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Veröffentlicht am 31.08.2019

Der Engel von Waldenburg

Die englische Fürstin
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Als Sabine Weigand Polen besuchte und dort das stolze Anwesen Schloss Fürstenstein besichtigen konnte, erfuhr sie von Daisy von Pless. Sie war derart beeindruckt von dieser tapferen Frau, dass sie weiter ...

Als Sabine Weigand Polen besuchte und dort das stolze Anwesen Schloss Fürstenstein besichtigen konnte, erfuhr sie von Daisy von Pless. Sie war derart beeindruckt von dieser tapferen Frau, dass sie weiter recherchierte. Diese intensiven Recherchen boten die Grundlage für

DieEnglischeFürstin.

Frau Weigand ist bekannt dafür, dass sie faktenreiche Romane schreibt und dabei häufig Hauptpersonen erzählen lässt, die keinen hohen Bekanntheitsgrad haben. So auch bei Daisy von Pless. Sie wächst behütet mit ihren beiden Geschwistern in England auf. Das beschreibt die Autorin in der Ich-Form im Namen Daisys. Ihre Mutter hat ein Verhältnis mit dem Prinzen of Wales, dem späteren König Edward. Die Eltern Daisys haben Geldprobleme und der Verkauf ihres Landhauses steht im Raum.

Zu dem Zeitpunkt steht das Debüt Daisys an und sie fährt mit ihrer Mutter nach London. Beim ersten Ball, den die Queen Victoria ausrichtet, geschieht das Unglaubliche. Nach der Begrüßung der Queen, per Handschlag und mit Knicks, stolpert Daisy und fällt hin. Die Adeligen lachen und die junge Frau ist zu Tode betrübt. Aber nicht lange, gilt sie doch als schönste Debütantin, die London je sah. Da verwundert es nicht, dass ein reicher Fürst aus Deutschland ihr einen Antrag macht. Sie lehnt ab, da sie den Mann nicht mag und er wesentlich älter als sie ist.

Die Mutter Daisys redet allerdings so lange auf sie ein, dass sie der Hochzeit dann doch zustimmt. Traurig geht sie mit ihrem Mann nach Schlesien. Sie ist jung und schüchtern. Stets versucht sie, es ihrem Mann recht zu machen und zieht dennoch immer wieder seinen Zorn auf sich. Mit der Geburt des ersten Kindes steigt ihr Selbstbewusstsein und sie fängt an, sich zu wehren. Sie geht eigene Wege.

Parallel zum Leben der Englischen Fürstin beschreibt die Autorin auch den Werdegang Joschis, einem armen Arbeiterkind. Vater und Mutter arbeiten in einem der Kohlengrube des Ehemanns Daisys. Durch ihn erfährt Daisy von der Armut der Menschen, die für den Fürsten Pless arbeiten. Auch wird ihr immer klarer, wie herzlos und hart ihr Mann ist. Sie kämpft gegen seine Härte und setzt sich trotz großer Schwierigkeiten für die Grubenarbeiter Schlesiens ein. Kindern und Behinderten gilt dabei ihre größte Sorge. Auch die halb verhungerten jungen Mütter finden in ihr eine wichtige Unterstützung.

DieEnglischeFürstin war wieder mal ein Buch, welches mir sehr gut gefiel. Der Stil von Frau Weigand ist abwechslungsreich und lebendig. Die Charaktere entwickeln sich im Laufe des Buches und wachsen mir ans Herz. Besonders die Lage der Arbeiter zur damaligen Zeit, ist eindrücklich beschrieben. Aber auch die Darstellung der Geschehnisse an der Front zeugen von intensiver Recherche. Ja, das Buch nahm mich gefangen und es gibt etliche Fakten, die hier verarbeitet sind. Das schreibt Frau Weigand auch im Anhang. Zudem gibt es ein Personenverzeichnis, ein Abbildungsverzeichnis und die Erläuterungen zu Fußnoten.

