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Veröffentlicht am 27.07.2019

Daumen hoch für „Fünf Sterne für dich“

Fünf Sterne für dich
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Inhalt:

Konrad Lorenz entwickelt nach einem Schicksalsschlag, der ihn zum Alleinerzieher von Baby Mathilda macht, eine Zwangsneurose, die ihn „zwingt“, alles und jeden zu bewerten, um zukünftig möglichst ...

Inhalt:

Konrad Lorenz entwickelt nach einem Schicksalsschlag, der ihn zum Alleinerzieher von Baby Mathilda macht, eine Zwangsneurose, die ihn „zwingt“, alles und jeden zu bewerten, um zukünftig möglichst alles Schlechte im Leben zu vermeiden. Kommt ihm das im Berufsleben – er verfasst Gefälligkeitsrezensionen für Bewertungsportale – gelegen, so engt es sein und das Leben der zwischenzeitlich 12jährigen Tochter zusehends ein, zumal sich Konrad auch nicht mit der Vergangenheit auseinandersetzen will und Mathilda nichts über ihre Mutter Julia erzählen möchte.

Aus Angst davor, dass sein Lügenkonstrukt auffliegt, übersiedelt er überhastet von Köln nach Hamburg, wo sich Mathilda plötzlich in die Klasse 7d des Hildegard-von-Bingen-Gymnasiums integrieren und neue Freund*innen finden soll.

Erschwerend für dieses Vorhaben kommen sowohl die unsägliche Dynamik zwischen den Kids als auch unter dem Klassenlehrer-Duo – bestehend aus der engagierten Quereinsteigerin Pia Flemming, die zum ersten Mal als Klassenlehrerin tätig ist, und der an Dienstjahren erfahre, jedoch als Berufsjugendlicher auftretende Co-Klassenlehrer Tom Wohlfahrt, hinzu.

Konrad möchte seine Tochter so gut es geht unterstützen und „opfert“ sich notgedrungen, als Elternvertreter zu agieren. Sein „Handicap“ (zwanghaft Bewertungen zu verfassen) lebt er auch beim ersten Elternabend aus. Die suboptimale Bewertung von Pia Flemming ruft diese auf den Plan, sich an Konrad zu rächen … doch ein ausgewachsenes Mobbingproblem innerhalb der Klasse fordert die Zusammenarbeit der beiden. Wird Konrad Pia helfen oder vor Angst wieder mit Mathilda flüchten?

Meine Meinung:

Die Autorin Charlotte Lucas greift emotional berührende, üblicherweise eher „schwer verdauliche“ Themen auf 570 Seiten auf und portioniert diese gekonnt mit ihrem äußerst unterhaltsames Schreibstil, der von philosophischen Betrachtungen und Zitaten, humorvollem Dialogwitz und WhatApp-Chat- Passagen der Kids in Jugendsprache reicht, in bekömmliche Häppchen von 57 Kapiteln und einem Epilog. Zudem startet das Buch mit einem Schicksalsschlag, dessen Aufklärung man bis zum Ende mit Spannung verfolgt.

Das Buch glänzt inhaltlich durch die klare und eindeutige Beschreibung ihrer Protagonisten! Alleine die Beschreibung der Eltern beim 1. Elternabend ist köstlich und erscheint keinesfalls fiktional, sondern voll aus dem Leben gegriffen! Charlotte Lucas macht auch an vielen Stellen die Doppelmoral einiger Beteiligten bzw. innerhalb unserer Gesellschaft offensichtlich und regt damit nachhaltig zum Nachdenken an.

Beachtenswert ist vor allem der Charakter der Mathilda, die trotz ihres jungen Alters selbstbestimmt auftritt und auch in fordernden Situationen Haltung beweist - ein Plädoyer für Zivilcourrage, weshalb das Buch auch besonders Jugendlichen zu empfehlen ist, da es die Themen Ausgrenzung/Integration/Mobbing bzw. Verantwortung-übernehmen behandelt.

Schwierigkeiten hatte ich mit dem Timing des Romans. Erschien mit der Anfang eher behäbig, der Mittelteil optimal, so überstürzten sich im Endteil die Ereignisse, wobei einige interessante Blickweisen gerne ausführlicher hätten thematisiert werden dürfen. So erscheint zB die Vater-Tochter-Beziehung zwischen Konrad und Mathilda oder die Beziehung zwischen Konrad und Pia mit viel Phantasie nachvollziehbar.

Fazit:

Lesenswerter doppel-(mehrfach-)bödiger Roman, der stilistisch humorvoll, flüssig und äußerst unterhaltsam tiefsinnige Themen (zB Mobbing, Traumata, Zwangsstörungen, Fake News, Bewertungsportale, …) für Jugendliche und Erwachsene behandelt.

