emma Clines Roman seinen Glanz, ist alles nur Fassade? Die Protagonistin (die lügt und betrügt, wenn es nötig ist) ist eine ambivalente Figur, die sich nimmt, was sie will. Hält sie mit ihren Taten der feinen Gesellschaft den Spiegel vor? Ist ihr Lebensentwurf eine Notwendigkeit, ein Ausdruck der Selbstermächtigung oder pure Prostitution?
Dunkle Schatten liegen über den Hamptons. Die sommerliche Idylle wird in „Die Einladung“ (der englische Originaltitel „The Guest“ ist meines Erachtens treffender) entzaubert.

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Veröffentlicht am 11.07.2023

Geschmackssache

Die Wanderbühne
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In „Die Wanderbühne“ erzählt der kroatische Autor Zoran Ferić vor dem Hintergrund der wechselvollen Geschichte (Südost)europas und Ex-Jugoslawiens von seiner Zagreber (multiethnischen)Familie. Das Ganze ...

In „Die Wanderbühne“ erzählt der kroatische Autor Zoran Ferić vor dem Hintergrund der wechselvollen Geschichte (Südost)europas und Ex-Jugoslawiens von seiner Zagreber (multiethnischen)Familie. Das Ganze ist zugleich eine Chronik des 20. Jahrhunderts und auch eine Nationalismuskritik. Den Anfang fand ich noch ganz interessant, insgesamt zieht sich das Ganze in meinen Augen aber wie Kaugummi. Mir fehlt im Text beispielsweise der Hintersinn, wie er etwa in den Publikationen einer Dubravka Ugrešić (RIP) zu finden ist; dabei gibt es im Text durchaus sarkastisch-zynische Passagen und auch einen gewissen Galgenhumor. Manches klingt in meinen Ohren aber leider regelrecht schwülstig und abgedroschen, es ist etwa von einem Dekolleté die Rede, „wo die Brüste herausschauten, die erst am Sprießen sind und auf dem Weg zu den Brüsten eines erwachsenen Mädchens, […]“ oder auch von den Schuldgefühlen infolge „Jahrhunderten katholischer Erziehung“ (wie oft hat man diese Wendung schon gelesen?).

Eigentlich mag ich das Genre gern, „Die Rolle meiner Familie in der Weltrevolution“ von Bora Ćosić gehört zu meinen Lieblingsromanen.

„Die Wanderbühne“ ist sicher eine lesenswerte Familiensaga, mich konnte der in Teilen autobiographische Roman aber nicht richtig „packen“, stilistisch und sprachlich ist Zoran Ferić wohl einfach nicht mein Fall.

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