Das Cover ist geschmückt mit einem Abbild der Fürstin, welches von James Lafayette stammt. Sehr passend und perfekt ausgewählt, so finde ich. Sowohl dem Verlag als auch #NetGalleyDE gilt mein Dank, dass ich das Buch lesen durfte.

Veröffentlicht am 29.08.2019

Gibt es die Chance auf Wiedervereinigung?

Der Spieler
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Manchmal möchte man sich auf den Mond begeben und auf die Erde herabschauen, mit gebotenem Abstand und innerer Distanz. (Zitat aus dem Buch)

Martin Benninghoff studierte an der Kölner Journalistenschule ...

Manchmal möchte man sich auf den Mond begeben und auf die Erde herabschauen, mit gebotenem Abstand und innerer Distanz. (Zitat aus dem Buch)

Martin Benninghoff studierte an der Kölner Journalistenschule Politik und Wirtschaft. Seine Reisen nach Nordkorea veranlassten ihn, auch uns, den interessierten Lesern, dieses Land mit seinen Diktatoren näher zu bringen. So wurde sein Vorhaben in die Tat umgesetzt und es entstand das Buch

DerSpieler.

DerSpieler beginnt mit einer Liste aller wichtigen Personen, die im Buch vorkommen. Und zwar unterteilt in zwei Bereiche: Die Kim-Dynastie und Führungsleute.
Es war im Jahr 2011, als Herr Benninghoff zum ersten Mal nach Nordkorea reiste. Kurz danach starb der damalige Machthaber und Kim Jong-un nahm seinen Platz ein. Es ist das Land, welches am stärksten abgeschottet ist. Kein Tourist darf dort alleine spazieren gehen, nur im Hotel kann er sich frei bewegen. Sobald er es verlassen möchte, kommen Sicherheitsleute und hindern ihn daran.

Martin Benninghoff erinnert mehrmals an den Roman 1984 von George Orwell. Er sieht viele Parallelen des damals als Dystopie geschriebenen Buches. Kim Jong-un studierte in der Schweiz und reiste auch gerne nach Frankreich. Eigentlich sollte er doch die Demokratie genossen haben und sie auch seinem Volk gönnen. Aber nein, das diktatorische Gehabe liegt ihm in den Genen und er tritt so auf, wie seine Vorväter.

DerSpieler hat mir einen guten Einblick in das Leben der Nordkoreaner vermittelt. Ich lernte die Geschichte des Landes kennen und bekam die Auflösung, warum die Menschen dort so verhasst auf die Amerikaner sind. Dass Kim und sein Kollege Donald sich verstehen, das glaube ich sofort. Sind es beide Narzissten, die von sich äußerst überzeugt sind. Die Sanktionen des Westens zwingen Kim hin und wieder, ein wenig offener mit dem Westen umzugehen. Das hält aber nicht lange an. Und nein, dumm ist er keineswegs. Er weiß sehr genau, was er tut und wie weit er gehen kann.

Zum Schluss hat der Autor noch einen langen Anhang zugefügt. Es gibt ausführliche Erläuterungen zu mit Zahlen markierten Textpassagen. In

DerSpieler sind einige Fotos, deren Ursprung ebenfalls im Anhang dokumentiert sind. Nach dem Dank des Autors folgen noch ein Personenregister und Karten von Korea.

Ein Sachbuch, welches sich gut lesen ließ und das ich sicherlich noch häufiger zur Hand nehme. Ich danke dem Verlag und #NetGalleyDE, dass ich es lesen durfte.

Veröffentlicht am 26.08.2019

100 Jahre Bauhaus, leider nicht in Deutschland

Diese goldenen Jahre
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Sein 100 jähriges Jubiläum feierte das Bauhaus im Jahr 2019. Die Kunstschule galt in Fachkreisen als äußerst produktiv und für viele Maler war sie die erste Anlaufstelle. Sie war den Nationalsozialisten ...

Sein 100 jähriges Jubiläum feierte das Bauhaus im Jahr 2019. Die Kunstschule galt in Fachkreisen als äußerst produktiv und für viele Maler war sie die erste Anlaufstelle. Sie war den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge und leider musste sie nach mehrmaliger Zerstörung durch die braunen Gesellen schließen. Aber nur in Deutschland, denn in Chicago und Tel Aviv gibt es sie auch heute noch.

