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Veröffentlicht am 25.07.2019

Eine spannende Reise nach Italien

Der Würger von Triest
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In dem Buch Der Würger von Triest ermittelt ein Hauptkommissar namens Vossi. Es ist ein weiterer Band aus der Reihe rund um den Kommissar und der Hafenstadt Triest. Der Autor Werner Stanzl lebte viele ...

In dem Buch Der Würger von Triest ermittelt ein Hauptkommissar namens Vossi. Es ist ein weiterer Band aus der Reihe rund um den Kommissar und der Hafenstadt Triest. Der Autor Werner Stanzl lebte viele Jahre in der Stadt und kennt sich dort bestens aus. Das merkt der Leser auch bei der Beschreibung der Tatorte.

Mia ist eine junge Frau, die sich nicht länger von ihrem Vater Vorschriften machen lassen möchte. Er zwingt sie zum Tragen eines Kopftuchs und sie darf weder enge Jeans noch Miniröcke anziehen. Heimlich hat sie eine Beziehung zu einem jungen Mann und entschließt sich zur Flucht aus dem Elternhaus. Sie möchte künftig mit ihrem Pablo zusammen leben. Mia arbeitet in einem Salon und wird eines Abends darum gebeten, dass sie einen Termin nach Feierabend übernimmt. Am nächsten Tag ist sie tot.

Hat ihr Vater etwas mit dem Mord zu tun? Oder gar ein Kunde des Frisörsalons? Bruno Vossi arbeitet seit 25 Jahren bei der Kripo von Triest und freut sich bereits auf den wohlverdienten Ruhestand. Er wird zum Tatort gerufen und mit der Aufklärung des Falles betraut. Auffallend ist hier die Todesursache der jungen Frau. Jelena, die Ehefrau von Vossi gibt ihm mitunter gute Tipps, die ihm bei den Ermittlungen helfen. Kurz nach dem Mord an Mia wird eine weitere Leiche gefunden und auch hier ermittelt Commissario Vossi.

Das Buch hält seine Spannung, weil der Autor einige Überraschungen eingebaut hat. Immer wieder kommen neue Verdächtige ins Spiel und bis zur Auflösung des Falles hatte ich keine Ahnung, wer der Mörder ist. Herr Vossi und seine Eigenarten ließen mich so manches Mal schmunzeln. Angenehm zu lesen und besonders für Liebhaber Italiens eine interessante Lektüre. Spannend bis zur letzten Seite und eine Todesursache, die ihresgleichen sucht.

Veröffentlicht am 25.07.2019

"Herzlich willkommen auf der Welt, Kleines"

Aufbruch in ein neues Leben
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Aufbruch in ein neues Leben ist der erste Band der Hebammen-Saga von der Autorin Linda Winterberg. Er beschreibt das Leben während des 1. Weltkriegs und den damit verbundenen Schwierigkeiten.

Drei junge ...

Aufbruch in ein neues Leben ist der erste Band der Hebammen-Saga von der Autorin Linda Winterberg. Er beschreibt das Leben während des 1. Weltkriegs und den damit verbundenen Schwierigkeiten.

Drei junge Frauen wollen in der neu erbauten Frauenklinik in Berlin-Neukölln ihre Ausbildung zur Hebamme absolvieren. Unterschiedlicher könnte ihre soziale Stellung kaum sein. Sie eint aber die Liebe zu den Neugeborenen und ihren Müttern. Margot, lebt mit ihrer Familie in einem Hinterhaus in Berlin und darf aufgrund einer Empfehlung die Ausbildung kostenlos durchführen. Edith, eine junge Frau aus reichem Elternhaus, fängt in der Klinik ohne den Willen ihrer Eltern an. Luise, die mit ihrer Großmutter in Ostpreußen lebt, beginnt auf drängen ihrer Oma die Ausbildung. Luise hat viel von der Seniorin gelernt, da diese als Gemeindehebamme arbeitet und Luise ihr oft geholfen hat.

Das Leben in der Zeit von 1917 und 1918 ist für die Menschen nur schwer zu ertragen. Sie leiden unter dem „Großen Krieg“ und sehnen sich nach Frieden. Nahrung gibt es nur noch sehr begrenzt und viele hungern. Die Männer sind an der Front und täglich kommen Nachrichten von gefallenen Soldaten. Die Witwen müssen sich ohne Unterstützung durchschlagen und am meisten leiden die Schwächsten. Das sind die Säuglinge, Kleinkinder und Kranke.

Die drei jungen Frauen freunden sich rasch an und helfen sich gegenseitig. Sie kommen mit viel Elend in Berührung und sind teilweise erschüttert. Können sie doch nicht wirklich helfen, sondern die Not höchstens lindern.

