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Veröffentlicht am 09.05.2026

Die Kraft der Frauen

Das Mosaik der Frauen
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Im Mittelpunkt von Rafik Schamis neuem Roman “Das Mosaik der Frauen“ stehen zwei Männer mit syrischen Wurzeln. Der eine ist der Schriftsteller und Simultandolmetscher Said Mardini, der andere Nadim Suri, ...

Im Mittelpunkt von Rafik Schamis neuem Roman “Das Mosaik der Frauen“ stehen zwei Männer mit syrischen Wurzeln. Der eine ist der Schriftsteller und Simultandolmetscher Said Mardini, der andere Nadim Suri, ein alter kranker Mann in der letzten Phase seines Lebens. Er bittet seinen behandelnden Arzt Klaus Rosenbaum um Hilfe. Er will, dass Mardini seine Lebensgeschichte aufschreibt, weil er die Bücher des Autors kennt und schätzt. Der Arzt ist ein Freund von Mardini, der den Auftrag annimmt. Said Mardini besucht Nadim Suri an zehn Tagen im Krankenhaus und erfährt so Episode für Episode die Geschichte seines Lebens und Überlebens. Er war in seinem Land in Lebensgefahr und flüchtet nach seiner angeblichen Beerdigung über Beirut nach Deutschland, wo er ein neues Leben beginnt. Es ist im Wesentlichen die Geschichte seiner Beziehungen zu Frauen. Jede einzelne hat ihn geprägt und Spuren in seiner Persönlichkeit hinterlassen, auch wenn es sich um schmerzvolle Erfahrungen handelt. Daneben gibt es eine Fülle von witzigen Anekdoten und Episoden, aber auch Kritik an den Diktaturen, in denen es keine Opposition geben darf und erbarmungslos verfolgt und gemordet wird. Auch seine Frau Salma wurde vom Geheimdienst umgebracht. Die Geschichte wird mit viel Wärme und Empathie erzählt. Sie macht dem Leser bewusst, wie wichtig Mitgefühl und Verständnis angesichts der traumatischen Erlebnisse mancher Immigranten sind.
Rafik Schami ist ein hervorragender Erzähler. Der Roman ist interessant, lehrreich und ausgesprochen unterhaltsam. Mir hat das Buch gut gefallen, und ich empfehle es ohne Einschränkung.

Veröffentlicht am 04.05.2026

Alles kommt irgendwann ans Licht

Meeresdunkel
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In Till Raethers Roman “Meeresdunkel“ treffen zwei deutsche Familien in einer Finca auf Mallorca durch eine Doppelbuchung zusammen. Die Miete ist günstig, denn das Haus ist sehr heruntergekommen, und es ...

In Till Raethers Roman “Meeresdunkel“ treffen zwei deutsche Familien in einer Finca auf Mallorca durch eine Doppelbuchung zusammen. Die Miete ist günstig, denn das Haus ist sehr heruntergekommen, und es regnet durch das Dach, so dass einige Zimmer unbewohnbar sind. Da gerade Hauptsaison ist, können sie nicht umziehen und müssen sich irgendwie arrangieren. Bei den Familien handelt es sich einmal um Henrike mit ihrem Mann Hans, den vierzehnjährigen Zwillingen Finn und Esmé und Henrikes jüngerem Bruder Freddy, zum anderen um Marie, ihren Ehemann Samuel, den achtjährigen Sohn Juri mit seiner Puppe Hedwig, mit der er sich ständig unterhält. Die Gäste treffen auf dem Grundstück mehrfach auf eine alte Frau und finden einen scheinbar verletzten alten Mann auf dem Dachboden. Die Atmosphäre wird von den Gästen zunehmend als bedrohlich empfunden, zumal sich ein Sturm ankündigt, der sie von der Außenwelt abschneidet. Die Kinder haben vor allem auch deshalb Angst, weil sie spüren, dass sich die Erwachsenen ebenfalls nicht wohlfühlen. Dann wird einer von ihnen tot im Haus aufgefunden. Wer hat das alles geplant?
Die Geschichte wird in zahlreichen kurzen Kapiteln abwechselnd aus der Sicht von drei Personen erzählt: Henrike, Samuel und Juri. In der zweiten Hälfte des Romans gibt es drei Kapitel mit der Überschrift 1995, die einen Bezug zur Vergangenheit herstellen und zeigen, dass die beiden Familien nicht zufällig an diesem Ort aufeinandertreffen. Ich fand den Roman nur teilweise spannend und würde ihn nicht wie der Klappentext als herausragenden Thriller bezeichnen. Dafür gibt es zu viele Längen. Insgesamt wirkt die Geschichte zweier Familien auf mich zu konstruiert und wenig plausibel. Ich hatte mehr erwartet.