Veröffentlicht am 21.07.2019

Mord mit familiären Verstrickungen

Comisario Benitez und der Mord am Strand
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Inhalt:
Comisario Pablo Benitez ist zur Einweihungsfeier der Strandbar der Deutschen Bibi Bierwirt geladen, in welcher sein Neffe Jaime, der Mathematik studiert hat und nach einer Jobsuch-Odyssee dort ...

Inhalt:
Comisario Pablo Benitez ist zur Einweihungsfeier der Strandbar der Deutschen Bibi Bierwirt geladen, in welcher sein Neffe Jaime, der Mathematik studiert hat und nach einer Jobsuch-Odyssee dort am Strand von Marbella zumindest eine Anstellung als Kellner gefunden hat. Mit dabei sind viele Familienmitglieder der Benitez (Schwestern, Schwager, …) und Pablos Team der Mordermittlung samt der erst kürzlich aus Sevilla zum Team gestoßenen neuen Kollegin Paula Odriozola.

Doch bereits am nächsten Tag ist von den idyllischen Feierlaune nichts mehr übrig, denn nahe der Strandbar wie eine Tote aufgefunden und Jaime scheint darin verstrickt zu sein.

Für Comisario Benitez ein Gratseilakt zwischen widersprüchlichen Informationen bishin zu Terrorverdacht über Jaime und dessen Verschwinden, dem Druck seiner Schwestern und – vor allem Seitens Paula geforderter – objektiver, unabhängiger und korrekter Ermittlungsarbeit! … und der Druck nimmt aufgrund weiterer Toter und Bedrohungen zu! Eine Herausforderung für Benitez, integer zu bleiben!?

Meine Meinung:
Bei „Comisario Benitez und der Mord am Strand“ handelt es sich bereits um den 2. Fall rund um Comisario Benitez, dem ich jedoch ohne Vorkenntnis des 1. Falls problemlos folgen konnte.

Aufgrund des rasanten Einstiegs anlässlich der Einweihungsfeierlichkeiten wird sofort ein Überblick über die Vielzahl an Protagonisten (ua Mehr-Generationen-Familie mit vielen Schwestern, Schwagern) gegeben, was anfänglich ein wenig klischeehaft wirkte und zudem eine immense Herausforderung darstellte, all die Namen und Beziehungen zu behalten und mit der beschriebenen Lautstärke und Emotionalität – vor allem der Schwestern - sowie den Sticheleien zwischen den KollegInnen des Mordermittlungsteams zu Rande zu kommen.

Der flotte Schreibstil und die teils köstlichen Dialoge lassen einem rasch in der Welt des Comisarios zurechtfinden.

Geschickt verwebt die Autorin Inez Velazquez die Ermittlungsarbeiten mit den teils tiefsinnigen Sichtweisen von Benitez über das chice Jetset-Marbella der Reichen, Schönen und Touristen und im starken Kontrast dazu das Alltagsleben der Einheimischen, geprägt von Jugendarbeitslosigkeit, Immobilienblase und –spekulationen, internationalem Agrarhandel (am Beispiel des Orangenmarktes), Wasserknappheit, Umweltverschmutzung, Drogen, Korruption, Mafia, Terrorismus … Angereichert wird das skizzierte Spanien-Bild mit wunderschönen Landschafts-/Meerbeschreibungen und zahlreichen kulinarischen Genüssen.

Zusätzliche Dynamik erfährt das Buch aufgrund der gespannten Team-Situation, allen voran dem sympathischen, mode-bewussten, genuss-orientierten, manchmal etwas cholerischen Single-Comisarios mit Familiensinn und der – weil erst neu beim Team – auch für den Comisario noch unbekannten/schwer einzuschätzenden, alleinstehenden (?), anfänglich als eher wortkarg, spröde, strengen, in unkleidsamen Gewande und Schuhwerk beschriebenen Kollegin Paula.

Geschickt wird Ende des Besuches mit dem Auftauchen einer Person aus Paulas beruflicher/privater/intimer Sevilla-Vergangenheit ein Cliffhanger präsentiert, der einem jetzt schon auf eine Fortsetzung hoffen lässt.

Fazit:
Unterhaltsamer Sommer-Strand-Krimi, der einen Blick hinter die Fassade des vordergründig chicen Marbella erlaubt und das Alltagsleben der Spanier*innen aufzeigt. Hoffe auf weitere Benitez-&-Paula-Einsätze!