Dass mir Aufbruch in ein neues Leben gut gefiel liegt zunächst an dem angenehmen Schreibstil von Frau Winterberg. Aber auch die vielen Fakten, welche von gründlicher Recherche zeugen, beeindruckten mich. Es ist die Rede vom ersten Inkubator für Säuglinge, der auf der Weltausstellung in Berlin vorgestellt wurde. Damals hieß er noch „Kinderbrutanstalt“ und war ein wertvolles Gerät für Frühgeborene. Dann kommt die Revolution mit Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht zur Sprache, welche dann den Sturz des Kaisers als Folge hatte. Die Schwierigkeiten der Demonstranten, welche verhaftet oder ermordet wurden, haben mich erschüttert. Wie dankbar dürfen wir sein, dass wir heute und in einer Demokratie leben.

Aufbruch in ein neues Leben ist ein Stück Geschichte Deutschlands und genau das Richtige, um abzuschalten.

Veröffentlicht am 24.07.2019

Wahrlich eine wertvolle Wegbegleitung

Vom Glück des Wanderns
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Dr. Albert Kitzler ist ein erfolgreicher Philosophie-Coach. Er studierte Jura und Philosophie und arbeitet seit 20 Jahren als Medienanwalt. Sein Buch Vom Glück des Wanderns lädt den Leser ein, sich mit ...

Dr. Albert Kitzler ist ein erfolgreicher Philosophie-Coach. Er studierte Jura und Philosophie und arbeitet seit 20 Jahren als Medienanwalt. Sein Buch Vom Glück des Wanderns lädt den Leser ein, sich mit dem Wandern und den damit verbundenen Gedanken zur praktischen Philosophie zu beschäftigen.

Wie oft hören wir Begriffe wie: Lebensweg, durchs Leben gehen oder eine Durststrecke überstehen. Alles hat im weiten Sinn etwas mit dem Wandern zu tun. Wir bewegen uns fort, denn Stillstand bedeutet Rückgang. Viele Ereignisse des Lebens lassen sich aufs Wandern übertragen. Da setzten wir uns beispielsweise ein Ziel und können das nur durch eisernen Willen und Durchhaltevermögen erreichen. Oder wir haben einen schweren Weg vor uns und überlegen vorher sehr genau, welches Gepäck wir tatsächlich benötigen. Unnützer Ballast wird erst gar nicht mitgenommen.

Der Verweis auf Viktor E. Frankl veranlasste mich, dieses Buch („Trotzdem Ja zum Leben sagen“), zu kaufen. Herr Frankl ist davon überzeugt, dass selbst in den dunkelsten Momenten des Lebens (Er war in mehreren Konzentrationslagern) ein Grund zur Dankbarkeit besteht. Sich an den kleinen Dingen erfreuen, das können Menschen besonders dann, wenn sie aufmerksam durch die Natur schreiten. Ich schreibe bewusst „schreiten“, also nicht Walkman im Ohr und Pulsuhr an der Hand sondern jeden Schritt genießen als das, was er ist. „Die Freude an der Natur.“

Das rechte Maß zu finden und sich nicht für andere Menschen zu verbiegen, diesem Wunsch ist ebenfalls ein Kapitel im Buch Vom Glück des Wanderns gewidmet. Beim Anschauen der Wunder, welche die Natur bietet, wird der Wanderer demütig. Er merkt, wie klein er ist und im Idealfall tritt für ihn „Wohlgemutheit“ ein. Eine wunderbare und passende Wortschöpfung.

Beim Lesen des Buches kam es mir an vielen Stellen vor, als würde mir ein Spiegel vorgehalten. So häufig erkannte ich mich und nahm den Rat und die Denkanstöße des Autors sehr gerne an. Zum Beispiel das Maßhalten, sich nicht überanstrengen. Wenn es mal bergauf geht, ruhig viel Pausen machen und akzeptieren, dass das Alter seinen Tribut fordert. Für mich ein lehrreiches und dabei so unterhaltsames Buch, dass ich es mit Sicherheit noch mehrmals lesen werde.

Veröffentlicht am 23.07.2019

Motte oder die schwierigen Phasen des Lebens

Blackbird
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Bei dem 16jährigen Morten, genannt Motte, steht die Welt auf dem Kopf. Sein Vater hat eine Freundin und zieht aus dem gemeinsamen Haus aus. Seine Mutter und er müssen sich ebenfalls eine andere Wohnung ...

Bei dem 16jährigen Morten, genannt Motte, steht die Welt auf dem Kopf. Sein Vater hat eine Freundin und zieht aus dem gemeinsamen Haus aus. Seine Mutter und er müssen sich ebenfalls eine andere Wohnung such. Der Vater nennt die Freundin seine „Lebensgefährtin“. Das versteht Morten überhaupt nicht. Dass man jemanden, den man liebt, „Lebensgefährtin“ nennen kann. Zu diesem Umbruch in seinem Leben kommt auch noch, dass sein bester Freund Bogi an Lymphdrüsenkrebs erkrankte. Non-Hodgkin-Lymphom oder so nennen die Fachleute das.

Blackbird ist der zweite Roman des Schauspielers und Autors Matthias Brandt. Das erst Buch

Raumpatrouille hörte ich und war von dem Text aber auch der Stimme Brandts beeindruckt. Dieses Buch las ich jetzt und auch hier war es die Sprache, die mir sehr gut gefiel. Mir fehlte allerdings etwas und ich denke, dass es die Stimme des Sprechers war.