DieseGoldenenJahre ist nach Als Hemingway mich liebte, das zweite Buch, welches ich von Naomi Wood las. Und wieder hat sie mich mit ihren präzisen Beschreibungen und ihrem Sprachstil absolut überzeugt. Die Geschichte beginnt im Jahr 1922 in Weimar. Dort gab es eine Kunstschule mit dem Namen Bauhaus und der Ich-Erzähler berichtet von seiner Zeit dort. Die Beschreibung der Stadt und der landschaftlich reizvollen Umgebung zeugt von seiner Begeisterung für den Ort. Paul Beckermann, so heißt der Mann und er lebt mittlerweile in London.

Während der Zeit im Bauhaus lernt Paul auch Ernst Steiner kennen und arbeitet für ihn. In der Akademie fühlt er sich nicht genug anerkannt und wird für seine Werke nicht gelobt. Das gefällt ihm nicht und so malt er in der Freizeit für Herrn Steiner. Er verdient bei im so viel Geld, dass er die Kosten für das Studium ohne die Hilfe des Vaters aufbringen kann.

Paul schreibt in

DieseGoldenenJahre über die Verbundenheit zu seinen Freunden und die Liebe zu Charlotte. Von ausufernden Feiern und Alkohol- und Drogenkonsum, aber auch davon, wie sie die freie Zeit gemeinsam in der Natur erlebten. Wären nicht die dunklen Wolken des Nationalsozialismus gewesen, hätten alle eine unbeschwerte Zeit durchleben können.

#DieseGoldenenJahre wechselt von der Zeit damals immer mal wieder ins Heute und dann nach England. Dabei ist das Damals nicht immer chronologisch und für mich nicht immer leicht nachzuvollziehen. Ich lernte viel über das Bauhaus und Künstler, die dort unterrichteten. Was die Nationalsozialisten anrichteten und wie das von jungen Menschen empfunden wurde, kommt im dem Buch gut zum Ausdruck. Das ungläubige Entsetzen, als Hitler Reichskanzler wurde und dennoch der zurückhaltende Optimismus, dass es ja nicht so schlimm werden könne, habe ich nachempfinden können.

Veröffentlicht am 24.08.2019

Freimaurer und Anhänger verpackt in einen Krimi

Brudermahl
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Brudermahl ist ein Krimi und wurde von Guido Grandt geschrieben.
Im Süden Baden-Württembergs, und zwar genau im kleinen Städtchen Balingen, lebt und arbeitet Kriminalhauptkommissar Mark Brandner. An einem ...

Brudermahl ist ein Krimi und wurde von Guido Grandt geschrieben.
Im Süden Baden-Württembergs, und zwar genau im kleinen Städtchen Balingen, lebt und arbeitet Kriminalhauptkommissar Mark Brandner. An einem freien Tag geht er mit seiner langjährigen Freundin ins Möbelhaus und sieht dort seine Ex Larissa. Glaubt er noch, dass er keine Gefühle mehr für sie hegt, so wird er durch das Wiedersehen eines Besseren belehrt.

Noch in der Nacht weckt ihn ein Anruf seines Kollegen. Ein Toter wurde am Ufer der Eyach gefunden und es handelt sich um den Bankdirektor Walter Wieland. Schnell stellt sich heraus, dass er ermordet wurde. Auffallend für Brandner ist, dass der Mantel des Opfers mit Backsteinen beschwert wurde. Das ist ein Zeichen der Freimaurer und da der Kommissar Mitglied der örtlichen Loge ist, erkennt er das sofort. Doch, was hat diese damit zu tun? Kommt der Tote oder sein Mörder aus dem Umkreis der Freimaurer?