Veröffentlicht am 07.07.2019

Kein Blatt vor dem Mund

Most Wanted Billionaire
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Bei »Most Wanted Billionaire« handelt es sich um den zweiten Teil der MOST-WANTED-Reihe von Annika Martin. Obwohl ich den ersten Teil nicht kannte, konnte ich dem 2. Teil problemlos folgen, weil die Bände ...

Bei »Most Wanted Billionaire« handelt es sich um den zweiten Teil der MOST-WANTED-Reihe von Annika Martin. Obwohl ich den ersten Teil nicht kannte, konnte ich dem 2. Teil problemlos folgen, weil die Bände offensichtlich in sich abgeschlossen sind.

Zum Inhalt:
Lizzie hat es heftig erwischt. Sie musste ihre Bäckerei Cookie Madness schließen und ihr Ex hat sie mit einem Haufen Schulden und Kredithaien im Genick zurückgelassen. Da erscheint das Jobangebot der Pharmafirma Vossameer Inc., die eine Social-Media-Expertin sucht und einen irren Bonus bietet, verlockend.

Doch leicht verdientes Geld ist es bei Gott nicht, denn Lizzie hat mit einer intriganten Vorgesetzten namens Sasha und dem Firmeneigentümer, Wissenschaftler, Forscher und Chemiker Theo Drummonds zu tun, der ein spaßbefreites Regiment (bis hin zum Verbot gewisser Nahrungsmittel bzw. deren Zubereitungsart) in seinem Unternehmen zu führen scheint und dem offensichtlich alle MitarbeiterInnen nach dem Mund reden.
Für den Freigeist Lizzie stehen deshalb ab dem ersten Zusammentreffen Widerworte und Regelverstöße an der Tagesordnung.

Sasha delegiert eine beinahe unlösbare Aufgabe an Lizzie. Sie soll einen Weckdienst für ihren Chef buchen. Theo genießt jedoch bei allen Firmen bereits einen derart leidlichen Ruf, dass sich alle weigern, weshalb Lizzie, die ihren Bonus gefährdet sieht, von nun an täglich um 4:30 Uhr selbst zum Telefon greift. Und ihre aus einer Situationskomik mit ihrer Freundin heraus entstandene, unorthodoxe Weckruf-Methode hat es in sich!!! Sie hebt Theo nicht nur aus dem Bett und lässt ihn aus den Latschen kippen, sondern weckt ihn auch in anderen Lebensbereichen auf. Er möchte mehr davon und möchte die Person hinter diesen Weckanrufen kennenlernen.

Meine Meinung:
Selten musste ich bei einem Buch derart oft herzlich lachen! Die Autorin Annika Martin glänzt mit Wortwitz und Dialogstärke! Die verbalen – zum Teil (hoch-)erotischen Schlagabtäusche zwischen Lizzie und Theo – sind einfach köstlich und überaus unterhaltsam.

Die Hauptfiguren – Lizzie und Theo – sind sehr gut skizziert und werden bestens durch die liebeswerten Nebenfiguren – zB Lizzies Mitbewohnerin, Theos Schwester – abgerundet.

Außerdem lässt Annika Martin geschickt Wissenswertes über die Pharmaindustrie, (Social-Media-)Marketing sowie die Herausforderungen von Selbständigen einfließen.
Hoffentlich horizonterweiternd für LeserInnen ist auch der Aspekt, dass Theo erst durch ein Kontra (in Person von Lizzie) beginnt, sich/seine bisherigen Arbeitsmethoden und Lebensbewältigungsstrategien zu hinterfragen. Ein Plädoyer für alle, die es sich in ihrer „Bubble“/Komfortzone zu bequem eingerichtet haben. Weiterentwicklung ist nur möglich, wenn man bereit ist, seine Bubble zu verlassen.

Fazit:
Eine überaus unterhaltsame, amüsante und lehrreiche Lektüre, von der ich auf alle Fälle noch Band1 nachlesen muss und ich mich schon auf Band3 freue!

Veröffentlicht am 06.06.2019

Perfekte Einstimmung für einen Besuch des pulsierenden Berlins!

POLYGLOTT on tour Reiseführer Berlin
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Der Erfüllung meines langjährigen Wunsches, nach 25 Jahren als Österreicherin wieder einmal die Hauptstadt der deutschen Nachbarn zu besuchen, bin ich beim Schmökern des neuen POLYGLOTT on tour Reiseführers ...

Der Erfüllung meines langjährigen Wunsches, nach 25 Jahren als Österreicherin wieder einmal die Hauptstadt der deutschen Nachbarn zu besuchen, bin ich beim Schmökern des neuen POLYGLOTT on tour Reiseführers für Berlin in der ebook-Variante mit Riesenschritten nähergekommen.