Das Buch punktet durch Komik und Vielfalt im Ausdruck. Motte ist ein ganz normaler Junge, der von heute auf morgen mit einem sehr kranken Freund zurechtkommen muss. Ja, zurechtkommen. Für ihn ist es keineswegs selbstverständlich, dass er oft ins Krankenhaus geht um Bogi zu besuchen. Auch die Veränderung des Freundes, bedingt durch die Chemotherapie, ist für ihn schwer anzuschauen. Dann kommt auch noch das Drama, dass er sich Hals über Kopf in Jacqueline verliebt. Wie soll er das alles durchstehen, ohne verrückt zu werden?

Blackbird gefiel mir gut, aber wie schon erwähnt, es fehlte der Sprecher. Ich werde mir das Buch als Hörbuch kaufen und es erneut genießen. Wer lieber selbst liest, findet ein ernstes Stück, welches durch humorige Abschnitte leichter zu ertragen ist.

O-Ton Morten nach seinem ersten Kuss: „Küssen war, als ob ich eine Sprache zwar nicht konnte, mich aber von jetzt an nur noch in ihr unterhalten wollte.“

Ich danke dem Verlag und

NetGalleyDE, dass ich das Buch lesen durfte.

Veröffentlicht am 23.07.2019

Eine Reise durch Kuba, sehr bildhaft geschrieben

Nächstes Jahr in Havanna
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Es war vor vielen Jahren (1962) mitten in der Nacht. Meine Eltern und ich wurden unsanft vom Klingeln und Pochen an der Haustüre geweckt. Ein Bekannter kam ganz aufgeregt in die Wohnung und sagte laut: ...

Es war vor vielen Jahren (1962) mitten in der Nacht. Meine Eltern und ich wurden unsanft vom Klingeln und Pochen an der Haustüre geweckt. Ein Bekannter kam ganz aufgeregt in die Wohnung und sagte laut: „Der 3. Weltkrieg beginnt“. Das Erlebnis ist mir noch heute präsent, obwohl ich damals in keiner Weise etwas mit dem Begriff „Kubakrise“ anfangen konnte. Der Titel des Buches „Nächstes Jahr in Havanna“ erinnerte mich sofort an diese Nacht und voll Spannung begab ich mich gemeinsam mit der Autorin nach Kuba.

Die Autorin schrieb in der Ich-Form von zwei Frauen und in zwei Zeitebenen. Das ist Elisa Perez im Jahr 1958, 1959, die in Havanna lebt und ihre Enkelin Marisol im Jahr 2017, die ihr Zuhause in Miami hat. Elisa floh damals mit ihren Eltern aus Havanna. Der Grund war die Revolution und der Sturz des Präsidenten Batista. Elisa und ihre Familie hatten die Hoffnung, bald wieder nach Kuba zurückkehren zu können.

Marisol hat die schmerzvolle Aufgabe, den letzten Wunsch ihrer Großmutter zu erfüllen. Da sie bei ihr Aufwuchs war die Beziehung der beiden sehr eng. Marisols Eltern trennten sich als sie noch ein kleines Mädchen war. Elisa nahm den Platz der Mutter ein. Immer wieder sagte sie zu Marisol: „Wenn Fidel Castro stirbt, kehren wir nach Kuba zurück.“ Leider kam es anders und sie starb vor ihm. Einige Wochen nach dem Tod der Großmutter findet Marisol einen Brief von ihr. Dieser richtet sich an sie mit der Bitte, dass Elisas Asche in Havanna verstreut werden soll. Ein schwieriges Unterfangen, da die Urne nach Kuba geschmuggelt werden muss.

Marisol studiert Reiseunterlagen und nimmt Kontakt mit Ana auf. Das ist eine Freundin Elisas von damals und Marisol wohnt während ihres Aufenthalts auch dort. Hier erfährt sie, welches große Geheimnis Elisa mit ins Grab nahm. Aber auch die Probleme der Einheimischen werden ihr vor Augen geführt. Auf der einen Seite diese unvorstellbare Armut und auf der anderen Seite der zur Schau gestellte Reichtum von Privilegierten. Touristen genießen die Schönheit Havannas und es gibt immer mehr Kubaner, die davon leben.

Mir gefiel das Buch ausgesprochen gut. Ich lernte Kuba so kennen, wie sie von Einheimischen gesehen wird. Die Anfänge Fidels und die Gründe für das Auflehnen des Volkes gegenüber Batista. Dass nach der Revolution nichts besser wurde und was Che Guevara mit der Sache zu tun hatte.

Die Autorin schreibt im Anhang, dass in dem Buch ein Stück ihres Herzens steckt. Das habe ich beim Lesen gespürt. Stammt ihre Familie doch aus Kuba und floh 1967 vor den Unruhen dort. Sie wurden in den USA aufgenommen und leben dort seitdem. Das Heimweh nach Kuba ist aber noch immer ungebrochen.