Veröffentlicht am 20.04.2026

Der Meister des Lichts

The Artist
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In Lucy Steeds Roman “The Artist“ reist der Journalist Joseph Adelaide im Jahr 1920 in die Provence, um den berühmten Maler Edouard Tartuffe zu treffen. Er will einen Artikel für die Zeitung “The Inkling“ ...

In Lucy Steeds Roman “The Artist“ reist der Journalist Joseph Adelaide im Jahr 1920 in die Provence, um den berühmten Maler Edouard Tartuffe zu treffen. Er will einen Artikel für die Zeitung “The Inkling“ schreiben. Doch der Maler weiß nichts von einer Einladung und beantwortet keine Fragen. Dafür darf Joseph eine Weile bleiben, um für das Gemälde “Junger Mann mit Orange“ Modell zu sitzen. Joseph schaut sich die Gemälde des Meisters an und beobachtet ihn bei der Arbeit. So sammelt er Material für mehrere Artikel. Allmählich kommen sich die beiden näher, und Joseph darf den Maler Tata nennen. Im Haus lebt auch Ettie, die junge Nichte des Malers, die alle anfallenden Arbeiten erledigt und den Meister schon seit ihrer Kindheit versorgt. Joseph erfährt ihre tragische Geschichte. Ettie und Joseph verlieben sich in einander, aber davon darf der Onkel nichts wissen. Dies ist nicht das einzige Geheimnis, das Ettie verbirgt.
Steeds bringt dem Leser in einer sehr poetischen Sprache die Welt der Malerei näher, vor allem die Rolle von Licht und Farben, und sie macht das so gut, dass ich kaum glauben konnte, dass dies ihr Debütroman ist. Sie kann sich in den Künstler hineinversetzen und macht deutlich, unter welchem Druck er steht, welchen Preis er für seinen Ruhm zahlt. Dabei kommen auch einige kuriose Details ans Licht. Für Tartuffe spielt grundsätzlich beim Essen nicht der Geschmack die wichtigste Rolle, sondern die äußere Gestalt. Für seine Gemälde wählt er zum Beispiel nicht perfekte Früchte aus, sondern solche, die bereits ihre Form verlieren, weil sie verfaulen. Jede Mahlzeit auf den Tellern der drei kann eine Inspiration für ein neues Bild werden, und Tata nimmt ihnen öfter die halbvollen Teller weg, um ein Kunstwerk zu schaffen.
Mich hat das Buch begeistert, und ich habe mich keinen Augenblick gelangweilt. Daher spreche ich eine absolute Leseempfehlung aus.

Veröffentlicht am 24.03.2026

Rätselhafte Giftmorde

Noch fünf Tage
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Lis Castrop hat viele Jahre lang im Londoner Gourmetrestaurant ihres Chefs Quirin gearbeitet, bevor sie die Stelle der Köchin bei der sehr reichen Familie Harman in Davos annahm. Dann passiert bei dem ...