Geschickt präsentiert mir das Autorenduo - die gebürtige Berlinerin Manuela Blisse und der Wahl-Berliner Uwe Lehmann – mit umfangreicher Ortskenntnis sowie teils köstlichem Wortwitz und trockener Selbstironie (zB über den noch immer nicht fertiggestellten Flughafen) „ihre“ Stadt.
Wegen ihrer Wortwahl und ihres Erzählstils vermitteln Sie mir als Leserin das Gefühl, virtuell langjährige Onlinebekannte zu treffen, die mich mit auf eine „private“ Tour durch „ihr“ Berlin nehmen.

Es sind vor allem mir bislang unbekannte Berliner Facetten – wie zB die Geschichte zur Litfasssäule (Kapitel „Was steckt dahinter?“) oder so Lifehacks, wie man korrekt in Berliner Busse einzusteigen hat samt Vorwarnung hinsichtlich des möglichen Berliner Charmes der Busfahrer (Kapitel „Was Sie „,,, bleiben lassen sollten“), der multikulturelle Flair der Stadt und das Zusammentreffen historischer architektonisch/kultureller Highlights mit der zeitgenössischen Kunstszene und neue/zukünftige Museen, die meinen Gusto auf einen Berlin-Trip wachsen lassen.

Richtig das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen mich dann die umfangreichen, an mehreren Stellen eingestreuten kulinarischen Tipps und Empfehlungen.

Daneben bietet das ebook all jene touristischen Infos und Karten, die ein guter Reiseführer – sowohl mit Links, aber auch gut offline nutzbar - bereitzustellen hat, begonnen mit 15 verschiedenen Touren unterschiedlicher Länge/Schwerpunktsetzung und mit verschiedenen Fortbewegungsmitteln bis hin zur Auszeichnung unterschiedlicher Preiskategorien für Hotels oder Restaurants und vielen, die Geldbörse schonenden Tipps.

Eine besondere Hilfestellung im Sinne der Völkerverständigung liefern Blisse/Lehmann mit ihrem abschließendem „Mini-Dolmetscher Berlinerisch“, welche Besucher*innen die „Berline Schnauze“ näherbringen und ich schon bei den einführenden Worten, die auf Heinrich Zilles Erwähnung seiner Schilderungen „aus dem Millijöh“ hinweisen, schmunzeln musste und an Harald Juhnke erinnert wurde.

Fazit:
Ein gelungenes Werk, das einem einen Berlin-Besuch schmackhaft macht.
Ich freue mich schon jetzt auf den Praxis-Tauglichkeitstest vor Ort! See you in Berlin!

Veröffentlicht am 08.04.2019

SUPER lehrreiches Buch über die Freundschaft

Fjelle und Emil - Monstermäßig beste Freunde
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Der Schüler Emil hat einen fransigen besten Monster-Freund namens Fjelle, der zwar nicht bei ihm wohnt, aber mit ihm zur Schule in die gleiche Klasse geht.

Fjelle ist trotz seiner Andersartigkeit bestens ...

Der Schüler Emil hat einen fransigen besten Monster-Freund namens Fjelle, der zwar nicht bei ihm wohnt, aber mit ihm zur Schule in die gleiche Klasse geht.

Fjelle ist trotz seiner Andersartigkeit bestens in die Klassen- und Dorfgemeinschaft integriert ... bis ein neuer Direktor in die Schule kommt und sukzessive Fjelle aus der Schule mobbt, sodass Fjelle den Heimweg zu seiner Familie antritt.

Diese Konsequenz ruft Emil auf den Plan, über sich hinauszuwachsen, um für und um seinen besten Freund einzutreten.

Der Autorin Anne Scheller gelingt es, ein hochaktuelles Thema derart kindgerecht und lehrreich aufzubereiten, dass sich nicht nur SchülerInnen nach der Lektüre in „Menschenbildung“ weiterentwickeln, sondern auch die mit-/vorlesenden Erwachsenen!

Ergänzt wird die wunderbar monstermäßige Geschichte von den eingestreuten liebevollen Schwarz-Weiß-lllustrationen von Nina Dulleck.

Unser 8jähriger hat zwar anfänglich wegen der Lesemenge ein wenig geschnauft, aber die Geschichte faszinierte in dermaßen, dass er beschloss, täglich ein Kapitel zu lesen und dies auch konsequent durchzog.

Fazit:
Definitive Leseempfehlung für Jung & Alt, um sich monstermäßig in Mitmenschlichkeit weiterzuentwickeln!