Es bleibt auch nicht der einzige Mord, den Brandner aufzuklären hat. Sein Chef ist ungeduldig und die beiden Frauen in seinem Leben halten ihn ebenfalls in Atem. Geht etwa ein Serienmörder in Balingen um? Anfangs wird nicht nur die Gegenwart beschrieben, sondern auch die Tage vor dem Mord an Wieland.

Brudermahl war nett zu lesen und ich erfuhr eine Menge über die Rituale und den Sinn der Freimaurerverbindungen. Es gibt einige Verdächtige und bis zum Schluss ist nicht klar, wer der Mörder ist. Was mich ein wenig störte war, dass die Beziehungen Brandners zu den beiden Freundinnen so viel Raum bekamen.

Vielen Dank dem Verlag und #NetGalleyDE, dass ich das Buch lesen durfte.

Veröffentlicht am 22.08.2019

Der Handel mit Waffen ist widerwärtig

Rubicon
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Rubicon ist das in meinen Augen gelungene Debüt von Kai Havaii. Hier geht es auch sofort rasant los. Im Epilog beschreibt der Autor, wie ein Mann namens Carl sich eine wilde Verfolgungsjagd in Rom bietet. ...

Rubicon ist das in meinen Augen gelungene Debüt von Kai Havaii. Hier geht es auch sofort rasant los. Im Epilog beschreibt der Autor, wie ein Mann namens Carl sich eine wilde Verfolgungsjagd in Rom bietet. Weiter geht es dann mit einem Rückblick, der meiner Meinung nach dann doch zu lang geraten ist.

8 Jahre vor der Verfolgung in Rom muss Carl als Scharfschütze nach Afghanistan. Auch sein Freund Ebby, der ebenfalls Scharfschütze ist, greift dort ins Geschehen ein. Die gefährliche Mission der ISAF wird immer wieder durch Aktionen von Selbstmordattentätern zu einem riskanten Wagnis. Etliche Kameraden sterben und auch sein Freund Ebby ist ein Opfer der Taliban. Er wird so schwer verletzt, dass er direkt aus der Gefahrenzone geflogen wird. Erst viele Monate später ist klar, dass er überlebt. Jedoch traf ihn die Kugel des Afghanen in der Wirbelsäule und er ist querschnittsgelähmt. Carl gilt als der beste Schütze im Zug und das steigt ihm manchmal in den Kopf. Er empfindet sogar einen Kick, wenn er sein Ziel präzise anvisiert und trifft.

Ebby und Carl sind seit über fünf Jahren ein eingespieltes Team und zum 3. Mal zusammen in Kunduz. Auch in Deutschland reißt der Kontakt nicht ab und Carl besucht den Freund oft im Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz. Als Carl endgültig nach Hause kommt, leidet er unter Alpträumen und kommt mit dem Leben nicht mehr klar. Er fängt an zu trinken und das Ende vom Lied ist, dass seine Frau sich von ihm trennt. Gemeinsam mit Tochter Lilly zieht sie aus.

Carl fällt in ein schwarzes Loch und da kommt ihn ein Treffen mit dem Freund aus Kindertagen wie ein rettender Strohhalm vor. Michele, so heißt der Freund. Sie hatten sich 14 Jahre aus den Augen verloren und verstehen sich sofort wieder, als seien sie nie getrennt gewesen. Michele ist Italiener und ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er macht Carl ein Angebot, welchem er nicht widerstehen kann. Das stellt sein ganzes Leben auf den Kopf.

Das Debüt ist Herrn Havaii gelungen. Allerdings gefielen mir die langen Erläuterungen zum Krieg in Afghanistan und dem Leben von Scharfschützen nicht. Auch zwischendurch gibt es immer wieder Längen, die der Spannung meiner Meinung nach schaden. Keine Frage, der Autor hat gut recherchiert und kennt sich auch mit den Geschäften der Mafia bestens aus. Jedoch gehört das für mich nicht zu einem Krimi oder Thriller, sondern eher zur Biographie der Cosa Nostra. Aber wen das nicht stört und wer sich für das Soldatenleben in Afghanistan oder die Machenschaften der Mafia interessiert, wird sicherlich seine Freude an

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