Ein Porträt entsteht
Fünf Tage im LichtFünf Tage im Licht gehört zu den Romanen, deren eigentliche Bedeutung sich erst nach und nach entfaltet. Bis weit über die Hälfte hinaus war mir nicht klar, worauf die Gedanken und Handlungen der Protagonistin ...
Fünf Tage im Licht gehört zu den Romanen, deren eigentliche Bedeutung sich erst nach und nach entfaltet. Bis weit über die Hälfte hinaus war mir nicht klar, worauf die Gedanken und Handlungen der Protagonistin hinauslaufen und welche Erkenntnisse sie letztlich daraus ziehen wird. Genau das hat meine Neugier geweckt – gleichzeitig hat mich das Buch dadurch stellenweise aber auch etwas verloren.
Der Roman gliedert sich in ein Vorher und Nachher. Zunächst begleiten wir eine Gruppe von Frauen auf einem Junggesellinnenabschied auf einer griechischen Insel. Eine der Freundinnen stammt aus wohlhabenden Verhältnissen und besitzt dort eine Unterkunft, während die Protagonistin deutlich weniger privilegiert ist. In der zweiten Hälfte stoßen ihre Männer dazu. Diese Zweiteilung hat für mich sehr gut gezeigt, wie unterschiedlich die Frauen ohne und mit ihren Partnern auftreten und wie verschieden die Paarungen sind.
Dabei bleibt der Fokus stets auf dem Bild der Frau. Zu Beginn jedes Kapitels werden berühmte, historisch relevante (Selbst-)Porträts aus der Ich-Perspektive betrachtet und eingeordnet. Welche Bedeutung dahintersteckt, muss man sich selbst erschließen. Ich ertappte mich allerdings dabei, diese Passagen manchmal eher zu überfliegen, weil mein eigenes Interesse an Kunst nicht tief genug ging, um alles vollständig greifen zu können.
Kunst zieht sich jedoch nicht nur durch die Kapitelanfänge, sondern über das Buch hinweg entsteht ein eigenes Porträt, gezeichnet durch die Protagonistin und ich war am Ende positiv überrascht, wie sich dieses mit der Geschichte entwickelt hat. Die Enthüllung bot für mich den Aha-Moment des Buches.
Zwischendurch empfand ich immer wieder Wut. Wut darüber, wie Männer Zukunftsbilder entwerfen, ohne darüber nachzudenken, was sie dafür zerstören oder nehmen. Gleichzeitig wirkte die Protagonistin in dieser Hinsicht stellenweise abhängiger, als sie eigentlich erscheinen sollte.
Insgesamt ein atmosphärischer Roman mit traumhaftem Setting und einer Bedeutung, die sich erst langsam offenbart.