Lis Castrop hat viele Jahre lang im Londoner Gourmetrestaurant ihres Chefs Quirin gearbeitet, bevor sie die Stelle der Köchin bei der sehr reichen Familie Harman in Davos annahm. Dann passiert bei dem von Lis vorbereiteten Silvesteressen eine Katastrophe. Das Ehepaar Harman und seine zwei Kinder werden vergiftet und sterben. Lis hat eine geringere Dosis des Gifts abbekommen. Man sagt ihr, dass ihr noch fünf Tage bleiben. In der Klinik stehen ihr Schwester Esme und Chrysanthema, eine sogenannte Death Dula zur Seite. Lis will unbedingt herausfinden, wer hinter dem Giftanschlag steckt, zumal sie als Hauptverdächtige gilt. Immerhin hat sie das Essen zubereitet. Außerdem will Lis möglichst viele Stunden mit ihrer Tochter Cosima verbringen und ihre Zukunft sicherstellen. Ihr Ex-Mann Anton soll nicht das Sorgerecht bekommen, sondern Damon Harmon, der andere Sohn der Harmons, und sein Partner Stuey. Zu beiden hat Cosima ein sehr gutes Verhältnis. Mit Esmes Hilfe untersucht Lis die Hintergründe mehrerer verdächtiger Personen, um den Täter noch vor ihrem Tod zu finden, auszuschalten und damit zugleich ihre Tochter zu schützen. Wird ihr das vom Krankenhausbett aus gelingen?
Der Roman wurde ausgesprochen gut recherchiert, sei es zu den Gerichten und diversen Zutaten, sei es zu den Gepflogenheiten in der Modewelt der High Society.
Die Zeitangaben zu Beginn der jeweiligen Kapitel erhöhen die Spannung. Die Protagonistin Lis ist ausgesprochen sympathisch, und nach anfänglichen Schwierigkeiten mit ihrer Palliativschwester Esme, werden beide ein richtig gutes Team. Ich habe den Roman in einem Rutsch durchgelesen, weil er anders ist und ohne Gewaltexzesse das Spannungslevel auf einem hohen Niveau bis zum Ende gehalten wird. Ich bin begeistert und wünsche mir, dass Helena Falcke noch weitere Bücher veröffentlicht.

Veröffentlicht am 22.03.2026

Eine Frau lässt sich nicht unterkriegen

Der Gesang der See
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Nach ihren großen Erfolgen erscheint mit “Der Gesang der See“ zum ersten Mal Trude Teiges Debütroman in deutscher Übersetzung. Im Mittelpunkt steht Kristiane, die im 19. Jahrhundert mit ihrer Familie auf ...

Nach ihren großen Erfolgen erscheint mit “Der Gesang der See“ zum ersten Mal Trude Teiges Debütroman in deutscher Übersetzung. Im Mittelpunkt steht Kristiane, die im 19. Jahrhundert mit ihrer Familie auf einer Insel an der norwegischen Westküste lebt. Seit Generationen haben die Männer der Familie das Lotsenamt inne. Nach dem Tod ihres Vaters arbeitet Kristianes Ehemann Anders als Lotse. Dann kommt ihr Mann bei einem Sturm ums Leben und hinterlässt eine schwangere Frau. Kristiane muss sich schnell einen neuen Partner suchen, denn Frauen dürfen dieses Amt nicht ausüben, obwohl ihr Vater ihr alles Nötige beigebracht hat. Sie war das Papa-Mädchen, das ihm versprochen hat, dass das Lotsenmandat in der Familie bleibt. Kristiane heiratet schließlich Lars, ihren besten Freund seit der Kindheit, der nicht nur die Lotsenprüfung besteht, sondern auch ein guter Vater für ihren inzwischen geborenen kleinen Sohn wird. Mit Lars heiratet Kristiane ihre zweitgrößte Liebe, denn seit der Begegnung mit Fredrik ist sie in diesen attraktiven Mann aus einer anderen Gesellschaftsschicht verliebt, und diese Liebe wird leidenschaftlich erwidert. Lange gelingt es ihr, diese Affaire geheim zu halten.
Kristiane ist eine sehr sympathische Protagonistin, die mit ihrem Kampfgeist und ihrem Mut ihrer Zeit voraus ist. Sie kämpft nicht nur für sich selbst, sondern auch für die armen, schwer arbeitenden Fischer vor Ort, sowie für ihre jüngere Schwester Eline, die wegen ihrer Hasenscharte keinerlei Selbstbewusstsein hat und nicht in der Lage ist, sich zu schützen. Eline heiratet einen Witwer mit sechs Kindern, der schon seine erste Ehefrau misshandelte. Kristiane mischt sich überall ein, lässt sich von Männern nichts vorschreiben, auch nicht vom Pastor, der ihr beibringen will, was sich für eine Frau schickt und was gegen Sitte und Anstand verstößt. Das offene Ende erhöht die Spannung, so dass der Leser unbedingt wissen will, wie es weitergeht. Mir hat die spannende und berührende Geschichte genauso gefallen wie die Sprache. Ich werde mit Sicherheit weitere Romane der Autorin lesen.